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	<title>Politik &amp; Wirtschaft Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Mon, 02 Nov 2026 14:21:38 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Politik &amp; Wirtschaft Archives</title>
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	<item>
		<title>Die Afghanistanfrage beim SOZ-Gipfel 2026 in Bischkek: Wie umgehen mit den Taliban?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Niklas Birli]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Oct 2026 17:40:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Beim 25. Gipfel der Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit in Bischkek haben sich die Mitgliedsstaaten der Organisation auf die Bischkek-Erkl&#xE4;rung geeinigt, welche die Notwendigkeit einer inklusiven und stabilen Herrschaft in Afghanistan betont. Seit dem Russischen &#xDC;berfall auf die Ukraine im Jahr 2022 haben die zentralasiatischen L&#xE4;nder neues Interesse an ihrem Nachbarn und erhoffen sich wirtschaftliche und [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Beim 25. Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek haben sich die Mitgliedsstaaten der Organisation auf die Bischkek-Erklärung geeinigt, welche die Notwendigkeit einer inklusiven und stabilen Herrschaft in Afghanistan betont. Seit dem Russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 haben die zentralasiatischen Länder neues Interesse an ihrem Nachbarn und erhoffen sich wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit. Dies kommt den Taliban, welche seit 2021 autokratisch über Afghanistan herrschen, durch die prekäre Wirtschaftslage im eigenen Land überaus gelegen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Selten hat ein Geburtstag so viele prominente Gäste: Zum 25jährigen Bestehen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit">der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit</a> (SOZ) erschienen zum <a href="https://www.handelsblatt.com/politik/international/soz-gipfel-der-iran-krieg-wird-zum-testfall-fuer-das-antiwestliche-buendnis/100249975.html">diesjährigen SOZ-Gipfel</a> in Bischkek neben dem russischen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_Wladimirowitsch_Putin">Wladimir Putin</a> der chinesische Führer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xi_Jinping">Xi Jinping</a>, der indische Premierminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Narendra_Modi">Narendra Modi</a>, aber auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Massud_Peseschkian">Massud Peseschkian</a> aus dem Iran. Aus Zentralasien waren, neben dem Gastgeber Kirgistan, die Staatsoberhäupter der Gründungsmitglieder der Organisation, Kasachstan, Tadschikistan und Usbekistan anwesend, um sicherheits- und wirtschaftspolitische Fragen zu diskutieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan</strong>: <a href="https://d.docs.live.net/26f1db0ecd1d6322/Documenti/Warum%20die%20Shanghaier%20Organisation%20für%20Zusammenarbeit%20ihre%20Relevanz%20verloren%20hat"><strong>Warum die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit ihre Relevanz verloren hat</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei waren sich die geopolitisch oft miteinander konkurrierenden Staaten in einem Punkt erstaunlich einig: Die Rolle des abwesenden Staats Afghanistan für das Sicherheitsgefüge der Region und die Notwendigkeit von Stabilität im Land seit der <a href="https://www.boell.de/de/afghanistan-rueckkehr-der-taliban">erneuten Machtübernahme der Taliban im August 2021</a>, welche <a href="https://iraf.ir/en/136456/note/bishkek-declaration-afghanistan-remains-at-the-center-of-sco-security-concerns/">nicht eingeladen</a> worden waren. Der stellvertretende SOZ-Generalsekretär Ahmad Saeed Moradzadeh betonte in einer <a href="https://thediplomaticinsight.com/sco-urges-inclusive-governance-in-afghanistan/">Rede</a> die Notwendigkeit internationaler Unterstützung und die Abfederung ausfallender Handelseinnahmen, um die humanitäre Katastrophe des Landes zu bekämpfen; die gemeinsame Position der Teilnehmerstaaten wurde in der sogenannten Bischkek-Erklärung festgehalten. Von der gewalttätigen Herrschaft der Taliban, welche von dem UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Afghanistan, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Bennett_(Menschenrechtsexperte)">Richard Bennett</a>, als <a href="https://www.tagesspiegel.de/internationales/systematische-unterdruckung-un-beobachter-wirft-taliban-apartheid-gegen-frauen-in-afghanistan-vor-10010383.html">Gender-Apartheid</a> aufgrund der systematischen und institutionalisierten Diskriminierung von Frauen bezeichnet wird, war dagegen keine Rede. Afghanistan, angrenzend an den Iran, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, China sowie Pakistan, ist allein durch seine geografische Stellung ein verbindendes Sicherheitsrisiko. <a href="https://eurasianet.org/central-asias-afghan-reality-what-us-might-be-missing">Ein Jahr zuvor</a> hatten sich in Taschkent die zentralasiatischen Staaten erstmals im sogenannten <a href="https://eurasianet.org/central-asias-afghan-reality-what-us-might-be-missing">Termez-Dialog</a> getroffen, um ihr gemeinsames Vorgehen hinsichtlich Afghanistans abzustimmen, unter anderem bei den <a href="https://eurasianet.org/central-asias-afghan-reality-what-us-might-be-missing">Themen</a> politischer Dialog, Verkehr und Logistik, Klima sowie kulturell-humanitäre Zusammenarbeit. Taschkent versucht, wie <a href="https://eurasianet.org/central-asias-afghan-reality-what-us-might-be-missing">eurasianet berichtet</a>, Afghanistan nicht ausschließlich als Sicherheitsrisiko, sondern als Baustein einer möglichen regionalpolitischen Erschließung zu betrachten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Denn die Ansätze der zentralasiatischen Länder, wie mit dem neuen Regime in unmittelbarer Nachbarschaft umzugehen ist, unterscheiden sich noch deutlich voneinander: Usbekistan, welches sich von den zentralasiatischen Staaten am aktivsten für eine regionale Integration Afghanistan einsetzt, ohne aber die Taliban anzuerkennen, hat sich für einen <a href="https://thediplomat.com/2026/06/central-asias-relations-with-taliban-ruled-afghanistan-continue-to-deepen/">pragmatischen Weg</a> entschieden, indem die begrenzten diplomatischen Kanäle für Sicherheits- und Handelsfragen genutzt werden. Tadschikistan, wahrscheinlich in Anbetracht seiner Erfahrungen im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tadschikischer_B%C3%BCrgerkrieg">Tadschikischen Bürgerkrieg 1992-1997</a>, in dem islamistische Akteure, <a href="https://library.fes.de/fulltext/aussenpolitik/00014006.htm">unterstützt</a> durch die Taliban, tadschikische Flüchtlinge für den Kampf gegen Duschanbe <a href="https://www.spiegel.de/politik/ausland/tadschikistan-zerbrechliches-gleichgewicht-a-160245.html">rekrutierten</a>, setzt <a href="https://thediplomat.com/2026/06/central-asias-relations-with-taliban-ruled-afghanistan-continue-to-deepen/">vermehrt auf Sicherheitsmaßnahmen</a>. Dies äußert sich vor allem im Ausbau der <a href="https://eurasianet.org/tajikistan-adapting-its-approach-on-afghanistan">Grenzanlagen</a> mit chinesischer Unterstützung an der tadschikisch-afghanischen Grenze. Es kommt primär zum Austausch, um Konflikte zu entschärfen, wie beim <a href="https://thediplomat.com/2025/12/5-chinese-workers-killed-in-2-attacks-in-tajikistan-along-afghan-border/">Beschuss chinesischer Arbeiter:innen</a> im Grenzgebiet von afghanischer Seite im vergangenen Jahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan</strong>: <a href="%20Schwierige%20Nachbarschaft%20mit%20den%20Taliban"><strong>Tadschikistan: Schwierige Nachbarschaft mit den Taliban</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese beiden Pole offenbaren die Vielseitigkeit der zentralasiatisch-afghanischen Beziehungen. Afghanistan ist keineswegs erst jetzt auf die außenpolitische Agenda seiner Nachbarn gekommen: Schon in den 1990ern, kurz nach der eigenen Unabhängigkeit, <a href="https://collections.fes.de/publikationen/content/titleinfo/460285/full.pdf">intervenierten</a> Usbekistan und Tadschikistan im damaligen Bürgerkrieg, um afghanische Tadschik:innen und Usbek:innen gegen die Taliban zu unterstützen. <a href="https://www.osw.waw.pl/en/publikacje/analyses/2025-11-07/pragmatism-beyond-divides-central-asias-engagement-afghanistan">Seit dem Russischen Überfall auf die Ukraine 2022</a> hat das Thema allerdings neue Brisanz erfahren. Die Tendenz neigt zur wirtschaftlichen Integration Afghanistans, wie beispielhaft das Wirtschaftsprojekt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Pipeline">TAPI</a> zeigt: Mit TAPI (Turkmenistan, Afghanistan, Pakistan und Indien), dessen afghanischer Bauabschnitt im <a href="https://thediplomat.com/2026/06/central-asias-relations-with-taliban-ruled-afghanistan-continue-to-deepen/">Oktober 2025 mit einer Eröffnungsfeier im afghanischen Herat in Anwesenheit von Turkmenistans ehemaligen Herrscher Gurbanguly Berdimuhamedov zelebriert wurde</a>, wird eine Erdgaspipeline geplant, um aus dem turkmenischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gasfeld_Galkynysch">Gasfeld Galkynysch</a> über <a href="https://www.adb.org/sites/default/files/project-documents/44463/44463-013-tcr-en.pdf">1800 Kilometer</a> eine Gasmenge von 33 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr über Afghanistan und Pakistan bis nach Indien zu transportieren. Diese Pläne, welche bereits <a href="https://www.bundestag.de/resource/blob/405404/WD-1-037-08-pdf.pdf">seit den 1990ern</a> existieren, werden nun verstärkt verfolgt. So <a href="https://arzuw.news/de/turkmenistan-und-afghanistan-er-rterten-die-umsetzung-des-tapi-projekts">traf</a> sich dafür der stellvertretende Vorsitzende des Ministerkabinetts Afghanistans für Wirtschaftsfragen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Abdul_Ghani_Baradar">Abdul Ghani Baradar</a>, mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gurbanguly_Berdimuhamedow">&nbsp;Berdimuhamedow</a>, nun Vorsitzender des turkmenischen Volksrats, um Mechanismen zwischen den jeweiligen Behörden zum Vorantreiben des Projekts zu schaffen. Die Taliban wollen nach eigenen Angaben von den turkmenischen Erfahrungen in der Gasindustrie <a href="https://arzuw.news/de/turkmenistan-und-afghanistan-er-rterten-die-umsetzung-des-tapi-projekts">profitieren</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei bleibt es nicht nur bei einer Pipeline. Vielmehr steht TAPI symbolisch für eine <a href="https://thediplomat.com/2026/06/central-asias-relations-with-taliban-ruled-afghanistan-continue-to-deepen/">stärkere Integration</a> Afghanistans in der Region in den Bereichen Eisenbahn, Strom, aber auch Wirtschaftskooperation. Afghanistan, der „Inbetweener“ zwischen Süd- und Zentralasien, wird also zu einem Schlüsselgebiet der regionalen Wirtschaftserschließung. Auch hier zeigen Zentralasiens Regime außenpolitische Flexibilität. Nur so lässt sich erklären, weshalb islamistische Gruppen in den zentralasiatischen Ländern <a href="https://www.swp-berlin.org/publikation/central-asias-muslims-and-the-taliban">bekämpft</a> werden, gleichzeitig aber die Zusammenarbeit mit den Taliban akzeptiert wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan</strong>: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/turkmenistan-liefert-gas-durch-afghanisches-territorium-nach-pakistan/"><strong>Turkmenistan liefert Gas durch afghanisches Territorium nach Pakistan</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies kommt auch den neuen Herrschern Afghanistans entgegen: Die Taliban werden aller Wahrscheinlichkeit nach verstärkt die Nähe zu den zentralasiatischen Nachbarn suchen, da das Verhältnis zum südasiatischen Nachbarn Pakistan bis zuletzt von außenpolitischen und militärischen Spannungen geprägt ist. Im <a href="https://www.cfr.org/backgrounders/taliban-afghanistan">Februar 2026</a> kam es zum Zusammenbruch einer fragilen Waffenruhe und einer offenen Kriegserklärung Pakistans an die Taliban, da ihnen vorgeworfen wurde, terroristischen Gruppen Unterschlupf zu gewähren. Seit 2021 sind Wirtschaft und Handel im Land zusammengebrochen, die Taliban müssen sich durch <a href="https://www.cfr.org/backgrounders/taliban-afghanistan">Drogenhandel und Entführungen über Wasser halten</a>. Umso attraktiver erscheinen nun die Wirtschaftsprojekte und Visionen der zentralasiatischen Nachbarn, die Region besser zu erschließen und ein wirtschaftliches Gegengewicht zu Russland zu schaffen. Daher überrascht es nicht, dass es dieses Jahr am fünften April zum <a href="https://mfa.gov.af/en/48426">ersten afghanisch-zentralasiatischen konsultativen Dialog</a> in Kabul kam, bei dem die Taliban mit den zentralasiatischen Staaten Möglichkeiten der gemeinsamen Zusammenarbeit diskutierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan</strong>: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/russlands-annaeherung-mit-den-taliban-vor-dem-hintergrund-der-beziehungen-mit-zentralasien/"><strong>Russlands Annäherung mit den Taliban vor dem Hintergrund der Beziehungen mit Zentralasien</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur fünf Jahre nach der erneuten Machtübernahme steht bereits das Grundprinzip im Umgang mit den neuen Machthabern in Kabul fest: Integration statt Isolation. Dafür werden die Taliban, wie <a href="https://www.rferl.org/a/kyrgyzstan-afghanistan-taliban-terrorist-list/33109802.html">2024</a> in Kirgistan, auch nicht mehr als Terrororganisation eingeordnet. Mit der veränderten weltpolitischen Lage seit dem russischen Überfall auf die Ukraine wird Afghanistan vom reinen Sicherheitsrisiko zur Chance für Zentralasien. Unabhängigkeit von Russland, ohne in eine <a href="https://www.handelsblatt.com/politik/international/soz-gipfel-der-iran-krieg-wird-zum-testfall-fuer-das-antiwestliche-buendnis/100249975.html">neue Abhängigkeit</a> zu China zu geraten, ist schließlich die neue Devise der zentralasiatischen Länder. Wie und ob es den Afghan:innen hilft, dass das Regime in der Region ankommt, bleibt ungewiss. Und so ist insbesondere das Schicksal der Zivilbevölkerung und vor allem der Frauen in Afghanistan nur eine Nebenbemerkung beim 25. SOZ-Gipfel.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Niklas Birli für Novastan</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/die-afghanistanfrage-beim-soz-gipfel-2026-in-bischkek-wie-umgehen-mit-den-taliban/">Die Afghanistanfrage beim SOZ-Gipfel 2026 in Bischkek: Wie umgehen mit den Taliban?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>USA-Zentralasien-Außenministertreffen: Amerika möchte ein Stück des Kuchens</title>
		<link>https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/usa-zentralasien-aussenministertreffen-amerika-moechte-ein-stueck-des-kuchens/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[bstoeckl]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Oct 2026 09:17:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
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		<category><![CDATA[C5+1]]></category>
		<category><![CDATA[Donald Trump]]></category>
		<category><![CDATA[Handelsbeziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Marco Rubio]]></category>
