Football Leaks

Football Leaks: Die Arifow-Familie, Kasachstan und internationale Korruption

Die Enthüllungen der Football Leaks haben seit Anfang Dezember 2016 große Auswirkungen auf die Fußballwelt. 18,6 Millionen vertrauliche Dokumente wurden der Presse zugänglich gemacht und haben ein großflächiges Korruptions- und Steuerhinterziehungssystem offenbart. Die Arifow-Familie hat einen besonderen Platz unter den zahlreichen Personen und Organisationen, die mit den Football Leaks verbunden werden: Sie sollen die kasachische Gesellschaft um 300 Millionen Euro gebracht haben.

Die kasachisch-türkische Arif (früher Arifow) Familie hat seit dem Beginn der 1990er Jahre nicht weniger als 300 Millionen Euro entwendet. Sie kontrolliert die Chemiefrabrik ACCP in Aqtöbe, im Westen Kasachstans, über die das Geld transportiert wurde. Von den 300 Millionen wurden dann 75 Millionen in Doyen Sports, einen der größten Investmentfonds des europäischen Fußballs, investiert.

Dies zeigt die Recherche über internationale Korruption im Fußball, die von den Medien der European Investigative Collaborations (EIC), darunter Der Spiegel, durchgeführt wurde.

Doyen Sports: Ein Fonds mit mafiösen Praktiken

Die Football Leaks sind die größte Enthüllung finanzieller Dokumente aus dem Sportgeschäft durch zwölf europäische Medien, die im Rahmen des EIC zusammenarbeiten. Durch die 18,6 Millionen vorliegenden Dokumente wurden unter anderem auch die mit Doyen Sports verbundene Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Begünstigung von Prostitution offengelegt. Der Fonds betreut dutzende Profisportler, wie Marcelo Brozovic, Alvaro Morata und David Beckham.

Aufmerksam wurden die Journalisten durch die außergewöhnliche Geschwindigkeit, mit der Doyen Sports einen wichtigen Platz in der Fußballwelt erlangte. Der Fonds wurde erst 2011 gegründet und wurde nur fünf Jahre später auf mehrere dutzend Millionen Euro geschätzt. Die Football Leaks unterstreichen die Instransparenz der Mittel, mit denen Doyen Sports seine Ziele erreicht. Darunter geheime, über Dubai gezahlte Kommissionen, um den Transfer von Fußballspielern zu begünstigen oder auch der Einsatz  von Prostituierten, um den Präsidenten des Real Madrid zu einem Geschäft zu bewegen.

Kasachstan in der ersten Linie

Geschichten unlauterer persönlicher Bereicherungen sind nichts außergewöhnliches im postsowjetischen Zentralasien. Im Anschluss an die großen Privatisierungspläne, die in der ganzen ehemaligen UdSSR durchgeführt wurden, sind schon in den 1990ern große Vermögen entstanden. In den unklaren Zeiten des Übergangs zur Marktwirtschaft wurden Minen und Fabriken von opportunistischen Geschäftsmännern für wenig Geld erstanden, während der Industriesektor eine Krise durchlief.

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Zu der Zeit, als die Produktionsraten im Industriesektor der Chemie und Petrochemie um 71 Prozent einbrachen, kam die Chemiefrabrik von Aqtöbe unter Kontrolle der Arif-Brüder, insbesondere von Rustem Arif. Heute ist diese Fabrik weltweit der zweitgrößte Produzent chromhaltiger Produkte. Von den 300 Millionen Euro Profit dieser Fabrik, die unterschlagen wurden, wurden 75 Millionen in Doyen Sports investiert.

Die Arif-Brüder unterhalten auch enge Beziehung zu der kasachischen Staatsführung, mit deren Hilfe sie ihre Geschäfte diversifizieren konnten. Neben der Chemieindustrie sind sie auch im Immobilien-, im Hotel- und im Baugeschäft tätig. Einer der Brüder, Refik Arif, kümmerte sich aus dem kasachischen Industrieministerium heraus darum, die ausländischen Investitionen im Metallsektor zu orientieren.

Ein weiterer Bruder, Tewfik Arif, ist zum Immobilien-Mogul geworden und dafür bekannt, viele Immobilienprojekte in den Vereinigten Staaten durchgeführt zu haben, insbesondere mit den Gesellschaften von Donald Trump über die Bayrock Group, die er 2001 gründete. Der 63-jährige arbeitete 17 Jahre lang als stellvertretender Leiter der Abteilung für Hotel-Management des Wirtschafts- und Handelsministeriums der UdSSR. 2010 war er in einen Skandal um einen Prostitutionsring zwischen Russland, der Ukraine und der Türkei verwickelt, zwei Jahre später jedoch diesbezüglich von der türkischen Justiz freigesprochen.

Die französische Zeitung Mediapart notiert, dass die ACCP Fabrik in Aqtöbe offiziell nicht mehr den Arif-Brüdern gehört, sondern in Amsterdam registrierten Gesellschaften, die von Strohmännern geleitet werden. Die Arif-Brüder erhalten nur durch Zinsen Geld, das sie an verschiedenen Stellen verleihen.

Die Korruption außer Kontrolle

Die Korruption geht in Kasachstan so weit, dass sie auch für den Präsidenten Nursultan Nasarbajew außer Kontrolle ist. Die Ironie besteht darin, dass dieser nun versucht, die Oligarchen davon zu überzeugen, durch Investitionen im Land ihren Reichtum zu legalisieren.

Aber der Profit, den diese Oligarchen durch Investitionen in die kasachischen Böden oder Infrastrukturen erzielen könnten, scheint nicht auszureichen. Dass sie sich trotz der sich türmenden Enthüllungen gegen eine Form von Amnestie durch eine Kooperation mit dem Staat entscheiden, zeigt ein weiteres Mal das Ausmaß der Geschäfte der Oligarchen, deren Tätigkeit dem international organisierten Verbrechen zuzurechnen sind.

Assel Kipchakova
Redakteurin für Novastan

Aus dem Französischen übersetzt von Florian Coppenrath

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