Präsidenten der zentralasiatischen Staaten

Neujahrsvorsätze: Themenjahre 2020 in Zentralasien

In den fünf postsowjetischen Staaten Zentralasiens ist es Tradition, das neue Jahr einem bestimmten Anliegen zu widmen. So können Themen angesprochen werden, die in jenem Jahr als besonders wichtig für die Entwicklung des jeweiligen Landes erachtet werden. Auch wenn diese Tradition nicht von allen Staaten der Region aufrechterhalten wird, nimmt Euch Novastan mit auf eine Erkundungstour der Vorsätze und offiziellen Leitlinien der fünf Zentralasiatischen Republiken für das Jahr 2020.

Den zentralasiatischen Staaten zufolge wird 2020 das Jahr der Freiwilligentätigkeit, der Kinder oder der Neutralität. Jedes Jahr machen die Staatschefs der Region während ihrer Neujahrsansprache bekannt, welchen politischen Kurs ihre jeweiligen Regierungen mit dem Jahreswechsel ansteuern.

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Dieser Überblick über die politischen Bekanntgaben ist keine Prognose darüber, was im neuen Jahr geschehen wird. Allerdings gibt er uns eine vage Vorstellung darüber, welche Richtung die jeweiligen Länder einschlagen können.

Kasachstan: Nach dem Jahr der Jugend nun die Freiwilligentätigkeit

Nachdem 2019 das Jahr der Jugend war, führt der neue kasachische Präsident Qasym-Jomart Toqaev die Tradition seines Vorgängers fort und ernannte das Jahr 2020 als Jahr der Freiwilligentätigkeit. In seiner Jahresabschlussrede vom 11. Dezember erläutert der kasachische Präsident, was er unter Freiwilligentätigkeit versteht, wie der kasachstanische öffentliche Fernsehsender Khabar, berichtete. „Es wird allgemein anerkannt, dass die Freiwilligentätigkeit eine Bewegung ist, die dem Westen entstamme und, so wird behauptet, mit uns nichts zu tun habe. Dennoch wissen wir alle, dass die Essenz der Freiwilligentätigkeit – die aus einer guten Absicht heraus erfolgt – mit unseren Traditionen und nationalen Werten einhergeht. Die Freiwilligentätigkeit ist nicht einfach nur kostenlose Arbeitskraft, sondern ein Indikator für die Verantwortung der Bürger und ihrer Bereitschaft, die Welt zum Besseren zu ändern.“, so Qasym-Jomart Toqaev.

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Der Ankündigung dieser Jahresansprache folgte ein präziser Programmentwurf, der Freiwilligentätigkeiten in Kasachstan anregen soll. Alle Freiwilligenprojekte werden in sieben Bereiche gruppiert, so der Präsident. Diese umfassen Patenschaften für Waisenkinder, der Säuberung von Flüssen und Wäldern, dem Pflanzen von Bäumen und Mülltrennung. Ebenso wird zu Freiwilligentätigkeiten im medizinischen Sektor, wie etwa der Krankenpflege, ermutigt. Zur Unterstützung von Oberstufenschülerinnen und -schülern in ländlichen Gegenden bei der Vorbereitung auf ihre Universitätseingangsprüfungen wird ebenfalls aufgerufen. Gleichermaßen werden der Erhalt des kulturellen, historischen, materiellen und spirituellen Erbes, sowie der Unterricht in Englisch und Informatik hervorgehoben. Ein weiterer Schwerpunkt bilde der Geschichtsunterricht über den kasachischen Beitrag im zweiten Weltkrieg, anlässlich seines 75-jährigen Gedenkens.

Kirgistan bleibt den Themenjahren 2018 und 2019 treu 

In Kirgistan ist 2020 das Jahr der „regionalen Entwicklung, Informatisierung des Landes und der Unterstützung der Kinder“. Wenn es den Anschein erweckt, dass das Jahr 2020 hierbei in drei verschiedene Richtungen geht, liegt das daran, so erläutert es der kirgisische Präsident Soroonbaj Dscheenbekow in seiner Neujahrsansprache, dass die positiven Veränderungen der vorangegangenen Jahre fortgeführt werden müssen.

2018 war das Jahr der regionalen Entwicklung und 2019 das Jahr der regionalen Entwicklung und der Informatisierung des Landes. Nun ergänzt der kirgisische Präsident jene Mottos um die Unterstützung der Kinder, denn sich um Kinder zu sorgen sei „das nobelste, das wir in unserem Leben tun können“. Soroonbaj Dscheenbekow hat, entgegen seines kasachischen Amtskollegen, keine konkreten Projekte für das Themenjahr 2020 angekündigt.

