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Eine junge Designerin aus Chudschand verbindet Tradition mit Moderne

In ihrer Debütkollektion QASHANG vereint Schachina Olimzade tadschikische Muster mit moderner Ästhetik. Ihr Ziel: tadschikische Mode auf internationale Laufstege zu bringen. Im Interview mit Your.tj spricht die junge Designerin aus Chudschand über ihre Laufbahn, die Gründung ihrer eigenen Modemarke „Besar“ und ihre Vision für tadschikische Tracht und Mode.

In ihrer Debütkollektion QASHANG vereint Schachina Olimzade tadschikische Muster mit moderner Ästhetik. Ihr Ziel: tadschikische Mode auf internationale Laufstege zu bringen. Im Interview mit Your.tj spricht die junge Designerin aus Chudschand über ihre Laufbahn, die Gründung ihrer eigenen Modemarke „Besar“ und ihre Vision für tadschikische Tracht und Mode.

Für die 20-jährige Modedesignerin aus Chudschand ist Kleidung eine Sprache, mit der man über Kultur, Charakter und die eigene Identität sprechen kann. Ihre Kollektion QASHANG präsentiert die tadschikische Kleidung nicht als reine Festtracht, sondern als Inspirationsquelle für moderne Alltagskleidung. Ihre Ästhetik beschreibt Olimzade als das Bild einer „nonkonformen Tadschikin“, einer jungen Frau, die keine Angst hat zu experimentieren, dabei aber die Verbindung zu ihren Wurzeln nicht verliert. 

Von Puppenkleidung bis zur eigenen Marke

Bereits seit ihrer Kindheit interessiert sich Schachina Olimzade für Design. Sie bastelte gern, und ihre Großmutter brachte ihr im Alter von fünf oder sechs Jahren das Nähen bei. Später entwickelte sich aus der Leidenschaft ein ernsthaftes berufliches Interesse.

„Als ich 12 bis 14 Jahre alt war habe ich meine alten Klamotten umgestaltet und mit Handstichen Kleider für meine Nichte genäht, ohne irgendwelche Regeln zu kennen, oder Schnittmuster und ohne überhaupt eine Nähmaschine zu besitzen. Diese Kleidungsstücke waren durchaus tragbar“, erzählt Olimzade.  

Anfangs hatte Schachina eine eher stereotype Vorstellung vom Beruf einer Schneiderin. „Ich hatte Angst, dass ich zu Hause Kleider für einen Hungerlohn nähen würde“, gibt Olimzade zu. Ihre Mutter half ihr, diesen Beruf mit anderen Augen zu sehen, und zeigte ihr die Werke des tadschikischen Modedesigners Umed Kutschkaliyew und der Modedesignerin Nafissa Imranowa, die für Schachina bis heute wichtige Vorbilder sind. So war die junge Frau umgestimmt: „Für mich waren es die beiden, die die Mythen über den Beruf widerlegt und mich inspiriert haben, Designerin zu werden.“

Distanz ändert Stil

Olimzade gibt zu, dass sie traditionelle tadschikische Kleidung bis zu ihrem 18. Lebensjahr für veraltet hielt. Die Fülle an Pailletten und dekorativen Elementen auf luxuriösen Stoffen verband sie mit festlichen Anlässen – im Alltag schienen sie keinen Platz zu haben. Olimzades eigener Stil entwickelte sich, nachdem sie nach Russland gezogen war und ihr Studium an der Staatlichen Universität für Industrietechnologie und Design in Sankt Petersburg aufgenommen hatte. Während sie ihre Kultur zuvor als Teil des Alltags wahrgenommen hatte, betrachtete die junge Frau sie während des Studiums mit neuen Augen. 

