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Mit wem hat Tadschikistan Freihandelsabkommen?

Wie viele andere Länder auf der ganzen Welt hat auch Tadschikistan eine Reihe von Freihandelsabkommen geschlossen. Doch was wird mit wem zu reduzierten Zöllen gehandelt? Asia-Plus liefert einen Überblick.

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Eine Frau verkauft Früchte auf einem traditionellen Basar in Tadschikistan (Symbolbild), Photo: Steve Evans / Wikimedia Commons

Wie viele andere Länder auf der ganzen Welt hat auch Tadschikistan eine Reihe von Freihandelsabkommen geschlossen. Doch was wird mit wem zu reduzierten Zöllen gehandelt? Asia-Plus liefert einen Überblick.

Im Laufe seiner staatlichen Unabhängigkeit hat Tadschikistan mit zahlreichen Ländern Freihandels- und Präferenzabkommen abgeschlossen. Diese Vereinbarungen sollen den Außenhandel erleichtern, Zölle senken und die außenwirtschaftlichen Beziehungen des Landes stärken. Fachleute sehen darin einen wichtigen Hebel für das Wachstum von Exporten und die bessere Einbindung Tadschikistans in regionale und internationale Märkte.

Ein Freihandelsabkommen bedeutet dabei keineswegs die vollständige Abschaffung aller Handelshemmnisse. Häufig wird darunter eine völlige Zollfreiheit verstanden, tatsächlich bleiben jedoch selbst in stark integrierten Wirtschaftsräumen Ausnahmen bestehen. So gelten auch innerhalb der Europäischen Union oder der Eurasischen Wirtschaftsunion weiterhin Einschränkungen für sensible Waren, etwa im Agrarbereich, sowie nationale Anforderungen wie Zertifizierungen, Umwelt- und Sicherheitsstandards. Freihandelsabkommen reduzieren Zölle und vereinfachen Handelsverfahren, beseitigen sie aber nicht vollständig und gelten oft nur für bestimmte Warenkategorien.

Freihandel innerhalb der GUS

Eine zentrale Rolle spielt für Tadschikistan das Abkommen über die Freihandelszone innerhalb der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Es erleichtert den Handel mit Russland, Belarus, Kasachstan, Kirgistan, Armenien, Moldau sowie teilweise mit Usbekistan.

Im Rahmen dieses Abkommens können Waren zwischen den teilnehmenden Staaten weitgehend zollfrei gehandelt werden, was tadschikischen Exporten einen kostengünstigeren Marktzugang ermöglicht. Gleichzeitig handelt es sich nicht um ein einheitliches Zollgebiet: Die GUS-Staaten behalten ihre eigene Zollpolitik gegenüber Drittländern bei, und für einzelne Waren gelten weiterhin Ausnahmen oder zusätzliche Schutzmaßnahmen.

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Über den Warenhandel hinaus ist Tadschikistan auch am GUS-Freihandelsabkommen für Dienstleistungen und Investitionen beteiligt. Dieses schafft günstigere Bedingungen für grenzüberschreitende Dienstleistungen und soll Investitionen innerhalb der Region fördern, insbesondere bei gemeinsamen Geschäfts- und Infrastrukturprojekten.

Bilaterale Freihandelsabkommen

Daneben unterhält Tadschikistan eine Reihe bilateraler Freihandelsabkommen. Mit Russland besteht seit den 1990er Jahren ein Abkommen, das die Abschaffung von Zöllen auf ausgewählte Waren vorsieht. Welche Produkte davon profitieren, wird regelmäßig in Protokollen festgelegt; unter bestimmten Voraussetzungen können auch Waren mit Anteilen aus Drittländern zollfrei gehandelt werden. Mit Usbekistan gilt seit 1996 ein Freihandelsabkommen, das Vorzugsbedingungen für den Handel mit bestimmten Gütern wie Agrarprodukten und Industrieanlagen schafft.

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Ein weiteres wichtiges Abkommen besteht mit China. Es trat 2011 in Kraft und sieht Zollsenkungen für ausgewählte Waren vor, darunter Industrieanlagen, Textilien sowie einige landwirtschaftliche Waren und Lebensmittelprodukte, die für beide Länder von Bedeutung sind. Ebenfalls auf einzelne Warengruppen beschränkt sind die Vereinbarungen mit Turkmenistan, die unter anderem Agrarprodukte, Baumaterialien und petrochemische Erzeugnisse betreffen, sowie mit Kirgistan, wo Zollerleichterungen für Agrar- und Industriegüter sowie Produkte aus Maschinenbau und Energiesektor gelten.

Auch mit Iran unterhält Tadschikistan seit 2011 ein Freihandelsabkommen. Es umfasst unter anderem Agrarprodukte, Textilien und Metallerzeugnisse. Das wichtigste Importgut aus dem Iran bleibt Erdölbitumen; für 2025 wird das Importvolumen auf rund 15,4 Millionen US-Dollar geschätzt.

Zusammenarbeit im Rahmen der ECO

Zusätzlich engagiert sich Tadschikistan in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit innerhalb der Economic Cooperation Organization (ECO), zu deren Mitgliedern unter anderem Iran, Pakistan, die Türkei, Turkmenistan, Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan und Afghanistan gehören.

Das dort geltende Präferenzhandelsabkommen eröffnet Möglichkeiten zur Senkung von Zöllen und soll den regionalen Handel stärken. Perspektivisch könnte es auch als Grundlage für weitergehende Freihandelsregelungen dienen.

Pajraw Tschorschanbijew für Asia-Plus

Aus dem Russischen von Margaret Bullich

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