		<category><![CDATA[Samarkand]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Weltraum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kritische Rohstoffe, Energie, Handelsrouten: Das amerikanische Interesse an Zentralasien w&#xE4;chst und w&#xE4;chst. Nach dem Au&#xDF;enministertreffen im C5+1-Format am Montag (19.10) sollen die gegenseitigen Beziehungen nun weiter ausgebaut werden. Das Ministertreffen stellt den ersten Besuch des US-Au&#xDF;enministers Marco Rubio in Zentralasien dar, der am Sonntag (18.10) zusammen mit seiner Frau am Flughafen Samarkand herzlich empfangen wurde. [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/usa-zentralasien-aussenministertreffen-amerika-moechte-ein-stueck-des-kuchens/">USA-Zentralasien-Außenministertreffen: Amerika möchte ein Stück des Kuchens</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kritische Rohstoffe, Energie, Handelsrouten: Das amerikanische Interesse an Zentralasien wächst und wächst. Nach dem Außenministertreffen im C5+1-Format am Montag (19.10) sollen die gegenseitigen Beziehungen nun weiter ausgebaut werden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ministertreffen stellt den ersten Besuch des US-Außenministers Marco Rubio in Zentralasien dar, der am Sonntag (18.10) zusammen mit seiner Frau am Flughafen Samarkand herzlich empfangen wurde. Weniger medienwirksam, doch mindestens genauso wichtig sind die Vertreter:innen von knapp 200 amerikanischen Firmen, die Rubio begleiteten und die vom Handel mit den zentralasiatischen Ländern und den dortigen Investitionsmöglichkeiten profitieren möchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gespräche in Samarkand wurden von denselben Themen dominiert, die auch auf den vorherigen C5+1-Treffen bereits im Mittelpunkt standen: Energie, kritische Rohstoffe, Handel und Transportrouten. Die usbekische Delegation kündigte dabei insgesamt 54 Vereinbarungen und zukünftige Vorhaben an, mit einem Gesamtwert von knapp 13 Milliarden US-Dollar (ca. 10,7 Milliarden Euro).</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://t.me/MIIT_Uz/20363">Dem usbekischen Ministerium für Investitionen, Industrie und Handel zufolge</a> betreffen die Vorhaben „<em>industrielle Modernisierung, Verkehrs- und Energieinfrastruktur, die Erschließung kritischer Mineralien, Finanzwesen, digitale Technologien, Landwirtschaft, Gesundheitswesen und Bildung.</em>”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter anderem soll der amerikanische Lokomotivenhersteller <em>Wabtec</em> die lokale Produktion von Eisenbahnausrüstung und -komponenten vorantreiben und Lokomotiven aus amerikanischer Produktion <a href="https://kun.uz/en/news/2026/10/20/wabtec-may-supply-locomotives-to-uzbekistan-with-us-financing">an Taschkent liefern</a>. <em>Traxys</em>, <em>ReElement Technologies</em> und <em>Trafigura</em> <a href="https://www.euronews.com/2026/10/20/uzbekistans-12bn-business-drive-gathers-pace-during-rubio-visit">planen</a>, die geologische Erkundung der Vorkommen kritischer Rohstoffe im Land voranzutreiben, Aufbereitungstechnologien zu teilen und die Mineralienversorgung sicherzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/was-sind-die-ergebnisse-des-usa-zentralasien-gipfels-in-washington/">Was sind die Ergebnisse des USA-Zentralasien-Gipfels in Washington?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Finanzielle Zusammenarbeit mit Investmentgesellschaften wie <em>Franklin Templeton, Oppenheimer &amp; Co, Citigroup</em> und <em>BlackRock</em> soll zudem den Zugang zu internationalen Finanzmärkten erleichtern und den Weg für eine nachhaltige Finanzierung von Infrastruktur bereiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Gemeinsam schaffen wir wirtschaftliche Chancen, stärken die Volkswirtschaften und erhöhen die regionale Sicherheit. In jedem Schwerpunktbereich – von kritischen Mineralien und Energie bis hin zu Verkehr und Technologie – bedeutet unsere Zusammenarbeit mehr Arbeitsplätze, mehr Wohlstand und mehr Sicherheit für alle unsere Nationen</em>”, <a href="https://x.com/SecRubio/status/2112089327668691454">schrieb</a> Rubio im Rahmen des Treffens auf X.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zusammenarbeit im Weltraum</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Taschkent wurde darüber hinaus zum 77. Unterzeichner der sogenannten „Artemis-Accords”, die Normen für die internationale Zusammenarbeit im Bereich der zivilen Weltraumforschung festlegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Dieses Dokument eröffnet Usbekistan neue Möglichkeiten, die Zusammenarbeit mit der NASA und den Raumfahrtbehörden anderer teilnehmender Länder auszubauen, einheimische Fachkräfte auszubilden und den Transfer von Raumfahrttechnologien zu fördern</em>”, <a href="https://t.me/bakhtiyor_saidov/4433">schrieb</a> Saidov auf seinem Telegram-Kanal.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/riskante-zusammenarbeit-mit-china/">Riskante Zusammenarbeit mit China</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Rande der Hauptversammlung traf sich Rubio auch einzeln mit seinen zentralasiatischen Amtskollegen, um die bilateralen Beziehungen näher zu erörtern. Während <a href="https://www.trend.az/casia/kyrgyzstan/4236654.html">der kirgisische Außenminister Jeenbek Kulubaev</a> mit Rubio über das Engagement seines Landes im Kampf gegen Sanktionsumgehung sowie über eine Lockerung der restriktiven Visapolitik der USA sprach, pochte sein kasachisches Pendant Mukhtar Tileuberdi auf die <a href="https://m.aa.com.tr/en/americas/rubio-and-kazakh-foreign-minister-discuss-trade-investment-and-security-cooperation-in-samarkand/4093710">Implementierung bereits bestehender Vereinbarungen</a>, die mehr amerikanische Investitionen und eine regere Wirtschaftszusammenarbeit vorsehen. <a href="https://www.trend.az/casia/tajikistan/4236632.html">Beim Vieraugengespräch</a> mit Tadschikistans Außenminister Sirojiddin Muhriddin spielte auch die regionale Sicherheit und Stabilität eine bedeutende Rolle.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Aus dem Dornröschenschlaf erwacht?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Jahrzehntelang waren die zentralasiatischen Länder ein unbeschriebenes Blatt in der amerikanischen Außenpolitik. Während Russland und China seit geraumer Zeit daran arbeiteten, ihre Beziehungen mit Zentralasien zu institutionalisieren, <a href="https://centralasiacaucasusinstitute.substack.com/p/how-c51-came-to-be">bemängelte die Denkfabrik Central Asia-Caucasus Institute</a> (CACI) noch 2014, dass die USA „<em>der einzige bedeutende externe Akteur in der Region [sind], der über keinen festgelegten Konsultationsmechanismus verfügt, um Zentralasien und Afghanistan zu einer lebendigen Realität zu machen.</em>”</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/die-beinahe-schliessung-von-usaid-in-zentralasien-welche-folgen-hat-sie-fuer-die-region/">Die Beinahe-Schließung von USAID in Zentralasien: Welche Folgen hat sie für die Region?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst der Ausbruch des Ukrainekrieges und der sich zuspitzende Konflikt der USA mit China brachten die Beziehungen wieder in Fahrt. Peking <a href="https://www.scmp.com/news/us/article/3371420/rubio-pitches-us-business-central-asia-says-china-ties-need-not-suffer">kontrolliert den Großteil</a> der Liefer- und Wertschöpfungsketten für kritische Rohstoffe, die essenziell für die Produktion von Halbleitern, Elektromotoren und modernen Waffen sind. Rohstoffexporte aus Zentralasien sollen dafür sorgen, dass die USA nicht zum Opfer von Engpässen oder wirtschaftlicher Nötigung vonseiten Chinas werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im Transportbereich nimmt Zentralasien für die USA – und US-Präsidenten Donald Trump spezifisch – eine Schlüsselrolle ein. Im August 2025 hatte Trump feierlich die Errichtung des sogenannten <a href="https://hagueresearch.org/the-tripp-corridor-connectivity-and-geopolitics-in-the-south-caucasus/">TRIPP-Korridors</a> („Trump Route for International Peace and Prosperity”) zwischen Armenien und Aserbaidschan verkündet, der das aserbaidschanische Kernland auf 43 Kilometern mit der Exklave Nachitschewan und dem europäischen Markt verbinden soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das TRIPP-Projekt stellt einen wichtigen Teil des größeren Mittleren Korridors dar: Dieser soll die Märkte Europas und Chinas auf dem Landweg miteinander verbinden und gleichzeitig Russland und den Iran isolieren. Vor allem Kasachstan und Usbekistan sollen entlang dieser Strecke als Logistik-Hubs dienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Kampf um die Gunst Zentralasiens müssen die USA allerdings mit mehreren Mitbewerbern die Klingen kreuzen: Kurz vor Rubios Ankunft in Samarkand endete der zweitägige Besuch des chinesischen Premierministers Li Qiang in Usbekistan, bei dem beide Seiten über den Ausbau der Eisenbahnstrecke China–Kirgistan–Usbekistan und Perspektiven in den bilateralen Handelsbeziehungen diskutierten. Der bilaterale Handel zwischen China und Usbekistan betrug letztes Jahr <a href="https://gov.uz/en/miit/news/view/198576">rund 18 Milliarden</a> US-Dollar – über zehnmal so viel wie das amerikanische Handelsvolumen (<a href="https://ustr.gov/Uzbekistan">1,7 Milliarden</a> US-Dollar). Und auch andere Akteure, wie die EU, Russland oder die Türkei, werden ihren Einfluss in Zentralasien nicht kampflos aufgeben.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Benedikt Stöckl für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Eine Branche in Gefahr? Die kasachische Mehlindustrie unter Druck</title>
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		<dc:creator><![CDATA[La rédaction]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Oct 2026 19:16:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agrarwirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Durch die wachsende Konkurrenz der usbekischen Mehlproduktion und dem beschr&#xE4;nkten Zugang zu russischem Weizen steht die kasachische M&#xFC;hlenindustrie seit mehreren Jahren zunehmend unter Druck. Dennoch bleibt Kasachstan einer der weltweit f&#xFC;hrenden Mehlexporteure und ist bem&#xFC;ht, seine Bedeutung in der Getreideverarbeitung in Zeiten des Umbruchs zu sichern. Ein zentraler Sektor in der nationalen Agrarwirtschaft und Industrie [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Durch die wachsende Konkurrenz der usbekischen Mehlproduktion und dem beschränkten Zugang zu russischem Weizen steht die kasachische Mühlenindustrie seit mehreren Jahren zunehmend unter Druck. Dennoch bleibt Kasachstan einer der weltweit führenden Mehlexporteure und ist bemüht, seine Bedeutung in der Getreideverarbeitung in Zeiten des Umbruchs zu sichern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein zentraler Sektor in der nationalen Agrarwirtschaft und Industrie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit der Unabhängigkeit Kasachstans im Jahr 1991 hat sich die Getreidemüllerei als eine der zentralen Säulen des nationalen Agrar- und Industriekomplexes etabliert. Ende der 2000er Jahre war Kasachstan laut dem auf Landwirtschaft spezialisierten kasachischen Medienportal <a href="https://eldala.kz/">Eldala.kz</a> im Mehl-Export weltweit führend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Zusammenbruch der UdSSR erlebte die Produktion einen rasanten Aufschwung. Die Zahl der Mühlen stieg dabei von 75 im Jahr 1989 auf 2300 im Jahr 2000. In den 1990er Jahren investierten zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe in ihre eigene Verarbeitung und bauten diese aus. Vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs der sowjetischen Handelswege wurden die Müller zu einem der wichtigsten Abnehmer für den produzierten Weizen aus den nördlichen Regionen, die für etwa 20 Prozent der sowjetischen Getreideproduktion verantwortlich waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die landwirtschaftlichen Erzeuger führte diese Situation jedoch lange Zeit zu einem ungünstigen Kräfteverhältnis. Da es keine alternativen Absatzmärkte gab, blieben die Ankaufspreise für Weizen niedrig, was wiederum die Investitionsmöglichkeiten der Betriebe einschränkte. Ab den 2010er Jahren erholte sich der Sektor allmählich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2025 lag Kasachstan bei den weltweiten Mehlexporteuren auf Platz zwei hinter der Türkei. Seit 2010 produzieren kasachische Mühlenbetreiber durchschnittlich zwischen drei und vier Millionen Tonnen Mehl pro Jahr. Davon werden 1,5 bis 2,5 Millionen Tonnen exportiert, hauptsächlich nach Zentralasien und Afghanistan. Der afghanische Markt nimmt <a href="https://www.gov.kz/org/moa/press/news/details/1252073?lang=ru&amp;utm_">laut dem Landwirtschaftsministerium </a>mehr als die Hälfte der kasachischen Mehlexporte auf. Daneben zählen Usbekistan, Kirgistan und Turkmenistan zu den wichtigsten Abnehmern.</p>



<figure class="wp-block-image is-resized"><img decoding="async" src="https://novastan.org/fr/wp-content/uploads/sites/4/2026/09/WhatsApp-Image-2026-09-08-at-09.00.41-1024x1024.jpeg" alt="" style="aspect-ratio:1;width:1024px;height:auto" /><figcaption class="wp-element-caption">Getreidesilos in Novoishimskoje in der Region Nordkasachstan. Foto des Autors.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die weltweite Mühlenindustrie verbraucht zwischen 20 und 30 Prozent der in Kasachstan geernteten Getreidemenge. Der Großteil des Weizens wird in den nördlichen Regionen Aqmola, Qostanai und in Nordkasachstan angebaut.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein regionales Gebiet im Umbruch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die steigende Mehlproduktion in Usbekistan stellt heute eine der größten Herausforderungen für die kasachischen Müller dar. Seit dem Amtsantritt des usbekischen Präsidenten Shavkat Mirziyoyev im Jahr 2016 hat die vorangetriebene Liberalisierung der Wirtschaft laut <a href="https://www.world-grain.com/">World Grain</a> zur raschen Entwicklung des Sektors beigetragen. Usbekistan exportierte 2025 <a href="https://www.apk-inform.com/uk">rund 1,6 Millionen Tonnen Mehl</a>, hauptsächlich nach Afghanistan.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/fr/newsletter/newsletter-agriculture-tachkent-fait-du-pied-aux-entreprises-francaises/">Taschkent wirbt um französische Unternehmen</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Expansion beruht zum Großteil auf aus Kasachstan importiertem Weizen. Usbekistan bleibt mit jährlich rund vier Millionen Tonnen Importen der <a href="https://t.me/Karabanov_Eugeniy/676">wichtigste Absatzmarkt für kasachisches Getreide</a>. Diese Entwicklung führt kasachische Erzeuger in eine paradoxe Situation: Ein wachsender Anteil des heimischen Weizens wird in unverarbeiteter Form exportiert und anschließend im benachbarten Usbekistan verarbeitet. Auf dem afghanischen Markt konkurriert der Weizen dann direkt mit kasachischem Mehl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig ist Afghanistan auch bestrebt, seine Verarbeitungskapazitäten durch den Bau neuer Mühleninfrastrukturen auszubauen. Parallel steigert das Land seine Importe von Weizen aus Kasachstan. Diese politische Entwicklung zur eigenen Ernährungssouveränität in Usbekistan und Afghanistan führt somit dazu, dass die Absatzmärkte für kasachisches Mehl zurückgehen. Gleichzeitig werden die Exporte von Rohgetreide mit geringerer Wertschöpfung gefördert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wettbewerb innerhalb der nationalen Agrarindustrie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch interne Entwicklungen in Kasachstan verschärfen die Schwierigkeiten für den Sektor. Im Jahr 2025 erleichterten Subventionen für den Getreidetransport zu bestimmten Exportmärkten den Absatz von kasachischem Weizen in weiter entfernte Zielgebiete. Für die Müller trugen diese Maßnahmen jedoch dazu bei, das Wettrennen um den Zugang zu günstigem Rohstoff auf dem Binnenmarkt zu verschärfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Finanzielle Fördermaßnahmen sind Teil der Bemühungen der Behörden, neue Absatzmärkte für das kasachische Getreide zu erschließen. Mit der Neuordnung globaler Lieferketten seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine stehen insbesondere China, der Nahe Osten und der afrikanische Kontinent im Fokus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um wettbewerbsfähig zu bleiben, haben kasachische Mühlenbetreiber versucht, Weizen aus Russland einzukaufen, wo Weizen unter Umständen günstiger ist. 2024 soll der Preisunterschied <a href="https://www.azattyqasia.org/a/32687212.html">laut Azattyq Asia</a>&nbsp;bis zu 20 Prozent betragen haben. Dieser Vorteil für die Mühlen stellt gleichzeitig ein Risiko für die einheimischen Getreideerzeuger dar: Mehr günstiger russischer Weizen übt einen Abwärtsdruck auf den Binnenmarkt aus.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter is-resized"><img decoding="async" src="https://novastan.org/fr/wp-content/uploads/sites/4/2026/09/robin-farine-kazakhstanaise-samarcande-02-1-498x1024.jpg" alt="" style="aspect-ratio:0.486328125;width:498px;height:auto" /><figcaption class="wp-element-caption">Mehlsäcke, die auf dem Basar von Samarkand zum Verkauf angeboten werden und die Aufschrift „Hergestellt aus Weizen aus Nordkasachstan“ in russischer Sprache tragen. Foto des Autors.