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Zentralasiens Wälder unter Druck

Von den kiefernumrandeten Seen Kasachstans über die Walnusshaine Kirgistans bis zu den Tugai-Wäldern des Amudarja ist Zentralasien erheblich grüner, als sein internationales Image vermuten lässt. Doch Brände, Massentourismus und die bauliche Erschließung stellen auf die Probe, ob als Schutzgebiete ausgewiesene Areale diesen Schutz auch in der Praxis genießen.

Von den kiefernumrandeten Seen Kasachstans über die Walnusshaine Kirgistans bis zu den Tugai-Wäldern des Amudarja ist Zentralasien erheblich grüner, als sein internationales Image vermuten lässt. Doch Brände, Massentourismus und die bauliche Erschließung stellen auf die Probe, ob als Schutzgebiete ausgewiesene Areale diesen Schutz auch in der Praxis genießen.

Im Sommer kann ein Funke genügen: Er kann von einem unter den Bäumen glimmenden Lagerfeuer stammen, von einer am Straßenrand weggeworfenen Zigarette oder von Maschinen, die in trockenem Gras betrieben werden. Hitze, Wind und Vegetation erledigen den Rest. Für die Forstleute und Ranger:innen, die für Zentralasiens Schutzgebiete verantwortlich sind, ist das erste Warnzeichen oft nur ein dünner Rauchfaden, der hinter einem Bergkamm aufsteigt. Bis das Feuer vom nächsten Dorf aus zu sehen ist, erfordert die Anfahrt zur Brandstelle mitunter schon stundenlange Fahrten auf unwegsamen Strecken und das mit begrenzter Ausrüstung.

Traditionelles Frühstück in Arslanbob: hausgemachtes Brot, Marmelade, Honig, schwarzer Tee, und Walnüsse. Credits: Novastan

Waldbrände haben den Schutz der Wälder weit über Zentralasien hinaus zu einem dringenden politischen Thema gemacht. Dennoch spielt die Region in internationalen Debatten kaum eine Rolle. Für viele Außenstehende bleibt Zentralasien eine Region geprägt von Steppen, Hochgebirgen und Wüsten: spektakulär, aber weitgehend baumlos. Dabei sieht die Wirklichkeit deutlich vielschichtiger aus.

Pistazienbäume in Tadschikistan. Credits: Asia-Plus

Fichtenwälder steigen die Hänge des Tian Shan hinauf. Walnuss- und Wildobstbäume bedecken Teile des südlichen Kirgistans. Kiefern und Birken wachsen zwischen den Seen und Granitformationen Nordkasachstans. Wacholderwälder überleben in den Bergen Usbekistans und Tadschikistans. Entlang des Amudarja und anderer Flüsse bieten Fragmente von Tugai-Wäldern nach wie vor Hirschen, Wildschweinen und Zugvögeln Rückzugsort. In Turkmenistans Bergen und Wüsten wachsen Pistazien, Wacholder, Tamarisken und Saxaul. Diese Vegetationsformen sind an einige der extremsten Bedingungen Eurasiens angepasst.

Wacholderwälder. Credits: Novastan

Diese Landschaften speichern Wasser, stabilisieren Böden, sichern den Lebensunterhalt der Landbevölkerung und bieten Wildtieren Schutz. Zugleich dienen sie immer mehr als Ziel für eine rasch wachsende Zahl von Besucher:innen. Das Ergebnis ist ein regionales Dilemma: Die Regierungen Zentralasiens weisen neue Schutzgebiete aus, erweitern bestehende Schutzgebiete, fördern den Ökotourismus und kündigen ehrgeizige Ziele zur Ökosystem-Wiederherstellung an. Gleichzeitig leiden Wälder und Parks unter steigenden Temperaturen, Bränden, Beweidung, Bautätigkeiten, Vermüllung und – in mehreren Ländern – unter unzureichenden Kapazitäten zur Durchsetzung von Schutzbestimmungen.Die wichtige Frage lautet daher nicht nur, wie viele Nationalparks Zentralasien hat. Sie lautet, wie wirksam sie geschützt sind.

Mehr als Wüste und Steppe

Zentralasiens Wälder sind nicht die zusammenhängenden gemäßigten Wälder, wie man sie andernorts findet. Viele Wälder sind fragmentiert, stark lokalisiert und an Gebirgs-, Fluss- oder Wüstenumgebungen angepasst. Ihre relative Seltenheit macht sie besonders wertvoll.

