Asian Games in Turkmenistan: Ausländische Journalisten werden rund um die Uhr bewacht

Journalisten, die zu den Asian Indoor and Martial Arts Games in Aschgabat gekommen waren, klagten über die Bewachung durch das Ministerium für Nationale Sicherheit (MND).  Medienvertreter und sogar Sportler durften sich ausschließlich im Kreise der „Fremdenführer“ des Staates bewegen. Folgender Artikel wurde von Novastan übersetzt und erschien im Original auf kloop.kg

Die turkmenische Ausgabe des Radios „Asatlyk“ sprach anonym mit den Korrespondenten, die gekommen waren, um von den Asian Games zu berichten.

Ein Großteil der Befragten gab zu, dass sie weniger wegen der Asian Games (Asienspiele) nach Turkmenistan gereist waren, als vielmehr, um einen Einblick hinter die Kulissen des wohl am meisten abgeriegelten Landes der zentralasiatischen Staaten anzusehen. Die turkmenischen Behörden machten ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Nicht ohne Begleitung

Die Journalisten beschwerten sich über die permanente Anwesenheit zweier „Guides“, die dem MND dreimal pro Tag über die Tätigkeiten der Medienreferenten berichteten.

„Ich habe zwei Männer, die fast immer bei mir sind. Das war eine der Bedingungen, die uns sofort bei der Ankunft in Aschgabat vorgesetzt wurden. Ich kann mich nicht selbständig bewegen, sie müssen die ganze Zeit in meiner Nähe sein. Wie ich es verstanden habe, wurden uns zwei Guides gegeben, weil so die Wahrscheinlichkeit geringer sei, dass sie sich den Journalisten offenbaren oder etwas vor den Geheimdiensten verbergen würden“, so einer der Journalisten.

Aschgabat 2017 Turkmenistan Eröffnungszeremonie Asiatische Spiele

Die Eröffnungszeremonie der Asienspiele 2017 [legend]
Aschgabat 2017

Fotografieren verboten

Der Presse war es nicht nur untersagt, sich frei in der Stadt und den Sportstätten zu bewegen, auch die Wettbewerbe zu fotografieren, war verboten. Die Begründug: Dafür haben sie keine Genehmigung. In allen Sportstätten gab es zudem sehr viele Polizisten.

„Wir hatten uns wirklich darauf verlassen, die Möglichkeit zu bekommen, Turkmenistan zu sehen und uns mit gewöhnlichen Turkmenen zu unterhalten. Als man uns sagte, dass wir nicht aus dem Bezirk von Aschgabat herausfahren dürften, hatte ich wenigstens gehofft, umherzugehen und die lokalen Märkte und Einrichtungen zu fotografieren. Aber auch das gelang mir bisher nicht“, berichtet ein Journalist gegenüber„Asatlyk“.

Die Behörden des Landes erklärten, sie hätten im Voraus gewarnt, dass die ständige Anwesenheit der Guides eine der verbindlichen Bedingungen bei der Visavergabe für Presse, Gäste und Sportler sei. Die hohe Zahl an Polizisten begründeten sie damit, dass sich bemüht wird, für Sicherheit in den Sportstätten zu sorgen.

Druck auf Journalisten in Turkmenistan

Turkmenistan ist sehr verschlossen. Wahrheitsgemäße Informationen über die Bürger und Probleme im Land sind nur schwer zu erhalten. Ein Großteil der Medien steht unter Kontrolle der Behörden, sodass es im Land praktisch keine unabhängigen Journalisten gibt.

In Ratings zur Meinungs- und Pressefreiheit landet Turkmenistan häufig auf den letzten Plätzen. In einem diesjährigen Bericht der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ belegte Turkmenistan Platz 178 von 180.

Lest auch auf Novastan: Von Pressefreiheit keine Spur – Journalismus in Turkmenistan

Das Land wird bezeichnet als „eines der meist verschlossensten Diktaturen der Welt, in dem die Verfolgung von Journalisten stetig wächst“.

In Turkmenistan ist es verboten,  ausländische Medien zu beziehen. Der Internetzugang ist begrenzt und wird von den Behörden kontrolliert. Die wenigen, die versuchen, objektiv über das Leben innerhalb des Landes zu berichten, werden verfolgt und gefoltert.

Lest auch auf Novastan: Turkmenistan: Internetnutzer im Visier der Behörden

Im August 2015 brachten die Behörden den freien Journalisten Saparmamed Nepeskuliev ins Gefängnis unter den Vorwurf, er besitze angeblich Drogen. Trotz mehrerer Aufrufe internationaler Menschenrechtsorganisationen, ihn zu entlassen, ist er noch immer in Haft.

Im Dezember 2016 verhafteten die Behörden den freien Journalisten Chudajberd Allaschov, dazu seine Frau und seine Mutter. Ihn klagte man ebenso wegen Drogenbesitzes an. Unter Folter „gestand“ er schließlich sein Vergehen.

Metin Dschumagulov
kloop.kg

Aus dem Russischen von Sarah Rudloff

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