Turkmenistan will das „Tor zur Hölle“ schließen

Auf einer Kabinettssitzung am 7. Januar hat Turkmenistans Präsident Berdimuhamedow die Löschung des Gaskraters Derweze angeordnet. Der auch als „Tor zur Hölle“ bekannte Krater, in dem seit mehr als 50 Jahren ununterbrochen ausströmendes Gas verbrennt, zieht viele Tourist:innen an. Auf die Umwelt und die Gesundheit der lokalen Bevölkerung wirkt er sich aber schädlich aus. 

Eine der wichtigsten Touristenattraktionen Turkmenistans steht vor dem Aus. Am 7. Januar hat Turkmenistans Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow im Rahmen der offiziellen Nachrichtensendung Watan bekanntgegeben, dass er den Gaskrater von Derweze löschen wolle, berichtet das turkmenische Nachrichtenportal Turkmen Portal.

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„Seit vielen Jahren wird in der Gegend von Derweze eine riesige Menge Gas verbrannt. Dieser Umstand wirkt sich sowohl auf die Umwelt als auch auf die Gesundheit der Anwohner negativ aus. Es gehen Rohstoffe verloren. Deren Export hätte erhebliche Gewinne erwirtschaften können, mit denen man das Wohlergehen unseres Volkes hätte verbessern können“, sagte Berdimuhamedow laut dem turkmenischen Nachrichtenportal Atavatan Turkmenistan. Der für Gas- und Energie zuständige stellvertretende Premierminister Şahym Abdrahmanow wurde beauftragt, Wissenschaftler:innen zu finden, die zur Lösung dieses Problems beitragen können.

Ein einzigartiger Ort

Der brennende Krater in der Nähe des Dorfes Derweze hat sich trotz strenger Einreisebeschränkungen zu einer wichtigen Touristenattraktion in Turkmenistan entwickelt. Der Ort, der auch „Tor zur Hölle“ genannt wird, liegt etwa 260 Kilometer von der Hauptstadt Aşgabat entfernt in der Wüste Karakum.

Das Tor zur Hölle ist seit über 50 Jahren „offen”. 1971 wurde in dem von sowjetischen Wissenschaftler:innen untersuchten Gebiet eine Ansammlung von Erdgas entdeckt. Bei der Erschließung stießen die Forscher:innen auf einen unterirdischen Hohlraum. Die oberen Erdschichten stürzten ein und rissen eine Bohrinsel und viele andere Geräte mit in die Tiefe.

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Es entstand ein Krater mit einem Durchmesser von 70 Metern und einer Tiefe von 20 Metern. Die Wissenschaftler:innen hatten keine andere Wahl, als die Gasblase in der Hoffnung auf eine schnelle Verbrennung in Brand zu setzen. Ihr Ziel war es, die Vergiftung von Menschen und Wildtieren mit Erdgas zu verhindern. Das Problem ist bloß: Das Gas brennt heute noch.

Ein langjähriges Problem

Es ist nicht das erste Mal, dass Gurbanguly Berdimuhamedow seit seiner Machtübernahme im Jahr 2006 versucht, den Krater von Derweze zu löschen. Nachdem er das „Tor zur Hölle“ im Jahr 2010 besucht hatte, befahl er den lokalen Behörden den Krater zu schließen, damit dieser die Entwicklung nahegelegener Gasfelder nicht behindere.

Doch trotz dieser Anordnung änderte sich die Situation nicht. Im Jahr 2019 bezeichnete der Präsident bei einem zweiten Besuch das nun offiziell so betitelte „Leuchten der Karakum“ als ein Phänomen, das wissenschaftlich untersucht werden sollte.  Der Ort könne viele andere Geheimnisse des turkmenischen Landes und seines Inneren enthüllen, erklärte Berdimuhamedow damals nach Angaben von Turkmen Portal.

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Im November 2013 berichtete das russische Onlineportal ik-ptz über die Mission des kanadischen Forschers George Coronis, der auf den Grund des Kraters hinabstieg, um Untersuchungen durchzuführen und Proben zu sammeln. Er konnte Bakterien finden, die bei hohen Temperaturen am Boden des Kraters leben. Dies führte zu einem neuen wissenschaftliche Interesse an dem Krater, trotz der mit ihm verbundenen wirtschaftlichen und gesundheitlichen Probleme.

Nach einem Unentschieden zwischen der Gaswirtschaft und wissenschaftlichem Interesse könnten nun jedoch Umweltargumente das Tor zur Hölle endgültig schließen.

Côme Brunel, Redakteur für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

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