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Kasachstan: Vier Jahre Haft für Anti-Kriegs-Priester

Iakov Vorontsov muss für vier Jahre ins Gefängnis. Ein Gericht in Almaty verurteilte den als Anti-Kriegs-Priester bekannt gewordenen orthodoxen Geistlichen wegen Drogenbesitzes. Die Verteidigung betrachtet die Vorwürfe als fabriziert.

Iakov Vorontsov (Mitte) während der Urteilsverkündung am 7. Oktober 2026, Photo: KMBPCh

Iakov Vorontsov muss für vier Jahre ins Gefängnis. Ein Gericht in Almaty verurteilte den als Anti-Kriegs-Priester bekannt gewordenen orthodoxen Geistlichen wegen Drogenbesitzes. Die Verteidigung betrachtet die Vorwürfe als fabriziert.

„Iakov Vorontsov ist der Begehung der in Teil 4 von Artikel 296 des Strafgesetzbuches der Republik Kasachstan vorgesehenen Straftat für schuldig zu befunden. Gegen ihn wird eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren verhängt, die in einer Strafvollzugsanstalt mittlerer Sicherheitsstufe zu verbüßen ist.“ So lautet das Urteil, das Richter Jasulan Husainov am 7. Oktober verlas.

Zwar wurde das Strafmaß aufgrund einer Amnestie, die anlässlich der Verabschiedung einer neuen Verfassung gewährt wurde, umgehend auf vier Jahre reduziert. Dennoch wirft der Prozess, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Medeu-Bezirksgericht in Almaty geführt wurde, Fragen auf.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden wurde bei einer Durchsuchung von Vorontsovs Haus eine psychotrope Substanz sichergestellt, die ein Analogon zu Metcathinon sein soll. Die Behörden stuften dabei die gefundenen 2,44 Gramm als „besonders große Menge“ ein. Der zwischenzeitlich erhobene Vorwurf der „Organisation einer Drogenhöhle“ wurde fallen gelassen.

Voronstov selbst weist alle Vorwürfe zurück. „Ich halte das für einen politischen Auftrag der Russischen Föderation. Es handelt sich um eine rechtswidrige Strafverfolgung“, hatte der ehemalige Priester bei Prozessauftakt erklärt. 

Auch Vorontsovs Anwalt Galym Nurpeisov hält die Schuld seines Mandanten für nicht erwiesen. „Man hat diese Substanz im Haus von Iakov Voronstov gefunden – das bedeutet [für die Behörden], dass er schuldig ist. Es gab jedoch keinerlei Beweise dafür, wem die Substanz gehörte, von wem oder wann sie erworben wurde oder ob ein Kontakt zu ihr bestand. Daher haben wir von Anfang an gesagt, dass es an Beweisen für einen Schuldspruch fehlt“, erklärte er nach der Urteilverkündung gegenüber Journalist:innen.

Ein Priester gegen den Krieg

Die politische Dimension des Prozesses besteht darin, dass Vorontsov kein Unbekannter ist. Der als Vater Iakov bezeichnete 40-jährige ist in den letzten Jahren als eine der unkonventionellsten religiösen Persönlichkeiten Kasachstans in Erscheinung getreten. Direkt nach Russlands Überfall auf die Ukraine verurteilte Voronstov, damals noch Priester des Moskauer Patriarchats, ganz im Gegensatz zu der von ihm vertretenen Kirche den Angriff [Anm. d. R.: Zu dem Moskauer Patriarchat zählen nach eigenem Verständnis auch Teile der Gebiete der ehemaligen UdSSR, darunter Kasachstan].

Wie Fergana News darlegt, wurde Vater Iakov im August 2023 von seinem Priesteramt entbunden, nachdem er in einem Facebook-Post die Russisch-Orthodoxe Kirche als „die abscheulichste aller irdischen Religionen“ bezeichnet hatte. Kurze Zeit später folgten auch erste staatliche Repressionen. Im Dezember 2023 leiteten Kasachstans Behörden ein Strafverfahren wegen der Schürung von nationalem, sozialem oder religiösem Hass ein.

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Nach der Einstellung des Verfahrens setzte sich der „Anti-Kriegs-Priester“ für die Gründung einer unabhängigen orthodoxen Gemeinschaft ein – einer Gemeinschaft, die auf den kasachstanischen nationalen Kontext zugeschnitten und vom russischen Patriarchat unabhängig sein sollte. Mehrere Versuche einer Registrierung wurden vom Justizministerium abgelehnt. Am 10. Februar versuchte Vorontsov diesen Entscheid vor Gericht anzufechten. Drei Tage später klickten die Handschellen.

Ein Prozess mit Wendungen

Nach der Hausdurchsuchung in der Nacht zum 13. Februar teilte die Polizei mit, dass bei Vorontsov „pulverförmige Substanzen“ sichergestellt worden seien. Eine medizinische Untersuchung habe den Drogenkonsum bestätigt. Der ehemalige Priester wurde anfangs für zehn Tage festgenommen, die Haft mehrmals verlängert.

Am 25. Mai folgte eine unerwartete Wendung, als Vorontsov zwangsweise in eine psychiatrische Spezialklinik in der Nähe von Almaty verlegt wurde. Doch die Ärzte stellten bei ihm keine psychischen Auffälligkeiten fest, sodass er im Juli erneut in die Untersuchungshaftanstalt verlegt wurde. „Die Ärzte stellten bei ihm keinerlei psychische Auffälligkeiten fest und weigerten sich, einen gesunden Menschen gegen ein unbekanntes Leiden zu behandeln“, zitierte Fergana News das Kasachstanische Internationale Büro für Menschenrechte (KMBPCh) damals.

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Der Prozessauftakt erfolgte dann am 16. September. Nicht zuletzt die Tatsache, dass das Gerichtsverfahren – angeblich da Zeug:innen um ihre Sicherheit fürchteten – unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, nährt Zweifel. Schon im Vorfeld der Urteilsverkündung war das Verfahren von nationalen und internationalen Menschenrechtler:innen kritisch begleitet worden. So nahm die US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) den ehemaligen Priester in die internationale Datenbank von Personen auf, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden.

Auch Human Rights Watch (HRW) hatte Vorontsovs zwischenzeitliche Verlegung in die Psychatrie zum Anlass genommen, Kasachstans Umgang mit politischen Gegner:innen zu kritisieren. „Kasachstans Bilanz bei der politisch motivierten strafrechtlichen Verfolgung von Kritikern, Aktivisten und anderen Personen, die friedlich kritische Ansichten äußern, ist gut dokumentiert“, erklärte Mihra Rittmann, leitende Expertin für Zentralasien bei Human Rights Watch, damals.

Das nun gesprochene Urteil wird nicht geeignet sein, diesen kritischen Blick auf Kasachstans Justiz zu mildern. Die zeitlichen Zusammenhänge und die Umstände des Verfahrens legen die Vermutung nahe, dass eine weitere kritische Stimme mundtot gemacht werden sollte – wohl auch um die Beziehungen zum Nachbarn Russland nicht zu belasten. Falls dies die Intention gewesen sein sollte, so ist dies im Fall von Iakov Vorontsov zumindest für vier Jahre gelungen.

Robin Roth für Novastan

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