Russland und Zentralasien bauen gemeinsame Luftverteidigung aus

Während das am 27. April unterzeichnete Luftverteidigungsabkommen zwischen Russland und Tadschikistan noch ratifiziert wird, diskutiert Russland bereits über eine Ausweitung des Abkommens auf Kirgistan und Kasachstan. Der Abzug der US-Truppen aus Afghanistan hat in der Region Sicherheitsbedenken geweckt.

Die Machtübernahme der Taliban versetzt Zentralasien in Alarmbereitschaft. Länder wie Usbekistan und Tadschikistan befürchten eine Verletzung ihrer Grenzen sowie Bedrohungen durch Terrorismus. Bezüglich der Landesverteidigung haben sich einige Länder der Region daher für ein engeres Bündnis mit Russland entschieden. Bereits am 27. April, als sich schon eine Verschlechterung der Situation in Afghanistan abzeichnete, beschlossen Russland und Tadschikistan den Aufbau eines gemeinsamen Luftverteidigungssystems. Das Abkommen befindet sich derzeit im Prozess der Ratifizierung.

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Die Diskussionen scheinen sich jedoch ausgeweitet zu haben. Wie die russische Nachrichtenagentur TASS berichtete, kündigte Generaloberst Jurij Grechow am 31. August an, dass ähnliche Partnerschaftsabkommen mit Kirgistan, Kasachstan und Armenien erörtert werden. Zuvor hatte der Koordinierungsausschuss für die Luftverteidigung, ein dem Verteidigungsministerrat der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) unterstehendes Gremium, in Astrachan getagt. Grechow ist derzeit stellvertretender Oberbefehlshaber der Luft- und Raumfahrtstreitkräfte der Russischen Föderation und zuständig für Luft- und Raketenabwehr.

Eine notwendige Modernisierung

Mit dem Abzug des US-Militärs aus Afghanistan müssen die Regierungen Zentralasiens ein eigenes Verteidigungssystem entwickeln. Dabei handelt es sich in erster Linie um die Modernisierung von militärischem Gerät aus der Sowjetzeit, welches heute veraltet ist.

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Doch auch eine Erhöhung der Mittel für das einheitliche Verteidigungssystem der GUS steht auf der Tagesordnung. Laut TASS umfasst dieses derzeit 19 Luftfahrteinheiten, 38 Einheiten Flugabwehrraketen, 15 Einheiten funktechnischer Truppen, neun Luftverteidigungsbrigaden und drei Einheiten im Bereich radio-elektronischer Kriegsführung.

Verstärkte Kooperation mit Russland

Um die Ziele der Luftraumüberwachung und des Luftraumschutzes zu erreichen, wird die russische Armee ab September 2021 Ausbildungskurse für das Militär der anderen Mitgliedsländer organisieren. Wie TASS berichtet, wird darüber hinaus vom 14. bis zum 25. September in Kasachstan das Manöver „Combat Brotherhood 2021“ durchgeführt. Luftkampfeinheiten aus Russland, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Belarus werden daran teilnehmen.

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Diese von oder mit Russland durchgeführten Manöver nehmen seit dem Machtantritt der Taliban zu. So wurde im Rahmen der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) vom 7. bis zum 9. September in Kirgistan das Manöver Rubesch-2021 (Grenze-2021) durchgeführt, berichtet die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. OVKS-Generalstabschef Anatolij Sidorow sagte laut TASS, dass das Manöver so durchgeführt wurde, dass die GUS-Staaten auf alle Ereignisse in Afghanistan vorbereitet seien.

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Generell scheinen die Abkommen über eine gemeinsame Luftverteidigung zwischen Russland und Kirgistan beziehungsweise Russland und Kasachstan kurz vor einem Abschluss zu stehen. Kirgistan durchläuft derzeit ein Verfahren der innerstaatlichen Koordinierung, nach dessen Abschluss der Entwurf des Abkommens den Verteidigungsministern beider Länder zur Unterzeichnung vorgelegt werden kann. Mit Kasachstan ist laut TASS bereits für April 2022 eine gemeinsame militärische Luftverteidigungsübung geplant. Das Ziel: „Die Funktionsweise des gemeinsamen regionalen Luftverteidigungssystems Russland-Kasachstan zu demonstrieren“.

Chloé Pagliccia, Redakteurin für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

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