Im Osten Kasachstans reicht der Nationalpark Katon-Karagay von Wald und Wiese bis zur alpinen Tundra im Altaigebirge. Sibirische Lärche, Tanne, Fichte, Birke und Zirbelkiefer bieten Lebensraum für Maralhirsche, Braunbären, Luchse, Steinböcke und den scheuen Schneeleoparden. Kasachstan beschreibt Katon-Karagay als seinen größten Nationalpark und eine seiner am intaktesten Schutzgebiete.

Weiter westlich tauchen die Kiefernwälder von Burabai und Bajanawul fast unerwartet aus der umgebenden Steppe auf. Ihre Seen und leicht zugänglichen Landschaften haben sie zu beliebten Touristenzielen gemacht, aber diese Zugänglichkeit bringt auch Nachteile mit sich: mehr Fahrzeuge, mehr illegale Campingplätze, mehr Müll und eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass menschliche Aktivitäten einen Brand auslösen.

Burabay-Nationalpark in Kasachstan. Credits: Novastan

Die Walnuss- und Obstwälder rund um das kirgisische Arslanbob zählen zu den prägendsten Kulturlandschaften der Region. Walnussbäume wachsen hier neben Wildapfel, Birne, Pflaume und Weißdorn. Für viele einheimische Familien sichert die Ernte von Nüssen und Früchten seit jeher den Lebensunterhalt, daher muss Naturschutz immer auch Fragen des Zugangs, des Einkommens und der Rechte der lokalen Bevölkerung berücksichtigen. Obwohl Wälder nur einen kleinen Teil Kirgistans ausmachen, sind sie ein zentrales ökologisches und wirtschaftliches Gut.

Arslandbob am Morgen. Credits: Irina Unruh, Novastan.

In den höheren Lagen des Tian Shan, die von Schrenk-Fichten- und Wacholderwäldern geprägt sind, liegen Nationalparks wie Ala-Artscha, Tschong-Kemin und Besch-Tasch. Fotofallen in Besch-Tasch zeichneten 2025 Schneeleoparden, Argali-Schafe, Sibirische Steinböcke, Wölfe und Füchse auf. Dies ist eine Erinnerung daran, dass Schutzgebiete auch Lebensräume und nicht bloß malerische Kulissen für Besucher sind.

Usbekistans Gebirgsparks schützen Wacholderwälder, Wildobstarten und Lebensräume, die von Bären, Steinböcken, Luchsen, Geiern und anderen Greifvögeln genutzt werden. Im Westen stellt der neu geschaffene Nationalnaturpark Aralkum ein ganz anderes Experiment dar: den Schutz von Leben, das im und um das ehemalige Bett des Aralsees entsteht. Usbekische Behörden berichten, dass der Park 25 Tierarten beherbergt, darunter vier, die auf der nationalen Roten Liste geführt werden.

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Tadschikistans Wälder bedecken nur einen kleinen Teil des Landes, aber ihre ökologische Funktion steht in keinem Verhältnis zu ihrer Fläche. Wacholder, Pistazie, Mandel und weitere Ufervegetation helfen, Gebirgsböden zusammenzuhalten und den Wasserhaushalt zu regulieren. Unser Medienpartner “Asia-Plus” hat berichtet, dass die Waldbedeckung etwa drei Prozent des Territoriums Tadschikistans beträgt und dass die einst ausgedehnten Tugai-Wälder des Landes unter landwirtschaftlichem Druck dramatisch geschrumpft sind.

Tugai Wälder in Tadschikistan. Credits: Asia-Plus

Turkmenistan verlässt sich weniger auf die Bezeichnung „Nationalpark“ als seine Nachbarn. Sein Naturschutzsystem ist weitgehend um staatliche Reservate herum organisiert, darunter Badhys, Köýtendag, Repetek, Kaplankyr und Synt-Hasardag. Diese schützen Ökosysteme, die von Pistazienwäldern und Gebirgslebensräumen bis hin zu Saxaul-Wüsten reichen, zusammen mit Arten wie Kulan, Kropfgazelle, Steppenschafe und Schraubenziege. In ihrer Gesamtheit zeigen diese Landschaften, dass Zentralasien alles andere als eine baumlose, monotone Weite ist.

Karakum-Wüste. Credits: Mathieu Lemoine.

Wie viele Parks hat Zentralasien?

Schutzgebiete in Zentralasien. Credits: Novastan.

Die einfache Antwort lautet, dass keine regionale Zahl vollkommen verlässlich ist. Kasachstan weist konsequent 14 staatliche Nationalnaturparks aus. In Kirgistan variieren die veröffentlichten Gesamtzahlen jedoch, je nachdem, ob die Quellen nur Parks zählen, die von der Hauptverwaltung für Schutzgebiete verwaltet werden, oder zusätzliche Gebiete unter anderen Regelungen einbeziehen. Usbekistan unterscheidet zwischen Nationalparks, Nationalnaturparks, Naturparks und anderen Schutzkategorien. Während Tadschikistan verschiedene Kategorien von Parks und Reservaten verwendet, konzentriert sich Turkmenistans System auf staatliche Naturreservate und Schutzgebiete.

