Im Juni 2026 hat Usbekistan das fünfte „Tashkent International Investment Forum“ ausgerichtet – ein jährlicher Treffpunkt, um internationale Investor:innen in das zentralasiatische Land zu locken. Zahlreiche französische Firmen, insbesondere in den Sektoren Energie, Infrastruktur, Industrie und ökologischer Wandel, nahmen daran teil.
Seit dem 16. Juni erinnern die Alleen des Central Asian Expo Centers wahrhaft an einen Ameisenhaufen. Es herrscht geschäftiges Treiben: Industrievertreter:innen, Geschäftsleiter:innen, Investor:innen sowie politische Verantwortliche kommen dort im weitläufigen, 23m² Messekomplex ohne Unterlass zusammen. Das Gebäude im Herzen der usbekischen Hauptstadt empfängt dieses Jahr mehrere Tausend Teilnehmende aus hunderten Ländern zum „Tashkent International Investment Forum“ (TIIF) – ein Schaufenster der Ambitionen Usbekistans, das gut versteht, sich als regionales Investitionszentrum in Zentralasien zu profilieren.
Der 39-jährige Baxtiyor Karimov hat die Geschäftsreise aus Qashqadaryo, einer im Süden Usbekistans gelegenen Provinz (usb. Viloyat, Anm. d. Red.), angetreten. Er ist seit sechs Jahren Vize-Gouverneur des Distrikts Kitab und hat sich während der drei Messetage das Ziel gesetzt, Kontakte mit internationalen Unternehmen anzubahnen, um Projekte in seiner Region zu entwickeln.
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Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen – und von eurer Unterstützung!„Es ist sehr wichtig für uns, diese Unternehmen zu treffen. Das eröffnet uns die Perspektive, neue Geschäfte zu machen und Partnerschaften mit ausländischen Firmen aufzubauen.“ erläutert Karimov. „Ich habe zum Beispiel mit Personen diskutiert, die in der Filiale der französischen Firma Saint-Gobain in Kasachstan arbeiten. Des Weiteren habe ich mit Mitgliedern der Agence française de développement (AFD, Französische Entwicklungsagentur) über Projekte in unserer Region gesprochen. Die Region Qashqadaryo ist reich an Mineralen, landwirtschaftlichen Ressourcen und Kohlenwasserstoff.“
Die Veranstaltung wird als wichtigste Investitionsplattform des Landes sowie als eine der wichtigsten Zentralasiens präsentiert. „Wir sind Zentralasiens größter Markt“, hebt Mels Ochilov hervor, ein dem Ministerium für Investitionen, Industrie und Handel von Usbekistan beigeordnete Abteilungsleiter. 2025 versammelte das TIIF mehr als 8000 Teilnehmende und mündete in der Unterzeichnung von Abkommen im Wert von über 30 Milliarden US-Dollar.
Einrichtung eines internationalen Finanzzentrums
Zu seinem fünften Jubiläum will das Forum noch weiter gehen. Gemäß dem Communiqué des Ministeriums für Investitionen, Industrie und Handel von Usbekistan sind dieses Jahr „mehr als 160 Abkommen in einer Höhe von fast 43 Milliarden US-Dollar (37,5 Milliarden Euro) unterzeichnet worden“.
Die Einrichtung eines internationalen Finanzzentrums in Taschkent (TIFC) ist mit großem Pomp verkündet worden. Dieses soll sehr günstige steuerliche Rahmenbedingungen bieten, um sowohl Banken, Investmentfonds, aber auch globale Finanzgesellschaften anzulocken.
In seiner offiziellen Rede auf dem Forum brachte der Usbekistans Präsident Shavkat Mirziyoyev Digitalisierungsprojekte und die Fortsetzung der Arbeiten zum Internationalen Zentrum digitaler Technologien von Usbekistan zur Sprache. „Unsere Hauptaufgabe ist es, das Leben aller Bevölkerungsgruppen durch den flächendeckenden Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Bildung, im öffentlichen Dienst und in Geschäftsprozessen zu verbessern“, erklärte der usbekische Präsident. Er bekräftigte ebenso, dass sein Land bereit sei, „Initiativen in den Sektoren der New Economy voll zu unterstützen“.
„Frankreich ist einer unserer größten Partner“
Seit mehreren Jahren kommt in Usbekistan eine Modernisierungspolitik in Gang. Ihr hauptsächliches Ziel: ausländische Investitionen anlocken, den Privatsektor entwickeln und seine Integration in die internationalen Wertschöpfungsketten stärken. Die Behörden heben zudem das sich verbessernde Geschäftsumfeld, ein umfassendes Privatisierungsprogramm sowie die strategische geographische Lage an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien hervor.
Die großen Diskussionsthemen des diesjährigen Forums drehen sich rund um Energiewende, Infrastruktur, Logistik, die verarbeitende Industrie, kritische Mineralien und die Digitalwirtschaft. „Usbekistan ist ein sich entwickelnder Markt und alle diese Sektoren müssen berücksichtigt werden“, erklärt Mels Ochilov. „Zum Beispiel im Digitalsektor ist die Digitalisierung einer der Schlüsselaspekte der Produktionskapazität, da sie es erlaubt, die diese zu analysieren. Im Technologiebereich ist Frankreich einer unserer größten Partner im Bergbau- und Energiesektor. Wir freuen uns, mit französischen Firmen zusammenzuarbeiten, um Zugang zu ihren Spitzentechnologien zu haben und davon zu profitieren.“
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Die regionale Anbindung ist ebenso eine Priorität für das Land, denn „das TIIF spielt eine wichtige Rolle für die regionale Wirtschaftsintegration: Es bietet Akteur:innen aus Zentralasien, aus dem südlichen Kaukasus und der Türkei, des Nahen Ostens, und sogar darüber hinaus, aus Europa und Asien mit der starken Beteiligung von China und Süd-Korea, die besonders gute Möglichkeit, ihre Partnerschaften zu entwickeln.“, unterstreicht Olivier Grandvoinet, Büroleiter der französischen Entwicklungsagentur AFD in Taschkent.
