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Kasachstan diversifiziert seine Militärausrüstung mit neuen gepanzerten Fahrzeugen

Mit neuen gepanzerten Fahrzeugen wie dem Aibar 4x4, dem Tamas 8x8 und dem wieder eingeführten Barys gestaltet Kasachstan sein Verteidigungsmodell schrittweise neu. Damit deutet sich ein Übergang von technologischer Abhängigkeit und dem Aufbau einer eigenen Rüstungsindustrie an.

Neu in Kasachstans Arsenal: Der Taimas 8x8, Photo: Défense Blog

Mit neuen gepanzerten Fahrzeugen wie dem Aibar 4×4, dem Tamas 8×8 und dem wieder eingeführten Barys gestaltet Kasachstan sein Verteidigungsmodell schrittweise neu. Damit deutet sich ein Übergang von technologischer Abhängigkeit und dem Aufbau einer eigenen Rüstungsindustrie an.

In den letzten Jahren haben die Streitkräfte in Kasachstan neue gepanzerte Fahrzeuge vorgestellt, die einen Bruch mit den aus der Sowjetzeit übernommenen Standards markieren sollen. Vor allem der Aibar 4×4 und der Taimas 8×8, die bereits bei Militärparaden vorgestellt und schrittweise in die Landstreitkräfte integriert wurden, deuten an, dass seit der Rückkehr der Taliban in Afghanistan eine Neuordnung der Sicherheitsverhältnisse in Zentralasien stattfindet.

Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1991 stützt sich Astana auf die aus der Sowjetzeit übernommenen Bestände und erworbenen Lizenzen sowie vor allem auf die OVKS (Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit), wodurch militärische Ausgaben eingespart werden konnten.

Im Lauf der Jahrzehnte hat das Land die Modernisierung seiner gesamten Streitkräfte in Angriff genommen: Von 1998 bis 2005 wurden die 350 T-72 der Landstreitkräfte vom russischen Panzerhersteller Uralvagonsavod modernisiert und in die Variante T-72BA umgerüstet. Seit Beginn der 2010er Jahre stützt sich das Land auf Kazakhstan Paramount Engineering (KPE), ein Joint Venture, das gemeinsam mit der südafrikanischen Paramount Group gegründet wurde, um lokale Produktionskapazitäten für gepanzerte Fahrzeuge aufzubauen. Diese Strategie, die sich ursprünglich auf die lizenzierte Montage ausländischer Fahrzeuge konzentrierte – insbesondere des Barys 8×8 –, stieß jedoch an ihre Grenzen. Seit 2023 strebt Astana daher eine stärkere Diversifizierung seiner Industriepartnerschaften an und wendet sich dabei der Türkei, China und neuerdings Singapur zu, um den technologischen Standard zu heben und die Abhängigkeit von veralteter Technologie zu verringern.

Schnell und anpassungsfähig: der Aibar 4×4

Der 2023 eingeführte Aibar 4×4 gehört zu einer neuen Generation leichter gepanzerter Fahrzeuge, die auf die territorialen und sicherheitspolitischen Gegebenheiten des Landes zugeschnitten sind. Dieses auf dem Modell Cobra-II der türkischen Firma Otokar basierende Mehrzweckfahrzeug ist das Ergebnis einer industriellen Zusammenarbeit zwischen kasachstanischen und türkischen Ingenieuren. Es verdeutlicht die schrittweise Entwicklung lokalen Know-hows, das sich auf ausländische Partner stützt.

Dieses LAV (Light Armored Vehicle), das vorrangig bei den Spezialeinheiten und der Nationalgarde zum Einsatz kommt, erfüllt klar definierte operative Anforderungen: hohe Mobilität, Vielseitigkeit und die Fähigkeit, in unterschiedlichen Umgebungen zu operieren, sei es in städtischen Gebieten, in offener Steppe oder unwegsamem Gelände. Es ist in verschiedenen Ausführungen erhältlich – etwa für Truppentransport, Begleitschutz oder Sanitätstransport – und folgt einem modularen Ansatz, der in den heutigen Doktrinen der inneren Sicherheit und der schnellen Truppenverlegung eine zentrale Rolle spielt.

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Auch wenn die technischen Details weitgehend vertraulich bleiben, lässt sich das Fahrzeug aufgrund seiner doktrinären Positionierung mit westlichen Fahrzeugen wie dem französischen VBL (Véhicule blindé léger) vergleichen, die für Aufklärungs-, Patrouillen- und Sicherungseinsätze eingesetzt werden. Der Vergleich legt nahe, dass der Aibar im Falle einer größeren Krise oder eines Konflikts geringer bis mittlerer Intensität eine Schlüsselrolle bei der Überwachung des Territoriums, dem Schutz sensibler Infrastrukturen und der Mobilität leichter Einheiten spielen würde.

Die Einsatzerfahrungen mit dem Cobra II, der sowohl von der Ukraine im russisch-ukrainischen Krieg als auch von der Türkei bei Operationen an der syrischen Grenze eingesetzt wurde, haben Kasachstan in seiner Entscheidung bestätigt. Sie zeigt die Fähigkeit des Fahrzeugs, sich in sehr unterschiedlichen Kontexten zu bewähren, die vom konventionellen Krieg bis zum Kampf gegen nichtstaatliche Akteure reichen, und verleiht dem Aibar in den Verteidigungsstrategien von Astana eher eine pragmatische als eine ideologische Dimension.

