Jährlich bereisen etwa 1,8 Millionen Tourist:innen Tadschikistan, davon stammen 91 Prozent aus Ländern der ehmaligen Sowjetunion. Warum kommen nach wie vor nur wenige Reisende aus anderen Regionen? Unser Partnermedium Fergana News ist dieser Frage nachgegangen und hat ich die Statistiken genauer angeschaut.
2025 besuchten fast 1,8 Millionen ausländische Tourist:innen Tadschikistan. Lediglich 149.900 von ihnen stammten jedoch aus Ländern außerhalb der GUS-Region. Dies geht aus Daten des tadschikischen Statistikamtes hervor. Auf diese Daten verwiesen die Behörden im Rahmen verschiedener Veranstaltungen, die Ende September in Duschanbe stattfanden: der Sitzung des Rates für Tourismus der GUS-Staaten, der Tourismusmesse DITE-2026 sowie einem Forum zur nachhaltigen Entwicklung von Städten und Regionen. Dort erörterten mehr als 115 Unternehmen und Organisationen Themen wie Reiserouten, Investitionen und die Vermarktung der GUS-Staaten auf ausländischen Märkten.
Der internationale Tourismus in Tadschikistan wächst schnell. Die Einreise für viele Länder wurde vereinfacht, Straßen und Hotels werden gebaut, und zwischen Duschanbe und Chorugh wurde vor Kurzem wieder eine regelmäßige Flugverbindung aufgenommen. Doch schaut man sich die Gesamtzahl der Reisenden genauer an, fällt auf, dass über 91 Prozent der Besucher:innen aus den GUS-Staaten stammen – allen voran aus Usbekistan und Russland. Reisende aus Europa, Nordamerika und Ostasien – die eigentliche Zielgruppe für den Pamir, das Fan-Gebirge und das Wachan-Tal – machten hingegen nur einen kleinen Anteil aus.
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Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen – und von eurer Unterstützung!Dabei mangelt es dem Land keineswegs an Sehenswürdigkeiten: der Pamir-Highway, die Siebentausender, die Seen Sares und Iskanderkul, das Wachan-Tal, das Fan-Gebirge, Pandschakent und Sarasm. Doch es gibt Probleme, die das Wachstum des Tourismus einschränken: Dazu zählen der Straßenzustand, Lawinen und Schlammlawinen, eine lückenhafte Mobilfunkabdeckung, eine eingeschränkte medizinische Versorgung und mangelhafte Rettungsdienste sowie Reisewarnungen von Seiten der USA und Großbritanniens.
Kaum Fernreisende
Im Jahr 2025 reisten etwa 2,1 Millionen ausländische Staatsangehörige in Tadschikistan ein, wovon 1,78 Millionen in der Statistik als Tourist:innen erfasst wurden. 1,63 Millionen kamen aus den GUS-Staaten, 149.900 aus dem übrigen Ausland – das entspricht etwa 8,4 Prozent der Tourist:innen. Allein aus Usbekistan kamen mehr als 1,1 Millionen Menschen, weitere bedeutende Besucherströme stammten aus Russland, Kirgistan und Kasachstan. Unter den Ländern außerhalb der GUS führt China mit 42.200, gefolgt von Afghanistan (18.700), dem Iran (14.500) und den USA (mehr als 13.000). Aus Deutschland kamen etwas mehr als 8.000 Menschen, aus Japan etwa 4.400, aus Italien 4.100, aus Frankreich 3.700 und aus Großbritannien rund 3.000.
Einschränkend kommt hinzu, dass der Begriff „Tourist:in“ in der Statistik weiter gefasst wird als im landläufigen Verständnis, bei dem man etwa an Urlauber:innen in den Bergen denkt. Gemäß der Methodik der Welttourismusorganisation zählen dazu Besucher:innen, die außerhalb ihres gewohnten Umfelds übernachten – sei es aus privaten, geschäftlichen, Erholungs- oder anderen Gründen –, sofern sie nicht bei einem Arbeitgeber vor Ort beschäftigt sind. Daher haben keineswegs alle der 1,8 Millionen Menschen Ausflüge gebucht oder den Pamir-Highway bereist.
Im ersten Halbjahr 2026 zeigt sich in Bezug auf die Herkunftsländer ein unverändertes Bild: Von den 889.400 Tourist:innen stammten lediglich 82.500 – also etwa 9 Prozent – aus weiter entfernten Ländern.
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Was die Einreisebestimmungen betrifft, existiert für den Großteil der potenziellen Zielgruppe die Visahürde nicht mehr. Seit 2022 können Staatsangehörige mehrerer Dutzend Länder bis zu 30 Tage visumfrei in Tadschikistan bleiben. Für alle anderen steht ein elektronisches Visum zur Verfügung.
