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Die OVKS startet ein Programm für Waffenlieferungen nach Tadschikistan

Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten an der afghanischen Grenze hat die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) Waffenlieferungen nach Tadschikistan aufgenommen und somit die zentrale Rolle des Landes in der regionalen Sicherheitsarchitektur bestätigt. Über die militärische Unterstützung hinaus spiegelt dieser Schritt eine strategische Neuausrichtung der Organisation auf ihre südliche Flanke in Zentralasien wider.

Abschlusszeremonie der gemeinsamen Übung „Rubesch-2024” der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS). Foto: OVKS

Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten an der afghanischen Grenze hat die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) Waffenlieferungen nach Tadschikistan aufgenommen und somit die zentrale Rolle des Landes in der regionalen Sicherheitsarchitektur bestätigt. Über die militärische Unterstützung hinaus spiegelt dieser Schritt eine strategische Neuausrichtung der Organisation auf ihre südliche Flanke in Zentralasien wider.

Als „Friedhof der Imperien“ bleibt Afghanistan für seine Nachbarn ein Faktor chronischer Instabilität. An seiner Nordgrenze steht Tadschikistan seit mehreren Jahren im Mittelpunkt der regionalen Sicherheitsbedenken. Vor diesem Hintergrund hat die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) die Einleitung eines Programms zur Lieferung von Waffen nach Duschanbe bestätigt.

Diese Hilfe ist laut Eurasianet Teil einer umfassenderen Dynamik. In den letzten Wochen haben der russische Außenminister Sergej Lawrow und der neue Generalsekretär der OVKS Taalatbek Masadykow die zentrale Rolle Zentralasiens in der aktuellen Doktrin der Organisation hervorgehoben und betont, dass die mit der Instabilität in Afghanistan verbundenen Risiken eingedämmt werden müssen. Auch wenn nur wenige Details über die genaue Art der gelieferten Ausrüstung bekannt gegeben wurden, ist das politische Signal klar: Tadschikistan wird zum wichtigsten Ankerpunkt des Sicherheitssystems der OVKS.

Waffenlieferungen als Zeichen wachsender Sicherheitsbedenken

Die Sicherheitslage verdeutlicht die Logik dieser Verstärkung. Tadschikistan teilt eine mehr als 1.300 Kilometer lange Grenze mit Afghanistan. Diese zeiht sich entlang einer schwer kontrollierbaren Bergkette, die von den regionalen Behörden regelmäßig als anfällig für Infiltrationen, Schmuggel und Aktivitäten bewaffneter Gruppen beschrieben wird.

Diese Grenze, die aus den anglo-russischen Abkommen von 1895 hervorgegangen ist und dem Fluss Pandsch und dem Amudarja folgt, wird zudem von Kabul weiterhin angefochten. Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht im Jahr 2021 ist sie zu einem Schwerpunkt für Moskau und die OVKS geworden, die eine fortschreitende Destabilisierung der Südflanke des postsowjetischen Raums verhindern wollen.

Trotz der strategischen Bedeutung der angekündigten Maßnahme wurden nur wenige Details darüber veröffentlicht. Die Behörden machten weder Angaben zur genauen Art der betroffenen Ausrüstung noch zu deren Umfang, Zeitplan oder finanziellen Modalitäten. Diese Undurchsichtigkeit, die im militärischen Bereich und noch mehr innerhalb der OVKS häufig anzutreffen ist, unterstreicht jedoch die Sensibilität des Themas und den Wunsch, angesichts eines instabilen regionalen Umfelds politischen und strategischen Spielraum zu bewahren.

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In diesem Zusammenhang erscheint die militärische Hilfe nicht bloss als einfache Geste der Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten, sondern vielmehr als Instrument der präventiven Stabilisierung. Durch die Stärkung von Tadschikistans Kapazitäten versucht die OVKS in erster Linie, das als am stärksten gefährdet geltende Glied ihres regionalen Systems zu konsolidieren. Hierbei werden aber eher Risiken antizipiert als auf eine offene Krise zu reagiert.

Dreh- und Angelpunkt der „Südfront”

Die jüngsten Zwischenfälle an der tadschikisch-afghanischen Grenze veranschaulichen die kollektive Dimension der Sicherheitsprobleme, mit denen die OVKS konfrontiert ist. Laut The Times of Central Asia haben tadschikische Grenzsoldaten am 29. Januar im Bezirk Schamsiddin Schochin fünf afghanische Staatsangehörige aufgegriffen, die des Opiumschmuggels verdächtigt wurden. Drei von ihnen wurden bei einem Fluchtversuch getötet. Vor Ort beschlagnahmten die Sicherheitskräfte drei Kalaschnikow-Sturmgewehre, etwa 150 Schuss Munition unterschiedlichen Kalibers sowie 73 Pakete Haschisch und Opium. Außerdem wurde ein Boot entdeckt, das zum Überqueren des Grenzflusses bestimmt war.

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Der Drogenhandel und der Waffenhandel aus Afghanistan versorgen seit Jahren Netzwerke, die über Zentralasien nach Russland führen, wodurch die tadschikisch-afghanische Grenze zu einem direkten Kontaktpunkt zwischen lokalen Bedrohungen und dem kollektiven Sicherheitsraum der Organisation wird.

In dieser Konstellation spielt Tadschikistan eine Rolle als Pufferstaat, dessen Stabilität jene des gesamten regionalen Systems bedingt. Eine anhaltende Verschlechterung der Lage im Süden wäre nicht nur eine bilaterale Herausforderung, sondern könnte auch eine Kettenreaktion auslösen: eine Zunahme illegaler Ströme in die Nachbarstaaten, einen erhöhten Druck auf die Kontrollkapazitäten der OVKS-Mitglieder und letztlich eine Schwächung der Glaubwürdigkeit der kollektiven Sicherheit selbst.

Strategische Rückkehr der OVKS in Zentralasien?

Diese Lieferungen erfolgen zu einem Zeitpunkt, zu dem die OVKS versucht, ihren Platz in der eurasischen Sicherheitsarchitektur neu zu definieren. Seit 2022 wurde die Organisation durch mehrere Krisen geschwächt. Insbesondere im Südkaukasus war sie unfähig, den Erwartungen Armeniens während der beiden Kriege um Bergkarabach gegen Aserbaidschan gerecht zu werden, was heftige Kritik an ihrer Effizienz und ihrem Zusammenhalt hervorrief. Jerewan hat seitdem seine Teilnahme an der Organisation eingefroren und unterstützt de facto keine Entscheidung der OVKS.

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Vor diesem Hintergrund scheint Zentralasien ein konsensfähigeres Terrain zu sein, um die Relevanz der OVKS zu bekräftigen. Die Mitgliedstaaten teilen eine relativ übereinstimmende Wahrnehmung der Risiken, die mit der Instabilität in Afghanistan verbunden sind, sei es in Bezug auf illegalen Handel, Waffenverkehr oder diffuse Sicherheitsbedrohungen.

Diese Neuausrichtung zielt darauf ab, die Glaubwürdigkeit der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit wiederherzustellen und den russischen Einfluss in einer Region zu festigen, die durch einen verstärkten Wettbewerb externer Akteure, insbesondere Chinas, der Türkei und der Europäischen Union, gekennzeichnet ist. Auch wenn eine Waffenlieferung nicht ausreicht, um eine Doktrin der kollektiven Sicherheit zu definieren, sendet sie doch eine klare Botschaft: Die Organisation will weiterhin ein strukturierender Akteur für die regionale Sicherheit in Zentralasien bleiben.

Lenny Cabrol Noto für Novastan

Aus dem Französischen von Michèle Häfliger

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