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Da Kasachstan zudem selbst über umfangreiche Weizenvorräte verfügt, haben die Behörden die Einfuhren russischen Weizens schrittweise beschränkt und schließlich verboten. Dadurch sollen die Preise gestützt und Absatzmärkte für die heimische Produktion gesichert werden. In dieser Politik zeigen sich die teilweise widersprüchlichen Interessen zwischen Getreideerzeugern und Verarbeitern deutlich. <a href="https://eldala.kz/dannye/dosye/563-gan-evgenij-albertovich">Evgeni Gan</a>, Vorsitzender des Rates des Verbands der Getreideverarbeiter Kasachstans, plädiert daher weiterhin für eine Lockerung der Beschränkungen für russische Importe, um die Wettbewerbsfähigkeit der Müller aus den Exportmärkten zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2026 trat eine neue Steuerreform in Kraft, die <a href="https://www.grainunion.kz/ru/article/4218">eine weitere Komponente hinzufügte</a>: Das neue Steuergesetzbuch hat die Regeln für die Erstattung der Mehrwertsteuer auf landwirtschaftliche Exporte geändert. Die Behörden haben jedoch klargestellt, dass Produkte, die aus der Verarbeitung landwirtschaftlicher Rohstoffe hervorgehen (darunter Mehl), weiterhin Anspruch auf eine vollständige Mehrwertsteuerrückerstattung haben, sofern die steuerrechtlichen Vorschriften eingehalten werden. Die Bestimmungen für den Export landwirtschaftlicher Rohstoffe waren 2026 Gegenstand intensiver Diskussionen zwischen der kasachischen Regierung und den Berufsverbänden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung sah einen Vorteil im Erhalt der verarbeitenden Industrie, um mehr Wertschöpfung im Inland zu generieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auf dem Weg zu neuen Prioritäten?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während Usbekistan und Afghanistan ihre eigenen Kapazitäten zur Mehlproduktion ausbauen, scheint Kasachstan die Verarbeitungsformen seines Getreides weiter diversifizieren zu wollen. Seit 2022 verzeichnen insbesondere die <a href="https://www.gov.kz/org/moa/press/news/details/1252073?lang=ru&amp;utm_">Exporte von Getreideprodukten für Futterzwecke</a> nach China einen starken Anstieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig kündigt die Regierung Projekte zur „tiefgreifenden Verarbeitung“ von Getreide an. Diese betreffen insbesondere die Herstellung von Stärke, Lysin, Aminosäuren, Threonin oder Glutamin für die weltweite Lebensmittelindustrie. Gemeinsam mit internationalen Investoren sollen die Projekte jährlich mindestens fünf Millionen Tonnen Getreide verarbeiten und könnten den kasachischen Agrar- und Industriekomplex direkter in technologisch anspruchsvollere Wertschöpfungsketten einbinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die steuerpolitische Förderung von Verarbeitungserzeugnissen hat ein klares Ziel: Anstatt ausschließlich Getreide oder Mehl zu exportieren, versuchen die Behörden, Produktionszweige zu fördern, die im Inland einen höheren Mehrwert schaffen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Veränderungen in der kasachischen Mühlenindustrie zeugen somit von einer umfassenderen Neugestaltung der regionalen Ernährungssysteme. Der Ausbau der Verarbeitungskapazitäten in Usbekistan und Afghanistan, die Erschließung neuer Absatzmärkte in China sowie der Wettbewerb zwischen Erzeugern und Verarbeitern in Kasachstan gestalten die Getreidekreisläufe in Zentralasien nach und nach neu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf lokaler Ebene verändern diese Entwicklungen auch die auf Getreide spezialisierten ländlichen Gebiete im Norden Kasachstans: Der Ausbau der Industrie, eine Diversifizierung der Anbaukulturen und neue Formen der Nutzung von Ackerland gehen einher mit der zunehmenden Einbindung der Region in die großen eurasischen Agrar- und Lebensmittelströme. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Robin Leterrier ist Doktorand am Institut français de géopolitique (Universität Paris 8) und Autor für Novastan.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Leterrier für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Übersetzt aus dem Französischen von Leonie Stoffels</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Pressefreiheit unter Druck: Usbekischer Blogger zu vier Jahren Haft verurteilt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[bstoeckl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Oct 2026 09:58:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Blogger]]></category>
		<category><![CDATA[Jizzax]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Shavkat Mirziyoyev]]></category>
		<category><![CDATA[Sirojiddin Adilov]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der usbekische Blogger Sirojiddin Adilov, der in der Vergangenheit &#xFC;ber Machtmissbrauch in der usbekischen Polizei berichtet hatte, wurde am 5. Oktober wegen Betrugs und Erpressung zu 4 Jahren Haft verurteilt. Das Verfahren wirft Fragen &#xFC;ber die Unabh&#xE4;ngigkeit der Justiz und die Lage der Meinungsfreiheit im Land auf. Das Urteil wurde vom Strafgericht der Stadt Jizzax [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der usbekische Blogger Sirojiddin Adilov, der in der Vergangenheit über Machtmissbrauch in der usbekischen Polizei berichtet hatte, wurde am 5. Oktober wegen Betrugs und Erpressung zu 4 Jahren Haft verurteilt. Das Verfahren wirft Fragen über die Unabhängigkeit der Justiz und die Lage der Meinungsfreiheit im Land auf.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Urteil wurde vom Strafgericht der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jizzax" data-type="link" data-id="https://de.wikipedia.org/wiki/Jizzax">Jizzax</a> im Osten Usbekistans gefällt. Sirijiddin Adilov wird vorgeworfen, sich im Falle einer Person des Betrugs und im Falle zweier weiterer der Erpressung schuldig gemacht zu haben. Zudem wurde dem Blogger eine Schadensersatzzahlung in Höhe von 75 Millionen Som (ungefähr 5712 Euro) auferlegt. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://t.me/jizzaxviloyatisudlari/13709">Laut dem Jizzaxer Strafgericht</a> soll Adilov von der 61-jährigen R. Xudoynazarova aus dem Bezirk Pastdarg’om im August 2024 damit beauftragt worden sein, einen Finanzstreit mit einer Drittperson beizulegen. Adilov soll vom angeblichen Opfer dabei eine Geldsumme in Höhe von 33 Millionen Som erhalten haben, um den Konflikt zu seinen Gunsten zu entscheiden. Dem Ankläger zufolge habe der Blogger (Stand März 2026) seine Aufgabe allerdings nicht erfüllt und ihn damit in die Irre geführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem soll der Angeklagte von zwei weiteren Personen &#8211; D. Shamsiyev und G. Jumaniyozova &#8211; jeweils 12 Millionen und 30 Millionen Som erpresst haben. Auf den Gegenstand der Erpressungen sowie deren Einzelheiten ging das Gericht allerdings nicht näher ein.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Adilovs Verhaftung erfolgte bereits im März dieses Jahres, nachdem er zuvor über einen Fall des Machtmissbrauch in der usbekischen Polizei berichtet hatte. Während das Gericht beteuert, dass die Verhaftung nicht mit seiner kritischen Berichterstattung in Verbindung steht, behaupten Expert:innen und Menschenrechtler:innen, dass das Verfahren politisch motiviert sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.gazeta.uz/ru/2026/03/11/sirojiddin-odilov/">Laut der Menschenrechtsorganisation Ezgulik</a> soll es während des Verfahrens zu zahlreichen Verstößen gekommen sein: So wurde Adilov die freie Anwaltswahl verwehrt und lieferten die angeblichen Geschädigten keine Beweise für die Straftaten, die Adilov vorgeworfen werden. Einige der Opfer <a href="https://www.linkedin.com/posts/uzbekistan-humanrights-freedomofexpression-share-7512888556055625729-UAQf/">zogen ihre Aussage später zurück</a> und weigerten sich, vor Gericht auszusagen. Zudem wurden die Wohnung und das Fahrzeug des Bloggers trotz fehlenden Haftbefehls von der Polizei durchsucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Das Recht auf Verteidigung ist ein zwingendes Recht des Einzelnen, und dessen Verletzung lässt Zweifel an der Objektivität der strafrechtlichen Verhandlung aufkommen</em>“, <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2026/03/11/sirojiddin-odilov/">schrieb</a> Abdurahmon Tashanov, Vorsitzender von Ezgulik, in einem mittlerweile gelöschten Facebook-Post.</p>



<h2 class="wp-block-heading">“Als mich ein Polizist schlug, flog ich einen Meter weit durch die Luft”</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf seinem Kanal widmet sich Sirojiddin Adilov Fällen der Korruption in Usbekistan. Im März letzten Jahres hatte er über einen Vorfall berichtet, bei dem Gulirano Qosimova, eine Schuldirektorin im Bezirk Furqat der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Viloyat_Farg%CA%BBona">Provinz Farghona</a>, von Polizisten geschlagen und dazu gezwungen wurde, sich nackt auszuziehen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut dem usbekischen Portal <a href="https://kun.uz/en/news/2025/11/29/gulirano-qosimovas-case-court-sentences-former-furqat-district-police-chief-and-his-deputy-to-four-years-for-abuse"><em>kun.uz</em> </a>sollte ihre Misshandlung dazu dienen, ein Strafverfahren gegen den Leiter der Steuerbehörde des Bezirks, Qurbonali Abdurahmonov, zu fabrizieren. Abdurahmonov, in dessen Haus die Übergriffe stattfanden, war zu dem Zeitpunkt in einen Konflikt mit dem Furqater Polizeichef Akmal Xodjayev verwickelt. Als alte Bekannte hatte Qosimova ihn aufgesucht, um finanzielle Hilfe für ihren Mann zu erbitten, der kurz zuvor in einem Autounfall schwer verletzt worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="Regimekritischer Blogger zu drei Jahren Hausarrest verurteilt">Usbekistan: Regimekritischer Blogger zu drei Jahren Hausarrest verurteilt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kosimovas eigenen Aussagen zufolge wurde sie während ihrer Misshandlung von den Polizisten gefilmt und dazu aufgefordert, eine Falschaussage zu unterzeichnen, in der Abdurahmonov der Vergewaltigung bezichtigt wurde. </p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ein Polizist schlug mir in den Bauch, und ich konnte 15 bis 20 Sekunden lang nicht atmen. Als mich ein Polizist schlug, flog ich einen Meter weit durch die Luft, und ein anderer packte mich an den Haaren und zerrte mich zurück zu dem ersten Polizisten, der mir weitere Schläge versetzte. Zwischen den Schlägen schalteten sie die Kamera aus und fragten mich, ob ich bereit sei, eine Aussage zu machen</em>“, sagte Qosimova in einem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=KXUsnmzw6vE">Interview</a> mit <em>kun.uz.</em>  </p>



<h2 class="wp-block-heading">Pressefreiheit in Usbekistan: Gebrochene Versprechen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Adilovs Verhaftung unter zwielichtigen Vorwürfen zeugt von der zunehmenden Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit in Usbekistan. Seit Anfang 2025 sehen sich usbekische Onlineportale sowie die Konten von Journalist:innen in den sozialen Medien immer öfter <a href="https://www.uzbekforum.org/digital-attacks-silence-independent-uzbek-journalists-and-government-critics/">digitalen Angriffen ausgesetzt</a>, die oftmals von regierungsnahen Akteur:innen ausgeführt werden. Hierzu gehören falsche Urheberrechtsansprüche, erfundene Meldungen über den Tod von Nutzer:innen und andere irreführende Informationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Vorlauf des Verfassungsreferendums im Jahr 2023 wurde die Journalistin Madina Ochilova <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/trotz-verfassungsreform-pressezensur-in-usbekistan-dauert-an/">verhaftet</a>, nachdem sie zuvor an einem Artikel über die russische Verwicklung in die usbekische Gasindustrie mitgearbeitet hatte. Nach ihrer Verhaftung galt sie für mehrere Stunden als <a href="https://t.me/haqiqatdaIlyos/1149">vermisst</a>. Zudem wurden Nachrichtenportale in der Vergangenheit wegen der Veröffentlichung “strittiger religiöser Inhalte” ohne die Erlaubnis des zuständigen Regierungskomitees <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/pressefreiheit-in-usbekistan-zwei-medien-wegen-strittiger-artikel-verurteilt/">zu Geldstrafen verurteilt</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/trotz-verfassungsreform-pressezensur-in-usbekistan-dauert-an/">Trotz Verfassungsreform: Pressezensur in Usbekistan dauert an</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz früherer Versprechen, die Meinungs- und Pressefreiheit im Land zu gewährleisten, driftet Usbekistan unter Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> immer weiter in Richtung Zensur ab. <a href="https://ipi.media/press-struggles-to-regain-strength-after-decades-of-repression-in-uzbekistan/">2016 hatte er</a> nach seinem Amtsantritt mit der raschen Freilassung inhaftierter Journalist:innen, der Aufhebung der Sperrung verbotener Nachrichtenportale und der Wiederaufnahme ausländischer Medien noch bedeutende Liberalisierungen angestoßen, doch nun scheint Mirziyoyev die Zügel im Bereich der Pressefreiheit wieder anzuziehen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Benedikt Stöckl für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kasachstan: Vier Jahre Haft für Anti-Kriegs-Priester</title>
		<link>https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-vier-jahre-haft-fuer-anti-kriegs-priester/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Oct 2026 10:55:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Iakov Vorontsov]]></category>
		<category><![CDATA[Justiz]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg in der Ukraine]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Orthodoxie]]></category>
		<category><![CDATA[Priester]]></category>
		<category><![CDATA[Prozess]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Vater Iakov]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Iakov Vorontsov muss f&#xFC;r vier Jahre ins Gef&#xE4;ngnis. Ein Gericht in Almaty verurteilte den als Anti-Kriegs-Priester bekannt gewordenen orthodoxen Geistlichen wegen Drogenbesitzes. Die Verteidigung betrachtet die Vorw&#xFC;rfe als fabriziert. &#x201E;Iakov Vorontsov ist der Begehung der in Teil 4 von Artikel 296 des Strafgesetzbuches der Republik Kasachstan vorgesehenen Straftat f&#xFC;r schuldig zu befunden. Gegen ihn wird [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Iakov Vorontsov muss für vier Jahre ins Gefängnis. Ein Gericht in Almaty verurteilte den als Anti-Kriegs-Priester bekannt gewordenen orthodoxen Geistlichen wegen Drogenbesitzes. Die Verteidigung betrachtet die Vorwürfe als fabriziert.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Iakov Vorontsov ist der Begehung der in Teil 4 von Artikel 296 des Strafgesetzbuches der Republik Kasachstan vorgesehenen Straftat für schuldig zu befunden. Gegen ihn wird eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren verhängt, die in einer Strafvollzugsanstalt mittlerer Sicherheitsstufe zu verbüßen ist.“</em> So lautet das Urteil, das Richter Jasulan Husainov am 7. Oktober <a href="https://vlast.kz/novosti/71147-sud-prigovoril-eks-svasennika-iakova-voroncova-k-cetyrem-godam-lisenia-svobody.html">verlas</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar wurde das Strafmaß aufgrund einer Amnestie, die anlässlich der <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/per-referendum-kasachstan-stimmt-fuer-neue-verfassung/">Verabschiedung einer neuen Verfassung</a> gewährt wurde, umgehend auf vier Jahre reduziert. Dennoch wirft der Prozess, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Medeu-Bezirksgericht in Almaty geführt wurde, Fragen auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der Ermittlungsbehörden wurde bei einer Durchsuchung von Vorontsovs Haus eine psychotrope Substanz sichergestellt, die ein Analogon zu <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Methcathinon">Metcathinon</a> sein soll. Die Behörden stuften dabei die gefundenen 2,44 Gramm als <em>„besonders große Menge“</em> ein. Der zwischenzeitlich erhobene Vorwurf der „Organisation einer Drogenhöhle“ wurde fallen gelassen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Voronstov selbst weist alle Vorwürfe zurück. <em>„Ich halte das für einen politischen Auftrag der Russischen Föderation. Es handelt sich um eine rechtswidrige Strafverfolgung“</em>, hatte der ehemalige Priester bei Prozessauftakt <a href="https://d26p2424jkgtnw.cloudfront.net/a/protsess-v-almaty-po-delu-eks-svyaschennika-rpts-iakova-vorontsova-budet-zakrytym-on-zayavil-o-zakaze-rf/33857468.html">erklärt</a>.