Für die Autonome Provinz Berg-Badachschan ist zudem eine gesonderte Genehmigung erforderlich, die 20 US-Dollar kostet. Die Einnahmen aus dem Besucherstrom sind bislang noch bescheiden: Registrierte Unternehmen der Branche verzeichneten 2025 einen Umsatz von rund 798 Millionen Somoni (etwa 86,5 Millionen US-Dollar). Die tatsächlichen Einnahmen durch den Tourismus liegen dabei jedoch höher, da die Statistik nicht sämtliche Ausgaben der Ausländer für Transport, Verpflegung und private Unterkünfte erfasst. Zudem bedeutet ein Anstieg der Einreisezahlen für sich genommen noch nicht, dass sich daraus bereits eine nennenswerte Tourismusindustrie entwickelt hat.
Attraktive Berge mit schwierigen Reisebedingungen
Der attraktivste Vorteil Tadschikistans ist zugleich seine größte Herausforderung. Das Land besticht vor allem durch seine Berge, doch ein Großteil der Infrastruktur konzentriert sich auf Duschanbe und die größeren Städte. Von den rund 190 registrierten Unternehmen der Branche hat fast die Hälfte ihren Sitz in der Hauptstadt.
Ein paar weitere Dutzend befinden sich in der Provinz Sughd und etwa dreißig im Autonomen Gebiet Berg-Badachschan – obwohl gerade der hier gelegene Pamir im Ausland am bekanntesten ist. Es gibt zwar mehr als 200 Hotels im Land, doch spezialisierte touristische Anlagen sind deutlich seltener.
Die Behörden räumen ein, dass Straßen instandgesetzt, Campingplätze und Serviceeinrichtungen geschaffen, Reiseleiter:innen ausgebildet und die Kommunikationsanbindung in schwer zugänglichen Regionen sichergestellt werden müssen. In der Stadt bedeutet ein Mangel daran Unannehmlichkeiten, im Hochgebirge wird er zu einer Sicherheitsfrage.
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Im Sommer 2026 stürzte der 22-jährige Russe Igor Bayer beim Abstieg von dem in einer Höhe von über 4000 Metern gelegenen Pass Turamis-1 ab und zog sich Verletzungen an Kopf und Beinen zu. Aufgrund schlechten Wetters konnte kein Hubschrauber starten, sodass er erst nach mehreren Tagen geborgen werden konnte. Ein weiterer Russe brach sich im September 2025 im Serafschan-Gebirge ein Bein; die Rettungskräfte benötigten etwa zwei Tage, um zu ihm zu gelangen.
Solche Vorfälle kommen sowohl in den Alpen als auch im Himalaya vor. Der Unterschied liegt in der Infrastruktur: Dort gibt es Lawinenwarnungen, professionelle Bergführer:innen, Versicherungen und eine schnelle Evakuierung. In Tadschikistan sind die Entfernungen größer, Ortschaften seltener, auf manchen Routen gibt es keinen Mobilfunkempfang, und der Einsatz von Hubschraubern hängt von Wetterbedingungen und technischer Verfügbarkeit ab. Die Behörden sind dabei ein Hilfssystem aufzubauen: Es gibt eine Notruf-Hotline, und bei Einsätzen arbeiten der Ausschuss für Notsituationen, die Touristenpolizei, Grenzschutz und das Außenministerium zusammen. In einem der letzten Berichtszeiträume war in mehr als 200 Fällen Hilfe für ausländische Staatsangehörige erforderlich.
Auch die Natur spielt eine Rolle. Im ersten Halbjahr 2026 wurden im Land 741 natürliche Notfallereignisse registriert: 508 Lawinenabgänge, 123 Murenabgänge, 27 Steinschläge, 10 Erdrutsche und 26 Erdbeben. 12 Menschen kamen ums Leben, darunter zwei bei Lawinenabgängen im Bezirk Warsob. Im Februar 2023 forderte eine Lawinenserie etwa 20 Menschenleben – allein in Chorugh starben 13 Personen; zudem wurden Häuser zerstört, Straßen blockiert und Hunderte von Bewohnenden evakuiert. Für Reisende bedeutet dies, dass die Route von der Jahreszeit und dem Zustand der einzigen verfügbaren Straße abhängt: Murenabgänge oder Steinschläge können diese für mehrere Tage unpassierbar machen.
Westliche Regierungen mahnen zur Vorsicht
Am 4. September 2026 aktualisierte das US-Außenministerium seine Reisehinweise für Tadschikistan. Für das Land insgesamt gilt weiterhin die Sicherheitsstufe 2 („erhöhte Vorsicht geboten“); dabei wird auf die Gefahr durch Terrorismus, nicht entschärfte Minen sowie die eingeschränkten Möglichkeiten zur Unterstützung von US-Staatsangehörigen mit doppelter Staatsbürgerschaft hingewiesen.
