Die Delehationschefs Schenisch Rasakow (Kirgistan) und Asim Ibrohim (Tadschikistan)

Konflikt im Ferganatal: Tadschikistan und Kirgistan vereinbaren den Austausch von Staatsgebiet

Um den währenden Konflikten an der gemeinsamen Staatsgrenze zu begegnen, sprechen Kirgisistan und Tadschikistan jetzt offen über den Austausch von Staatsgebiet. Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen um den Grenzverlauf haben innerhalb des letzten Jahres mehrere Menschen ihr Leben verloren.

Regierungsdelegationen aus Kirgistan und Tadschikistan sind am 15. Januar zusammengekommen, um die Lösung des Grenzproblems zwischen den beiden Ländern zu forcieren. Wie das kirgisische Nachrichtenportal 24.kg mit Verweis auf die kirgisische Regierung berichtet, haben sich beide Seiten bereit erklärt, gleichgroße Abschnitte an der Grenze auszutauschen.

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Die Delegationen unterzeichneten ein sechs Punkte umfassendes Protokoll, das unter anderem vorsieht, dass der Grenzverlauf auf einem 114 Kilometer langen Abschnitt entsprechend den Empfehlungen einer gemeinsamen Arbeitsgruppe festgelegt wird. Dies soll innerhalb eines Monats geschehen.

Zwei kirgisische Dörfer betroffen

Bis zum 1.März 2020 wollen beide Seiten gemeinsam einen konkreten Vorschlag für einen Gebietsaustausch ausarbeiten. Der Leiter der kirgisischen Delegation, Vize-Premierminister Dschengisch Rasakow sagte laut dem tadschikischsprachigen Dienst von Radio Free Europe Radio Ozodi, dass dies die Dörfer Kök-Tasch und Tasch-Tumtschuk betreffen könne.

„Im einer Konfliktsituation ist es für unsere Sicherheitskräfte sehr schwierig zu handeln, da die Bevölkerung beider Länder durcheinander lebt“, sagte Rasakow. Der stellvertretende Ministerpräsident Tadschikistans Asim Ibrohim begrüßte die Gespräche und stellte fest, dass der Gebietsaustausch das grenzüberschreitende Problem lösen könne.

Kameras, um die Situation an der Grenze zu stabilisieren

Beide Länder haben sich darauf geeinigt, die gemeinsamen Kontrollen in jenen Gebieten, in denen BürgerInnen beider Länder kompakt leben, auszubauen. Die Delegationen beider Länder akzeptierten auch, dass in den Dörfern nahe der Grenze Überwachungskameras installiert werden sollen. Im Falle eines Konflikts müssen diese Kameras beiden Parteien zur Analyse der Situation zur Verfügung gestellt werden. An der Kreuzung zwischen der Fernstraße Osch – Batken – Isfana und der Straße, die die tadschikische Enklave Woruch mit restlichen Staatsgebiet verbindet, soll neben Kameras auch eine Ampelanlage installiert werden.

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Die Instrumente zur Delimitation der Staatsgrenze liegen bereit. Die technischen Teams haben 134 topografische Karten in großem Maßstab erstellt, fünf weitere werden folgen. Die Staatsgrenze zwischen Kirgistan und Tadschikistan ist mehr als 970 Kilometer lang, wobei nur 60 Prozent des Grenzverlaufs festgelegt sind. In Bezug auf weitere 70 Abschnitte wurde bisher keine Übereinkunft getroffen.

Wiederkehrende Auseinandersetzungen in den letzten Wochen

Zwischen den BürgerInnen beider Staaten eskalieren die Konflikte regelmäßig. Der traurige Höhepunkt ereignete sich im September 2019, als drei tadschikische Soldaten und ein kirgisischer Grenzschützer bei einem Schusswechsel ums Leben kamen.

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Der letzte Zwischenfall eieignete sich in der Nacht vom 9. auf den 10. Januar, als sich in der Grenzregion um das Dorf Kök-Tasch AnwohnerInnen mit Steinwürfen und Jagdgewehren angriffen. Beide Seiten gaben sich wie gewohnt gegenseitig die Schuld an der Eskalation. Gemäß der kirgisischen Version der Ereignisse hatten tadschikische BürgerInnen zwei Autos und ein Haus mit Steinen beworfen und dann drei Stunden lang auf kirgisisches Staatsgebiet geschossen, was die Evakuierung von Frauen und Kindern zur Folge hatte. Die tadschikische Version berichtet hingegen von mit Jagdgewehren bewaffneten KirgisInnen, die auf einer Straße tadschikischen Fahrzeugen die Durchfahrt verwehrten. In der gleichen Region war es schon zuvor am 29. Dezember zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen.

Die Redaktion von Novastan France

Aus dem Französischen von Robin Roth

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