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Vorontsovs Anwalt Galym Nurpeisov hält die Schuld seines Mandanten für nicht erwiesen. <em>„Man hat diese Substanz im Haus von Iakov Voronstov gefunden – das bedeutet [für die Behörden], dass er schuldig ist. Es gab jedoch keinerlei Beweise dafür, wem die Substanz gehörte, von wem oder wann sie erworben wurde oder ob ein Kontakt zu ihr bestand. Daher haben wir von Anfang an gesagt, dass es an Beweisen für einen Schuldspruch fehlt“</em>, <a href="https://vlast.kz/novosti/71147-sud-prigovoril-eks-svasennika-iakova-voroncova-k-cetyrem-godam-lisenia-svobody.html">erklärte</a> er nach der Urteilverkündung gegenüber Journalist:innen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Priester gegen den Krieg</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die politische Dimension des Prozesses besteht darin, dass Vorontsov kein Unbekannter ist. Der als Vater Iakov bezeichnete 40-jährige ist in den letzten Jahren als eine der unkonventionellsten religiösen Persönlichkeiten Kasachstans in Erscheinung getreten. Direkt nach Russlands Überfall auf die Ukraine verurteilte Voronstov, damals noch Priester des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Russisch-Orthodoxe_Kirche">Moskauer Patriarchats</a>, ganz im Gegensatz zu der von ihm vertretenen Kirche den Angriff <em>[Anm. d. R.: Zu dem Moskauer Patriarchat zählen nach eigenem Verständnis auch Teile der Gebiete der ehemaligen UdSSR<em>, darunter Kasachstan</em>]</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie <a href="https://fergana.media/articles/146507/?_gl=1*aoi0xt*_ga*MjEyNjE2ODI4OC4xNzc3NDg4MjQ5*_ga_W6BGJZBV09*czE3OTE0NzczNTQkbzUkZzEkdDE3OTE0NzczODIkajMyJGwwJGgw">Fergana News</a> darlegt, wurde Vater Iakov im August 2023 von seinem Priesteramt entbunden, nachdem er in einem Facebook-Post die Russisch-Orthodoxe Kirche als <em>„die abscheulichste aller irdischen Religionen“</em> bezeichnet hatte. Kurze Zeit später folgten auch erste staatliche Repressionen. Im Dezember 2023 leiteten Kasachstans Behörden ein Strafverfahren wegen der Schürung von nationalem, sozialem oder religiösem Hass ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/meine-letzte-hoffnung-ruht-nun-auf-der-republik-kasachstan-zwei-russischen-aktivistinnen-droht-die-abschiebung-aus-kasachstan/">“Meine letzte Hoffnung ruht nun auf der Republik Kasachstan”: zwei russischen Aktivist:innen droht die Abschiebung aus Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der <a href="https://orientalexpress.info/central-asia/kazakhstan/%D0%BF%D1%80%D0%B5%D0%BA%D1%80%D0%B0%D1%89%D0%B5%D0%BD%D0%BE-%D1%83%D0%B3%D0%BE%D0%BB%D0%BE%D0%B2%D0%BD%D0%BE%D0%B5-%D0%B4%D0%B5%D0%BB%D0%BE-%D0%BF%D1%80%D0%BE%D1%82%D0%B8%D0%B2-%D0%B1%D1%8B%D0%B2/">Einstellung des Verfahrens</a> setzte sich der „Anti-Kriegs-Priester“ für die Gründung einer unabhängigen orthodoxen Gemeinschaft ein – einer Gemeinschaft, die auf den kasachstanischen nationalen Kontext zugeschnitten und vom russischen Patriarchat unabhängig sein sollte. Mehrere Versuche einer Registrierung wurden vom Justizministerium abgelehnt. Am 10. Februar versuchte Vorontsov diesen Entscheid vor Gericht anzufechten. Drei Tage später klickten die Handschellen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Prozess mit Wendungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Hausdurchsuchung in der Nacht zum 13. Februar teilte die Polizei mit, dass bei Vorontsov „pulverförmige Substanzen“ sichergestellt worden seien. Eine medizinische Untersuchung habe den Drogenkonsum bestätigt. Der ehemalige Priester wurde anfangs für zehn Tage festgenommen, die Haft mehrmals verlängert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 25. Mai folgte eine unerwartete Wendung, als Vorontsov <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-anti-kriegs-priester-in-psychiatrische-klinik-eingewiesen/">zwangsweise in eine psychiatrische Spezialklinik</a> in der Nähe von Almaty verlegt wurde. Doch die Ärzte stellten bei ihm keine psychischen Auffälligkeiten fest, sodass er im Juli erneut in die Untersuchungshaftanstalt <a href="https://vlast.kz/novosti/70074-iakova-voroncova-snova-pereveli-v-sizo.html">verlegt</a> wurde. <em>„Die Ärzte stellten bei ihm keinerlei psychische Auffälligkeiten fest und weigerten sich, einen gesunden Menschen gegen ein unbekanntes Leiden zu behandeln“</em>, zitierte <a href="https://fergana.news/news/149931/">Fergana News</a> das Kasachstanische Internationale Büro für Menschenrechte (KMBPCh) damals.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-anti-kriegs-priester-in-psychiatrische-klinik-eingewiesen/">Kasachstan: Anti-Kriegs-Priester in psychiatrische Klinik eingewiesen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Prozessauftakt erfolgte dann am 16. September. Nicht zuletzt die Tatsache, dass das Gerichtsverfahren – angeblich da Zeug:innen um ihre Sicherheit fürchteten – unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, nährt Zweifel. Schon im Vorfeld der Urteilsverkündung war das Verfahren von nationalen und internationalen Menschenrechtler:innen kritisch begleitet worden. So <a href="https://bes.media/news/komissiya-ssha-vklyuchila-iakova-vorontsova-v-bazu-presleduemih-za-veru/">nahm</a> die US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) den ehemaligen Priester in die internationale Datenbank von Personen auf, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Human Rights Watch (HRW) hatte Vorontsovs zwischenzeitliche Verlegung in die Psychatrie zum Anlass genommen, Kasachstans Umgang mit politischen Gegner:innen zu kritisieren. <em>„Kasachstans Bilanz bei der politisch motivierten strafrechtlichen Verfolgung von Kritikern, Aktivisten und anderen Personen, die friedlich kritische Ansichten äußern, ist gut dokumentiert“</em>, <a href="https://www.hrw.org/news/2026/05/28/kazakhstan-psychiatric-detention-of-activist-priest">erklärte</a> Mihra Rittmann, leitende Expertin für Zentralasien bei Human Rights Watch, damals.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das nun gesprochene Urteil wird nicht geeignet sein, diesen kritischen Blick auf Kasachstans Justiz zu mildern. Die zeitlichen Zusammenhänge und die Umstände des Verfahrens legen die Vermutung nahe, dass eine weitere kritische Stimme mundtot gemacht werden sollte – wohl auch um die Beziehungen zum Nachbarn Russland nicht zu belasten. Falls dies die Intention gewesen sein sollte, so ist dies im Fall von Iakov Vorontsov zumindest für vier Jahre gelungen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<item>
		<title>Satire in Kasachstan: Verurteilt wegen lustig?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jschupp]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Oct 2026 08:11:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Azamat Omarov]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer in Kasachstan Witze &#xFC;ber die Regierung rei&#xDF;t, kann wegen &#x201E;Anstiftung zur Zwietracht&#x201D; vor Gericht landen. So wie der Satiriker Azamat Omarov. &#x201E;Ich sehe, dass euch die Witze &#xFC;ber Toqaev gefallen haben, also kommt hier der n&#xE4;chste:&#x201D;, sagt der kasachische Satiriker Azamat Omarov in die Handykamera, er l&#xE4;uft unter kahlen Baumreihen entlang. &#x201E;Treffen sich die [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Wer in Kasachstan Witze über die Regierung reißt, kann wegen <em>„</em>Anstiftung zur Zwietracht” vor Gericht landen. So wie der Satiriker Azamat Omarov.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich sehe, dass euch die Witze über Toqaev gefallen haben, also kommt hier der nächste:”</em>, sagt der kasachische Satiriker Azamat Omarov in die Handykamera, er läuft unter kahlen Baumreihen entlang. <em>„Treffen sich die einheitliche Zeitzone, das neue Steuergesetzbuch und die neue Verfassung – und zack wird scharf geschossen!”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Omarov stellt hier – für Kasach:innen offensichtlich – die jüngsten Reformen der Regierung ihrer brutalen Handhabung der Proteste von 2022 gegenüber. Es sind Witze wie dieser, veröffentlicht auf seinem YouTube-Kanal <em>Akhual Segodnya</em> [die heutige Lage, Anm. der Redaktion], die den Satiriker ins Visier der Behörden gebracht haben.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Am 18. Juli 2026 nehmen Polizeikräfte Omarov in Astana fest und durchsuchen seine Wohnung. Nach zwei Monaten Untersuchungshaft kommt es zum Prozess. Omarovs Satire, so die Anklage, habe <em>„soziale, nationale, stammesbezogene, rassistische, klassenbezogene oder religiöse Zwietracht“</em> gesät, strafbar unter Artikel 174 des kasachstanischen Strafgesetzbuches. Konkret hatte sich die Anklage laut dem <em>Kazakhstan International Bureau for Human Rights and Rule of Law</em> auf ein Video vom Januar 2026 berufen, in dem Omarov die Führung des Landes kritisiert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/verurteilt-wegen-lustig-fuenf-jahre-haft-fuer-temirlan-ensebek/">Verurteilt wegen lustig – Fünf Jahre Haft für Temirlan Ensebek</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch eine Verfahrensvereinbarung kommt Omarov Mitte September schließlich frei. Die Einigung: Omarov bekennt sich schuldig und entgeht so einer Haftstrafe, die nun über dreieinhalb Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Fünf Jahre darf er keine neuen Inhalte mehr verbreiten, sich nicht politisch oder sozioökonomisch engagieren. Nur um der Haft zu entgehen, habe Omarov sich schuldig bekannt, sagte sein Anwalt Tölegen Şaıkov nach dem Prozess. <em>„Durch diesen Artikel (174) landen viele Leute im Gefängnis. So absurd es ist, er existiert und funktioniert.”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Man könne nicht genug betonen, wie ungerecht dieses Urteil sei, schrieb Mihra Rittmann, Senior Advisor bei der NGO <em>Human Rights Watch</em>, Mitte September in einem Beitrag über den Fall. Kasachstanische Behörden nutzten die vage Formulierung von Artikel 174 schon lange, um unliebsame Stimmen zum Schweigen zu bringen. Erst 2025 hatte ein Gericht in Almaty den Satireblogger Temirlan Ensebek unter eben jenem Artikel der <em>„Anstiftung zur Zwietracht”</em> schuldig befunden. Amnesty International stufte seine Strafverfolgung als politisch motiviert ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/internationale-resonanz-zum-fall-temirlan-ensebek/"><strong>Internationale Resonanz zum Fall Temirlan Ensebek</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Pressefreiheit ist es in Kasachstan schlecht bestellt. 2026 belegt das Land im World Press Freedom Index Platz 149 von 180. Der Index wird von der NGO <em>Reporter ohne Grenzen</em> erstellt. Sie begründen ihre Einstufung damit, dass die Regierung alle verfügbaren Mittel nutze, um unliebsame Berichterstattung einzuschränken. Das scheint insbesondere für die sensible Mischform der Satire zu gelten, für die sich Artikel 174 als probates Gegenmittel etabliert hat.<strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Zeitpunkt von Azamat Omarovs Festnahme – etwa ein Monat vor den ersten Wahlen des neuen kasachstanischen Parlaments – fällt zudem in ein breiteres Muster. Zwischen Juni und August 2026 wurden gegen mindestens drei weitere unabhängige Journalist:innen Strafverfahren eingeleitet, eine von ihnen wurde verurteilt. Im Gespräch mit der Menschenrechtsorganisation CIVICUS sagte die kasachstanische Journalistin Nazira Därimbet, dass Behörden insbesondere vor großen politischen Ereignissen wie der Kurultai-Wahl darauf aus seien, unbequeme und unabhängige Stimmen zum Schweigen zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf YouTube ist der Kanal <em>Akhual Segodnya</em> nicht mehr zu finden, Omarovs Satire ist gelöscht. Dass irgendwo in Kasachstan jedoch weiterhin Witze über die Regierung von Qasym-Jomart Toqaev gemacht werden, lässt sich nicht verhindern. Doch autokratische Regime wie das Kasachstanische setzen für ihre Machterhaltung auf Kontrolle: Der politische Diskurs soll in staatlich geregelten Bahnen verlaufen. Auf Satire wie die von Omarov reagiert der Staat repressiv: Es soll verhindert werden, dass der Diskurs seine Bahn verlässt – und potenziell die Legitimationsgrundlage des Regimes unterminiert. Artikel 174, in all seiner Vagheit, hat sich dabei als probates Mittel erwiesen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Jakob Schupp für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ilham Aliyev beim C5-Treffen 2026 am Yssyk-Köl: Welche Ziele verfolgt Aserbaidschan in Zentralasien?</title>
		<link>https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/ilham-aliyev-beim-c5-treffen-2026-am-yssyk-koel-welche-ziele-verfolgt-aserbaidschan-in-zentralasien/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Niklas Birli]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 19:22:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aserbaidschan]]></category>
		<category><![CDATA[C5]]></category>
		<category><![CDATA[C7]]></category>
		<category><![CDATA[Cauc-Asian]]></category>
		<category><![CDATA[Cholpon-Ata]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie in Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Südkaukasus]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftsregion]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftszone]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Staats- und Regierungschefs der f&#xFC;nf zentralasiatischen Staaten und Aserbaidschans bei einem Treffen in Kirgistan. Foto: president.uz</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/ilham-aliyev-beim-c5-treffen-2026-am-yssyk-koel-welche-ziele-verfolgt-aserbaidschan-in-zentralasien/">Ilham Aliyev beim C5-Treffen 2026 am Yssyk-Köl: Welche Ziele verfolgt Aserbaidschan in Zentralasien?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Am 31. Juli 2026 haben Aserbaidschan und die fünf zentralasiatischen Länder in Kirgistan mit der <em>Cholpon-Ata-Erklärung</em> dargelegt, dass sie ihre wirtschaftlichen Beziehungen in einer „trans-kaspischen“ Wirtschaftszone vertiefen wollen. Es sollen insbesondere der Handel expandiert und die regionale Sicherheit gemeinsam verstärkt werden. Die zentralasiatischen Länder (<em>C5</em>) wirken wirtschaftspolitisch ungewöhnlich geeint und haben Aserbaidschan als nunmehr sechstes Land in ihre Wirtschaftszone aufgenommen. Damit wird die fortschreitende wirtschaftliche Präsenz des Kaukasusstaats über das Kaspische Meer im Mittleren Korridor formal bestätigt. Für die zentralasiatischen Partner ist Aserbaidschan eine Tür in den Westen, jenseits des russischen Einflusses. Und Aserbaidschan will, auch im Rahmen der<em> Silk-Seven-Plus-Initiative</em>, einen gemeinsamen Handels- und Interessenraum mit den zentralasiatischen Staaten schaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist ein für westliche Augen ungewöhnliches <a href="https://eurasianet.org/central-asian-states-azerbaijan-create-roadmap-for-cooperation">Foto</a>, welches am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yssyk-K%C3%B6l">Yssyk-Köl-See</a> in Kirgistan bei einem informellen Treffen am 31. Juli aufgenommen wurde: Die zentralasiatischen Staatsoberhäupter und der angereiste Alleinherrscher Aserbaidschans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C4%B0lham_%C6%8Fliyev">Ilham Aliyev</a>, stehen Seite an Seite und applaudieren. Glaubt man der <a href="https://president.kg/ru/news/21/40637">Pressemeldung</a> des kirgistanischen Gastgebers, dann haben sie allen Grund dazu.