Tadschikistan liebt Pistazien. Auch die einheimischen Nüsse sind sehr beliebt, aber teilweise überraschend teuer.

Woher die Pistazien auf Tadschikistans Märkten kommen – und warum selbst einheimische so teuer sind

Tadschikistan liebt Pistazien. Seine Pistazienwälder bedecken immerhin gut 0,5 Prozent der Gesamtfläche des Landes. Dennoch werden die beliebten Nüsse auf dem Markt teurer.

Dieser Frage geht ein Asia-Plus-Artikel vom 26. Februar nach. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Erlaubnis der Redaktion.

Wussten Sie, dass Pistazien zu den ältesten Nussarten der Welt gehören? Die Menschheit ernährt sich schon seit mehr als 9000 Jahren auch von Pistazien. In Tadschikistan sind sie besonders beliebt: Auf dem Gebiet der Republik erstrecken sich mehr als 78.000 Hektar Pistazienwälder. Laut dem Lebensmittelhandel-Portal EastFruit will Tadschikistan diese Pistazienfläche mit Hilfe koreanischer Spezialisten in diesem Jahr weiter vergrößern. 

Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und Dank eurer Teilnahme. Wir sind unabhängig und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine Spende helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.

Welche Pistazien-Arten gibt es auf den Märkten Tadschikistans?

Auf den Märkten werden Pistazien-Arten aus der Türkei, dem Iran und aus Tadschikistan selbst verkauft. Die Preise variieren abhängig vom Herkunftsland und dem Äußeren der Pistazien. Als die schönsten Pistazien gelten auf tadschikischen Märkten Pistazien aus dem Iran. Sie sind dick, groß und hell – das Beste für eine Festtagstafel. Besonders beliebt sind die Sorten Fandogi und Kale Ghuchi (Jumbo), die im Südiran wachsen, vorrangig in der Stadt Bam.

Die Sorte Fandogi besitzt eine rundliche Form und ist günstiger als die anderen. Darum wird sie am meisten exportiert. Kale Ghuchi, besser bekannt als Jumbo, sind länger und größer. Trotz der hohen Nachfrage werden sie immer weniger angebaut. Auffallend ist, dass die iranischen Pistazien häufig heller sind als andere Sorten.

Lesen Sie auch bei Novastan: Wie Usbekistan von den russischen Sanktionen für Lebensmittel aus dem Westen profitiert

Die in Tadschikistan beliebteste türkische Pistazienart ist Antep. Sie ist ein bisschen kleiner als andere Arten, getrocknet oder gebraten ist sie schwer zu öffnen, weil ihre Schale lang und dünn, aber hart ist. Wertvoll macht sie dagegen ihr süßer Geschmack, darum sind Antep-Pistazien durchaus teuer.

Im Vergleich zu den türkischen und iranischen Pistazien sind die Tadschikischen eher klein und unscheinbar, dafür oft weit geöffnet. Das alles aber ersetzt der Geschmack: intensiv, weich und leicht salzig. Als wichtigste Eigenschaft gilt, dass die tadschikischen Pistazien besonders natürlich angebaut würden – das lockt die Kundschaft an. Wie alle anderen Nussbaumsorten auch, wachsen Pistazienbäume im Süden. Die größten Pistaziengärten gibt es in: Pandsch, Danghara, Farkhor, Norak, Sangtuda, Ujali und Istrawschan.

Bei der Auswahl der Pistazien auf dem Markt gibt es einiges zu beachten. Ein Verkäufer gibt Tipps.
Bei der Auswahl der Pistazien auf dem Markt gibt es einiges zu beachten.
Ein Verkäufer gibt Tipps. / Foto: PxHere

Wie finde ich die leckersten Pistazien auf dem Markt?

Verkäufer des berühmten Mehrgon-Marktes in Duschanbe verrieten ihr Geheimnis, wie man Pistazien richtig aussucht. 

Erstens: Achten Sie auf Form und Größe. Pistazien sollten niemals alle gleich groß sein. Eine Nuss ist kleiner, eine andere größer. Sie müssen nicht ideal sein, das lässt an der Natürlichkeit ihres Anbaus zweifeln.

