Nach dem Tod von Alischer Mirsonabot gehen die Einschätzungen seiner Amtszeit weit auseinander.
Am 17. Juni 2026 ist der Verwaltungschef der tadschikischen Autonomen Provinz Berg-Badachschan, Alischer Mirsonabot, bei einem Autounfall im Bezirk Darwoz ums Leben gekommen. Sein Dienstfahrzeug stürzte in den Grenzfluss Pandsch. Mit ihm verunglückten seine Frau, seine zweijährige Tochter, sein Assistent und sein Fahrer. Wie das tadschikische Nachrichtenportal Asia-Plus berichtet, wurden die Leichen trotz Suchmaßnahmen noch nicht gefunden.
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Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen – und von eurer Unterstützung!Die Trauer über den Unfalltod Mirsonabots und seiner zweijährigen Tochter wird von einer kontroversen Debatte über seine politische Bilanz begleitet. Während die Regierung seine Rolle bei der Stabilisierung der Region hervorhebt, werfen ihm Kritiker vor, für eine Welle von Repressionen in Berg-Badachschan mitverantwortlich zu sein. Die autonome Provinz ist Heimat der ethnischen Minderheit der Pamiri.
Von der Regierung gelobt
Alischer Mirsonabot wurde im November 2021 zum Oberhaupt von Berg-Badachschan ernannt. Zuvor war er nacheinander als stellvertretender Leiter des Staatlichen Komitees für Nationale Sicherheit (GKNB), als stellvertretendes Oberhaupt Berg-Badachschans sowie als Bürgermeister von Berg-Badachschans Hauptstadt Chorugh tätig.
Rustam Emomali, Vorsitzender der Nationalversammlung und Sohn des tadschikischen Präsidenten Emomali Rahmon, sprach sein Beileid aus und erklärte: „Der Verstorbene zeichnete sich durch seine vorzüglichen menschlichen Eigenschaften, sein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein und sein Engagement für Staat und Nation aus. Durch seine Beiträge zur gesellschaftlichen Entwicklung hatte er sich den besonderen Respekt und die Anerkennung seiner Kollegen erworben. Das ehrende Gedenken an Alischer Hudoberdi Mirsonabot wird für immer in den Herzen der Menschen fortleben.“
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Die Regierung würdigte Mirsonabot für die aus ihrer Sicht erfolgte Wiederherstellung der Ordnung in der Region. Wie Radio Ozodi, der tadschikische Dienst von Radio Free Europe, berichtet, wird in offiziellen Beileidsbekundungen staatlicher Stellen seine Rolle bei der Wiederherstellung der Stabilität und der Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung in Berg-Badachschan hervorgehoben.
Von der Opposition geschmäht
Das oppositionelle Medium Pamir Inside zeichnet seinerseits ein verheerendes Bild der viereinhalbjährigen Amtszeit von Alischer Mirsonabot, der von der Zentralregierung ernannt und nicht von der Bevölkerung gewählt worden war. In diesem Zeitraum wurden mehr als 300 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert, und über 50.000 verließen die Region aufgrund von Repression – bei einer geschätzten Gesamtbevölkerung von 250.000 Einwohner:innen.
Nachdem im November 2021 Spannungen zwischen der Bevölkerung und den Behörden begannen, sieht „Pamir Inside“ in dem blutigen Vorgehen gegen Proteste in Chorugh und Ruschan im Mai 2022 den Höhepunkt dieser repressiven Maßnahmen. Den Journalist:innen zufolge war „Mirsonabot nicht bloß ein außenstehender Beobachter. Er unterstützte diesen Prozess öffentlich und politisch, sprach sich nicht gegen das harte Vorgehen aus und wurde faktisch zum Gesicht dieser Politik in der Region.“
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Aktionen wie Entführungen und Zwangsrekrutierungen – die in Berg-Badachschan früher selten waren – sind dort inzwischen zur Norm geworden, genau wie im Rest des Landes. Kurz gesagt: Auch wenn die Provinz in der Vergangenheit tatsächlich eine gewisse, wenn auch fragile Autonomie genoss, wurde sie inzwischen – wie der Rest des Landes – auf Linie gebracht.
Misstrauen gegenüber den Behörden
Schließlich entwickelte sich während seiner Amtszeit ein ausgeprägtes öffentliches Misstrauen gegenüber den Behörden. Ironischerweise verdeutlicht sein Tod dies einmal mehr. Trotz seiner unerschütterlichen Loyalität gegenüber der Hauptstadt verbreiten sich in den sozialen Medien Gerüchte über seine Ermordung – so abwegig erscheint es mittlerweile, dass eine mächtige Persönlichkeit auf andere Weise zu Fall kommen könnte als auf Anordnung aus Duschanbe.
Nach Angaben des Innenministeriums hingegen verlor der Fahrer bei überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle über das Fahrzeug. Der Wagen prallte daraufhin gegen zwei Masten, bevor er in den darunterliegenden Fluss stürzte.
Laufende Ermittlungen
Einige stellen bereits eine Liste von Ungereimtheiten zusammen – so etwa Anora Sarkorowa, eine ehemalige BBC-Journalistin, die nun als unabhängige Journalistin im Exil arbeitet. Sie verzichtet darauf, der Zentralregierung Mord anzulasten, weißt auf Facebook jedoch auf Ungereimtheiten hin. So seien die Insassen des Wagens bereits für tot erklärt worden, noch bevor die Rettungsmaßnahmen abgeschlossen waren. Die Schilderung des Hergangs sei angesichts des offensichtlichen Fehlens von Zeugen verdächtig präzise. Zudem scheint das Nummernschild unversehrt geblieben zu sein und den Unfall überstanden zu haben – als sollte es die Identität der Opfer bezeugen.
Ihr zufolge tauchte ein von einem Soldaten nach dem Vorfall aufgenommenes Video genau im richtigen Moment in den sozialen Medien auf – obwohl es Soldaten untersagt ist, diese strategisch wichtigen Grenzbereiche zu filmen.
Die Journalistin führt sieben Punkte im Zusammenhang mit dem Unfall auf, die sie beunruhigen, weist aber auch darauf hin, dass die von der Regierung angeordnete Untersuchung noch andauert. Tatsache ist, dass das Misstrauen mittlerweile so groß ist, dass viele Menschen bereit sind zu glauben, jede einflussreiche Persönlichkeit, die verschwindet, müsse von Duschanbe beseitigt worden sein – selbst wenn es sich um dessen treuesten Verbündeten handelte.
Judith Robert für Novastan
Aus dem Französischen von Robin Roth
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Politisches Oberhaupt Berg-Badachschans bei Autounfall gestorben