Usbekische Behörden kämpfen um die Kontrolle der Goldminen

Usbekische Behörden haben etwa 40 Männer in einer Goldmine verhaftet, da sie illegalen Bergbau betrieben. Die Schlüsselressource der usbekischen Wirtschaft steht zunehmend im Missverhältnis mit dem Wunsch der Regierung, die Produktion zu steigern und der mangelnden Kontrolle über die Minen.

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Der Streit um die Frage nach der Steigerung des Metallabbaus in Usbekistan verschärft sich. Am 17. Juni veröffentlichte die usbekische Nationalgarde eine Reihe von Fotos und Einzelheiten über einen Zugriff auf den Tagebau Korakutan. In der Provinz Samarkand im Südosten Usbekistans gibt es Anzeichen dafür, dass der illegale Bergbau auf dem Vormarsch ist. Die Razzia, bei der 39 Männer verhaftet wurden, fand bereits am 7. Mai statt. Dabei wurden mehr als sechs Tonnen golderzhaltige Erde, Autos sowie Bergbauausrüstung beschlagnahmt. Nach Angaben der Behörden ist inzwischen eine Untersuchung eingeleitet worden, doch es wurden keine weiteren Einzelheiten über den Verbleib der Männer bekannt gegeben.

Gold als Stütze der usbekischen Wirtschaft

Der Goldbergbau ist eine der Säulen der usbekischen Wirtschaft. Mit zahlreichen Minen, die über das ganze Land verteilt sind, war Usbekistan 2018 laut der Website mining.com der zwölftgrößte Förderer der Welt. Aber es könnte in der Rangliste aufsteigen. So gab das United States Institute of Geological Surveys in seinem Bericht für 2015 an, dass die Produktivität der Bergbaubetriebe steige und dass es noch Raum für Verbesserung gebe.

Darüber hinaus sind die geologischen Erkenntnisse über das Land nicht vollständig, da derzeit von ausländischen Unternehmen Erkundungen verschiedener Rohstofflagerstätten durchgeführt werden. Gold spielt im Handel Usbekistans eine wichtige Rolle. Zwischen Januar und Mai 2020 machte es 31,9 % der Exporte aus, wie das usbekische Medium Kun.uz berichtet. Der Großteil davon geht in die Schweiz, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten angibt. „Der Handel zwischen der Schweiz und Usbekistan ist nicht sehr intensiv und wird von Goldexporten dominiert, wobei die Schweiz der einzige Absatzmarkt für usbekisches Gold ist,“ heißt es aus Bern. Dies muss allerdings relativiert werden: Die Schweiz ist nicht das einzige Land, das usbekisches Gold verwendet, bedenkt man, dass Firmen wie Apple es beispielsweise auch verarbeiten.

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Aktuell verarbeiten die beiden Großunternehmen Almalyk MMC und Navoi MMC den Großteil des usbekischen Goldes. Navoi MMC betreibt die Titanmine Muruntau, die mit einer Fläche von mehr als 8 km² der größte goldfördernde Tagebau der Welt ist. Navoi MMC ist auch Betreiber der  Korakutan-Mine, in der die Razzia der usbekischen Nationalgarde stattfand.

Gefahren des illegalen Goldabbaus

Der Vorfall, den die Nationalgarde meldet, ist kein Einzelfall. Tatsächlich ist der illegale Bergbau in Zentralasien und insbesondere in Usbekistan ein weit verbreitetes Phänomen, auch wenn es kaum dokumentiert ist. Die Betreiber füllen so schnell wie möglich Säcke mit golderzreichen Böden und verladen sie in Autos, bevor sie sie weiter filtern.

Es handelt sich um eine äußerst gefährliche Aktivität: Nicht selten kommt es zu Gewalt zwischen den verschiedenen Betreibern; Erdrutsche, und ein schlechter Zustand der Infrastruktur stellen weitere Risiken dar. Mit dem Ende der UdSSR verfielen die unrentabelsten Goldminen. Ihre illegale Nutzung wird daher von Jahr zu Jahr gefährlicher. So berichtete beispielsweise das amerikanische Medienunternehmen Radio Free Europe im Jahr 2018, dass etwa 20 Männer unter der Erde gefangen waren, als eine verlassene Mine in der Provinz Samarkand zusammenbrach. Es wurden jedoch weder Polizei noch Rettungsdienste gerufen, da die illegalen Bergleute Repressalien seitens der Behörden befürchteten. Daraus lässt sich auf die Schwere der Repressalien gegen sie schließen. Im selben Artikel weist Radio Free Europe darauf hin, dass der illegale Goldbergbau eng mit der hohen Arbeitslosigkeit in der Region verbunden ist. 