Usbekistan: 2020 im Sinne der Kontinuität

Wie sein kirgisischer Nachbar hält der usbekische Präsident Shavkat Mirziyoyev seine Neujahrsansprache im Sinne der Kontinuität und verzichtet auf eine offizielle Benennung des Jahres 2020. Dennoch ist es auch in Usbekisten Tradition, den Jahren ein Motto zuzuweisen, insbesondere seit der Machtübernahme Shavkat Mirziyoyevs im Jahr 2016. So war 2017 „das Jahr des nationalen Dialogs und der gemeinsamen Anliegen“, 2018 das Jahr „der aktiven Untertützung des Unternehmertums, der innovativen Ideen und Technologien“ und 2019 schließlich das Jahr der „aktiven Investitionsmaßnahmen und der sozialen Entwicklung“. Der Neujahrsansprache des usbekischen Präsidenten zufolge, wird 2020 das Jahr, in dem „wir die sozio-ökonomischen Reformen in großem Umfang fortführen“.

Der usbekischen Präsident listet folgende Ziele jener Reformen auf: „die Schaffung neuer Arbeitsplätze, förderlichere Rahmenbedingungen für das Privateigentum, die Unterstützung des Unternehmergeistes und ein vorteilhafteres Unternehmensumfeld“. Hierbei hebt er hervor, wie wichtig es sei, „die Realeinkommen der Bevölkerung“ zu erhöhen. Kurzum wird das Jahr 2020 ein Jahr der Kontinuität, denn die 2017 angestoßenen Reformen scheinen nun ihre ersten Früchte zu tragen und die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf sich zu ziehen. So ernannte das angelsächsische Magazin The Economist Usbekistan erst kürzlich zum „Land des Jahres“.

Tadschikistan: Wahlen, ein Megaprojekt aber kein Themenjahr 2020

Während das Jahr 2019 in Tadschikistan als Jahr „der Entwicklung der Dörfer und des traditionellen Handwerks“ galt, erhielt das Jahr 2020 keine eigenen Bezeichnung, die üblicherweise in den letzten Dezembertagen während einer Rede des Präsidenten vor dem Parlament verkündet wird.

Indessen sprach der Präsident Emomali Rahmon in seiner Neujahrsansprache davon, was für die kommenden 366 Tage vorgesehen ist: Anstrengungen um das Leben der Bürger der Republik zu verbessern; die Entwicklung des Staates, seiner Wirtschaft und politischen Gewichts auf regionaler und internationaler Ebene – ohne dabei jedoch ins Detail zu gehen.

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„Für das Jahr 2020 haben wir geplant, zahlreiche Arbeiten zu realisieren“, verriet der tadschikische Präsident während seiner Neujahrsansprache und vermeidet es  damit, eine konkrete Richtungsweisung für das Jahr 2020 auszugeben. Nichtsdestotrotz erinnert Emomali Rahmon daran, wie wichtig das neue Jahr für Tadschikistan angesichts der Parlamentswahlen sei. Während der Präsident die Installation des zweiten Turbinenaggregats im Megaprojekt des Wasserkraftwerks Rogun als wichtigstes Vorhaben des Jahres 2019 nannte, wird dieses Bauprojekt auch im Jahr 2020 weiterverfolgt werden. Zu schließende Finanzierungslücken werden hierbei mit Sicherheit im Mittelpunkt von Diskussionen stehen.

Turkmenistan: Neutralität im Jahr der Ratte 

In Turkmenistan steht das Jahr 2020 nicht unter den Vorzeichen sozialer und ökonomischer Programme, sondern unter denen der außenpolitischen Doktrin der Republik. In diesem Jahr wird das 25-jährige Bestehen der turkmenischen Neutralität auf internationalem Parkett gefeiert. Das Jahr 2020 steht somit unter dem Banner „Turkmenistan – Heimat der Neutralität“, nachdem 2019 noch „Turkmenistan – Heimat des Wohlstands“ gegolten hat.

In dem abgeschottetsten aller zentralasiatischen Staaten dient das Ernennen von Themenjahren dem Präsentieren und dem Zelebrieren der jeweiligen Vorhaben, so der turkmenische Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow in seiner Rede. Dieser Jahrestag bietet Anlass, „das 25-jährige Bestehen der permanenten Neutralität unseres souveränen Staates in hohem Maße zu feiern“.  

Das Jahr 2020 gilt nicht nur in China, sondern auch in Turkmenistan als Jahr der Ratte. In seiner Neujahrsansprache ruft der turkmenische Präsident in Erinnerung: „Dem turkmenischen Kalender zufolge ist da Jahr 2020 das Jahr der Ratte. Sie zeichnet sich durch ihren besonderen industriellen Charakter und ihre Energie aus, sie hat keine Angst vor Herausforderungen, ist entschlossen und vor allem ermüdet sie nicht durch ihre Arbeit. Im Jahr der Ratte werden reiche Ernten erwartet“.

Die Redaktion von Novastan France

Aus dem Französischen von Robin Shakibaie

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