„Die Sehnsucht nach der Heimat, der Kultur und dem Land ließen mich die Schönheit jener unserer Traditionen vermissen, die nicht in Museen, sondern direkt neben uns lebendig sind: in Stoffen und Stickereien, auf den Straßen und in der Mentalität“, so Olimzade. „Genau deswegen habe ich in Sankt Petersburg angefangen mehr traditionelle Muster in meine Alltagskleidung zu integrieren. Später wurde mir klar, dass ich den kulturellen Code meines Landes in meine zukünftige Modemarke einbringen möchte.“

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Schachina begann, sich mit der Geschichte der tadschikischen Tracht zu beschäftigen. Ihrer Meinung nach besteht eine der Aufgaben moderner Designer darin, zu zeigen, dass sich traditionelle Elemente nahtlos in Alltagskleidung einfügen können.

„Hinter jeder Silhouette, jedem Stoff, jedem Ornament und jedem Schnitt steckt Geschichte, Symbolik und das Handwerk mehrerer Generationen. Da sehe ich kein Relikt der Vergangenheit, sondern eine riesige Inspirationsquelle.“

Nonkonforme Tadschikin ist keine Beleidigung

Olimzade bezeichnet sich selbst als „nonkonforme Tadschikin“, was für sie eng mit der Ausdrucksfreiheit verbunden ist. 

„Im Russischen sagt man salopp ‚nefor‘, was wörtlich ‚informell‘, nonkonform bedeutet. Jugendliche verwenden dieses Wort oft gegenüber denjenigen, die auffallen; generell wird es negativ wahrgenommen. Als ich selbst anfing, mich durch meine Kleidung auszudrücken, verband ich dieses Wort mit meinem Bild. Ich habe beschlossen, dass genau darin meine Einzigartigkeit liegt, und empfinde es nicht als Beleidigung. Es bedeutet, dass ich keine Angst habe, anders auszusehen, als man es von mir erwartet.“

„Ich mag Schichten, dunkle Farben, weite Silhouetten und ein bisschen Grunge in meinen Outfits. Dabei bleibe ich aber Tadschikin. Ich liebe meine Kultur, lasse mich von ihr inspirieren und habe überhaupt keine Angst davor, sie in meine Ästhetik zu integrieren“, so Olimzade.

Eine moderne Tadschikin müsse nicht jeden Tag traditionelle Kleidung tragen, um die Verbindung zur eigenen Kultur zu bewahren, so die Designerin. 

„Meiner Meinung nach kann eine moderne Tadschikin ganz unterschiedlich aussehen: traditionell, minimalistisch, experimentell. Ich glaube, die Verbindung zur Kultur ist unabhängig davon, ob man jeden Tag Atlas oder Adras [traditionelles Gewebe aus Seide und Baumwolle – Anm. d. Ü.] trägt. Man kann die Verbindung durch den Respekt zu den eigenen Wurzeln, durch Sprache, Traditionen und durch moderne Kleidung mit Elementen nationaler Kultur aufrechterhalten.“

Die Designerin hat eine ziemlich konkrete Vorstellung von ihrem Publikum. „Wahrscheinlich ähnelt meine Zielgruppe sehr mir selbst. Es sind Menschen, die sich früher nicht in traditioneller Kleidung sehen konnten, aber mit der Zeit die Schönheit ihrer eigenen Kultur für sich entdeckt haben. (…) Für mich soll Kleidung den Menschen nicht nur schmücken, sondern ihm helfen, seine eigene Geschichte zu erzählen“, betont die Protagonistin.

Stur und schön

Ihre Debütkollektion QASHANG hat Olimzade 2025 auf dem Laufsteg des Wettbewerbs „Admiralnadel“ in Sankt Petersburg vorgestellt und damit das Finale erreicht. Der Name der Kollektion hat mehrere Bedeutungen: 

„Im Altpersischen bedeutet ‚qashang‘ Schönheit, aber im Chudschander-Dialekt wird es oft in Bezug auf eigensinnige, sture Mädchen verwendet. In dieser Kollektion habe ich versucht, das Bild einer jungen Frau zu vermitteln, die keine Angst hat, sich selbst auszudrücken, sich kühn kleidet, dabei aber nicht vergisst, wer sie ist und welcher Kultur sie angehört. Und ich glaube, das Wort ‚qashang‘ verkörpert genau das Bild dieser jungen Frau, die zwar eigensinnig ist, aber gleichzeitig Respekt vor ihrem kulturellen Erbe hat und dessen Schönheit durch ihre Kleidung widerspiegelt.“

Für Olimzade ist es wichtig, die traditionellen Muster nicht nur auf die moderne Kleidung zu übertragen, sondern sie neu zu interpretieren.