Schlimmer ist, dass im Sommer 2015 laut dem amerikanischen Onlinemedium Eurasianet 25 Männer nach einer Explosion in einer verlassenen Mine in Usbekistan ums Leben gekommen sein sollen. Nach Angaben Einheimischer hatten zwei Gruppen illegaler Bergarbeiter um die Mine gekämpft. Die Verlierer rächten sich dann, indem sie die Pfeiler, die die Galerien stützten, abhackten und den Tod der etwa darin gefangenen Männer verursachten.

Illegale Aktivitäten scheinen an Dynamik zu gewinnen

Am 26. Mai berichtete Radio Ozodlik, der usbekische Zweig von Radio Free Europe, dass die Bewohner der Region Samarkand eine Zunahme des illegalen Bergbaus erleben. Die Korakuten-Mine, in der die usbekische Nationalgarde eine Razzia durchgeführt hatte, scheint schwer betroffen zu sein. In dem Artikel gibt es ein Video, das Männer auf dem Dach eines Güterzuges zeigt. Anwohner beschreiben, wie die Männer auf anfahrende Züge warten und dann die mit golderzreicher Erde gefüllten Säcke über Bord werfen. Währenddessen laufen ihre Komplizen die Gleise entlang, um die wertvolle Fracht zu bergen. Dies ist ein Hinweis auf die ausgeklügelte Technik, die die Betreiber illegaler Minen anwenden.

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Darüber hinaus verheißen die wirtschaftlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit Covid-19 nichts Gutes für den illegalen Goldbergbau. Faktisch verstärkt sich dieser in Zeiten von Arbeitslosigkeit, wobei die ärmsten Menschen sich gezwungen sehen, ihr Glück in den Minen zu versuchen. 

Tendenz zur Liberalisierung im usbekischen Bergbau

In der Vergangenheit wurden usbekische Bergwerke oft als unterbewirtschaftet beschrieben. Dieser Trend änderte sich jedoch nach dem Tod des ehemaligen Präsidenten Islam Karimow im Jahr 2016. Gegenwärtig nehmen die offiziellen Berichte über die Nutzung der Minen zu. Einige davon betreffen direkt die Produktionsweise, wie zum Beispiel die Meldung vom 26. Mai, in der angekündigt wird, dass der Abbau von Gold um 50 Tonnen, von Kupfer um 400 Tonnen und von Silber um 270 Tonnen erhöht werden soll.

Neben der bloßen Bekanntgabe dieser ehrgeizigen Ziele versuchen derartige Pressemitteilungen auch, Investoren anzuziehen. Das Problem: Seit der Oxus-Affäre, benannt nach dem britischen Bergbauunternehmen Oxus Gold, sind die Investoren misstrauisch. Im Jahr 2011 war die Firma gezwungen worden, ihre Tätigkeit aufzugeben, nachdem sie 15 Jahre lang den Bergbau im Land entwickelt hatte.

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Die Spannungen mit der usbekischen Regierung begannen 2006, als das Unternehmen wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde. Der Vorwurf wurde erst aufgehoben, als Oxus Gold 16 % seiner Aktien an Zeromax verkaufte. Dieses usbekische Unternehmen wurde inoffiziell von Gulnara Karimova kontrolliert, die ihren Status als Tochter des Präsidenten nutzte, um Geld heraus zu schlagen. Doch erst 2011 wurde Oxus Gold der finale Schlag versetzt, als das Unternehmen schließlich auf Druck durch die Regierung das Land verließ. Der Streit wurde inzwischen auf die internationale Bühne getragen, wo die britische Firma behauptet, Opfer einer Enteignung geworden zu sein.

Dieses schlechte Image versucht Präsident Shavkat Mirziyoyev seit 2016 zu verwischen. Ende 2019 wurde ein neues Gesetz verabschiedet, um den Kurswechsel zu markieren. Darin sind die Rechte der Investoren festgelegt, insbesondere in Hinblick auf Verstaatlichungen. „Investitionen und andere Vermögenswerte von Investoren können nicht der verstaatlicht werden“ (Art. 21). Das Gesetz will Investoren auch in einem Punkt beschwichtigen: Es wird nicht leicht zu ersetzen sein. Sollte ein neues Gesetz erlassen werden, hätte es keine rückwirkenden Auswirkungen.

Héloïse Dross, Journalistin für Novastan France

Aus dem Französischen von Elisabeth Rudolph

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