Für die Grenze zu Afghanistan sowie für Berg-Badachschan gilt die Sicherheitsstufe 3: US-Bürger:innen wird geraten, die Notwendigkeit einer Reise zu überdenken. Im Fall von Berg-Badachschan wird als Grund die Möglichkeit bewaffneter Konflikte genannt. Das Dokument weist zudem auf schlechte Straßenverhältnisse, die Höhenkrankheit und Lawinengefahr hin und merkt an, dass die medizinische Notfallversorgung außerhalb von Duschanbe deutlich schlechter ist.
Großbritannien rät seinen Bürger:innen generell nicht von Reisen nach Tadschikistan ab, warnt jedoch ausdrücklich vor der Lage in der Autonomen Region Berg-Badachschan sowie an der afghanischen Grenze und weist auf die Risiken bei Wanderungen in abgelegenen Gebieten hin. Die Kapazitäten für Bergrettungseinsätze seien begrenzt – teilweise leisten Freiwillige Hilfe. Und in Hochgebirgslagen könne eine Evakuierung aufgrund von Wetterbedingungen unter Umständen unmöglich sein.
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Im August 2026 rückte das Thema Sicherheit erneut in den Fokus. Während einer bewaffneten Auseinandersetzung auf der afghanischen Seite überquerte eine Kugel den Fluss Pjandsch und tötete eine tadschikische Zivilistin. Für die meisten Reisenden bleiben solche Vorfälle zwar Ausnahmen, doch entsprechende Warnhinweise beeinflussen die Entscheidungen von Tourist:innen, die Tätigkeit ausländischer Reiseveranstalter sowie die Versicherungsbedingungen.
So bleibt Berg-Badachschan – eine der wichtigsten internationalen „Marken“ des Landes – zugleich der am schwierigsten zu bereisende Teil Tadschikistans: Es ist eine gesonderte Genehmigung erforderlich, ein Großteil der Strecke führt durch hochalpines Gelände, die Rettungslogistik ist nur eingeschränkt verfügbar, und viele beliebte Routen verlaufen direkt entlang der Grenze zu Afghanistan.
Neue Anbindung
Die Erreichbarkeit entlegener Regionen verbessert sich dabei schrittweise. Am 27. September reiste Präsident Emomali Rahmon nach Chorugh – an Bord eines neuen Flugzeugs des Typs L-410 NG der Fluggesellschaft Shohin Airlines. Die Maschine bietet Platz für 19 Passagiere und ist speziell für kurze Start- und Landebahnen sowie für Flugplätze in Hochgebirgslagen konzipiert.
Die offiziellen Medien der Republik bezeichneten dieses Ereignis als Wiederaufnahme der regelmäßigen Passagierverbindung zwischen Duschanbe und Chorugh. Zwar wird der Pamir aufgrund der geringen Kapazität des Flugzeugs gewiss kein Massenziel werden, doch da die Straßenverbindung nach Chorugh stark von der Witterung sowie von Schlammströmen und Lawinen abhängt, stellt eine regelmäßige Flugverbindung eine deutliche Erleichterung für die An- und Abreise dar.
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Auch die Straßenverbindungen verändern sich. Nach Angaben der Behörden der Autonomen Provinz Berg-Badachschan dauert die Fahrt von Duschanbe nach Chorugh heute 8 bis 10 Stunden – in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit in den 1990er Jahren waren dafür noch mehr als drei Tage erforderlich. In der Region wurden rund 190 Kilometer Straße sowie Dutzende Brücken saniert. Im Jahr 2025 wurde bei Barsem ein 3,4 Kilometer langer Streckenabschnitt eröffnet, der rund 550 Meter an Lawinenschutzgalerien umfasst. Weitere Arbeiten finden derzeit auf der Strecke Kalai-Chumb – Wandsch – Ruschan statt.
Im September wurde zudem eine Route von Duschanbe nach Rogun und zurück vorgestellt, die einen Besuch des Wasserkraftwerks Rogun sowie von Naturattraktionen in der Umgebung des künftigen Stausees beinhaltet. Für den Zeitraum 2027–2031 wurde ein Programm zur Förderung des Binnentourismus verabschiedet, und bei Treffen im September in Duschanbe wurden länderübergreifende Routen erörtert, die mehrere GUS-Staaten und Länder Zentralasiens einbeziehen.
Fergana News
Aus dem Russischen von Robin Roth
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Tadschikistan: Aus welchen Ländern kommen die Tourist:innen?