Ein wichtiger Platz wird ebenso den Diskussionen rund um Transportkorridore und Energieaustausch eingeräumt. „Dies illustriert die Ambition Usbekistans, sich als wirtschaftliche Schnittstelle zwischen Europa und Asien zu positionieren“, fügt Grandvoinet hinzu. „Schließlich ist das TIIF ein Treffpunkt für die usbekischen Behörden und die internationalen Entwicklungspartner:innen geworden. Dies ist insbesondere dieses Jahr aufgrund zahlreicher Veranstaltungen rund um europäische Akteur:innen wie der Europäischen Kommission, der Europäischen Investmentbank und der Europäischen Entwicklungsbank sichtbar.“
Eine Gelegenheit für französische Unternehmen
Für große Unternehmen wird Usbekistan von nun an als Eingangstor zu ganz Zentralasien wahrgenommen. „Unser Handelsvolumen mit Usbekistan beläuft sich auf rund 730 Millionen Euro, und wir verzeichnen einen Handelsüberschuss von 270 Millionen Euro zu unseren Gunsten.“, bemerkt Walid Fouque, französischer Botschafter in Usbekistan. „Wir möchten zur Diversifizierung der Partnerschaften mit diesem Land beitragen.”
In diesem Kontext bringen französische Firmen zahlreiche Vorteile mit. Aufgrund ihrer Präsenz in den Sektoren Energie, Transport, Stadtinfrastruktur, Dienstleistungen sowie Landwirtschaft profitieren sie von einem vorteilhaften Image, das an ihre technologische Expertise und ihr technologisches Know-How geknüpft ist.
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“Die Landwirtschaft in Usbekistan stellt eine große Herausforderung dar.“, erklärt Usbekistans Landwirtschaftsminister Ibrohim Abduraxmonov. “Bei landwirtschaftlichen Technologien haben wir eine Kooperation im Bereich der Mechanisierung mit der französischen Firma KUHN (eine Filiale der Schweizer Unternehmensgruppe Bucher Industries, Anm. d. Red.) laufen. Wir möchten voll von der französischen Erfahrung in diesem Bereich profitieren.”
“In all diesen Bereichen setzen wir Projekte mit den Usbek:innen um”, unterstreicht der Botschafter Frankreichs in Usbekistan und verweist auf die Unternehmensgruppe Voltalia oder EDF, die im Land Bauvorhaben durchführen.“ Dies trifft auch auf die französische Firma TotalEnergies zu, die Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien in Usbekistan durchführt, “denn es gibt noch zahlreiche Wachstumschancen aufgrund des steigenden Strombedarfs, der Entwicklung der Transportinfrastruktur für Strom und der Vorteile dieser Region für Erneuerbare Energien. Usbekistan profitiert von ausgezeichneten Wind- und Sonnenenergiepotenzialen und verfügt über umfangreiche Flächenressourcen.“
Suez, Airbus, Saint-Gobain, Michelin, Orano… “Alle großen französischen Unternehmen positionieren sich derzeit in Usbekistan.”, fügt er hinzu. Das TIIF stellt für diese daher eine Gelegenheit dar, ihre Position auf einem stark wachsenden Markt mit fast 38 Millionen Einwohner:innen zu stärken.
Ein Test für die Attraktivität des Landes
Abgesehen von den Investitionsankündigungen ist das TIIF 2026 ein Praxistest für die Fähigkeit Usbekistans, das Vertrauen internationaler Investor:innen aufrechtzuerhalten. “Die heikelste Übung besteht darin, wirtschaftliche Beziehungen mit Russland aufrechtzuerhalten, die nach wie vor essentiell für die Zahlungsbilanz des Landes sind, insbesondere aufgrund der hohen Überweisungen von in Russland tätigen Arbeitnehmer:innen. Dabei soll jedoch vermieden werden, in eine allzu offensichtliche Zwickmühle hinsichtlich der westlichen Sanktionen gegen Russland zu geraten.“, erklärt Julien Vercueil, Wirtschaftsprofessor am INALCO (Nationales Institut für orientalische Sprachen und Kulturen) und dessen Vize-Direktor für Wertschöpfung und ökologische Verantwortung. “In diesem instabilen Kontext ist die Vorhersehbarkeit der Politik entscheidend für den Vertrauensaufbau bei ausländischen Unternehmen.”
Für die usbekische Regierung ist das Ziel klar: die Reformen, die seit einigen Jahren unternommen werden, in konkrete Projekte umwandeln. “Eine große strukturelle Herausforderung für das Land”, konstatiert Olivier Grandvoinet, Leiter des Taschkenter Büros der französischen Entwicklungsagentur AFD., das in Zukunft “ausreichend Arbeitsplätze für eine junge und stark wachsende Bevölkerung schaffen muss.”
Louise Simondet, Korrespondentin für Novastan in Usbekistan
Aus dem Französischen von Cornelia Steinigen
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