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Tadschikistan: Ein ambitioniertes Forschungsprojekt zu Wachholderwäldern

Vor mehr als einem Jahr startete die University of Central Asia das „Juniper Central Asia Project“. Im Mittelpunkt dieses Forschungsprojekts stehen die von Abholzung bedrohten Wacholderwälder in Tadschikistan und Kirgistan. Eine interessante Initiative, die es ermöglichen wird, ein effektiveres Verwaltungs- und Schutzmodell für diese Gebiete ins Auge zu fassen.

Tadschikistan besteht vor allem aus Hochgebirge, daher macht die Waldfläche nur drei Prozent des Territoriums aus. Ein Drittel dieser Wälder besteht aus Wacholder, einer botanischen Gattung aus der Familie der Nadelbäume. In einigen Mittel- und Hochgebirgsregionen machen diese bis zu 80 Prozent der Wälder aus. Dabei gibt es aber keine Daten über das Wachstum und die die Produktivität von Wacholderbäumen.

Gulsar Omurowa, eine Forscherin am Mountain Societies Research Institute (MSRI) der University of Central Asia (UCA) erläuterte dieses Problem in einem am 4. Juni veröffentlichten Artikel. Der tadschikische Zweig der UCA, die größtenteils von der Aga Khan Foundation finanziert wird, wurde im September 2018 mit großem Pomp in Anwesenheit von Präsidenten Emomali Rahmon eröffnet. Sie verfügt auch über einen modernen Campus in Naryn, in Zentralkirgistan, und über einen weiteren im Süden Kasachstans.

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Dem Artikel zufolge wurden in den letzten 30 Jahren in Tadschikistan keine Arbeiten zur Überwachung der biologischen Vielfalt durchgeführt. Die Wälder sind daher kaum erforscht. Infolgedessen basieren die Waldschutzpläne auf veralteten Daten, was ihre Wirksamkeit untergräbt.

Besseres Wissen für besseren Schutz

Ein bedauerliches wissenschaftliches Vakuum laut Omurowa. „Bäume können eine Vielzahl von Informationen über das Wetter, den Wasserstand von Flüssen, die Intensität von Erdbeben und darüber liefern, ob die Zahl der Insekten und anderer Lebewesen im Laufe der Zeit zu- oder abgenommen hat. Da sich die Natur in Zyklen bewegt, hilft dieses Wissen bei der Erstellung von Prognosen und Modellen“, schreibt sie.

Um diese Lücken zu schließen, startete das MSRI 2019 das Projekt „Juniper Central Asia“, an dem auch Omurowa beteiligt ist. Ziel des Projekts ist es, ein Modell für die nachhaltige Entwicklung und Bewirtschaftung der tadschikischen Wacholderwälder vorzuschlagen. Es wird von Gruppen tadschikischer und kirgisischer, aber auch deutscher Forscher über einen Zeitraum von zwei Jahren realisiert.

Im Einzelnen geht es darum, die Produktivität von Wacholderwäldern zu modellieren (Untersuchung von Erosionsprozessen, Biomasseakkumulation, Wasserhaushalt usw.) und dann den Regierungsbehörden und lokalen Gemeinschaften praktische Lösungen für die Bewirtschaftung der Waldressourcen zu liefern.

Dendrochronologie, die zentrale Methode des Projekts

Die Forscher verwenden Fernerkundung und Dendrochronologie, um die Verbreitungsgebiete der Wacholder zu identifizieren. Basierend auf der Analyse von Jahresringen ermöglicht diese Methode die Ableitung des Alters der Bäume und die Rekonstruktion vergangener Umwelt- und Klimaveränderungen.

Seit 2019 sammelt und analysiert Omurowa Proben von etwa 20 Wacholderbäumen aus dem westlichen Zaravschon-Tal in Tadschikistan. Die gesammelten Daten decken einen Zeitraum von 126 Jahren zwischen 1893 und 2019 ab.

Das Problem der Abholzung

Tadschikische Wälder stehen zwar offiziell unter Schutz, werden aber dennoch abgebaut, erklärt Dschyldys Tschigajewa, Senior Researcher am MSRI. „Aufgrund von Überweidung und illegalem Holzeinschlag übersteigen die jährlichen Entwaldungsraten die Anhäufung natürlicher Biomasse und die Kapazität zur natürlichen Wiederaufforstung. Einige Schätzungen gehen davon aus, dass die Wacholderwälder jährlich um etwa 2-3% abnehmen“, beschreibt die Forscherin. „Wenn die Waldbedeckung weiterhin in diesem Tempo abnimmt, wird dies nicht nur zu einer irreversiblen Wüstenbildung führen, sondern auch zu einer Zunahme der Zahl der Naturkatastrophen, die die landwirtschaftlichen Aktivitäten und das Leben der lokalen Gemeinschaften bedrohen.“

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Generell ist der Kampf gegen die Entwaldung eine große Herausforderung in Tadschikistan, aber auch in Kirgistan.

Wacholderbäume und Gemeinschaftspraktiken

Im Einzelnen untersucht die Forschungsgruppe die Gewohnheiten der Bevölkerung von fünf tadschikischen Dörfern, die alle am Rande eines Wacholderwaldes liegen. In den meisten Fällen verwenden die Bewohner Wacholder zum Heizen, meist illegal. Tatsächlich haben nur fünf Prozent der Haushalte eine Genehmigung zum Fällen von Bäumen. Diese Praxis ermöglicht es ihnen, Holzkohle einzusparen, indem sie diese nur im Winter einsetzen. Auch einige kulturelle Aspekte werden berücksichtigt, wie zum Beispiel das Backen von Brot mit Wacholderholz, um ihm einen guten Geschmack zu verleihen.

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Eine vorläufige Analyse zeigte, dass all diese Praktiken der Entwicklung des Waldes schaden. Die Forscher werden daher weiterhin Daten sammeln, um die zerstörerischsten Praktiken zu identifizieren und alternative Lösungen zu finden, berichtet die UCA.

Ein wichtiges Projekt für die tadschikische Biodiversität

Das UCA-Projekt eröffnet eine positive Perspektive für die tadschikische Biodiversität, die in vielerlei Hinsicht gefährdet ist. Die ökologischen Herausforderungen sind vielfältig: Übernutzung von Weideflächen und Bodenversteppung, Wilderei und massives Sammeln.

Letztendlich werden die Projektergebnisse zeigen, wo und wie sich Wacholderwälder regenerieren und abnehmen. So wird es möglich sein, festzustellen, wo die Kontrolle verbessert werden muss und welche Präventivmaßnahmen zu ergreifen sind.

Clothilde Rabault
Journalistin für Novastan.org

Aus dem Französischen von Florian Coppenrath

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