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„Black Red Yellow“ – eine verwobene Liebesgeschichte

In „Black Red Yellow“ erzählt der kirgisische Regisseur Aktan Arym Kubat die unglückliche Liebesgeschichte zwischen der Teppichweberin Turdugul und dem Hirten Kadyr. Der Film feierte im Rahmen von goEast – Festival des Mittel- und Osteuropäischen Films Europa-Premiere. Novastan war dabei.

Filmszene (alle Bilder bereitgestellt von goEast - Festival des Mittel- und Osteuropäischen Films)

In „Black Red Yellow“ erzählt der kirgisische Regisseur Aktan Arym Kubat die unglückliche Liebesgeschichte zwischen der Teppichweberin Turdugul und dem Hirten Kadyr. Der Film feierte im Rahmen von goEast – Festival des Mittel- und Osteuropäischen Films Europa-Premiere. Novastan war dabei.

Aktan Arym Kubat ist zurück auf europäischer Bühne: Der Regisseur, der als feste Größe des kirgisischen Autor:innen-Kinos gilt, feierte mit seinem neuen Film Black Red Yellow (im Original „Kara Kyzyl Sary“) am 26. April im Rahmen des 26. goEast-Filmfestivals in Wiesbaden Europa-Premiere.

Der Film begleitet die talentierte Teppichweberin Turdugul, die einer Nomadin gleich durchs Land zieht, um im Haus ihrer Auftraggeber:innen Unikate entstehen zu lassen, die deren Seele widerspiegeln. Wie in den Filmen Aktan Arym Kubats üblich, ist auch „Black Red Yellow“ in drei Teile unterteilt, die in diesem Fall jeweils mit einer der titelgebenden Farben benannt sind.

Schwarz

Der Film beginnt mit einer Rahmenhandlung, in der der Regisseur in Nahaufnahme das Entstehen eines Wollteppichs begleitet. Mit diesem Teppich im Gepäck bricht Turdugul, eine Dame gesetzten Alters, zu einer Reise ins Dorf Kök-Suu auf. Während der Reise mit der Marschrutka erinnert sich Turdugul an eine Geschichte, die 30 Jahre zurück liegt.

Kirgistan in den 90er-Jahren: Die junge Turdugul (gespielt von Nargiza Mamatkulova) trifft in Kök-Suu im Haus ihrer Auftraggeber:innen ein. Die Hausherrin Schirin leidet unter ihrer Kinderlosigkeit sowie unter den ökonomischen Gegebenheiten im Haus ihres Mannes Kadyr (gespielt vom Sohn des Regisseurs, Mirlan Abdykalikov). Kadyr, zu Sowjetzeiten Pferdewirt in einem Staatsbetrieb, hat nach dem Zerfall der UdSSR seinen Job verloren und mit dem Trinken angefangen. Sein Pferd liebt er mehr als seine Frau, die er auf Geheiß seiner Eltern heiraten musste.

Schirin (rechts), gespielt von Aigul Busurmankulova

Schirin hingegen liebt ihren Mann sehr und Kadyrs Teilnahmslosigkeit rufen neben seiner mangelnden Bereitschaft und Fähigkeit, die ökonomische Situation des Paares zu verbessern, immer wieder Streit hervor. In einem Streit droht Schirin sich im tosenden Fluss vor dem Dorf zu ertränken, kann aber von den ihr nacheilenden Frauen aufgehalten werden.

Zwischen dem im Gegensatz zu seiner Frau sehr friedfertigem Kadyr und Turdugul beginnen hingegen sich langsam Gefühle füreinander zu entwickeln.

Rot

Im zweiten Teil des Films werden sich Kadyr und Turdugul ihrer gegenseitigen, aber verbotenen Liebe bewusst. Turdugul macht sich für Kadyr hübsch und er spannt über ihre Arbeitsstätte im Hof ein schattenspendendes Tuch, was die Eifersucht seiner Frau entfacht. Abermals droht Schrin sich zu ertränken. Zwar eilt ihr diesmal niemand mehr nach, doch findet Kadyr, der das Manöver durchschaut, sie später am Ufer des Flusses sitzen, setzt sich zu ihr und bittet sie wieder nach Hause zu kommen.

Als Kadyr abends Turdugul aufsucht, um ihr seine Gefühle zu gestehen, wird er von Großmutter Marsia, in deren Haus Turdugul Obdach gefunden hat, erwischt. Die Alte schickt ihn fort und weist Turdugul an, sich von Kadyr fernzuhalten. Doch dafür ist es zu spät. Als Kadyr in einer weiteren Nacht einen Saufkumpanen losschickt, um Großmutter Marsia abzulenken und die ganze Nacht nicht nach Hause zurückkehrt, lässt sich der Skandal nicht mehr vermeiden. Schirin zerstört den Webstuhl im Hof und schleift den angefangenen Teppich zum Haus von Großmutter Marsia, der sie Vorwürfe macht und von der sie verlangt, „die Schlampe [Turdugul]“ aus dem Dorf zu jagen.

Turdugul und Großmutter Marsia

Kadyr merkt, was er angerichtet hat, und versucht Turdugul nachzueilen, schafft dies aber nicht. Später findet Schirin ihn am Fluss sitzend. Diesmal ist sie es, die ihn bittet nach Hause zu kommen. In diese Situation bricht die Nachricht vom Tod Großmutter Marsias, die die Schande, die sie über Kadyr und Schirin gebracht hat, nicht überlebt hat.

