Corona-App: Kasachstan testet Farbsystem für Geschäfte und BürgerInnen

Kasachstan hat mit „Ashyq“ eine App ins Leben gerufen, die den BürgerInnen den Zugang zu Geschäften ermöglichen soll, wenn sie nicht mit dem Coronavirus infiziert sind. Die App unterteilt in vier farblich gekennzeichnete Gruppen und befindet sich derzeit in der Testphase.

Der folgende Artikel erschien im Original auf der französischsprachigen Version von Novastan.

Den Zugang zum Geschäft nur Personen erlauben, die nicht an Covid-19 erkrankt sind: Dieses Szenario könnte in Kasachstan bald Realität sein. Zumindest plant die dortige Regierung laut dem kasachstanischen Nachrichtenportal Kazinform, BetreiberInnen von Geschäften diese Option einzuräumen.

Zu diesem Zweck wurde am 30. Januar die App “Ashyq” gestartet. Ashyq soll Anhand von vier Farben das Infektionsrisiko skalieren und damit entscheiden, ob eine Person ein Geschäft betreten darf oder nicht. Die App befindet sich derzeit in der Testphase.

Zugang nur für „grüne“ und „blaue“ BürgerInnen

Wie Kazinform berichtet, müssen sich BenutzerInnen bei Ashyq mit ihrer Steueridentifikationsnummer registrieren. Die App ist mit den Daten des Gesundheitsministeriums verbunden und weist BenutzerInnen eine Farbe zu: grün, wenn innerhalb der letzten drei Tage ein negativer PCR-Test durchgeführt wurde; blau, wenn dies nicht der Fall ist, aber die Person keinen Kontakt zu infizierten Personen hatte; gelb, wenn es einen Kontakt gab, und rot, wenn sie positiv auf Covid-19 getestet ist. Der Status der jeweiligen Person ist vorübergehend und wird ständig aktualisiert.

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Betriebe können ihrerseits einen QR-Code erhalten, den, wer eine Einrichtung betreten möchte, am Eingang scannen muss. Der Bildschirm zeigt den Status an und nur diejenigen, die nicht als gelb oder rot eingestuft sind, können eintreten.

Etwa 40 Geschäfte testen Ashyq

Das Projekt startete wenige Tage, bevor am 1. Februar offiziell mit dem Impfen der kasachstanischen Bevölkerung begonnen wurde. Trotzdem spielt die Frage, ob eine Person geimpft ist oder nicht, bei der Farbzuordnung (noch) keine Rolle.

Gesundheitsminister Alekseı Tsoı sagte am 10. Februar, dass die App derzeit in etwa 40 Geschäften in der Hauptstadt Nur-Sultan sowie in Almaty und Qaranģandy getestet werde. Dazu gehörten Kinos, Fitnesszentren und Spas. Obwohl diese Lösung offiziell „freiwillig“ und „nicht obligatorisch“ ist, behaupten die kasachstanischen Behörden, das Ziel sei, die Beschränkungen für rund 13.000 Geschäfte aufzuheben, deren Betrieb aufgrund der Pandemie zum Erliegen gekommen sind.

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Tsoı erklärte, inspiriert hätten Beispiele in Südostasien, wo bereits Scans am Eingang von Geschäften implementiert wurden. Wie Radio France Internationale berichtet, betreibt Malaysia diese Praxis seit Mai 2020. Südkorea folgt laut Angaben von Les Echos seit Juni 2020 diesem Beispiel. Der Minister stellte jedoch klar, dass Ashyq von einer kasachstanischen Firma entwickelt wurde. Die Behörden gehen davon aus, dass die App eine „sichere Umgebung“ schaffen wird, ohne die BürgerInnen zu verfolgen.

Internet-NutzerInnen sind auf der Hut

Die Regierung möchte, dass das System auch ohne Smartphone zugänglich ist. “Für den Fall, dass eine Person über kein Smartphone verfügt, bietet die App eine Zusatzfunktion für MitarbeiterInnen, die für die Kontrolle zuständig sind. Sie können den Status der BesucherInnen anhand der Steueridentifikationsnummer überprüfen. Die MitarbeiterInnen haben auch die Möglichkeit, den Barcode auf der Rückseite des Personalausweises direkt zu scannen“, zitiert das kasachstanische Nachrichtenportal Tengrinews den Pressedienst des Ministeriums für digitale Entwicklung.

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Die Ergebnisse des Pilotprojekts sollen es ermöglichen, in Zukunft die Modalitäten zu bestimmen, um den Einsatz der App auf andere Orte wie zum Beispiel Restaurants auszuweiten. Laut Regierung sei es aber nicht vorgesehen, öffentliche Verkehrsmittel, Einkaufszentren und Märkte in das Projekt zu integrieren, stellt Kazinform klar.

Dennoch hat das Projekt in der Zwischenzeit große Skepsis seitens der kasachstanischen Internet-NutzerInnen hervorgerufen. Die kasachstanische Version der Komsomolskaja Prawda gab am 17. Februar empörte Kommentare wieder, von denen einige eine Verletzung der Verfassungsrechte erwähnen. Auch das kasachstanische Nachrichtenportal Toppress.kz berichtete über sehr negative Kommentare, die Internet-NutzerInnen über den Apple Store hinterließen.

Elliot Obadia, Redakteur für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

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Kazinfom
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