Eine regionale Gesamtzahl greift daher zu kurz, solange die rechtlichen Schutzkategorien nicht harmonieren. Das ist keine reine Formsache: Es zeigt, wie Regierungen ein Wachstum der Schutzflächen melden können, ohne klarzustellen, was vor Ort erlaubt ist. Ein Reservat mit strengen Regeln kann menschliche Aktivitäten erheblich einschränken, während ein National- oder Naturpark Zonen für Tourismus, Straßen, Beweidung oder andere Nutzungsformen enthalten kann.

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Alle fünf Länder verfügen über Rahmengesetze für besonders geschützte Naturgebiete. Kasachstans Gesetz stammt aus dem Jahr 2006, Kirgistans aus dem Jahr 2011, Usbekistans aus dem Jahr 2004, Tadschikistans aus dem Jahr 2011 und der Turkmenistans aus dem Jahr 2012. Diese Gesetze gelten jedoch neben weiteren Gesetzen, Bestimmungen und Einzelentscheidungen zur Einrichtung oder Umzonung bestimmter Parks.

Die rechtliche Ausweisung ist daher erst der Anfang. Die praktischen Fragen sind aufschlussreicher: Kann innerhalb des Parks ein Hotel gebaut werden? Kann dort Vieh weiden? Wie viele Ranger:innen patrouillieren dort? Wer greift ein, wenn es brennt? Können seine Grenzen verändert werden, um Erschließungen zu ermöglichen?

Wenn Ökotourismus zu Massentourismus wird

Kasachstan veranschaulicht diesen Widerspruch besonders deutlich. Seine Nationalparks sind zu einem zentralen Bestandteil der inländischen Tourismusstrategie des Landes geworden. Neue Straßen, Besucherzentren, Unterkünfte und markierte Routen können die Natur zugänglicher machen und Einkommen für abgelegene Regionen generieren. Doch steigende Besucherzahlen erzeugen auch Müll, Bodenerosion, Verkehr und Brandgefahr.

Forschung und regionale Berichterstattung haben bereits Bedenken hinsichtlich der Schädigung von Vegetation und Böden entlang stark genutzter Routen geäußert. Kasachstan entwickelt derzeit einen neuen Biodiversitätsrahmen für 2026–2035, unter dem die Gesamtfläche der besonders geschützten Naturgebiete voraussichtlich von rund 31 Millionen auf 33,2 Millionen Hektar steigen soll. Die Erweiterung ist bedeutend. Doch das Hinzufügen von Hektar löst für sich genommen weder die Überlastung in den leicht zugänglichen Parks, noch garantiert es, dass Tourismuseinnahmen wieder in den Naturschutz investiert werden.

Kirgistan steht vor einem ähnlichen Spannungsverhältnis. Mehr als 250.000 Menschen besuchten im Jahr 2025 die Schutzgebiete des Landes und erwirtschafteten Einnahmen von 38 Millionen Som (386,578.91 Euro). Gegenüber “24.kg” warnten Umweltexperten, dass Straßen und Infrastruktur zunehmend in unberührte Wälder vordringen.

Ehrenamtliche Ranger:innen. Credits: UNEP.

Dies wirft eine unangenehme Frage auf: Wenn eine geschützte Landschaft als Reiseziel wirtschaftlich wertvoll wird, welche Institution ist dann stark genug, um weitere Bauten zu verhindern? Tourismus muss dem Naturschutz nicht widersprechen: Besuchergebühren finanzieren Ranger:innen, Pfadpflege, Müllentsorgung und Umweltmonitoring. Gastronomie und Unterkünfte sichern der Bevölkerung ein Einkommen durch gelebten Naturschutz. Doch dafür braucht es klare Grenzen, die sich an der ökologischen Tragfähigkeit ausrichten und nicht an der Annahme, dass mehr Touristen auch mehr Erfolg bedeuten. Ein Park kann wirtschaftlich florieren und gleichzeitig als Schutzgebiet scheitern.

Neue Parks, alte Kapazitätsprobleme

Usbekistan bewegt sich zügig in die entgegengesetzte Richtung: Anstatt sich nur mit der Überlastung etablierter Reiseziele auseinanderzusetzen, erweitert es sein Schutzgebietssystem erheblich.

