Dschamoliddin Abdullosoda

Corona: Tadschikistan attestiert dem Verzicht auf Quarantäne hohe Wirksamkeit

Nach Angaben des Gesundheitsministers Dschamoliddin Abdullosoda wurde das Coronavirus in Tadschikistan besiegt, weil das Land keine Quarantäne eingeführt hatte. Tadschikistan erklärte die Pandemie im Land am 26. Januar offiziell für beendet.

Laut dem tadschikischen Mediums Asia Plus, erklärte der tadschikische Gesundheitsminister Abdullosoda auf einer Pressekonferenz am 12. Februar, dass der Verzicht auf Quarantänemaßnahmen ein effektives Vorgehen gegen die Ausbreitung der Pandemie ermöglicht habe. „In entwickelten Ländern wurden die Bürger unter Quarantäne gestellt. Infizierte, die zunächst zu Hause geblieben waren, gingen nach der Aufhebung der Beschränkungen auf die Straße und steckten andere an. In Tadschikistan kamen die Ärzte zu den Patienten nach Hause, um zu sehen, ob eine Selbstisolierung dort möglich sei.“, sagte er.

Erst am 26. Januar hatte der tadschikische Präsident Emomali Rahmon in einer Regierungsansprache verkündet, dass es keinen Fall von Coronavirus mehr im Land gebe.

Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und Dank eurer Teilnahme. Wir sind unabhängig und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine Spende helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.

Offizielle Zahlen, die einen ratlos zurücklassen

Während dieser Rede erwähnte Abdullosoda auch die offizielle Statistik der Infektionsfälle in Tadschikistan. Demnach wurden insgesamt 13.308 Fälle registriert. Das hieße, etwas mehr als jede tausendste Person hätte sich mit dem Virus angesteckt. Die Zahl der offiziellen Todesfälle in Verbindung mit dem Coronavirus beträgt 90.

Lest auch bei Novastan: Tadschikistan erklärt sich für Coronavirus-frei

Die Zahlen müssen allerdings mit Vorsicht betrachtet werden. Tadschikistan meldete seine ersten Fälle von Covid-19 am 30. April 2020, einen Monat nach Kirgistan, Usbekistan und Kasachstan. Zuvor hatte es bereits viele verdächtige Todesfälle gegeben und eine Webseite, die auf der Grundlage von Angehörigenaussagen deutlich höhere Todeszahlen als die gemeldeten verzeichnete, wurde gesperrt.

Die russische Regierung plant zudem, Spezialisten des föderalen Dienstes für Verbraucherschutz Rospotrebnadzor nach Tadschikistan zu schicken, um die Gesundheitssituation dort zu analysieren, so Asia-Plus. Die Gespräche zwischen den beiden Regierungen sind im Gange.

Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter mit einem Klick.

Impfkampagne geplant

Obwohl die Behörden behaupten, das Virus sei aus Tadschikistan verschwunden, bereitet sich das Land immer noch auf eine Impfkampagne vor. Der Gesundheitsminister erklärte, dass das COVAX-Programm zur Erleichterung von Impfungen in Entwicklungsländern, finanziert von der Weltgesundheitsorganisation, die Impfung von 1,8 Millionen Menschen ermöglichen soll, berichtet Asia-Plus. Das entspräche etwa 20 Prozent der Bevölkerung.

Zusätzlich wird eine Massenimpfkampagne mit dem russischen Sputnik-V Impfstoff durchgeführt, der voraussichtlich 5,8 Millionen Tadschiken erreichen wird. Abdullosoda sagt, dass es möglich sein wird, „6,7 Millionen Menschen, bzw. 80 Prozent der Bevölkerung“ zu impfen. Der Minister betonte auch, dass „732.000 Dosen von AstraZeneca zwischen Februar und März nach Tadschikistan geliefert werden“.

Lucie Ventura
Journalistin für Novastan.org

Aus dem Französischen von Florian Coppenrath

Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei Twitter, Facebook, Telegram, Linkedin oder Instagram. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem wöchentlichen Newsletter anmelden.

Share With:

Ich bin dem frisch gegründeten Novastan gleich bei meiner ersten Kirgistan-Reise Ende 2011 beigetreten. Erst war ich Redakteur, dann Begründer der deutschsprachigen Version. Heute bin ich für die Verbindungen zwischen den verschiedenen Teilen von Novastan und für die strategische Entwicklung des Projektes zuständig. Nach drei Jahren in Kirgistan, zuletzt als Bosch-Lektor in Osch, arbeite ich heute an der Entwicklung von "Wikistan" einer baldigen Netzwerkplattform für die Zentral-Eurasien-Forschung. Seit März diesen Jahres bin ich ebenfalls in der Forschung tätig und schreibe eine Doktorarbeit über Hip-Hop in Kirgistan am Zentralasienseminar der Humboldt Universität zu Berlin. --------------------------------------------------------------- Mon premier voyage à Bichkek en décembre 2011 m'amena à rejoindre le magazine Novastan.org fraichement fondé. J'y étais d'abord actif en tant que rédacteur, puis en tant que fondateur et coordinateur de la version germanophone en été 2013. Aujourd'hui je suis en charge des liens entre les différentes parties d Novastan et du développement stratégique du projet. Après trois ans au Kirghizstan, dernièrement en tant que médiateur culturel pour la fondation Bosch à l'université d'Och, je travaille au développement de "Wikistan", un réseau pour la recherche sur l'Eurasie centrale. Depuis mars 2018, je suis également doctorant en études centre-asiatiques et étudie le Hip-Hop dans les villes du Kirghizstan.

[email protected]

No Comments

Leave A Comment

Captcha loading...