„Ich liebe Kamele, denn ihre Milch hat meinen Vater geheilt“ – ein Ausflug zu einer Kamelfarm im Ferganatal

Der Brauch, Tiere zu züchten, besteht in Usbekistan bereits seit der Antike und wird mit Liebe und Sorgfalt praktiziert. Seit einigen Jahren betreibt Asrorjon Hikmatov in der Steppe des Ferganatals eine Kamelfarm, auf der Journalisten von Kun einen Tag verbringen durften. Wir übersetzen ihren Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Wir besuchen die Farm im Bezirk Rishton in der Provinz Fargʻona, um uns mit den Besonderheiten der Kamelzucht und der täglichen Arbeit der Angestellten vertraut zu machen. Dreimal täglich werden die Kamele dort gemolken: im Morgengrauen, zur Mittagszeit und am Abend. Wir wollen unbedingt das morgendliche Melken beobachten und fahren deshalb bereits bei Einbruch der Morgendämmerung nach Rishton.

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Die Angestellten der Farm begrüßen uns herzlich und bringen uns zu den Kamelen. Wir müssen eine beträchtliche Strecke von der Unterkunft der Arbeiter zurücklegen, bis wir bei den Kamelen ankommen. Die Arbeiter waschen zunächst die Euter der Kamele und beginnen dann, sie von beiden Seiten zu melken. Gleichzeitig werden die Kamelfohlen gesäugt.

Die heilende Kraft der Kamelmilch

„Vor einigen Jahren wurde mein Vater krank, er war lange bettlägerig. Auf Anraten der Leute gab ich ihm Kamelmilch und er erholte sich. Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich in die Kamele verliebt habe. Vater trinkt immer noch diese Milch. Abu Ali ibn Sina [im Westen bekannt als Avicenna, Anm. d. Ü.] beschäftigte sich in seinem Kanon der Medizin mit den heilenden Eigenschaften von Kamelmilch, die dreimal mehr Vitamine als Kuhmilch enthält. Seine Worte erwiesen sich als wahr. Ich habe mich selbst davon überzeugt, dass Kamelmilch viele Krankheiten heilt“, sagt Asrorjon Hikmatov, Besitzer der Farm „Roshidon Nasldor Tuyalari“.

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„2013 habe ich das erste Kamel aus dem Bezirk Qoʻngʻirot in Karakalpakstan geholt. Ich mag Kamele mehr als andere Tiere. Ich kann mir mein Leben ohne sie nicht vorstellen. Seit 2013 bin ich Tag und Nacht bei ihnen. Insgesamt habe ich 31 Stück – 27 Stuten und vier Hengste“, erzählt Hikmatov.

„Wegen der heilenden Milch kommen Menschen aus anderen Provinzen zu uns, manchmal aber auch aus Kirgistan, Tadschikistan und manchmal aus Russland. Sie bringen Patienten mit Diabetes und Lebererkrankungen. Man sagt außerdem, dass Kamelmilch das Blut reinigt. Wir planen, ein Abkommen mit Turkmenistan zu schließen und die Anzahl der Kamele in Zukunft auf 100 zu erhöhen. Ein Liter Kamelmilch kostet aktuell 35.000 Sum [2,75 Euro, Anm. d. Ü.]. Meistens wird sie für medizinische Zwecke gekauft. An schwerkranke Patienten in Not geben wir die Milch aber kostenlos“, sagt der Leiter der Farm.

Von unersättlichen und weißen Kamelen

Nach dem Melken bringen Angestellte die Kamele auf die endlose Weide. Wir folgen den Tieren und gehen langsam auf das Alhagi-Dickicht zu. „Tatsächlich könnte ein Kamel bis zu 10 Liter Milch pro Tag geben. Aber unsere Kamele geben jeweils nur 2 Liter, weil wir ihnen kein zusätzliches Futter geben. Die Kamele ernähren sich von Alhagi auf der Weide. Würden sie zusätzlich gefüttert werden, gäben sie zwar mehr Milch, aber ihre heilenden Eigenschaften gingen verloren. Kamele sind im Gegensatz zu anderen Tieren hochintelligent, allerdings brauchen sie so viel Futter wie fünf Kühe. Man kann sagen, sie sind unersättlich“, fügt Asrorjon Hikmatov lächelnd hinzu.

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Er erklärt, dass Kamele nicht nur Milch, sondern auch Wolle liefern, die einen hohen Stellenwert hat: „Ein Kilo Kamelwolle kostet 50 Dollar. Man kann daraus Kissen, Decken und Kleider herstellen. In Zukunft wollen wir auch mit dem Export von Wolle beginnen.“

Am Tag vor unserer Ankunft bekam ein Kamel namens Komila Nachwuchs. Interessanterweise hat jedes der Kamele seinen eigenen Namen und hört auch auf ihn. Wenn ein weißes Kamel zur Welt kommt, dann ist dies ein echter Feiertag, da diese Tiere als einzigartig gelten und nur äußerst selten geboren werden.

„Auch ich besitze ein weißes Kamel. Diese Kamele sind sehr teuer. Es ist sehr wertvoll für mich, deshalb habe ich es nicht einmal für 50.000 Dollar verkauft” berichtet Arsorjon Hikmatov und erzählt weiter: Alles kommt von Gott. Ich habe neun Arbeiter und bezahle ihnen ihre Gehälter. Ich versorge neun Familien.“

Dann geht unser Tag auf der Kamelfarm auch schon zu Ende und es ist Zeit zurückzukehren. Wir wünschten dem Landwirt viel Erfolg bei seiner Arbeit und dass seine Liebe zu den Tieren nicht nachlässt.

Weitere Bilder im Originalartikel.

Sarvar Ziyayev für Kun

Aus dem Russischen von Robin Roth

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