Gelb

Ein paar Jahre später: Turdugul ist wieder für einen Auftrag in der Nähe. Als Kadyr davon erfährt und sie ausfindig macht, sucht er sie auf. Turdugul flieht vor ihm in das Haus ihrer Auftraggeberin. Durch die geschlossene Tür bittet Kadyr sie, ihn zu heiraten. Turdugul, die nach wie vor Gefühle für Kadyr hat, lehnt dies ab – in dem Bewusstsein, dass ihre unmögliche Liebe seine Familie zerstören würde.

Abends sitzt sie mit ihrer Auftraggeberin zusammen – einer Alten, die als eine Wächterin der immer mehr verlassenen Dörfer an dieser grenznahen Region fungiert. Von den verlassenen Häusern verwahrt sie die Schlüssel, um sie so dem Zugriff von Fremden zu entziehen. Familienportraits, die sie aus den verlassenen Häusern gerettet hat, füllen die Wand ihres bescheidenen Hauses. Als sie von Turduguls Talent als einer Gabe Gottes spricht, offenbart ihr Turdugul, die seit ihrer Jugend umherzieht, um das Schicksal anderer in ihren kunstvollen Teppichen abzubilden, dass sie anstatt dieses Talents lieber das Glück im Leben gefunden hätte.

Auch Kadyr erkennt, dass er sich seinem Schicksal fügen muss. In der letzten Szene des dritten Teils sieht man, dass er sein geliebtes Pferd verkauft hat, um der mittlerweile schwangeren Schirin ihren Wunsch zu erfüllen und eine Kuh zu kaufen.

Farbenspiel

Der Film endet mit einem vierten, mit „Schwarz Rot Gelb“ betitelten Abschnitt, den Aktan Arym Kubat aber – wie er im Filmgespräch in Wiesbaden darlegte – nicht als vierten Teil, sondern als Epilog verstanden wissen will. In diesem Epilog kehrt der Film zurück in die Rahmenhandlung. Kadyr wird zu Grabe getragen und Turdugul lässt ihren Teppich Schirin übergeben. Als Letztere später den Teppich auffaltet, wird ersichtlich, dass dieser neben den für die Teppiche der Region Batken typischen Farben Schwarz und Rot einen nicht unwesentlichen Anteil Gelb enthält.

Auf dieses Farbenspiel und seinen Symbolgehalt angesprochen, erklärte Aktan Arym Kubat im Abschluss an die Premieren-Vorführung, dass die drei titelgebenden Farben jeweils für eine der Protagonist:innen stehe. Schwarz als „Farbe des Mannes und der Erde“ stehe für Kadyr und Rot, als die Farbe der Emotionen und der Liebe, für Schirin. Gelb sei die individuelle Farbe von Turdugul, die sie in den traditionellen schwarz-roten Teppich einbringt und somit ihr eigenes Schicksal mit jenem von Kadyr und Schirin verwebt.

Dieser Symbolismus, der sich den westlichen Festival-Besucher:innen nicht unbedingt erschließt, verdeutlicht einmal mehr, dass der im In- wie Ausland gefeierte Regisseur seine Filme am heimischen Publikum ausrichtet. Wie Aktan Arym Kubat in Wiesbaden darlegte, wollte er mit dem Film unter anderem seinen Landleuten das eigene Land sowie dessen jüngere Geschichte mit den ökonomischen Verwerfungen nach der Unabhängigkeit und der infolgedessen eintretenden Landflucht vor Augen führen.

Ein poetisch-einfühlsamer Film

Wie auch in seinen vergangenen Filmen, wie etwa Die Flügel des Menschen, schafft es Aktan Arym Kubat, eine einfühlsam erzählte Geschichte von einfachen Menschen mit subtil eingeflochtener Sozialkritik zu verbinden. Dabei bleibt der Regisseur seiner eigenen Bildsprache treu, in der er wie zufällig aufgenommene Bilder, wie etwa eine Motte im Teppichgarn, oder auch Landschaftsdetails, wie den reißenden Bergfluss oder im Wind wehende Pappeln, einfängt, und gekonnt in die Handlung einflicht.

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Besondere Erwähnung verdienen die melancholische musikalische Untermalung (Balasagyn Musayev) sowie der Ton (Mars Tugelov), der das Rauschen des Windes oder die zaghaft von Vögeln durchbrochene Stimmung einfängt. Beide tragen so zu einem nicht unwesentlichen Teil zur Atmosphäre des Filmes bei.

 „Black Red Yellow“, der noch im Juni letzten Jahres beim Shanghai International Film Festival gewann, ging bei der Preisverleihung des 26. goEast-Festivals leer aus (die Goldene Lilie aus Hauptpreis ging in diesem Jahr an „Clouds move with great Speed“ des ukrainischen Regisseurs Roman Ostrovskyi). Dennoch ist Aktan Arym Kubat wieder ein absolut sehenswerter, einfühlsam-melancholischer Film gelungen, der es schafft, durchgängig langsam zu bleiben, ohne jemals zäh zu werden.

„Black Red Yellow” wird am 2. Juli 2026 im Rahmen der Filmreihe Osteuropa der Universität Passau gezeigt.

Robin Roth für Novastan

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