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Fernab der westlichen Aufmerksamkeit haben sie der sogenannten <a href="https://qazinform.com/news/leaders-of-central-asia-and-azerbaijan-sign-cholpon-ata-declaration-7c10aa"><em>Cholpon-Ata-Erklärung</em></a> für die beteiligten Staaten ein neues wirtschafts- und sicherheitspolitisches Rahmenwerk geschaffen. Die Erklärung, so das Presseteam um den kirgistanischen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a>, verdeutliche das hohe Maß an Vertrauen zwischen den zentralasiatischen Ländern und dem südkaukasischen Staat, der geografisch durch das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspisches_Meer">Kaspische Meer</a> mit den Anrainern Kasachstan und Turkmenistan verbunden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Erklärung wollen sie, aufbauend auf den Prinzipien des Friedens, der guten Nachbarschaft und der nachhaltigen Entwicklung, die <a href="https://eurasianet.org/central-asian-states-azerbaijan-create-roadmap-for-cooperation">trans-kaspischen Beziehungen vertiefen</a>. Aliyev betonte auf der Konferenz die hohe Relevanz der zentralasiatischen Beziehungen für Baku, und durfte dann mitansehen, wie sein Land in das zentralasiatische Format <em>C5</em> aufgenommen wurde – was sie nun logischerweise zu den <em>C6 </em>macht. Der Beschluss dazu war bereits <a href="https://www.newscentralasia.net/2025/11/28/c5-is-now-c6-what-will-change/">im Jahr</a> zuvor auf dem <em>C5</em>-Gipfel in Taschkent gefallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von einem <a href="https://azertag.az/de/xeber/tscholpon_ata_erklarung_markiert_neue_etappe_der_zusammenarbeit_zwischen_aserbaidschan_und_zentralasien-4346829">Meilenstein</a> der regionalen Zusammenarbeit ist bei der staatlichen aserbaidschanischen Nachrichtenagentur <em><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Azerbaijan_State_News_Agency">Azertac</a></em> die Rede. Externe Einordnungen fallen hingegen deutlich nüchterner aus: Die Erklärung sei primär ein <a href="https://eurasianet.org/central-asian-states-azerbaijan-create-roadmap-for-cooperation">symbolischer</a> Akt: kein großangelegter Plan mit viel Substanz, eher eine Absichtserklärung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/einigung-zwischen-aserbaidschan-und-turkmenistan-bereitet-weg-fuer-transkaspische-pipeline/">Einigung zwischen Aserbaidschan und Turkmenistan bereitet Weg für Transkaspische Pipeline</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und doch steht die <em>Cholpon-Ata-Erklärung</em> für einen langfristigen Trend in der aserbaidschanischen Außenpolitik, welcher erhebliche wirtschaftliche Folgen für Europa und den Westen haben könnte: Aserbaidschan kann durch seine umfangreichen Öl- und Gasvorkommnisse auf einen starken wirtschaftlichen Aufschwung blicken, der sein Bruttoinlandsprodukt in die Höhe getrieben hat. Eine nachhaltige Diversifizierung der Wirtschaft liegt laut <a href="https://www.giz.de/de/regionen/europa/aserbaidschan">Daten</a> der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Gesellschaft_f%C3%BCr_Internationale_Zusammenarbeit">GIZ</a> allerdings nicht vor, weshalb Aserbaidschan nach der Erschöpfung der fossilen Energieträger gezwungen sein wird, andere Einnahmen zu finden, um den gewonnenen Wohlstand dauerhaft zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Land, das aufgrund seiner autokratischen Herrschaft durch die Familie Aliyev <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Heyd%C9%99r_%C6%8Fliyev">seit 1993</a> den kaspischen Anrainerstaaten Zentralasiens ähnelt, scheint sich zunächst aber vor allem als Alternative zum naheliegenden Rohstoffgiganten Iran präsentieren zu wollen. Letzterer hatte zuvor durch Kooperationen mit dem ehemaligen Erzfeind Armenien versucht, Aliyev wirtschaftlich zu <a href="https://osteuropa.lpb-bw.de/aserbaidschan-aussenpolitik">schwächen</a> und ringt nun mit Aserbaidschan um die wirtschaftliche Macht in der Region. Eine zusätzliche Belastung für die Beziehungen der beiden Länder ist die <a href="https://taz.de/Angegriffenes-Mullah-Regime/!6158961/">Benachteiligung</a> der aserbaidschanischen Minderheit im Norden Irans, wo mehr Aserbaidschaner:innen leben, als in Aserbaidschan selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Symbol der stärkeren wirtschaftlichen Annäherung zwischen Südkaukasus und Zentralasien ist der sogenannte <em>Mittlere Korridor</em> geworden: Das <em><a href="https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Artikel/Aussenwirtschaft/hochrangige-regierungsberatung.html">German Economic Team</a></em> <a href="https://www.german-economic-team.com/newsletter/chancen-und-herausforderungen-des-mittleren-korridors/">beschreibt</a> den <em>Mittleren Korridor</em> als transkaspische Logistikroute, die Europa und Asien verbindet und dabei Russland umgeht. Auch wenn sie den „alten“ <a href="https://www.gtai.de/de/trade/kasachstan/specials/eurasische-korridore-1782638">Nördlichen Korridor</a> über Russland nicht vollends ersetzen kann: Gerade mit Blick auf Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und die wirtschaftliche Neuausrichtung Deutschlands und der EU, mit der man Unabhängigkeit von russischem Gas und Öl erreichen möchte, handelt es sich also um eine höchst relevante Perspektive für die europäische Wirtschaftspolitik.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstans-schluesselrolle-beim-ausbau-des-mittleren-korridors/">Kasachstans Schlüsselrolle beim Ausbau des Mittleren Korridors</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <em>Mittlere Korridor </em>verläuft von der Volksrepublik China nach Kasachstan (zum Teil auch Turkmenistan und Usbekistan), über das Kaspische Meer nach Aserbaidschan, Georgien und die Türkei und schließlich von dort in die EU. Die Transportzeit zwischen China und Europa kann durch diesen Korridor von 45 Tagen über den Seeweg <a href="https://www.german-economic-team.com/newsletter/chancen-und-herausforderungen-des-mittleren-korridors/">auf höchstens 21 Tage</a> halbiert werden. Aserbaidschan hat es also geschafft, wie die <a href="https://caucasuswatch.de/de">NGO <em>Caucasus Watch</em></a> betont, durch die wirtschaftliche Vertiefung zu den kaspischen Anrainerstaaten einen neuen Wirtschaftsraum zu schaffen, in dem das Kaspische Meer keine Trennlinie bildet, sondern zum Ausgangspunkt einer neuen <a href="https://caucasuswatch.de/en/insights/central-asias-embrace-of-azerbaijan-the-rise-of-cauc-asia.html">„Cauc-Asian“</a>-Wirtschaftszone von der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kasachensteppe">Kasachischen Steppe</a> zum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzes_Meer">Schwarzen Meer</a> geworden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die Ambitionen der sechs Staaten sind noch größer: Am 21. April 2026 stellte das <em><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/New_Lines_Institute">New Lines Institute for Strategy and Policy</a></em> auf dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Capitol_Hill">Capitol Hill</a> in Washington D.C. vor US-amerikanischen Politiker:innen die sogenannte <a href="https://newlinesinstitute.org/in_the_media/momentum-for-the-silk-seven-plus-s7-initiative-grows-with-support-on-capitol-hill/"><em>Silk Seven Plus</em> (S7+)</a> Initiative vor. Sie soll neben Aserbaidschan auch Pakistan und Afghanistan inkludieren und so in der bisher schlecht miteinander verbundenen Region einen Wirtschaftsraum schaffen, der gemeinsame Regionalherausforderungen wie Wasserknappheit und Energiedefizite angehen kann. Die Initiative liefert dabei zwar <a href="https://timesca.com/a-view-from-afghanistan-silk-seven-plus-a-new-framework-for-regional-integration/">keine starke institutionelle Struktur</a>, aber eine Plattform für einen Wirtschaftsraum, der Russland bewusst ausklammert. <em>Cauc-Asia </em>als weltwirtschaftliches Phänomen ist somit nun auch in Washington zum Thema geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/welche-auswirkungen-wird-trumps-amtsantritt-auf-zentralasien-haben/">Welche Auswirkungen wird Trumps Amtsantritt auf Zentralasien haben?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was springt dabei für Zentralasien heraus? Für die zentralasiatischen Regime vor allem die Möglichkeit, dem kontinuierlichen russischen Einfluss auf Politik und Wirtschaft etwas entgegenzusetzen. Die <em>Silk-Seven-Plus Initiative</em> stärkt die wirtschaftliche Souveränität der Region Zentralasien. Bereits jetzt zeigen sich erste Entwicklungen in diese Richtung: So haben Aserbaidschan, Usbekistan und Kirgistan für den grenzüberschreitenden Handel mit der Einführung von <em><a href="https://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Zoelle/Zollverfahren/Versandverfahren/Carnet-TIR/Elektronisches-TIR-Carnet/elektronisches-tir-carnet_node.html">eTIR</a></em> bereits ein gemeinsames digitales System <a href="https://eurasianet.org/central-asian-states-azerbaijan-create-roadmap-for-cooperation">etabliert</a>. Innerhalb eines Jahres, von 2024 bis 2025, hat sich zudem der Handel zwischen Aserbaidschan und Usbekistan <a href="https://interfax.com/newsroom/top-stories/118814/">verdreifacht</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das neue <em>C6</em>-Format ermöglicht es außerdem, <a href="https://www.newscentralasia.net/2025/11/28/c5-is-now-c6-what-will-change/">Vernetzungslösungen zu finden</a> und regionale Herausforderungen gemeinschaftlich anzugehen. Aserbaidschan ist für die zentralasiatischen Länder eine Tür in den Westen: Sie müssen sich nicht für eine geopolitische Seite entscheiden, sondern können mit Aserbaidschan, das im Rahmen der <em><a href="https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/europa/erweiterung-nachbarschaft/nachbarschaftspolitik/oestliche-partnerschaft-node">Östlichen Partnerschaft</a></em> starke wirtschaftlichen Beziehungen zur EU pflegt und selbige gleichzeitig auch <a href="https://osteuropa.lpb-bw.de/aserbaidschan-aussenpolitik">zu Russland</a> unterhält, ihre Handelspartner diversifizieren. Der Kaukasusstaat ist somit eine <a href="https://www.newscentralasia.net/2025/11/28/c5-is-now-c6-what-will-change/">zusätzliche Option</a> für die zentralasiatischen Staaten, ihre Wirtschaftsbeziehungen zum Westen zu vertiefen. Aserbaidschan, Usbekistan und Kasachstan diskutieren entsprechend bereits Pläne, <a href="https://www.newscentralasia.net/2025/11/28/c5-is-now-c6-what-will-change/">Solar- und Windenergie in den Westen</a> zu exportieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/aserbaidschan-und-zentralasien-pruefen-machbarkeit-eines-green-energy-corridor/">Aserbaidschan und Zentralasien prüfen Machbarkeit eines Green Energy Corridor</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://www.newscentralasia.net/2025/11/28/c5-is-now-c6-what-will-change/">zahlreichen gegenseitigen Besuche</a> der Staatsoberhäupter über die letzten Jahre sprechen dabei eine deutliche Sprache: Hier geht es nicht um einen kurzzeitigen Trend, sondern um eine <a href="https://www.newscentralasia.net/2025/11/28/c5-is-now-c6-what-will-change/">nachhaltige Veränderung</a> der Außenpolitik Aserbaidschans. <em>Cauc-Asia</em> ist schon längst da. Memoranda wie die <em>Cholpon-Ata-Erklärung </em>weisen auf konkrete Entwicklungen in der Weltwirtschaft hin, welche auch die EU nachhaltig beeinflussen und nicht ignoriert werden können.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Niklas Birli für <em>Novastan.org</em></strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Ein vierter Neuanfang für Kirgistan? Einschätzungen eines Politologen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Sep 2026 20:32:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Autokratie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Machtumschichtung nach der Entlassung des Leiters der Sicherheitsdienste, Bilanz der Amtszeit von Sadyr Dschaparow, zunehmende Abh&#xE4;ngigkeit von China und Aussichten f&#xFC;r die Pr&#xE4;sidentschaftswahlen 2027&#x2026; F&#xFC;r Novastan analysiert der renommierte Politikwissenschaftler Emilbek Dschurajew die tiefgreifenden politischen und wirtschaftlichen Ver&#xE4;nderungen, die Kirgistan derzeit durchl&#xE4;uft. Der geb&#xFC;rtige Kirgise Emilbek Dschurajew ist ein Politikwissenschaftler und Analyst mit einem Doktortitel [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Machtumschichtung nach der Entlassung des Leiters der Sicherheitsdienste, Bilanz der Amtszeit von Sadyr Dschaparow, zunehmende Abhängigkeit von China und Aussichten für die Präsidentschaftswahlen 2027… Für Novastan analysiert der renommierte Politikwissenschaftler Emilbek Dschurajew die tiefgreifenden politischen und wirtschaftlichen Veränderungen, die Kirgistan derzeit durchläuft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der gebürtige Kirgise Emilbek Dschurajew ist ein Politikwissenschaftler und Analyst mit einem Doktortitel in Politikwissenschaft der University of Maryland. Zu seinen Fachgebieten zählen politische Systeme und Demokratisierung in Kirgistan und Zentralasien sowie verfassungsrechtliche Entwicklungen und regionale Geopolitik. Derzeit ist er Dozent an der OSZE-Akademie in Bischkek, regelmäßiger Kommentator zu politischen Ereignissen in Kirgistan und Zentralasien sowie Mitbegründer von „<a href="https://crossroads-ca.org/">Crossroads Central Asia</a>“, einer in Bischkek ansässigen Denkfabrik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Interview spricht er über die aktuelle politische Lage in Kirgistan im Vorfeld der nächsten Präsidentschaftswahlen, die für Januar 2027 angesetzt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Novastan: Seit dem Machtantritt von Sadyr Dschaparow im Jahr 2020/2021 im Zuge der <strong>„</strong>Oktoberrevolution<strong>“</strong> hat Kirgistan bedeutende verfassungsrechtliche und institutionelle Veränderungen durchlaufen. Wie würden Sie das politische System, das sich unter <strong>Dschaparow </strong>bis heute herausgebildet hat, allgemein beschreiben?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Emilbek Dschurajew</strong>: Mit dem Amtsantritt dieser neuen Regierung Anfang 2021 und der Übernahme des Präsidentenamtes durch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a> wurde auch ein Prozess der Verfassungsreform in Gang gesetzt, der im Mai 2021 zur Verabschiedung einer neuen Verfassung führte. Dies stellte gewissermaßen einen radikalen und entscheidenden Bruch mit der seit zehn Jahren geltenden Verfassung von 2010 dar, die eine Art halbparlamentarisches System eingeführt hatte: Das Parlament verfügte über weitreichende Befugnisse in der Gesetzgebung sowie bei der Ernennung und Abberufung der Regierung; der Präsident hatte hingegen deutlich eingeschränktere Befugnisse. 2010 stellte dies einen bedeutenden Bruch mit dem deutlich stärker präsidialen System früherer Amtsperioden dar.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021 erlebten wir die Rückkehr zu einem sehr starken und zentralisierten Präsidialsystem. Im Gegensatz zu früheren Ausprägungen des Präsidialsystems, etwa zu Beginn der 2000er Jahre oder sogar in den 1990er Jahren, sind die Befugnisse des Präsidenten auf verfassungsrechtlicher Ebene stärker verankert. Es handelt sich nicht mehr nur um faktische Befugnisse, die sich aus den politischen Umständen ergeben: Sie sind nun ausdrücklich in der Verfassung verankert. So ist der Präsident beispielsweise zugleich Regierungschef und oberster Vertreter des Staates sowie die höchste Autorität des Landes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verfassung räumt dem Präsidenten zudem zahlreiche Exekutivbefugnisse ein. So ist beispielsweise selbst bei der Ernennung und Abberufung von Regierungsmitgliedern die Beteiligung des Parlaments mittlerweile minimal. In den meisten Fällen ist es der Präsident, der ernennt und abberuft – Abberufungen können ohne jegliche Mitwirkung des Parlaments erfolgen. Der Präsident ist auch an der Ernennung von Richtern bis hin zu den Gerichten erster Instanz beteiligt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Betrachtet man die aktuelle Verfassung, so bilden die Rechte und Befugnisse des Präsidenten wahrscheinlich den umfangreichsten Abschnitt, der einer staatlichen Institution gewidmet ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kirgistan galt lange Zeit als das politisch pluralistischste Land Zentralasiens, sodass es sogar den Beinamen „Insel der Demokratie“ erhielt. Neigt das Land Ihren Aussagen zufolge heute zu einer Form der „Autokratie“?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele stellen fest, dass sich Kirgistan in den letzten Jahren in Richtung einer stärkeren Autokratie entwickelt und sich von demokratischen Normen und Prinzipien entfernt hat. Leider geschieht dies auch vor dem Hintergrund eines weltweiten Rückgangs der Demokratie und eines demokratischen Rückschritts. Diese autoritäre Entwicklung in Kirgistan ist daher keineswegs ein Einzelfall, und es gibt derzeit kein globales Umfeld, das einer Re-Demokratisierung besonders förderlich wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage ist nun, ob sich der pluralistische politische Raum in Kirgistan wiederherstellen lässt. Dies hat sich jedoch angesichts der aktuellen Verfassung, die umfangreiche Repressionsmöglichkeiten bietet, als sehr schwierig erwiesen. Der Pluralismus zwischen den politischen Parteien, den verschiedenen politischen Gruppierungen und den unterschiedlichen Strömungen in der Gesellschaft wurde in seiner Fähigkeit, jeglichen Einfluss auf die Politik auszuüben, stark unterdrückt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Parlamentswahlen wurden von 2026 auf November 2025 vorverlegt. Was hat diese vorgezogene Wahl tatsächlich am Kräfteverhältnis zwischen der Präsidentschaft, dem Parlament und den politischen Eliten verändert?