„Ich kopiere die Tracht nicht. Mich interessiert ihre neue Interpretation. Ich benutze einzelne Elemente, so etwa Stoffe, Ornamente, Silhouetten oder Techniken, setze sie aber in einen modernen Kontext. Dadurch bleibt die Kleidung relevant und man will sie auch im Alltag tragen, nicht nur an Festtagen.“

Bild des Tages: Eine Suzani-Stickerin in Buchara

Einen besonderen Platz in Olimzades Werk nehmen Adras, Suzani [mit Seiden- oder Wollstickereien verzierte Baumwollstoff – Anm.d.Ü.] und traditionelle Ornamente ein. „Ich mag es, mich mit Geometrie und Symbolen auseinanderzusetzen, insbesondere inspiriert mich die Philosophie der Handarbeit, bei der jedes Detail seine eigene Geschichte hat.“

Ihre eigene Modemarke „Besar“ hat Olimzade vor relativ kurzer Zeit aufgebaut.

„‚Besar‘ auf Tadschikisch bedeutet wörtlich ‚kopflos‘, ‚waghalsig‘. Für mich bedeutet es nicht Leichtsinnigkeit oder Unvernunft, sondern den Mut, über die Grenzen des Gewöhnlichen hinauszugehen, zu experimentieren und den eigenen Weg zu gehen, selbst wenn er anderen komisch erscheint.“

Von Tajikistan Fashion Week bis zum Praktikum in China

In diesem Jahr wurde Schachina Olimzade zur Tajikistan Fashion Week, der wichtigsten Modeveranstaltung des Landes, eingeladen. 

„Ehrlich gesagt, hatte ich keine Ahnung, wie aktiv sich die Modeindustrie in Tadschikistan entwickelt. Nach der Fashion Week bin ich noch fester davon überzeugt, dass ich mich in dieser Branche weiterentwickeln möchte und tadschikisches Design sowohl hier, als auch auf internationalen Bühnen präsentieren möchte“, teilt die Designerin mit. 

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Die Teilnahme an der Branchenveranstaltung eröffnete Olimzade eine weitere Möglichkeit: ein Berufspraktikum in China. In erster Linie erhofft sie sich, dort praktische Kenntnisse zu erwerben.

„Ich interessiere mich dafür, moderne Produktionstechnologien, Arbeitsabläufe, neue Materialien und Designansätze zu erlernen. Ich möchte nicht nur Inspiration zurückbringen, sondern auch praktische Erfahrungen, die ich in meinen Projekten nutzen kann“, sagt die junge Designerin.

Nächstes Kapitel: Simurgh 

Eine der nächsten Kollektionen könnte das Projekt „Simurgh“ sein. Darin geht es um eine persische Legende über einen mythischen Vogel. Die Designerin möchte diese Geschichte in einer modernen Sprache erzählen.

„Für mich ist dies nicht nur ein mythisches Bild. Dies ist eine Geschichte über den inneren Weg des Menschen, die Suche nach sich selbst, die Bewältigung von Angst und die Erkenntnis der eigenen Macht. Ich will diese Geschichte in der Sprache der modernen Mode erzählen und dabei tadschikische Kultur, Handwerk und aktuelles Design zusammenbringen. Genau diese Idee wird die Basis meiner künftigen Kollektion bilden.“

Olimzade ist überzeugt: „Die nationale Identität kann zu einem starken Wettbewerbsvorteil werden, wenn man sie in einer zeitgemäßen Sprache präsentiert. Dann wird die Marke nicht nur im Inland, sondern auch über die Landesgrenzen hinaus interessant sein.“

Your.tj

Aus dem Russischen von Aizere Malaisarova

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