Am 25. Mai ist Vater Iakov in eine psychiatrische Einrichtung außerhalb von Almaty verlegt worden. Als entschiedener Gegner von Russland Krieg gegen die Ukraine verkörperte er zuletzt eine kasachstanische orthodoxe Kirche frei vom Joch Moskaus. Seine Unterbringung erfolgte nach wachsendem Druck seitens der Behörden: ein Vorgehen, das von zahlreichen NGOs verurteilt wurde.
Im Fall von Vater Iakov Vorontsov (bürgerlich Vladimir Vorontsov) wurde ein weiterer Schritt vollzogen. Am 25. Mai wurde der ehemalige orthodoxe Priester nach mehrmonatiger Untersuchungshaft zwangsweise in eine psychiatrische Spezialklinik in der Nähe von Almaty verlegt.
Die Entscheidung eines kasachstanischen Gerichts erging, obwohl seine Anwälte Beschwerde gegen das Verfahren eingelegt hatten. Dies berichtet Radio Azattyq, der kasachstanische Dienst von Radio Free Europe. Nach Angaben mehrerer NGOs und internationaler Organisationen wurden weder Vorontsov noch sein Verteidigerteam über die Anhörung informiert, die zu seiner Internierung führte.
Öffentliche Äußerungen gegen den Krieg
Der 40-jährige Vater Iakov ist der in den letzten Jahren als eine der unkonventionellsten religiösen Persönlichkeiten Kasachstans in Erscheinung getreten ist. Damals noch als Priester des Moskauer Patriarchats verurteilte er bereits im Februar 2022 öffentlich den russischen Einmarsch in die Ukraine und schloss sich einem offenen Brief an, der von mehreren hundert kriegsgegnerischen orthodoxen Gesitlichen unterzeichnet worden war.
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Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen – und von eurer Unterstützung!Seine öffentlichen Äußerungen führten rasch zu Sanktionen seitens der Russisch-Orthodoxen Kirche in Kasachstan. Nachdem er 2023 zunächst suspendiert und anschließend formell aus dem Klerus entlassen worden war, kritisierte Vorontsov jahrelang den politischen und religiösen Einfluss, den Moskau auf die orthodoxen Strukturen in Kasachstan ausübte. Er setzte sich für die Gründung einer unabhängigen orthodoxen Gemeinschaft ein – einer Gemeinschaft, die auf den kasachstanischen nationalen Kontext zugeschnitten und vom russischen Patriarchat unabhängig sein sollte.
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Wenige Tage vor seiner Festnahme im Februar 2026 hatte Vorontsov ein Gerichtsverfahren gegen das Justizministerium Kasachstans eingeleitet, nachdem dieses die Registrierung einer neuen unabhängigen orthodoxen Gemeinde verweigert hatte. In der Nacht zum 13. Februar durchsuchte die Polizei seine Wohnung in Almaty. Die Behörden gaben an, Betäubungsmittel gefunden zu haben, und leiteten Ermittlungen wegen Drogenbesitzes sowie des „Betreibens eines Ortes für den Drogenkonsum“ ein – Vorwürfe, die der Geistliche und seine Anhänger zurückweisen. Sie prangern den Fall als politisch motiviert an.
Besorgniserregende Haftbedingungen
Seit seiner Festnahme haben verschiedene Faktoren die Kritik von Menschenrechtler:innen befeuert. Vorontsov gibt an, dass ihm Familienbesuche, Unterlagen aus seiner Verfahrensakte sowie seine religiöse Literatur verweigert wurden. Sein Anwalt Galym Nurpiesov wirft den Behörden zudem vor, psychiatrische Untersuchungen ohne Zustimmung oder vorherige Benachrichtigung der Verteidigung durchgeführt zu haben.
Human Rights Watch sieht den Fall als Teil eines besorgniserregenden Trends in Kasachstan: den Einsatz der Psychiatrie als Instrument politischer Repression. Die Organisation hebt insbesondere hervor, dass bei Iakov Vorontsov keinerlei Vorgeschichte psychiatrischer Probleme oder von Missbrauch verbotener Substanzen vorliegt. Außerdem seien zahlreiche Verfahrensunregelmäßigkeiten seit seiner Festnahme festgestellt worden.
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Zur Unterstützung wurde ein offener Brief an Kasachtans Präsidenten Qasym-Jomart Toqaev verfasst und von mehr als hundert Menschenrechtler:innen aus Russland und Kasachstan unterzeichnet. Darin wird die Freilassung von Iakov Vorontsov gefordert und das Verfahren als rechtswidrig verurteilt. Zudem wurde er vom Kasachischen Internationalen Büro für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit (KIBHR) in die Liste der Personen aufgenommen, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden. Auch die Vereinten Nationen haben Zweifel an den Beweggründen für die Inhaftierung geäußert. Der Fall Vorontsov weckt zudem Erinnerungen an die sowjetische Praxis der Strafpsychiatrie, die gegen politische und religiöse Dissident:innen eingesetzt wurde.
Zersplitterung der russischsprachigen Gemeinschaft
Über die religiöse Dimension hinaus offenbart der Vorfall wachsende Spannungen innerhalb der kasachstanischen Gesellschaft in Bezug auf Russlands Krieg gegen die Ukraine. Seit 2022 bemüht sich Astana um eine diplomatische Balance zwischen Moskau und dem Westen. Gleichzeitig werden politische Äußerungen unterbunden, die die Beziehungen zu Russland gefährden könnten. Vor diesem Hintergrund sind offen kriegskritische Äußerungen besonders heikel – insbesondere dann, wenn sie von einer religiösen Persönlichkeit aus der russischsprachigen orthodoxen Gemeinschaft stammen.
Die orthodoxe Kirche in Kasachstan – ein Metropolitenbezirk des Moskauer Patriarchats – ist eines der Instrumente, mit denen Moskau Einfluss auf Astana ausübt. Laut der letzten Volkszählung von 2021 leben mehr als 3 Millionen orthodoxe Christ:innen in Kasachstan. Sie sind überwiegend russischer Herkunft, gehören aber auch ethnischen Gruppen ukrainischer und belarussischer Abstammung an. Die Aussicht auf eine eigenständige kasachstanische orthodoxe Kirche würde den russischen Behörden den privilegierten Zugang zu den slawischen Gemeinschaften Kasachstans entziehen.
Lenny Cabrol für Novastan
Aus dem Französischen von Robin Roth
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Kasachstan: Anti-Kriegs-Priester in psychiatrische Klinik eingewiesen