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die genauen Gründe für die Entscheidung, die Parlamentswahlen um ein Jahr vorzuverlegen, sind nicht ganz klar. Der Grund, den die Regierung offiziell zur Rechtfertigung dieser Änderung anführte, war die Nähe zur Präsidentschaftswahl 2027. Auch wenn man dieser Erklärung mit Skepsis begegnet, denke ich, dass sie dennoch auf einer offensichtlichen Realität beruht: Zu dem Zeitpunkt, zu dem das Land sein Parlament gewählt hätte, wäre es gleichzeitig mitten im Präsidentschaftswahlkampf und im Wahlprozess gesteckt. Es hätte einen Zeitraum von zwei oder drei Monaten gegeben, unmittelbar nach Beginn des Parlamentswahlzyklus, in dem das politische Leben in Kirgistan sehr offen und anfällig für alle möglichen Erschütterungen gewesen wäre, mit einem potenziellen Risiko der Instabilität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Wahlen und angesichts ihrer Ergebnisse lässt sich auch eine zweite Erklärung in Betracht ziehen, an der der Präsident beteiligt gewesen sein könnte – oder auch nicht. Das neue Parlament zählt nämlich eine Reihe von Persönlichkeiten, die von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kamtschybek_Taschijew">Taschijew</a> (ehemaliger Vorsitzender des Komitees für Staatssicherheit und im Februar 2026 nach Korruptionsskandalen von Dschaparow abberufen, Anm. d. Red.) gefördert wurden und die seine Initiativen sowie seine wichtigsten politischen Leitlinien unterstützen dürften, sobald das Parlament seine Arbeit aufgenommen hat. Genau das lässt sich bereits beobachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem das neue Parlament Anfang 2026 seine Arbeit aufgenommen hatte, wurde eine Art Kommunikationskampagne gestartet, die darauf hindeutete, dass auch die Präsidentschaftswahlen vorgezogen werden sollten. Tatsächlich gibt es eine Debatte über den Unterschied zwischen der alten und der neuen Verfassung: Die alte sah eine einzige sechsjährige Amtszeit des Präsidenten vor, während die neue zwei Amtszeiten von jeweils fünf Jahren vorsieht. Die erste Amtszeit von Dschaparow liegt zwischen diesen beiden Systemen, und einigen Informationen zufolge wollten die Anhänger von Taschijew, dass die Wahl bereits in diesem Jahr, nach fünf Jahren Amtszeit, stattfindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kamtschybek Taschijew, der im Regime von Dschaparow eine zentrale Rolle spielte, wurde im Februar 2026 von seinem Amt als Leiter des Staatlichen Komitees für nationale Sicherheit Kirgistans entlassen. Was sind die Gründe und Folgen dieser Entscheidung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, der wahre Grund ist, dass der Präsident und sein engstes Umfeld – auch wenn schwer zu sagen ist, wer genau dazu gehört und wie groß dieser Kreis ist – den Eindruck hatten, dass Taschijew zügig auf eine Präsidentschaftskandidatur zusteuerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr noch: Es ging nicht nur darum, sich auf die geplante Wahl vorzubereiten – die Fraktion um Taschijew drängte auf eine vorgezogene Wahl. Und was noch schwerwiegender war: Dem Umfeld des Präsidenten schien es, als könnte das Team von Taschijew über eine Mehrheit im Parlament verfügen, die es ihm ermöglichen würde, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Dschaparow einzuleiten, mit der Begründung, er habe die in der geltenden Verfassung vorgesehene Amtszeit von fünf Jahren überschritten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-entlassung-von-geheimdienst-chef-kirgistan-baut-machtapparat-um/?noredirect=de-DE">Nach Entlassung von Geheimdienst-Chef: Kirgistan baut Machtapparat um</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab also alle möglichen Behauptungen, Gerüchte und Verdächtigungen, die sich natürlich zum jetzigen Zeitpunkt nur sehr schwer bestätigen lassen, da nichts offiziell schriftlich festgehalten oder aufgezeichnet wurde, um nachzuweisen, dass solche Äußerungen tatsächlich getätigt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Derzeit läuft ein Gerichtsverfahren gegen Taschijew und einige seiner engsten Mitarbeiter. Ihnen wird vorgeworfen, einen Regierungssturz vorbereitet zu haben. Im Wesentlichen verteidigen sie sich gegen diesen Vorwurf. In erster Instanz hat das Bezirksgericht sie für schuldig befunden. Die Beweislage ist sehr dürftig, was natürlich ein Problem für das Justizsystem und die Rechtspraxis darstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dschaparow hat nun öffentlich seine Absicht bekräftigt, im Januar 2027 für eine zweite Amtszeit als Präsident zu kandidieren. Sehen Sie zum jetzigen Zeitpunkt einen politischen Akteur, der in der Lage wäre, ihm ernsthaft Paroli zu bieten? Könnte sich der politische Bruch zwischen Dschaparow und Taschijew bei dieser Wahl letztendlich zu einer Wahlkonfrontation entwickeln?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist zum jetzigen Zeitpunkt sehr schwer vorstellbar, dass Dschaparow bei seiner Wiederwahl ernsthafte Konkurrenz haben wird. Niemand zweifelte daran, dass er eine zweite Amtszeit anstreben würde. Kürzlich erklärte er in einem Interview, er habe zugunsten von Herrn Taschijew auf eine zweite Amtszeit verzichten wollen, aber ich glaube nicht, dass irgendjemand diese Aussage wirklich ernst nimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach fünf Jahren eines äußerst intoleranten und repressiven politischen Klimas in Kirgistan glaube ich, dass wir unseren Pool an potenziellen Konkurrenten erschöpft haben – oder zumindest sind die wichtigsten politischen Gegner, die am ehesten in der Lage wären, Dschaparow Paroli zu bieten, derzeit nicht dazu in der Lage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter anderem wurde in der letzten Parlamentssitzung ein Gesetz verabschiedet – und ich glaube, dass es stark von politischen Erwägungen motiviert ist. Es sieht vor, dass jede Person, die wegen schweren Straftaten verurteilt wurde, selbst nach Verbüßung ihrer Strafe und selbst nach Rehabilitierung oder Entlastung nicht für ein Wahlamt kandidieren darf. Das betrifft heute natürlich fast alle Persönlichkeiten der politischen Opposition.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kirgistan hat in den letzten Jahren ein starkes Wirtschaftswachstum verzeichnet. Inwieweit schlägt sich dieses Wachstum tatsächlich in einer Verbesserung der Lebensbedingungen der einfachen Bevölkerung Kirgistans nieder, und ist dies ein politisches Thema im Wahlkampf 2027?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich hebt die Regierung unter Präsident Dschaparow die makroökonomischen Ergebnisse stark hervor – natürlich die positiven, nicht die negativen – und insbesondere die Tatsache, dass das BIP bereits seit vier oder fünf Jahren ein sehr hohes Wachstum verzeichnet, das oft zu den höchsten in der Großregion Zentralasien zählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In jüngster Zeit drehten sich jedoch viele öffentliche Diskussionen, vor allem im Internet – der politische Raum hat sich ins Internet verlagert, da es offline fast unmöglich ist, politische Debatten zu führen –, um die Verschlechterung, Stagnation oder das Ausbleiben von verbesserten Lebensbedingungen, etwa aufgrund von Lebenshaltungskosten und Inflation.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/armut-in-zentralasien-unterschiede-zwischen-den-laendern-und-deren-gruende/">Armut in Zentralasien: Unterschiede zwischen den Ländern und deren Gründe</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar steigen gewisse Einkommen, doch die Lebenshaltungskosten steigen noch schneller. Die Inflation ist hoch. Die Preise für Grundnahrungsmittel steigen tatsächlich. Laut den offiziellen Wirtschaftsstatistiken Kirgistans liegt die Inflationsrate unter 10 Prozent und sogar leicht unter der BIP-Wachstumsrate. Viele Menschen haben jedoch das Gefühl, dass die Inflation bei den wichtigsten Gütern des täglichen Bedarfs deutlich höher ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Vorfeld der Wahlen wird es für Präsident Dschaparow daher nicht ausreichen, zu sagen, dass wir so und so viele Kilometer Straßen, so und so viele Schulen oder so und so viele Fabriken gebaut haben, denn für einen Großteil der einfachen Bevölkerung werden die täglichen Lebenshaltungskosten zum zentralen Thema.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kirgistan erlebte 2005, 2010 und 2020 – ein Jahr, das Sie als „dritten Neuanfang“ bezeichnet hatten – erhebliche politische Umwälzungen. Was ist heute noch von den politischen Bedingungen übrig, die zu diesen Revolutionen geführt hatten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens hatten der wirtschaftliche Abschwung infolge der Covid-19-Pandemie und die äußerst schwierige Lage der öffentlichen Finanzen sowie der staatlichen Verpflichtungen, insbesondere die Zahlung der Renten, den Haushalt Kirgistans praktisch leergeräumt. Auch die Rückzahlung der Auslandsschulden stellte ein großes Problem dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens waren die politische Korruption in großem Stil und die damit verbundene organisierte Kriminalität sehr ausgeprägt. Auch die Parlamentswahlen – die den Auslöser für diese dritte politische Krise bildeten – waren weitgehend von Geld und Korruption geprägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drittens glaube ich, dass es der Regierung schlichtweg an Durchsetzungskraft bei der Umsetzung von Beschlüssen und der effektiven Ausübung ihres Wahlmandats mangelte. Dies hatte insbesondere gezeigt, dass der damalige Präsident, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sooronbai_Dscheenbekow">Sooronbaj Dschejenbekow</a>, ein sehr schwacher Präsident war, der einen Großteil seiner Macht an korrupte Elemente in seinem Umfeld abgegeben hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/un-women-beim-eu-fest-2026-in-bischkek-wo-steht-kirgistan-beim-feminismus/">UN Women beim EU-Fest 2026 in Bischkek: Wo steht Kirgistan beim Feminismus?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man auf diese Zeit zurückblickt und sie mit der aktuellen Situation im Jahr 2026 vergleicht, glaube ich, dass die Regierung unter Präsident Dschaparow viele dieser Probleme beseitigt hat. Die Wirtschaft sieht ganz anders aus als im Jahr 2020 und die organisierte Kriminalität gibt es nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich behaupten heute manche, dass die für die Durchsetzung des Rechts zuständigen Stellen innerhalb der Regierung selbst eher einer Form der organisierten Kriminalität ähneln, aber das ist eine andere Art, Macht auszuüben. Der präsidiale Apparat ist sehr mächtig, und die Regierungsfähigkeit des Staates hat sich im Vergleich zu 2020 erheblich verbessert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube daher, dass diese Probleme heute nicht mehr bestehen. Und natürlich war eine der Voraussetzungen, die die Bewegung vom Oktober 2020 erst möglich gemacht hatten, das Vorhandensein von Wahlen und eines politischen Pluralismus, der es den Parteien ermöglichte, sich wirksam zu mobilisieren. Genau das gibt es in diesem hyperzentralisierten und hyperpräsidialen System nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte es also zu einem „vierten Neuanfang“ kommen, müsste dieser unter ganz anderen Bedingungen und aufgrund anderer Auslöser erfolgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Geopolitisch gesehen ist Kirgistan heute sowohl eng mit Russland verbunden, wirtschaftlich zunehmend von China abhängig als auch bestrebt, engere Beziehungen zur Europäischen Union und anderen externen Partnern aufzubauen. Über welchen Handlungsspielraum verfügt Bischkek heute?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der von Russland geführte Krieg in der Ukraine hat Kirgistan mehr Handlungsspielraum für diese multivektorielle Außenpolitik verschafft. Zu einem bestimmten Zeitpunkt während dieser viereinhalb Jahre des Krieges schien es tatsächlich so, als würden die Dinge schwieriger werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da der Krieg jedoch viel länger dauert als erwartet – viel länger, als Putin es vorausgesehen hatte –, hat er allen Ländern, die stark von Russland abhängig und eng mit ihm verbunden sind, mehr Handlungsspielraum verschafft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens, weil Russland einen weitaus größeren Teil seiner Ressourcen – insbesondere seiner diplomatischen Ressourcen – für den Krieg selbst und für den Kampf gegen die Sanktionen und die Isolation durch den Westen aufwenden musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens, weil China, Russlands wichtigster Partner und Unterstützer, ebenfalls versucht hat, sich mehr Handlungsspielraum in der regionalen Geopolitik zu verschaffen, und diesen Spielraum nach und nach auch gewinnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-nomadenspiele-in-kirgistan-ein-blick-auf-die-traditionen-zentralasiens/">Die Nomadenspiele in Kirgistan – ein Blick auf die Traditionen Zentralasiens</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inmitten all dessen hat Putin meiner Meinung nach erkannt, dass es zur Erfüllung der eigenen Bedürfnisse Moskaus – insbesondere angesichts der Unterbrechung der Transport-, Logistik- und Handelswege – und im Interesse Russlands selbst wichtig, ja sogar notwendig war, den zentralasiatischen Ländern, insbesondere Kirgistan, mehr Raum für die Gestaltung ihrer eigenen Außenpolitik zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, dass ein großer Teil des von Russland freigegebenen Raums von China eingenommen wurde. Aber auch Kirgistan verfolgt in seinen Außenbeziehungen recht aktiv andere Richtungen, insbesondere gegenüber der Europäischen Union sowie gegenüber bestimmten Ländern des Nahen Ostens, die sehr wichtig geworden sind, und natürlich gegenüber der Türkei und seinen zentralasiatischen Nachbarn.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das kürzlich geschlossene Friedensabkommen zwischen Kirgistan und Tadschikistan hat jahrelange Spannungen und Grenzkonflikte beendet und wurde im März 2025 unterzeichnet. Wie könnte sich dieses Abkommen auf die Innenpolitik Kirgistans und die politische Legitimität von Dschaparow auswirken? Könnte es zudem die Position von Bischkek im größeren regionalen Gleichgewicht in Zentralasien stärken?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Stellung Kirgistans in der zentralasiatischen Politik angeht, ist dies eindeutig eine positive Entwicklung: Es ist gut, keine politischen Streitigkeiten mehr mit den Nachbarn zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu haben wir diese Streitigkeiten mit Usbekistan und Tadschikistan verhandelt und beigelegt. Im Falle Tadschikistans kam es dabei insbesondere zu zwei Episoden offener und gewalttätiger Konflikte, im Jahr 2021 und 2022.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisisch-tadschikischer-grenzkonflikt-verschaerft-sich/">Kirgisisch-tadschikischer Grenzkonflikt verschärft sich</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute ist dies, was die Legitimität der Regierung Dschaparow betrifft, eines der am schwierigsten zu lösenden Probleme. Die Grenzfrage war seit 30 Jahren ungelöst, denn jedes Mal, wenn wir mit diesen Streitigkeiten konfrontiert waren, war klar, dass es unmöglich sein würde, sie zu lösen, ohne Gebietsausgleiche vorzunehmen, ohne auf etwas zu verzichten, um etwas anderes zu erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ist zum Teil der Grund, warum es früheren Regierungen und Staatschefs nicht gelungen war, das Problem zu lösen. Dschaparow und sein Partner Taschijew verfügten 2021 eindeutig sowohl über ein Mandat des Volkes als auch über die notwendige politische Handlungsfähigkeit, um solche Entscheidungen umzusetzen, einschließlich der Erzielung gewisser Kompromisse mit den Nachbarländern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Zeit wird sich die Lage natürlich klären, da viele der neuen Grenzen und Gebietsabtretungen noch nicht ganz klar sind und der Großteil der Bevölkerung Kirgistans nicht genau weiss, wo die Grenze nun verläuft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube jedoch, dass dies mit der Zeit wahrscheinlich kein großes politisches Thema mehr sein wird. Einige Dinge könnten dennoch symbolischen Charakter behalten, wie beispielsweise dieser große Stausee. Er ist ein offensichtliches Beispiel, von dem jeder gehört hat, das auf den Karten verzeichnet ist und das jeder sehen kann: Er wurde de facto an Usbekistan abgetreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-uebergabe-eines-wasserreservoirs-an-usbekistan-fuehrt-zu-protesten/">Kirgistan: Übergabe eines Wasserreservoirs an Usbekistan führt zu Protesten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Praxis war das Wasser aus diesem Stausee ohnehin schon hauptsächlich für Usbekistan bestimmt, da sich die Industrie in dieser Richtung befindet. Doch schließlich wurde der Bevölkerung diese Situation bewusst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wenn man versucht, über die Wahl 2027 hinauszublicken: Was scheint Ihnen der wichtigste politische Trend in Kirgistan in den nächsten sechs Jahren zu sein?