Zweitens: Es lohnt sich genau hinzuschauen, ob die Pistazien blitzen und strahlen. Wenn ja, sollte man sie nicht erwerben, denn ein solcher Glanz wird durch chemische Behandlung erzeugt. 

Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter mit einem Klick.

Drittens – das Wichtigste: Die Pistazien sollten geöffnet sein. Sind sie geschlossen, sind sie noch nicht reif. Dann kann es sein, dass die Pistazie innen leer ist. Das kommt oft vor, darum sollte man darauf achten. Wenn Sie aber doch geschlossene Pistazien erwischt haben, können Sie sie reiben und als Gewürz zum Kochen benutzen. Oder öffnen, putzen und trocknen.

Warum sind Pistazien so teuer?

Wie viel es genau kostet, Pistazien aus der Türkei oder dem Iran nach Tadschikistan zu bringen, wissen wir nicht. Aber dass das nicht ganz billig ist, ist klar. Aber warum sind auch die einheimischen Pistazien so teuer? Dafür gibt es mehrere Gründe:

Einerseits sind tadschikische Pistazien auch in den Nachbarländern sehr beliebt. Händler auf Afghanistan beispielsweise kaufen jedes Jahr große Mengen Pistazien aus Pandsch auf. Infolgedessen steigt ihr Preis auf dem tadschikischen Markt. Außerdem haben die Bauern seit Jahren Schwierigkeiten bei Anbau und Ernte: Seit drei Jahren schon fällt im Frühling wieder Schnee, der dann die gesamte Ernte zerstören kann.

Lesen Sie auch bei Novastan: Turkmenistan: Was und woher importiert wird

Auf den Märkten in Tadschikistan kosten die teuersten Pistazien 110 bis 115 Somoni pro Kilogramm (umgerechnet rund 8,50 Euro), auf dem Mehrgon-Markt in Duschanbe zahlt man für die größte bis zu 150 Somoni pro Kilo. Pistazien aus dem Iran werden meist für rund 100 Somoni pro Kilo, die günstigsten aus der Türkei kosten 80 bis 90 Somoni. Tadschikische Pistazien werden im Internet für 130 Somoni pro Kilo gehandelt. Laut dem Portal EastFruit schwankt der Preis einheimischer Pistazien auf den Märkten Tadschikistans zwischen 60 und 140 Somoni (zwischen 4,4 und gut 10 Euro).

Die besonderen Eigenschaften der Pistazien

Aber trotz der verhältnismäßig hohen Preise werden die Pistazien gern und gekauft. Denn Pistazien sind gesund und nehmen einen besonderen Platz unter allen Nüssen ein. Pistazien enthalten eine Menge gesunder Elemente: Sie beeinflussen die Erneuerung der psycho-emotionalen Verfassung, das Herz-Kreislauf-System und haben eine tonisierende Wirkung auf den menschlichen Organismus. ÄrztInnen empfehlen den Verzehr von Pistazien allen, die großen physischen oder geistigen Druck erleben oder vor Kurzem eine schwere Krankheit überstanden.

Lesen Sie auch bei Novastan: Das pralle Leben in Schymkent

Pistazien verringern aufgrund des Fettsäuregehalts das Herzinfarktrisiko. Sie stärken die Wände der Blutgefäße und stellen einen schnellen Herzschlag wieder her. Die Inhaltsstoffe dieser Nüsse sind wohltuend für die Augen und eine gute Prophylaxe für gute Sicht. 

Man sollte jedoch nicht mehr als 30 Gramm Pistazien pro Tag essen. Denn übermäßiger Verzehr kann Schwindel, Übelkeit und manchmal Halluzinationen verursachen. Also, Vorsicht!

Naima Radschabowa für Asia-Plus

Aus dem Russischen von Peggy Lohse

Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei Twitter, Facebook, Telegram, Linkedin oder Instagram. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem wöchentlichen Newsletter anmelden.

[legend]
Pixabay
[legend]
PxHere
Jetzt Teilen:
% Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Captcha *