Wegen Hitze: Notstand im Süden Kasachstans

Am 13. Juli wurde im Bezirk Aral im Süden Kasachstans der Notstand ausgerufen. Auch andere Gebiete im Süden und Südwesten des Landes sind seit Sommerbeginn vom Wassermangel betroffen.

Nachdem in Turkmenistan bereits im Frühjahr eine Dürre die Ernten zerstörte und das Vieh tötete, leidet nun der Süden Kasachstans unter extremen Temperaturen und ausbleibenden Niederschlägen. Im Juni warnte die Wetterbehörde Kasachstans vor der Gefahr schwerer Dürren in 6 der 14 Regionen des Landes, darunter die Gebiete Aqmola, Aqtóbe, Ostkasachstan, Mańģystaý, Qyzylorda und Qostanaı. Die Maßnahmen der Behörden reichten jedoch nicht aus, um die Katastrophe zu verhindern.

Wie Radio Free Europe berichtet, waren Winter und Frühling im gesamten zentralasiatischen Raum von Wassermangel geprägt. Im Gebiet Túrkistan im Süden Kasachstans geht das Wasser für die Bewässerung landwirtschaftlicher Nutzpflanzen zur Neige.

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Deswegen schlossen die kasachstanischen Behörden am 19. Juli ein Abkommen mit dem weiter stromaufwärts am Syrdarja gelegenen Usbekistan, wie das auf Zentralasien spezialisierte russischen Nachrichtenportal Fergana News mitteilte. Diese Vereinbarung sieht vor, die Abflussmenge im Dostyk-Kanal, der den usbekischen Teil des Syrdarja mit dem Shordara-Stausee verbindet, von 80 auf 90 Kubikmeter pro Sekunde zu erhöhen und so kasachstanischen Landwirt:innen zu helfen.

Reisanbau betroffen

Wie Forbes Kasachstan mitteilte, betrug im Mai und Juni in den meisten Landesteilen Kasachstans die durchschnittliche Niederschlagsmenge weniger als die Hälfte der Norm. Laut Zakon.kz brachten die Regenfälle im Süden und Westen des Landes nur sehr wenig Wasser in die Flüsse. Dies gilt insbesondere für den Syrdarja, der ein Drittel seines Wasservolumens verloren hat, wie das russische Auslandsmedium Sputnik im Mai berichtete.

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Für den landwirtschaftlichen Sektor Im Gebiet Qyzylorda, der für den Reisanbau bekannt ist, stellt der Syrdarja die wichtigste Wasserquelle dar. Aufgrund des sinkenden Wasserspiegels haben die lokalen Behörden die Zahl der Reisfelder reduziert, wie aus einem Bericht von 24.kz hervorgeht.

Eine Katastrophe für das Vieh

Der Getreide- und Gemüseanbau ist ernsthaft betroffen. Aber auch der Mangel an frischen Kräutern und Gräsern ist besorgniserregend. Laut dem kasachstanischen Fernsehsender KTK können Landwirt:innen ihre Tiere nicht mehr füttern, weil sich der Heupreis verdoppelt hat.

Nach den tragischen Bildern aus den Gebieten Túrkistan und Mańģystaý, wo die Tiere mit nassem Papier und Pappe gefüttert wurden, stirbt laut Zakon.kz das Vieh nun in einigen Bezirken des Gebiets Qyzylorda massenhaft an Hunger.

Die lokalen Behörden bitten um Hilfe

Die Gebietskommission zur Verhütung und Beseitigung von Notfällen trat am 13. Juli zusammen und beschloss, den regionalen Ausnahmezustand einzuführen. Gulshara Ábdyqaliqova, Gouverneurin des Gebiets Qyzylorda, gab bekannt, dass im Bezirk Aral die Dürre und der Futtermangel zum Tod von 559 Rindern geführt haben.

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„Um das Vieh zu erhalten, müssen wir Brunnen bohren, Kanäle reinigen und Dämme bauen, damit die Weiden und Heuwiesen bewässert werden können. Diese Maßnahmen erfordern erhebliche finanzielle Mittel. Wir haben daher die Regierung aufgefordert, uns die notwendigen Mittel bereitzustellen“, erklärte Ábdyqaliqova.

Landwirtschaftsminister entlassen

Als Reaktion auf die Notlage entließ Präsident Qasym-Jomart Toqaev am 10. Juli während einer Regierungssitzung zu den Folgen der Dürre Landwirtschaftsminister Saparhan Omarov.

„In dieser schwierigen Situation hätte Herr Omarov dringende und entschlossene Maßnahmen ergreifen müssen. Er war jedoch nicht in der Lage, die erforderlichen Arbeiten fristgerecht abzuschließen. Daher denke ich, dass es fair sein wird, wenn Minister Saparhan Omarov zurücktritt“, sagte Kasachstans Präsident nach Angaben von Zakon.kz.

Margarita Danilova, Redakteurin für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

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