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Vergleich zu den meisten stabilen Systemen ist es sehr schwierig, in Kirgistan irgendetwas vorherzusagen, da sich die Lage sehr dramatisch ändern kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man von der derzeitigen Entwicklung ausgeht, stellen sich für die Zukunft zahlreiche Herausforderungen und große Fragen. Die erste betrifft die Nachfolge. Die fünf Jahre werden schnell vergehen, und es stellt sich die Frage, ob Präsident Dschaparow bereit sein wird, die Macht friedlich und offen an den Wahlsieger abzugeben, da er gesetzlich nur Anspruch auf zwei Amtszeiten hat. Es kursieren bereits Gerüchte, dass sein Sohn versuchen könnte, die Nachfolge seines Vaters anzutreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere große Herausforderung, die häufig von Regierungskritikern und Aktivisten angesprochen wird, betrifft die Entwicklung unserer geopolitischen Beziehungen zu China. Das Vorgehen Pekings in zahlreichen Ländern, darunter auch in Kirgistan, ist mit vielen geopolitischen Interessen verbunden. Antichinesische Stimmungen lassen sich jedoch einfach schüren, und es ist ein Leichtes, diese Stimmungen in der Bevölkerung zu mobilisieren. Das Problem ist umso gravierender, als Kirgistan zahlreiche Kredite und Finanzierungsvereinbarungen mit China abgeschlossen und dadurch erhebliche Schulden angehäuft hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die dritte, sehr wichtige Herausforderung in den kommenden Jahren besteht darin, den Schuldendienst zu gewährleisten. Kann sich die Wirtschaft Kirgistans in den nächsten Jahren weiterentwickeln und ihre Einnahmen steigern? Die letzten drei oder vier Jahre waren sehr erfolgreich – zumindest für die Regierung –, aber kann diese Dynamik anhalten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wirtschaftsdaten und allgemeine Statistiken zeigen, dass es äußerst selten ist, ein Wachstum von 9, 10 oder 11 Prozent pro Jahr über einen so langen Zeitraum aufrechtzuerhalten: Es muss zwangsläufig nachlassen. Doch wenn es nachlässt, wie wird dies geschehen? Wird das Land in eine Rezession geraten, einen Zusammenbruch erleben oder eine andere Form der Krise durchmachen? Das Wirtschaftswachstum wurde stark von Sektoren und Einnahmequellen getragen, die langfristig nicht unbedingt nachhaltig sind. Der Bausektor kann nicht sehr lange in diesem Tempo weiterwachsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte dies geschehen, könnte die Verschuldung Kirgistans zu einem sehr ernsten Problem werden. Genau darüber muss sich die Regierung Kirgistans Gedanken machen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Roman Fuster für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/vers-un-quatrieme-depart-au-kirghizstan-interview-avec-emil-dzhouraiev-politologue-kirghiz/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Armut in Zentralasien: Unterschiede zwischen den Ländern und deren Gründe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Sep 2026 10:51:23 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Von den &#xD6;leinnahmen Kasachstans bis zu den R&#xFC;ck&#xFC;berweisungen von Migrantinnen und Migranten nach Tadschikistan: Woraus ergibt sich die Einkommensungleichheit in Zentralasien? L&#xF6;hne, Migration und Geld&#xFC;berweisungen sorgen daf&#xFC;r, dass Kasachstans, Usbekistans, Kirgistans und Tadschikistans Armutsindikatoren eine stabile Rangliste in dieser Reihenfolge bilden. Fergana News hat untersucht, woraus sich diese Rangliste zusammensetzt, und warum der Rubelkurs dabei [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von den Öleinnahmen Kasachstans bis zu den Rücküberweisungen von Migrantinnen und Migranten nach Tadschikistan: Woraus ergibt sich die Einkommensungleichheit in Zentralasien? Löhne, Migration und Geldüberweisungen sorgen dafür, dass Kasachstans, Usbekistans, Kirgistans und Tadschikistans Armutsindikatoren eine stabile Rangliste in dieser Reihenfolge bilden. Fergana News hat untersucht, woraus sich diese Rangliste zusammensetzt, und warum der Rubelkurs dabei eine größere Rolle spielt als eigene Reformen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Durchschnittsgehalt in Kasachstan betrug im letzten Quartal des Jahres 2025 etwa 1.000 US-Dollar. In Tadschikistan lag er in denselben Monaten laut Angaben der Statistikbehörde bei etwa 366 US-Dollar und laut Angaben des Arbeitsministeriums bei etwa 276 US-Dollar. Der Unterschied beträgt etwa das Dreifache. Und das zwischen Nachbarländern mit einer gemeinsamen sowjetischen Vergangenheit, einem ähnlichen Klima und demselben Hauptarbeitgeber für ihre Arbeitsmigrant:innen – Russland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vier <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Volkswirtschaft">Volkswirtschaften</a> Zentralasiens befinden sich seit langem im gleichen Einflussbereich. Einnahmen, Armut und Haushalte hängen stärker vom Rubelkurs und den Entscheidungen des russischen Innenministeriums ab als von ihren eigenen Fünfjahresplänen. Das Jahr 2025 zeigte dies besonders deutlich: Der Rubel legte gegenüber dem Dollar von 101,68 auf 78,23 zu, was einem Anstieg von 23 Prozent entspricht. In Dollar ausgedrückt stiegen die Rücküberweisungen in die Heimat sofort an, obwohl es nicht mehr Menschen auf den russischen Baustellen gab.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Maßstäbe für ein und dasselbe Gehalt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein und dasselbe Gehalt lässt sich auf drei verschiedene Arten messen, und die Platzierung eines Landes ändert sich, je nachdem welcher Maßstab angelegt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens: der Nominalwert in Dollar zum aktuellen Wechselkurs (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bruttoinlandsprodukt">BIP</a>). Hier ergibt sich ein deutliches Bild. Kasachstan (ca. 1.000 US-Dollar) liegt fast doppelt so hoch wie Usbekistan (507 US-Dollar im Jahr 2025) und Kirgistan (ca. 508 US-Dollar) und etwa dreimal so hoch wie Tadschikistan. Diese Skala zeigt die Kaufkraft in der jeweiligen Währung: Wie viel Importware kann ein Arbeitnehmer kaufen, wie viel kann er sparen und wie lässt sich dies mit seinem Verdienst in Russland vergleichen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens: die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaufkraftparit%C3%A4t">Kaufkraftparität</a>. Sie berücksichtigt, dass Lebensmittel, Wohnraum und Dienstleistungen in Duschanbe günstiger sind als in Astana. Gemessen am BIP pro Kopf in Kaufkraftparität (KKP) – einem groben Näherungswert für den realen Lebensstandard – liegt Kasachstan bei etwa 34.500 US-Dollar und Tadschikistan bei etwa 5.800 US-Dollar. Die Kluft beim nominalen BIP pro Kopf beträgt etwa das Zehnfache, in KKP verringert sie sich auf das Sechsfache. Dennoch bleibt die Reihenfolge der Länder unverändert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-eurasische-wirtschaftsunion-eine-organisation-zwischen-ambitionen-und-realitaeten-in-zentralasien/">Die Eurasische Wirtschaftsunion – eine Organisation zwischen Ambitionen und Realitäten in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der dritte Aspekt betrifft den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mittleres_Einkommen">Median</a> und Armut, und er deckt auf, was der Durchschnittswert verbirgt. In Kasachstan lag das Mediangehalt im vierten Quartal 2025 bei 339.912 Tenge, was nur etwa 72 Prozent des Durchschnittsgehalts entspricht. Der „Durchschnitt“ wird durch die Spitzenverdienste im Rohstoff- und Finanzsektor in die Höhe getrieben. Im Bergbau sind es 864.000 Tenge, im Finanzsektor 781.000. Die Hälfte der Kasachstani verdient deutlich weniger als die vielversprechende Zahl von 1.000 US-Dollar vermuten lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was Armut betrifft, sieht die Lage noch härter aus. Usbekistan hat den Anteil der von Armut betroffenen Menschen bis 2024 auf 8,9 Prozent gesenkt (laut Weltbank), Kirgistan stagniert bei 25,7 Prozent, wobei fast zwei Drittel der als arm geltenden Menschen im ländlichen Raum leben. Tadschikistan liegt nach dem internationalen Richtwert von 4,2 Dollar pro Tag (Kaufkraftparität 2021) bei 14,8 Prozent Armutsbetroffenheit.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Schlussfolgerung aus diesen drei Zahlenreihen ist einfach: Kasachstan liegt in jeder Messgröße an der Spitze, doch sein Vorsprung schmilzt dahin, sobald man vom nominalen Währungswert zum tatsächlichen Geldbeutel eines konkreten Menschen übergeht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kasachstan liegt vorne dank Öl</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan ist drei- bis sechsmal reicher als seine Nachbarn und die Ursache für diesen Unterschied liegt unter der Erde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das BIP-Wachstum im Jahr 2025 betrug 6,5 Prozent – der höchste Wert seit 2011 – und wurde getragen von einer Rekord-Ölförderung, staatlichen Investitionen sowie von einem Boom im Bau- und Verkehrssektor. Die Wirtschaft stützt sich nach wie vor auf Rohstoffe: Öl, Metalle und Getreide machen die Exporte aus und Diversifizierungsversuche bleiben bislang nur kosmetischer Natur. Dadurch hängt der Wohlstand von den weltweiten Rohstoffpreisen ab und nicht von der Wirtschaftsstruktur.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstans-regierung-will-schuld-fuer-wirtschaftliche-probleme-der-bevoelkerung-zuschieben/">Kasachstans Regierung schiebt Schuld für wirtschaftliche Probleme der Bevölkerung zu</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kehrseite zeigt sich in denselben Daten. Die Inflation beschleunigte sich bis Dezember auf 12,3 Prozent, die Reallöhne sanken zum Jahresende und die Nationalbank hält den Leitzins bei 18 Prozent. Innerhalb des Landes sind die Einkommen ungleich verteilt: Ein Median von 72 Prozent des Durchschnitts bedeutet, dass die 1.000 US-Dollar die obere Hälfte beschreiben und nicht den typischen Arbeitnehmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan ist das einzige der vier Länder ohne einen großen Anteil an Arbeitsmigration. Es nimmt selbst Arbeitskräfte auf, unter anderem aus Usbekistan und Kirgistan. In der Gesamtwertung der Region ist dies der erste Platz, der durch Rohstoffrenten erkauft und mit wachsender Ungleichheit bezahlt wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Usbekistan: Reformen und Migrantenrente</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Usbekistan zeigt die glaubwürdigste Erfolgsgeschichte der Region und zugleich das beunruhigendste Warnsignal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach 2016, bereits unter der Führung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a>, liberalisierte das Land den Devisenmarkt, öffnete sich für Investitionen und halbierte seine Armut innerhalb eines Jahrzehnts. Das BIP-Wachstum lag 2025 bei 7,7 Prozent (bestätigt durch eine IWF-Mission im April 2026), die Inflation verlangsamte sich auf 7,3 Prozent. Das Durchschnittsgehalt stieg auf 507 US-Dollar und lag damit fast auf dem Niveau von Kirgistan.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/usbekistan-will-regionaler-wirtschaftshub-werden/">Usbekistan will regionaler Wirtschaftshub werden</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Problem liegt aber in der Einkommensstruktur. Die Geldüberweisungen aus dem Ausland erreichten im Jahr 2025 18,9 Milliarden US-Dollar, das sind 27,2 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Ihr Anteil am Gesamteinkommen der Bevölkerung stieg von 16,5 auf 21 Prozent, in der Region Fergana sogar auf 32,5 Prozent. Die Zentralbank der Republik nannte externe Faktoren als Grund für diesen Rekord, nämlich den starken Rubel und die steigende Zahl der Auswanderer, nicht aber einen Aufschwung der Beschäftigung im Inland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Antwort Taschkents lautet: Diversifizierung der Herkunftsländer. Der Anteil Russlands an den Überweisungen sinkt (von 77,6 auf 72,4 Prozent im Jahr 2025), dafür verdoppelten sich die Rücküberweisungen aus Südkorea, aus der EU um das 2,4-Fache und aus der Türkei um das 2,5-Fache. Die Regierung setzte sich zum Ziel, 200.000 Bürgerinnen und Bürgern in 21 entwickelten Ländern Arbeit zu vermitteln. Die Richtung stimmt, die Reichweite ist jedoch bislang nur teilweise gegeben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kirgistan: Rekordwachstum und anhaltende Armut</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kirgistan nimmt innerhalb der Vierergruppe einen unbehaglichen Platz ein: spektakuläres Wachstum auf dem Papier und eine der höchsten Armutsraten in der Praxis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Armutsquote stagniert bei 25,7 Prozent, der Durchschnittslohn liegt bei etwa 508 US-Dollar, fast zwei Drittel der „Armen“ leben auf dem Land. Dabei sieht das BIP-Wachstum für 2025 triumphierend aus – es liegt bei 11,1 Prozent, einem Rekordwert, der alle Prognosen übertrifft. Diese Zahl ist jedoch mit Vorsicht zu genießen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/grosse-nachbarn-grosse-ambitionen-russland-china-und-der-iran-und-ihr-einfluss-in-zentralasien/">Große Nachbarn, große Ambitionen: Russland, China und der Iran und ihr Einfluss in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wachstumstreiber sind Reexporte und Dienstleistungen, während in der Zahlungsbilanz für die ersten neun Monate ein großer Posten „Fehler und Auslassungen“ klafft, dessen Umfang mit den jährlichen Rücküberweisungen vergleichbar ist. Ein erheblicher Teil der Dynamik ist auf den Warentransit in die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eurasische_Wirtschaftsunion">Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU)</a> zurückzuführen und nicht auf die eigene Produktion. In den Einkommen der Bevölkerung spiegelt sich dieses Wirtschaftswachstum kaum wider.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Abhängigkeit von Rücküberweisungen liegt bei 15,4 Prozent des BIP, also 3,5 Milliarden US-Dollar für das Jahr 2025. Davon stammten 92,6 Prozent aus einem einzigen Land, nämlich Russland. Die Nationalbank von Kirgistan warnt selbst davor, dass eine solche Konzentration die Wirtschaft anfällig für Ereignisse beim einzigen Partner macht. Die Mitgliedschaft in der EAWU ermöglicht es Menschen aus Kirgistan, ohne Arbeitserlaubnis in Russland zu arbeiten – das bedeutet einen Wettbewerbsvorteil gegenüber usbekischen und tadschikischen Staatsbürger:innen, aber gleichzeitig auch weniger Spielraum in ihrer Anstellung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Tadschikistan: Eine Wirtschaft, die von den Einkünften anderer lebt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tadschikistan ist ein berechtigter Außenseiter und sein letzter Platz ergibt sich aus durchaus messbaren Faktoren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier gibt es die niedrigsten Löhne in der Region, die ärmste Wirtschaft und die weltweit größte Abhängigkeit von Rücküberweisungen. Nach Schätzungen der Weltbank und der IOM beliefen sich die Rücküberweisungen im Jahr 2024 auf rund 5,8 Milliarden US-Dollar und machten 45 Prozent des BIP aus – das ist weltweit der höchste Anteil in relativer Hinsicht. Ein Bericht der Weltbank vom 30. Juli 2025 beziffert den Anteil für das Jahr 2025 auf etwa 46 Prozent des BIP.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Daten sind mit Vorsicht zu genießen. Die absoluten Beträge der Rücküberweisungen hat Tadschikistan bereits 2013 unter Geheimhaltung gestellt, sodass die genauen Zahlen von internationalen Institutionen und nicht von der Nationalbank bezogen werden müssen. Für Analysen bedeutet dies eine Untergrenze der Schätzungen: Die tatsächlichen Geldströme, einschließlich der informellen, liegen über den offiziellen Angaben.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung in Duschanbe meldet ein BIP-Wachstum von 8,4 Prozent. Hinter dieser Zahl stehen jedoch nicht die eigene Produktivität, sondern der Konsum aus Rücküberweisungen sowie die Weltmarktpreise für Gold und Aluminium, die zwei Drittel der Exporte ausmachen. Die inländische Produktionsbasis ist schwach, das Handelsdefizit ist auf 35 Prozent des BIP angestiegen. Die Wirtschaft ist so aufgebaut, dass sie Menschen ins Ausland schickt, anstatt ihnen zu Hause Arbeit zu schaffen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Rubel für alle</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses gesamte System stützt sich auf Russland. Und im Jahr 2025 begann Moskau, es umzugestalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem 5. Februar 2025 gelten Ausweisungsbestimmungen und ein Register für kontrollierte Personen. Sobald die Aufenthaltsdauer eines Ausländers oder einer Ausländerin abläuft, wird er oder sie in das Register aufgenommen, was mit einem Verbot von Transaktionen einhergeht, einem Limit von 30.000 Rubel pro Monat für Bankkonten sowie dem Verbot zu heiraten und Immobilien zu erwerben. Der russische Innenminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_Alexandrowitsch_Kolokolzew">Wladimir Kolokoltsew</a> nannte im März 2025 eine Zahl von über 685.000 im Register eingetragenen Personen. Die Zahl der Ausländer:innen im Land sank innerhalb eines Jahres von 6,3 auf 5,7 Millionen (Stand: 1. Januar 2026), die Vergabe der Staatsbürgerschaft ging um 27 Prozent zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/werden-die-angeklagten-im-fall-crocus-city-hall-ausgeliefert/">Werden die Angeklagten im Fall Crocus City Hall ausgeliefert?