Renault drängt auf den usbekischen Markt

Renault versucht erneut auf dem usbekischen Automobilmarkt Fuß zu fassen. Der französische Hersteller hatte bereits 2019 den Verkauf seiner Fahrzeuge im Land angekündigt, ohne dass dies aber tatsächlich eintrat.             

Die Usbek:innen sollen bald Renault fahren können. Wie die usbekische Onlinezeitung Gazeta.uz am 10. September berichtete, kündigte das Unternehmen Roodell an, sein Angebot im Land durch die direkte Produktion von Renault-Fahrzeugen vor Ort zu erweitern. Roodell ist Vertriebspartner von Renault in Russland sowie von Lada und Kia in Usbekistan. Auf Anfrage von Novastan erklärte das Unternehmen, dass der Verkauf der beiden Crossover Arkana und Captur „in naher Zukunft“ und der des SUV Duster „später“ beginnen werde.

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Roodell sieht eine neue wirtschaftliche Chance. „Der SUV-Sektor in Usbekistan ist sehr vielversprechend, das Angebot ist gering und die Nachfrage groß“, erklärte Maria Sawatjugina, Marketingchefin von Roodell.

Produktion vor Ort

Geplant ist, dass die Autos im Industriegebiet von Jizzax im Nordosten des Landes produziert werden. Die Anlage wird bereits von Roodell zur Produktion von Lada- und Kia-Modellen verwendet.  Sawatjugina bestätigte den Standort der Produktionsstätte sowie ihre Eröffnung im Jahr 2021.

Die Produktionskapazität soll 100.000 Fahrzeuge pro Jahr erreichen. Die Kosten des Projekts belaufen sich laut Gazeta.uz auf rund 60 Millionen US-Dollar (51,8 Millionen Euro) bis 2023, wovon allein im Jahr 2021 etwas mehr als die Hälfte investiert werden soll.

Ein erster „Start“ im Jahr 2019

Der bevorstehende Vertrieb von Renault-Fahrzeugen über Roodell ist bereits der zweite Versuch des französischen Herstellers, in den usbekischen Markt einzusteigen. So hatte Maximilian Missan, Renaults Exportdirektor für die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), 2019 die Absicht erklärt [fr], die Flaggschiffmarke des Konzerns in Usbekistan zu verkaufen. Dies wurde jedoch nie umgesetzt. Auf Anfrage von Novastan erklärte Renault, zu diesem Thema “vorerst” kein Statement abzugeben.

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Die von Renault getroffenen Vorkehrungen werden durch das Scheitern des französischen Konkurrenten PSA beeinflusst, das im Mai 2017 einen Vertrag mit dem usbekischen Unternehmen Uzavtosanoat über die Produktion von Nutzfahrzeugen unterzeichnet hatte, bevor er sich im Januar 2020 zurückzog und die „wirtschaftlichen Relevanz“ des Projekts infrage stellte. Zwischenzeitlich war kein einziges Fahrzeug produziert worden.

Frischer Wind auf dem Automobilmarkt

In den letzten Jahren hat sich der usbekische Automobilmarkt immer mehr geöffnet. So hat Usbekistans Regierung im Juni 2020 die Einfuhrsteuer auf Autos, die zuvor bei 70 Prozent lag, abgeschafft. Angesichts dieser Geste scheint die usbekische Regierung neue wirtschaftliche Möglichkeiten im Land schaffen zu wollen.

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Auch wenn Uzavtsanoat bisher eine Monopolstellung im Land innehatte, scheint Roodell aufgrund seiner wachsenden Basis den Marktführer anzugreifen. Bereits im März kündigte der koreanische KIA-Konzern an, über Roodell in den usbekischen Markt einzutreten.

Wichtige Präsenz in Zentralasien

Zusammen mit Roodell versucht Renault ein Modell zu kopieren, das bereits in Kasachstan und Kirgistan erfolgreich war. Bei seinem Eintritt in den kasachstanischen Markt im Jahr 2010 hatte sich Renault mit dem Vertriebspartner Orion verbunden, der derzeit sein Händlernetz verwaltet. Laut dem kasachstanischen Nachrichtenportal Tengrinews sei der Erfolg aber bei einem Marktanteil von 3 Prozent und Platz 7 begrenzt geblieben.

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In Kirgistan, wo sich der Konzern gemäß den Verkaufszahlen von 2019 als “einer der Marktführer” präsentiert, setzt Renault laut dem kirgisischen Nachrichtenportal Tazabek auf den Vertriebspartner Asiamotors, um Fahrzeuge der Marken Renault und Lada zu verkaufen. Die Kooperation geht auf das Jahr 2016 zurück.

Adeline Chaverot, Redakteurin für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

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Ivan Radic
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