Das neue Flaggschiff der kasachstanischen Landstreitkräfte: der Taimas 8×8

Das Herzstück dieses militärischen und industriellen Wandels bleibt jedoch die Einführung des Taimas 8×8, der entwickelt wurde, um bestimmte ältere Versionen des Barys 8×8 – der bislang unter südafrikanischer Lizenz hergestellt wurde – zu ergänzen und langfristig zu ersetzen. Der Taimas 8×8, der erstmals bei der Siegesparade in Astana im Mai 2025 vorgestellt wurde, steht für Kasachstans Bestreben, sich nicht mehr auf die Produktionen ausländischer Firmen zu beschränken, sondern eine eigenständigere und technologisch integrierte industrielle Struktur aufzubauen.

Das Fahrzeug basiert auf dem Fahrgestell des türkischen Otokar Arma, was die Partnerschaft mit Ankara unterstreicht, während der Panzerturm chinesischer Herkunft ist. Diese Kombination, die in diesem Umfang für ein kasachisches Kampffahrzeug beispiellos ist, verdeutlicht eine bewusste Diversifizierung der Lieferanten und eine schrittweise Abkehr von der ausschließlichen Abhängigkeit von russischen Standards, die noch aus der Sowjetzeit stammen. Das genaue Vorbild für den Panzerturm ist unter Fachleuten umstritten, doch geht es weniger um die Frage nach dem Modell und vielmehr um die Fähigkeit Kasachstans, heterogene Teilsysteme in ein und dasselbe Fahrzeug zu integrieren.

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Der Taimas ist für den Einsatz im gesamten Staatsgebiet konzipiert, von den Steppen im Norden bis zu den Wüstenregionen im Westen, und setzt sowohl auf seine Mobilität als auch auf seine Feuerkraft. Seine amphibische Bauweise und seine Bestimmung, mechanisierte Einheiten zu unterstützen, spiegeln einen klassischen Ansatz der mechanisierten Infanterie wider, der an die großen Entfernungen und die geringe Infrastrukturdichte des Landes angepasst ist. In dieser Hinsicht erscheint der Taimas als ein Instrument der inneren Projektion, das eine schnelle militärische Präsenz auf einem der größten Staatsgebiete der Welt gewährleisten soll.

Angesichts der jüngsten Konflikte werfen jedoch seine Bauweise und seine Bewaffnung Fragen auf. Der Siegeszug von FPV-Drohnen (First Person View) und modernen Panzerabwehrsystemen stellt die Überlebensfähigkeit schwer bewaffneter Fahrzeuge grundlegend in Frage, insbesondere wenn die Munition in unmittelbarer Nähe der Besatzung gelagert wird.

Der Taimas ist jedoch nicht die einzige Option und wird neben anderen Systemen eingesetzt, insbesondere dem Barys A 8×8, der auf dem singapurischen Terrex-Modell basiert. Laut der Nachrichtenagentur Qazinform werden diese beiden Fahrzeuge dank einer Investition von 13,5 Milliarden Tenge (ca. 24 Millionen Euro) in dem im Februar 2025 eingeweihten Werk in Besqaru gebaut. Das Unternehmen Astana MPR wurde als Hauptmonteur benannt, wodurch sichergestellt wird, dass das Fahrzeug zu einem wesentlichen Bestandteil der kasachstanischen Verteidigungsindustrie wird und nicht im Ausland produziert wird. Nach offiziellen Angaben des Programms wurde der Taimas nach einer umfassenden Testreihe in Betrieb genommen.

Diese Tests gewährleisten, dass die Modelle „Aibar“ und „Taimas“ den NATO-Standards entsprechen, und sind Teil einer umfassenderen Annäherung an den Westen.

Die Rückkehr des Barys – eine bewusste Entscheidung für Neutralität

Parallel dazu treibt Kasachstan die Entwicklung des Barys 8×8 in einer grundlegend überarbeiteten Konfiguration voran. Am 6. Dezember 2024 unterzeichnete Kazakhstan Paramount Engineering (KPE) eine Vereinbarung über die strategische Zusammenarbeit mit dem singapurischen Konzern ST Engineering, was einen bedeutenden Wendepunkt in der industriellen Ausrichtung des Landes markiert. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurde am 5. April 2025 der erste Prototyp des Terrex Barys-A 8×8 vorgestellt. Dieser basiert auf dem singapurischen Terrex-2-Modell, das bereits bei den Streitkräften Singapurs im Einsatz ist. Dies markiert die ersten Schritte Astanas bei der Entwicklung einer Verteidigungsindustrie, die nicht an den russischen oder türkischen Einflussbereich gebunden ist.

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Der neue Barys, von dem 500 Einheiten hergestellt werden, verfolgt einen anderen Ansatz als der Taimas: Während letzterer auf hohe Feuerkraft und eine türkisch-chinesische Hybridisierung setzt, legt der Terrex Barys-A 8×8 den Schwerpunkt auf Modularität, den Schutz der Besatzung und die Integration fortschrittlicher digitaler Systeme. Das Fahrzeug ist darauf ausgelegt, den aktuellen Standards des mechanisierten Kampfes gerecht zu werden, und verfügt über eine offene Architektur, die die Integration verschiedener westlicher oder asiatischer Turm-, Sensor- und Kommunikationssysteme ermöglicht.

Durch die Zusammenarbeit mit ST Engineering und dem Terrex Barys verfolgt Astana eine konsequente Diversifizierungsstrategie, bei der die Anzahl der Militärfahrzeuge und Partner erweitert wird, um strukturelle Abhängigkeiten zu verringern und die lokalen industriellen Kapazitäten nachhaltig zu stärken.

Lenny Cabrol für Novastan

Aus dem Französischen von Elisabeth Rudolph

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