Am 25. März 2026 schuf die Regierung die Nationalnaturparks Ovjazsoy-Moviy Toglar, Pskem und Fergana mit einer Gesamtfläche von 188.800 Hektar. Zudem erweiterte sie den Nationalnaturpark Pop von 10.000 auf 135.300 Hektar. Die Erweiterung folgt auf frühere Entscheidungen zur Vergrößerung der Reservate Nurata und Surkhan sowie des Nationalnaturparks Zarafshan.

Diese Maßnahmen könnten wichtige Gebirgs-, Wald- und Flussökosysteme schützen, bevor Straßen, Siedlungen oder intensiver Tourismus diese weiter fragmentieren. Usbekistan arbeitet außerdem mit dem Entwicklungsprogramm der Verneinten Nationen (UNDP) und der Globalen Umweltfazilität (GEF) an der Renaturierung im westlichen Tien Shan, im Nuratau-Gebirge und im Kugitang. Das Programm zielt darauf ab, die Bewirtschaftung von 1,3 Millionen Hektar Wald und Weideland zu verbessern. Doch das rasche Flächenwachstum bringt eigene Herausforderungen mit sich: Neue Parks benötigen nicht nur geschultes Personal, Fahrzeuge und Löschgerät, sondern auch verlässliche Budgets. Hinzu kommen aufwändige Aufgaben wie Artenerfassungen, Zonierungspläne und die Einbindung der Gemeinden vor Ort. Ohne all das existiert ein Park zwar rechtlich auf dem Papier, aber in der Praxis kaum.

Die Unterscheidung zwischen dem Pflanzen von Bäumen und der Renaturierung ist ebenso wichtig. Eine Plantage kann einen offiziellen Waldindikator erhöhen, allerdings bietet sie weniger biologische Vielfalt als sich natürlich regenerierender heimischer Wald. Saxaul, der zur Stabilisierung freiliegender Böden gepflanzt wird, verfolgt einen anderen Zweck als die Renaturierung durch Wacholderwald, Walnusshainen oder Ufer-Tugai. Die zentrale Frage ist nicht, ob das Pflanzen von Bäumen wertvoll ist. Sie lautet, welche Art von Landschaft geschaffen wird, für wen und für wie lange.

Wenn der Wald brennt: Schutz auf dem Prüfstand

Waldbrände sind vielleicht der deutlichste Test dafür, ob ein Schutzgebiet über das Papier hinaus funktioniert. In Tadschikistan waren im Jahr 2025 Berichten zufolge mehr als 430 Hektar Wald in neun Regionen von Bränden betroffen. Extreme Hitze und menschliche Unachtsamkeit wurden als Ursachen identifiziert. Für ein stark bewaldetes Land mag diese Fläche gering erscheinen. In Tadschikistan, wo Waldflächen rar sind und oft gefährdete Gebirgsböden schützen, kann jeder verbrannte Hektar weitreichende Folgen haben. Der Verlust der Vegetation kann die Erosion beschleunigen, Weideland schädigen, die Wasserspeicherung verringern und nahe gelegene Siedlungen, Erdrutschen und Überschwemmungen aussetzen.

In der gesamten Region erschwert die Abgelegenheit die Brandbekämpfung. Wo schlechte Straßen oder unwegsames Bergland den Zugang versperren, erreicht Löschgerät die geschützten Wälder oft gar nicht oder erst viel zu spät. Gleichzeitig stehen die Ranger:innen vor einer kaum zu bewältigenden Aufgabenfülle: Über riesige Flächen hinweg sollen sie Touristen beaufsichtigen, Wilderei verhindern, den Dialog mit den Gemeinden vor Ort halten und im Notfall Brände bekämpfen.

Nuratau-Gebirge, Usbekistan. Credits: Mathieu Lemoine.

Technologie kann die Früherkennung durch Kameras, Satellitenüberwachung, Drohnen und automatisierte Warnungen verbessern. Ein Alarm hilft jedoch nur dann, wenn jemand über die Ausrüstung, das Personal und den Zugang verfügt, die erforderlich sind, um darauf zu reagieren.

Zusätzlich verringert der Klimawandel den Spielraum für Fehler weiter. Zentralasien erlebt bereits Landdegradierung, Wasserknappheit und Belastungen für die Ökosysteme. Eine heißere und trockenere Landschaft verwandelt eine gewöhnliche Nachlässigkeit in ein potenziell verheerendes Ereignis.

Wer unterstützt den Naturschutz?

Die zentralasiatischen Staaten bewältigen diesen Druck nicht allein. Die RESILAND-Initiative der Weltbank unterstützt die Renaturierung und die Klimaresilienz in der gesamten Region. Sie fördert auch grenzüberschreitende Schutzgebiete und ökologische Korridore, denn Wassereinzugsgebiete und Wildtiere halten sich nicht an menschengemachte Grenzen.

