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“Kaspische Brücke”: Bauen Kasachstan und Aserbaidschan eine Alternative zu russischen Exportrouten auf?

Der Güterverkehr zwischen Kasachstan und Aserbaidschan soll durch die Einrichtung eines neuen Fährsystems über das Kaspische Meer ausgebaut werden. Mit der “Kaspischen Brücke”, wie das neue Projekt genannt wird, soll der Warentransport entlang des “Mittleren Korridors” angekurbelt werden - möglicherweise zum Nachteil von Exportrouten über Russland.

Aserbaidschan und Kasachstan möchten den Export von Erdöl über das Kaspische Meer ankurbeln. Foto: Peretz Partensky, Wikimedia Commons.

Der Güterverkehr zwischen Kasachstan und Aserbaidschan soll durch die Einrichtung eines neuen Fährsystems über das Kaspische Meer ausgebaut werden. Mit der “Kaspischen Brücke”, wie das neue Projekt genannt wird, soll der Warentransport entlang des “Mittleren Korridors” angekurbelt werden – möglicherweise zum Nachteil von Exportrouten über Russland.

Der Ausbau von Handelswegen und Transportrouten genießt in Zentralasien höchste Priorität. Als Dreh- und Angelpunkt des Mittleren Korridors, der die Märkte Europas und Chinas auf dem Landweg verbinden soll, spielen vor allem Kasachstan und Usbekistan eine essenzielle Rolle in der Handels- und Wertschöpfungskette zwischen den großen Verbrauchermärkten Europas und Asiens. 

Zu diesem Zwecke unterzeichneten Handelsvertreter:innen der aserbaidschanischen und kasachischen Eisenbahngesellschaften am Montag (2. November 2026) einen Vertragsentwurf, in dem der Bau intermodaler Frachtterminals als Joint Venture an den Ufern des Kaspischen Meeres beabsichtigt wird. Hierbei sollen Triebwagen über das Meer transportiert werden, ohne dass sie ihre Fracht umladen müssen. Das Projekt soll den Transport von 8 Millionen Tonnen Cargo pro Jahr sicherstellen, wobei die Kapazitäten in Zukunft auf jährlich 10-12 Millionen Tonnen erhöht werden könnten.

Angekündigt wurde das Projekt, das den Namen “Kaspische Brücke” trägt, vom kasachischen Staatsfonds Samruk-Kazyna. Mit dem neuen Fährsystem wollen beide Länder “den Korridor durch das Kaspische Meer noch zuverlässiger und effizienter […] gestalten”, so das kasachische Transportministerium in einer Pressemitteilung. 

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Bereits Mitte Oktober hatte der kasachische Präsident Qassym-Jomart Toqaev während eines Arbeitsbesuchs in Baku angekündigt, dass die Bakuer Werft zwei Mehrzweckschiffe für den Transport von Trockenfracht für die kasachische Firma KTZ Express Shipping, eine Tochterfirma der nationalen Eisenbahngesellschaft Qasaqstan Temir Scholy (KTZ), bauen würde. 

„Der Aufbau einer eigenen Seeschifffahrtsflotte wird es Kasachstan ermöglichen, die Effizienz des Frachtmanagements zu verbessern, die Kapazität der transkaspischen Route zu erhöhen und zusätzliche Voraussetzungen für die Gewinnung internationaler Frachtströme zu schaffen“, so Toqaev während des Treffens. Bis 2028 erwartet Kasachstan die Lieferung von insgesamt 8 Schiffen für den Containertransport, von denen vier von der Werft in Baku und vier von China gebaut werden sollen.

Abkehr von Russland

Seit Jahren gewinnt der “Mittlere Korridor” an Bedeutung als einer der wichtigsten und vielversprechendsten Handelswege zwischen Asien und Europa. Besonders seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs 2022 probieren die zentralasiatischen Länder, alternative Exportrouten zu finden, um ihre Abhängigkeit von Russland auf diesem Gebiet zu verringern.

Bis 2040 könnte das Handelsvolumen entlang des Korridors laut der Weltbank durch gezielte Investitionen verdreifacht und die Fahrzeiten halbiert werden. Allerdings stehen einer optimalen Auslastung der Route derzeit noch ein Mangel an Schiffskapazität, überfrachtete Schienennetzwerke und eine zersplitterte Koordination zwischen nationalen Eisenbahngesellschaften im Wege.

Vor allem Kasachstan macht sich händeringend für einen Ausbau des Mittleren Korridors stark. Derzeit laufen noch knapp 80% der Ölexporte des Landes über das Caspian Pipeline Consortium (CPC) durch russisches Territorium, was Astana anfällig macht für russische Blockaden und Ausfälle in der dortigen Infrastruktur. Letzten April hatte Moskau angekündigt, kasachstanische Ölexporte nach Deutschland über die Druschba-Pipeline zu stoppen, nachdem diese durch ukrainische Drohnenangriffe beschädigt worden war. 

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Stattdessen möchte Kasachstan vermehrt auf die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline setzen, um seine Exportrouten zu diversifizieren. Die 1760 Kilometer spannende Pipeline verläuft von der aserbaidschanischen Hauptstadt über Georgien bis in die türkische Provinz Ceyhan im Südosten des Landes, von wo aus das Öl durch Tanker nach Europa oder auf andere Kontinente weiter exportiert werden kann. 

Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Ölexporte vom kasachischen Hafen in Aktau über die Pipeline bis Ende September bereits um 24% auf 1,16 Millionen Tonnen. Um den potenziellen Ausbau von Lieferungen via Aserbaidschan zu erörtern, traf sich der Vorstandsvorsitzende der staatlichen Öl- und Gasgesellschaft Kasachstans KazMunayGas (KMG), Askhat Kassenov, am Dienstag (3. November 2026) in Baku mit Rovshan Najaf, dem Präsidenten der Staatlichen Ölgesellschaft der Republik Aserbaidschan (SOCAR). Laut Kassenov erwägt KMG die Option, ihre Bohrinsel Satti in den Offshore-Ölfeldern Aserbaischans bohren zu lassen. Dazu werten beide Firmen gemeinsam geologische Daten von möglichen Bohrstandorten aus.

2024 hatten beide Firmen vereinbart, das Transitvolumen schrittweise auf 2,2 Millionen Tonnen pro Jahr zu erhöhen, wobei Aserbaidschan seine Bereitschaft signalisiert hat, auf 2,7 Millionen Tonnen hochzugehen. Perspektivisch könnte die Pipeline pro Jahr bis zu 7 Millionen Tonnen kasachisches Erdöl transportieren.

Mit der “Kaspischen Brücke” möchten die beiden Staaten nun den nächsten Schritt zum Abbau logistischer Probleme machen. Die derzeitige multimodale Transportweise ist sehr aufwendig, und Wetterumstände können bedeutende Rückstände verursachen, die die gesamte Lieferkette beeinträchtigen. Mit den neuen intermodalen Frachtterminals soll ein reibungsloser Ablauf der Lieferungen gewährleistet und ein weiterer Schritt in Richtung Unabhängigkeit von Russland vollzogen werden.

Benedikt Stöckl für Novastan

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