Tadschikischer Mobilfunkanbieter Tcell startet erste 5G-Netze

MegaFon, Tadschikistans drittgrößter Mobilfunknetzbetreiber, hat im Februar begonnen erste 5G-Netze im Land aufzustellen. Während Tcell, der größte Provider des Landes, lange kein konkurrierendes Angebot stellt, wirft das Unternehmen nun seinen Hut in den Ring und startet den 5G-Betrieb in der Hauptstadt Duschanbe.

Nach monatelangen Arbeiten hat der tadschikische Mobilfunknetzbetreiber Tcell Anfang August seinen ersten 5G-Masten in Duschanbe aktiviert. Nach Angaben des auf Telekommunikation spezialisierten, britischen Medienunternehmens Commsupdate ist der neue Funknetzstandard nun in Betrieb, nachdem die Konkurrenz von MegaFon bereits im Juni 2019 die Lizenz dazu erhalten hatte. Tcell wurde 2001 gegründet und untersteht der Aga-Khan-Stiftung, benannt nach dem geistlichen Oberhaupt der nizaritischen Ismailiten und einem der reichsten Männer der Welt. Das russische Unternehmen MegaFon betreibt in Tadschikistan seinen einzigen Standort im Ausland.

Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und Dank eurer Teilnahme. Wir sind unabhängig und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine Spende helft ihr uns weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.

„Wir werden kostenlose Teststandorte in der ganzen Stadt einrichten, damit die Leute 5G ausprobieren können. Es gibt bereits Anfragen von Kunden, die 5G sofort nutzen möchten“, sagte Ozodchon Dawlatschojew, CEO von Tcell, gegenüber Commsupdate. „Trotzdem gibt es für die Nutzer noch Einschränkungen. Die Technologie ist neu, daher sind die Geräte auch entsprechend teuer. Die vollständige Kommerzialisierung des Projekts wird mindestens drei bis fünf Jahre dauern.“

Zwei Netzbetreiber konkurrieren um die Hauptstadt

Gleichzeitig plant Tcell, in Glasfasernetze zu investieren, um die neuesten Standards des mobilen Internets unterstützen zu können. Bisher sind auf der Webseite von Tcell zwar keine 5G-Tarife zu finden, allerdings werden über einen Photographiewettbewerb kompatible Mobiltelefone verlost.

Tcell ist nicht der erste Betreiber, der seinen Kunden in Tadschikistan 5G anbietet. Wie das tadschikische Medium Avesta.tj berichtete, gab der Mobilfunkanbieter MegaFon im Februar 2020 bekannt, dass Kunden mit kompatiblen Geräten im Zentrum von Duschanbe ohne zusätzliche Gebühren auf den neuen Netzstandard zugreifen können.

Herausforderungen der Telekommunikation in Tadschikistan

BuddeComm, ein Forschungs- und Beratungsunternehmen, das sich auf den Telekommunikationsmarkt und seine Rolle in der digitalen Wirtschaft konzentriert, erinnert daran, dass Tadschikistan von allen ehemaligen Sowjetrepubliken das Land mit der am wenigsten entwickelten Telekommunikationsinfrastruktur ist.

Lest auch auf Novastan: Internet in Zentralasien: Kabelverlegung unter dem Kaspischen Meer

Obwohl der Mobilfunksektor seit 10 Jahren rasant wächst, haben sowohl die Festnetztelefonie als auch das Breitband trotz der Bemühungen der tadschikischen Behörden Probleme. Nach dem Boom der letzten Jahre hat sich die Wachstumsrate der Telekommunikationsbranche zuletzt verringert. Für die nächsten fünf Jahre wird nur ein moderates Wachstum erwartet. Die Coronavirus-Pandemie in Tadschikistan wird auch ein potenzielles Hemmnis für das Wachstum dieses Sektors sein. Laut BuddeComm werden die Konsumausgaben durch Lohnkürzungen und Arbeitsplatzverlusten verringert – zu erwarten wäre jedoch, dass der Mobilfunksektor die Krise logischerweise überstehen sollte.

Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter mit einem Klick.

Wenn es um Breitbandnetze geht, versucht Tadschikistan, mit seinen zentralasiatischen Nachbarn Schritt zu halten. Dies wird nun beim Ausbau der 5G-Versorgung deutlich. Zum Vergleich: Kasachstan war im Oktober 2019 das erste zentralasiatische Land, das die Nutzung des 5G-Netzes anbot, wie Caspian News berichtet. Der von der Regierung unterstützte usbekische Betreiber Ucell testete 5G im September 2019, so Commsupdate. Nur Turkmenistan und Kirgistan haben noch kein 5G-Netz eingerichtet. Bischkek hat laut Commsupdate jedoch bereits Ende 2019 Frequenzen für die erforderlichen Tests zugewiesen.

Lest auch auf Novastan: Wie das Internet in Zentralasien blockiert wird

In Tadschikistan dürften sich die Nutzungstarife nun aufgrund des Wettbewerbs von fünf großen Betreibern verbessern: Neben Tcell und MegaFon werden auch die Betreiber Babilon Mobile, ZET Mobile / Tacom und TK Mobile in die 5G-Technologie einsteigen.

Clément Clerc-Dubois, Redakteur für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Shakibaie

Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei Twitter, Facebook, Telegram, Linkedin oder Instagram. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem wöchentlichen Newsletter anmelden.

Jetzt Teilen:
% Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Captcha *