In Tadschikistan unterstützt die Weltbank mit 45 Millionen US-Dollar Renaturierung, nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen und Klimaresilienz. In Usbekistan hat die Weltbank ein wesentlich größeres Programm zur Wiederherstellung von Wäldern und degradierten Flächen unterstützt. Regionale und nationale Projekte werden zudem über die Globale Umweltfazilität (GEF) finanziert und vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), der Welternährungsorganisation (FAO) und Regierungsbehörden umgesetzt.

Die Weltnaturschutzunion (IUCN) arbeitet mit Mitgliedern und staatlichen Partnern in allen fünf zentralasiatischen Ländern zusammen und konzentriert sich dabei auf Biodiversität, Schutzgebiete und Naturschutzpolitik. Die UNESCO unterstützt Naturwelterbestätten und Biosphärenreservate, während der Critical Ecosystem Partnership Fund Unterstützung an Organisationen der Zivilgesellschaft im Biodiversitäts-Hotspot der Berge Zentralasiens geleitet hat.

Im April 2026 unterzeichneten die fünf zentralasiatischen Länder in Astana eine regionale Erklärung zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. Die Erklärung ist politisch wichtig, aber ihr Wert wird letztlich in weniger feierlichen Rahmen gemessen werden: in einer Rangerstation mit funktionierender Ausrüstung, in einem Wald, in dem illegale Abholzung aufgehört hat, in einem Tourismusprojekt, das aus einem anfälligen Lebensraum verlegt wurde, oder in einem Dorf, dem eine bedeutungsvolle Rolle bei der Verwaltung des angrenzenden Areals eingeräumt wird.

Internationale Projekte können Geld, Fachwissen und Technologie bereitstellen. Ihr nachhaltiger Beitrag hängt davon ab, ob sie Institutionen aufbauen, die auch nach Ablauf eines Projektzyklus weiter funktionieren.

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Echter Schutz braucht die Menschen vor Ort als Partner, nicht als Gegenspieler.

Wälder sind selten menschenleere Räume. Die Bevölkerung sammelt Walnüsse, Früchte und Heilpflanzen, lässt Vieh weiden, arbeitet im Tourismus oder heizt ihr Zuhause mit Holz. Wird den Menschen der Zugang verwehrt, ohne Alternativen zu bieten, wird der Naturschutz schnell zum Konfliktstoff. Eine uneingeschränkte Nutzung wiederum riskiert, ebenjene Ökosysteme zu zerstören, von denen diese Lebensgrundlagen abhängen. Die soziale Dimension der zentralasiatischen Schutzgebiete ist deshalb mindestens ebenso wichtig wie ihr rechtlicher Status.

Eine Familie, die im Süden Kirgistans Walnüsse sammelt, Reiseführer:innen, die Besucher:innen durch den Tian Shan führen, und Ranger:innen, die nach Rauch Ausschau halten, mögen unterschiedliche unmittelbare Interessen haben. Doch alle hängen davon ab, dass der Wald überlebt.

Wirksamer Naturschutz erfordert, dass die Gemeinschaften spürbare Vorteile erhalten, an Entscheidungen beteiligt werden und verstehen, warum manche Nutzungen eingeschränkt werden müssen. Er erfordert auch, dass Regierungen Projekten widerstehen, die schnelle Tourismuseinnahmen auf Kosten der langfristigen ökologischen Stabilität versprechen.

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Zentralasien schafft mehr Parks, renaturiert und räumt der Biodiversität einen höheren Stellenwert auf seiner regionalen Agenda ein. Das sind reale Entwicklungen. Jedoch werden erst die kommenden Jahre zeigen, ob die Region widerstandsfähige Ökosysteme aufbaut oder lediglich neue Schutzgebiete auf dem Papier.

Wenn Rauch über einem Wald aufsteigt, lässt sich dieser Unterschied nicht mehr ignorieren. Eine auf einer Karte gezogene Grenze kann keinen Brand stoppen. Ein Gesetz kann keine Patrouille auf einem Bergpfad ersetzen. Eine Erklärung kann keinen Müll beseitigen, keine illegale Abholzung verhindern oder eine:n Investor:in davon überzeugen, andernorts zu bauen. Dafür braucht ein Schutzgebiet Menschen, Ressourcen und die politische Autorität, tatsächlich geschützt zu bleiben.

Text von Mathieu Lemoine, Editor-in-Chief von Novastan English.

Aus dem Englischen von Elisa Berste

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