Die Stadt Alatau, die sich selbst als wichtiges Technologie- und Wirtschaftszentrum der Zukunft präsentiert, tritt mit dem Erhalt eines Sonderstatus in eine neue Phase der institutionellen Strukturierung ein. Dennoch bestehen Unsicherheiten hinsichtlich ihrer Entwicklung.
Am 27. März hat Kasachstans Parlament ein Gesetz verabschiedet, das der im erweiterten Speckgürtel von Almaty gelegenen Stadt Alatau einen besonderen Rechtsstatus verleiht. Dieser Status als „Gebiet beschleunigter Entwicklung“ mit spezifischen wirtschaftlichen, administrativen und rechtlichen Regelungen soll Investitionen anziehen und Innovationen fördern. Die Entscheidung markiert einen wichtigen Schritt in der Entwicklung des Projekts, das seit Jahren als zukünftiges technologisches Vorzeigeprojekt des Landes präsentiert wird.
Bis vor Kurzem beschränkte sich Alatau weitgehend auf politische Ankündigungen und ambitionierte Prognosen, ohne dass es in der Praxis konkrete Umsetzungen gab. Die Vergabe dieses Sonderstatus spiegelt daher den Wunsch der kasachstanischen Behörden wider, das Projekt zu strukturieren und ihm eine operative Dimension zu verleihen. Es bleibt nun abzuwarten, ob dieser institutionelle Schritt eine futuristische Vision in greifbare Realität umsetzen wird.
Wiederbelebung eines Projekts
Laut Angaben der Stadtverwaltung profitiert Alatau künftig von einem eigenständigen Verwaltungssystem mit einer Organisation, die Entscheidungsprozesse beschleunigen und die Ansiedlung wirtschaftlicher Akteure erleichtern soll. Das Projekt umfasst insbesondere die Schaffung einer strategischen Behörde unter der Leitung von Premierminister Oljas Bektenov.
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Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen – und von eurer Unterstützung!Diese „Alatau City Authority“ (ACA) soll für die Festlegung von Entwicklungsrichtlinien zuständig sein und eine direkte Koordination auf höchster Staatsebene gewährleisten. Gleichzeitig sollen lokale Institutionen wie Akimat und Mäslihat ihre Zuständigkeiten für Verwaltung und die öffentlichen Sozialdienste behalten.
Über die Governance hinaus geht dieser Status mit einem spezifischen Regulierungsrahmen einher, der Steueranreize, vereinfachte Verwaltungsverfahren und auf innovative Sektoren zugeschnittene Regelungen umfasst. Dies ermöglicht es dem Projekt, eine neue Phase seiner Entwicklung einzuleiten.
Ein Zentrum zur Anwerbung von Investitionen
Alatau wurde zu Beginn der Präsidentschaft von Qasym-Jomart Toqaev ins Leben gerufen und soll durch die Integration in eine Sonderwirtschaftszone internationale Investitionen anziehen und die wirtschaftliche Diversifizierung des Landes unterstützen.
Die Stadt mit derzeit circa 50.000 Einwohner:innen will sich zudem zu einem Zentrum für digitale Technologien, digitale Vermögenswerte und innovative Finanzdienstleistungen entwickeln. Im Mai 2025 kündigte Präsident Toqaev die Einrichtung einer Pilotzone namens „CryptoCity“ in Alatau an. In dieser sollen Kryptowährungen legal zur Bezahlung von Waren und Dienstleistungen eingesetzt werden können. Diese Strategie ist Teil einer umfassenderen Initiative, Kasachstan als aufstrebenden Akteur in Branchen mit hoher Wertschöpfung zu positionieren.
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Mehrere konkrete Initiativen belegen dieses Ziel. Wie die Stadt Alatau mitteilte, wurden im Rahmen des Programms für wirtschaftliche Innovationspartnerschaft (EIPP) Gespräche mit Südkorea über die Entwicklung der städtischen Infrastruktur aufgenommen. Darüber hinaus soll in Alatau eine Zweigstelle des Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST), einer der führenden technischen Universitäten Südkoreas, errichtet werden, um die akademische und wissenschaftliche Stellung der Stadt zu stärken.

Auch finanziell sind die Ambitionen beträchtlich. Laut Angaben der Behörden könnten die geplanten Investitionen für das Projekt 10,4 Billionen Tenge (circa 20 Milliarden Euro) erreichen. Parallel dazu kündigte die Stadtverwaltung den bevorstehenden Baubeginn eines architektonischen Wahrzeichens namens „Iconic Towers“ an. Die Arbeiten sollen im Mai 2026 beginnen und voraussichtlich 2029 abgeschlossen sein. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf 800 Millionen US-Dollar (ca. 680 Millionen Euro).
Zwischen erklärten Zielen und anhaltenden Unsicherheiten
Trotz dieser Fortschritte deuten mehrere Faktoren darauf hin, dass die unmittelbaren Auswirkungen des Projekts mit Vorsicht zu betrachten sind. Insbesondere die Unklarheit bezüglich der für Alatau geltenden Steuer- und Rechtsvorschriften wirft Fragen hinsichtlich der Kohärenz und effektiven Umsetzung des Systems auf.
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Vor allem ist die Realität vor Ort in dieser Phase noch begrenzt. Im März 2026 besuchte der kasachstanische Influencer Alimbek Ulan Alatau und beobachtete die Bauarbeiten vom Rand des Geländes. Es waren jedoch keine wesentlichen baulichen Fortschritte erkennbar. Dies bestätigt, dass sich das Projekt größtenteils noch in der Vorbereitungsphase befindet.
Diese Diskrepanz zwischen den erklärten Zielen und dem tatsächlichen Fortschritt verdeutlicht die Gefahr, dass Alatau vorwiegend ein symbolisches Projekt bleiben könnte. Das Jahr 2026 erscheint daher als Wendepunkt, denn mit dem angekündigten Baubeginn müssen die Behörden ihre Fähigkeit unter Beweis stellen, ihre Versprechen einzulösen und eine tatsächliche Bauphase einzuleiten.
Lenny Cabrol Noto für Novastan
Aus dem Französischen von Robin Roth
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Kasachstan: Die futuristische Stadt Alatau erhält Sonderstatus