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Auswirkungen waren asymmetrisch. Die Zahl der Tadschik:innen, die zum Arbeiten ins Ausland gehen, sinkt das dritte Jahr in Folge – um etwa 11 Prozent im Jahr 2025, insgesamt um fast ein Fünftel in drei Jahren. Usbekistan hat im gleichen Zeitraum einen Teil der frei gewordenen Nischen übernommen und seine Präsenz sogar ausgebaut. Russland verzichtet dabei jedoch nicht auf ausländische Arbeitskräfte. Die legale Beschäftigung auf Vertragsbasis stieg auf fast 3 Millionen Menschen und es wurden 42 Prozent mehr Arbeitsgenehmigungen erteilt, mit einem Rekordzuwachs bei Arbeitskräften aus Indien und Bangladesch. Zentralasien wird teilweise durch Länder ersetzt, deren Staatsangehörige ein Visum benötigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau hier liegt die größte Falle für Analysen. Der Anstieg der BIP-Anteile in den Jahren 2022 und 2025 ist größtenteils auf den Wechselkurseffekt der Rubel-Aufwertung zurückzuführen und nicht auf ein Wachstum der realen Beschäftigung. Im Jahr 2022, als der Rubel zunächst einbrach, sanken die Rücküberweisungen nach Tadschikistan den Schätzungen der Weltbank zufolge um etwa 40 Prozent, und auch dies war eine Folge des Wechselkurses. Ein Teil der von den Hauptstädten gemeldeten „Verbesserung des Wohlstands“ existiert lediglich in der Währungsumrechnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was bestimmt die Platzierung im Ranking?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die wirtschaftliche Lage der vier Länder lässt sich nicht durch den Grad der Reformen oder die Größe des Landes erklären, sondern dadurch, worauf sich jedes einzelne stützt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan hat sich dank der Rohstoffrente und des sowjetischen industriellen Erbes einen Vorsprung verschafft, doch seine Schwachstellen sind der Ölpreis und die innerstaatliche Ungleichheit. Usbekistan hat gezeigt, dass Marktreformen zu einem realen Einkommenswachstum führen, hat jedoch eine neue Abhängigkeit geschaffen: die Migrantenrente anstelle von Arbeitsplätzen im eigenen Land. Kirgistan hat bewiesen, dass ein rekordhohes BIP aus dem Transitverkehr die Bevölkerung nicht ernährt, wenn die Wirtschaft nicht diversifiziert ist. Tadschikistan bildet das Schlusslicht der Rangliste: Ohne eigene Produktion und mit einer rekordhohen Abhängigkeit von einem einzigen Außenmarkt verfügt es über kein Polster für den Fall, dass dieser Markt schrumpft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der gemeinsame Nenner ist Russland. Der Rubelkurs und die Migrationspolitik Moskaus beeinflussen die Einkommen von Millionen von Haushalten stärker als die Entscheidungen der lokalen Regierungen. Und das macht alle vier Länder zu Geiseln eines fremden Konjunkturzyklus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraus ergibt sich die Frage nach der Verantwortung. Die Wirtschaftsstruktur fällt nicht vom Himmel. Die Wirtschaft zu diversifizieren, Arbeitsplätze zu schaffen, Statistiken offenzulegen oder zu verbergen – das sind Entscheidungen der Behörden und keine Frage der Wetterbedingungen. Usbekistan hat mit seinen Reformen gezeigt, dass Politik den Kurs ändern kann. Tadschikistan hat durch seine Abschottung und sein Setzen auf den Export von Arbeitskräften das Gegenteil bewiesen. Der Härtetest findet gerade statt: Wenn der vollständige Zyklus des Registers der kontrollierten Personen den Abfluss aus Russland im Jahr 2026 beschleunigt, wird derjenige als Erster in eine Konsumrezession geraten, der dreißig Jahre lang seine Bürger ins Ausland geschickt und keine Alternativen für sie geschaffen hat.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.news/articles/148040/">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



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		<title>“Meine letzte Hoffnung ruht nun auf der Republik Kasachstan”: zwei russischen Aktivist:innen droht die Abschiebung aus Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[bstoeckl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Aug 2026 10:58:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivist]]></category>
		<category><![CDATA[Aleksej Nawalnyj]]></category>
		<category><![CDATA[Julija Emelianowa]]></category>
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		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Kasachstan droht zwei russischen Antikriegs- und Menschenrechtsaktivist:innen die Abschiebung in ihr Heimatland, wo sie mit gro&#xDF;er Wahrscheinlichkeit eine lange Haftstrafe und Folter erwartet. Der Fall wirft Fragen &#xFC;ber die immer enger werdenden Beziehungen der EU zu den zentralasiatischen L&#xE4;ndern auf. Seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs hat sich Kasachstan zu einem der beliebtesten Ziele f&#xFC;r [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Kasachstan droht zwei russischen Antikriegs- und Menschenrechtsaktivist:innen die Abschiebung in ihr Heimatland, wo sie mit großer Wahrscheinlichkeit eine lange Haftstrafe und Folter erwartet. Der Fall wirft Fragen über die immer enger werdenden Beziehungen der EU zu den zentralasiatischen Ländern auf.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs hat sich Kasachstan zu einem der beliebtesten Ziele für ausreisewillige Russen und Russinnen entwickelt, die vor der Mobilisierung und politischen Verfolgung in ihrem Heimatland flüchten. Bis Mitte 2024 betrug die Zahl der russischen Staatsbürger:innen, die sich in Kasachstan seit Anfang des Krieges niedergelassen hatten, bereits knapp 80.000.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/fluchtziel-kasachstan-eine-reportage-aus-qostanai-wo-hunderte-russen-aufgenommen-wurden/">Fluchtziel Kasachstan – Eine Reportage aus Qostanaı, wo Hunderte Russen aufgenommen wurden</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun steht jedoch die Abschiebung zweier Oppositioneller – Julija Emelianowa und Mansur Mowlajew – nach Russland im Raum, wo sie aufgrund ihrer politischen Tätigkeit zu einer längeren Haftstrafe verurteilt und der Folter unterzogen werden könnten. Beide Gefangenen haben Appelle an den kasachstanischen Präsidenten <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kassym-Jomart_Tokayev">Qasym-Jomart Toqaev</a> gerichtet, um ihre Abschiebung zu verhindern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine &#8222;wahre Hölle&#8220;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die 35-jährige Emelianowa war in St. Petersburg im Team des russischen Oppositionellen Aleksej Nawalnyj aktiv. 2021 wurde sie im Rahmen breitflächiger Razzien gegen oppositionelle Aktivist:innen unter dem Vorwurf, sie hätte das Mobiltelefon eines Taxifahrers im Wert von 130 Euro gestohlen, von russischen Polizeibeamt:innen verhaftet und im polizeilichen Gewahrsam gehalten. Emelianowa und ihr Anwalt beteuern ihre Unschuld und betrachten das Verfahren als politisch motiviert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“<em>Diese beiden Tage wurden für mich zur wahren Hölle – aufgrund der folterähnlichen Haftbedingungen und der grausamen, meine Würde verletzenden Behandlung: Man entzog mir systematisch den Schlaf, indem ich wiederholt aus meiner Zelle geholt und von männlichen Polizeibeamten einer Leibesvisitation unterzogen wurde – ein Vorgehen, das bereits für sich genommen unzulässig ist,</em>” schreibt Emelianowa in ihrem Appell an den Präsidenten Kasachstans. <em>“Doch damit war es nicht genug: Während der gesamten Haftzeit wurde mir der Gang zur Toilette verweigert, was zwangsläufig zu entwürdigenden und demütigenden Situationen führte. Um die Misshandlung zu vertuschen, wurde meinem Rechtsanwalt der Zugang zu mir verweigert – was ebenfalls eine klare Verletzung meiner Rechte darstellt.</em>”</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-angst-russischer-exilantinnen-vor-abschiebung-waechst/">Kasachstan: Angst russischer Exilant:innen vor Abschiebung wächst</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst nachdem gedroht wurde, ihre Schwester als Mittäterin in den Fall zu verwickeln, willigte sie ein und unterschrieb ein falsches Geständnis.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ermittlungen weisen zahlreiche Irregularitäten auf: Es wurden keine Fingerabdrücke vom angeblich gestohlenen Handy genommen, um sie mit Emelianowas zu vergleichen, und der angebliche Geschädigte wurde während des Verfahrens in Abschiebehaft genommen und aus Russland ausgewiesen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Um ihrer drohenden Haftstrafe zu entkommen, wanderte Emelianowa 2022 in die georgische Hauptstadt Tiflis aus, wo sie ukrainischen Geflüchteten und russischen Politgefangenen im Rahmen der humanitären Projekte „Emigration for Action“ und „Just Help“ Unterstützung leistete. Im August 2025 wurde sie auf dem Weg nach Da Nang in Vietnam, wo sie sich um ein behindertes Familienmitglied sorgen wollte, während ihres Inlandfluges von Almaty nach Astana von kasachstanischen Polizeibeamt:innen verhaftet und in Gewahrsam genommen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Kasachstan litt Emelianoea unter der Willkür des kasachstanischen Justizsystems.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“<em>Nach meiner Festnahme am Flughafen und der Inhaftierung beantragte ich den Asylstatus in der Republik Kasachstan, da ich die im Asylgesetz festgelegten Voraussetzungen erfülle.</em> <em>[&#8230;] Obwohl es sowohl nach innerstaatlichem als auch nach internationalem Recht ausreichende Grundlagen für die Gewährung von Schutz in Kasachstan gibt, lehnte die Kommission, die meinen Fall prüfte, meinen Antrag ab”, </em>so Emelianowas Appell. Sie bezichtigt die kasachstanischen Gerichte der Voreingenommenheit und Willkür, was “<em>ernsthafte Zweifel an der Unparteilichkeit und Kompetenz der entscheidenden Richter aufkommen lassen.</em>”</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>“Ich fürchte ernsthaft um mein Leben und meine Gesundheit, sollte meine Auslieferung an die Russische Föderation tatsächlich vollzogen werden. Sie</em> [Toqaev, Anm. d. Red]<em> sind meine letzte Hoffnung! Ich bitte Sie eindringlich, sich persönlich für eine gerechte Lösung meines Falles einzusetzen, dessen Ausgang – im wörtlichen Sinne – über mein Leben entscheidet. [&#8230;] Ich bin davon überzeugt, dass für Sie die Menschenrechte keine bloße Formalität sind und dass Sie – wie ich – an die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz glauben</em>”, schreibt Emelianowa.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Fall Mowlajew</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mansur Mowlajew droht dasselbe Schicksal. Der tschetschenische Menschenrechtsaktivist und russische Meister im olympischen Gewichtheben befindet sich seit Mai 2025 in kasachstanischer Untersuchungshaft, nachdem die tschetschenischen Behörden ein Auslieferungsersuchen gegen ihn erließen. Mowlajew hatte zuvor Informationen über Menschenrechtsverletzungen, die in Tschetschenien begangen wurden, an Menschenrechtsorganisationen übermittelt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Verbüßen einer Freiheitsstrafe wurde Mowlajew 2022 von tschetschenischen Sicherheitskräften entführt und gefoltert. Erst kurz zuvor war ein weiterer tschetschenischer Menschenrechtsaktivist und Kollege von Mowlajew, Salman Pepsurkajew, entführt und ermordet worden, nachdem er sich unmenschlichen Gewaltexzessen seitens seiner Peiniger unterziehen musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 2022 gelang Mowlajew die Flucht aus der Gefangenschaft. Dank der Unterstützung von in Europa lebenden Exil-Tschetschen:innen und Menschenrechtsorganisationen konnte er sich nach Kirgistan absetzen, dessen Grenze er allerdings aufgrund fehlender Papiere und der drohenden Lebensgefahr illegal überqueren musste. Nach einer sechsmonatigen Haftstrafe in Kirgistan wegen illegaler Grenzüberquerung reiste er nach Kasachstan ein. Doch auch nach Mowlajews Flucht ließen die tschetschenischen Behörden nicht locker. </p>



<p class="wp-block-paragraph">“<em>Nach meiner Flucht wurde ein neues Strafverfahren gegen mich wegen Erpressung eingeleitet. Ich bin überzeugt, dass dieses Verfahren fabriziert wurde, um meine Auslieferung zu erzwingen, mich als gemeingefährlich darzustellen und in den Augen der kasachischen Behörden sowie der internationalen Gemeinschaft zu diskreditieren. Man versuchte auch, mich als Extremisten hinzustellen, obwohl ich keine Gewalttaten begangen habe oder dazu aufgerufen habe,</em>” so Mowlajew in seinem Appell an Toqaev. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Asylantrag des Tschetschenen wurde im Dezember letzten Jahres von den kasachstanischen Behörden abgewiesen, wogegen Mowlajew Berufung einlegte. Im Januar 2026 erließ der stellvertretende Generalstaatsanwalt Kasachstans nichtsdestotrotz den Beschluss, Mowlajew nach Russland auszuliefern. Nur dank der Beschwerden zahlreicher Menschenrechtsorganisationen sowie durch eine einstweilige Verfügung des Menschenrechtsausschusses der Vereinten Nationen wurde die mögliche Auslieferung bis zum Abschluss des Asylverfahrens ausgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“<em>Heute habe ich praktisch niemanden mehr, der mich vor einer Auslieferung schützen könnte. Meine letzte Hoffnung ruht nun auf der Republik Kasachstan und auf Ihnen als Staatsoberhaupt. [&#8230;] Ich bitte Sie, zu verhindern, dass ich wieder in die Hände derer zurückgegeben werde, denen ich einst unter unvorstellbaren Qualen entkommen konnte. Sollte ich ausgeliefert werden, bin ich fest davon überzeugt, dass ich nicht lebend dorthin zurückkehren werde</em>&#8222;, schreibt Mansur in seinem Appell an Präsident Qasym-Jomart Toqaev.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die zwei Gesichter Kasachstans</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs hat sich Zentralasien zu einem wichtigen Partner für die EU entwickelt, die dringend Alternativen zu russischen Energieträgern und neue Handelswege nach China sucht. Im April letzten Jahres fand das erste Gipfeltreffen zwischen der EU und Zentralasien statt, bei dem die fünf zentralasiatischen Staatsoberhäupter mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Antonio Costa über die Zukunft der gegenseitigen Beziehungen und potenzielle Investitionsmöglichkeiten diskutierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Umgang Kasachstans mit Emelianowa und Mowlajew wirft ein neues Licht auf die Beziehungen der EU zu Zentralasien. Während Europa sich aufgrund des Krieges und zahlreicher verheerender Menschenrechtsverletzungen von Russland abkapseln möchte, werden zentralasiatische Missstände in diesem Bereich wohlwollend unter den Teppich gekehrt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Kasachstan bekennt sich in Europa zu Rechtsstaatlichkeit und internationaler Zusammenarbeit. Gleichzeitig sind dort Schutzsuchende in akuter Gefahr, an genau jene staatlichen Strukturen ausgeliefert zu werden, vor denen sie geflohen sind</em>“, erklärte Edgar Lamm, Vorsitzender der Menschenrechtsorganisation <em>Internationale Gesellschaft für Menschenrechte </em>(IGFM), in einer <a href="https://www.igfm.de/warum-das-schicksal-zweier-russen-von-weltpolitischer-bedeutung-ist/">Stellungnahme</a> zu den Fällen Emelianowa und Mowlajew. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusammen mit dem exilrussischen <em>Anti-War Committee</em> und dem Menschenrechtsprojekt &#8222;<em>The Ark</em>&#8220; fordert er den kasachstanischen Staat dazu auf, die Auslieferungsverfahren gegen die beiden Gefangenen “<em>bis zum Abschluss aller Rechtsmittelverfahren</em>” auszusetzen, das völkerrechtliche “Prinzip der Nichtzurückweisung” und politische Neutralität zu beachten und den “<em>Zugang zum Rechtsbeistand sowie ein faires Verfahren sicherzustellen.</em>”</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Deutsche Sektion e.V.</em> D<em>er ursprüngliche Appell ist <a href="https://www.igfm.de/igfm-kasachstan-pm-29-07/">hier</a> einzusehen.</em></p>
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