Pipeline

Asiatische Entwicklungsbank zieht sich aus der TAPI-Pipeline zurück

Die Asiatische Entwicklungsbank, der größte Geldgeber der TAPI-Pipeline, hat ihre Beteiligung an dem Projekt ausgesetzt. Die Institution erklärte, ihre Aktivitäten in Bezug auf das Gasprojekt, das Turkmenistan mit Indien verbinden soll, werden dann wieder aufgenommen, wenn die Taliban-Regierung in Afghanistan von der UN-Generalversammlung international anerkannt sei.

Ein weiterer Rückschlag für das fast 30 Jahre alte Projekt: Am 8. März berichtete das pakistanische Medium The News, die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) habe ihre Aktivitäten im Zusammenhang mit dem TAPI-Pipelineprojekt einstellt. Die ADB warte darauf, dass die afghanische Regierung von den Vereinten Nationen anerkannt wird, bevor sie das Projekt wieder aufnimmt, heißt es weiter.

Die über 1600 Kilometer lange Gaspipeline, deren Name aus den Initialen von Turkmenistan, Afghanistan, Pakistan und Indien besteht, wurde 1995 gestartet. Sie soll es Turkmenistan ermöglichen, Erdgas nach Indien und Pakistan zu exportieren, wobei ein erheblicher Teil des Leitungsabschnitts durch afghanisches Hoheitsgebiet verläuft.

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Am 10. März erhielt die afghanische Mediengruppe Ariana News eine offizielle Bestätigung von der ADB, die sich bislang nicht öffentlich dazu geäußert hat.

Ein Berg von Schwierigkeiten

Dieser Rückschlag stellt also eine weitere Hürde für ein Projekt dar, das als Möglichkeit für Turkmenistan beschrieben wird, sich aus der Abhängigkeit von seinen Gasexporten nach China und Russland zu lösen. Das Projekt trifft jedoch schon seit seinem Start auf zahlreiche Schwierigkeiten.

Auf afghanischer Seite war TAPI bereits vor dem Sturz der demokratisch gewählten Regierung im Jahr 1996 mit der chronischen Instabilität des Landes und den von den Taliban verursachten Unruhen konfrontiert. Die Taliban kämpften damals gegen die Zentralregierung und störten mehrfach den effektiven Start des Projekts, wie das US-Medium The Diplomat ausführte.

Angesichts des militärischen Eingriffs einer internationalen Koalition unter Führung der Vereinigten Staaten in Afghanistan erlitt TAPI endgültig einen Fehlstart. Nach langwierigen Diskussionen begann der Bau der Pipeline hochoffiziell im Dezember 2015 [fr], also mehr als 20 Jahre nach der Unterzeichnung des Memorandums. In der Zwischenzeit konnten sich die beteiligten Staaten im Dezember 2010 auf ein Rahmenabkommen und im Mai 2012 auf Kauf-/Verkaufsverträge einigen, wie das französische Finanzministerium [fr] beschreibt.

Lest auch bei Novastan: TAPI-Pipeline: Pakistan erhöht den Druck auf Turkmenistan

Dieser Baubeginn wurde unter anderem durch die Arbeit der ADB ermöglicht, die sich 2013 in das Projekt einbrachte und die Beteiligten bei der Gründung eines Joint Ventures [fr], der TAPI Pipeline Company Limited, unterstützte. Letztere sollte für den Bau der Pipeline zuständig sein. Offiziell soll die ADB mit mehr als einer Milliarde US-Dollar (910 Millionen Euro) zu den zum Start geplanten 7,6 Milliarden US-Dollar (6,9 Milliarden Euro) beitragen.

Im März 2022 kam das Projekt aufgrund der Sicherheitslage in Afghanistan und der Zurückhaltung Pakistans ins Stocken. Die Taliban haben jedoch regelmäßig ihren Willen bekundet, das Projekt weiterzuentwickeln, zuletzt im Oktober 2021, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtet.

Die Taliban behaupten, die Arbeiten werden fortgesetzt

Die Taliban bekräftigten am 10. März, dass TAPI mit oder ohne Unterstützung der Asiatischen Entwicklungsbank fortgesetzt werde. „Die ADB ist wichtig für die Umsetzung des Projekts, aber das Projekt gehört Turkmenistan“, sagte Abdul Rahman Habib, ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums, laut dem afghanischen Medium Tolo News. Auch das pakistanische Außenministerium erklärte, trotz des Ausstiegs der ADB sei eine Wiederaufnahme des Baus der Pipieline im Frühling 2022 erwartet.

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Diese Aussage ist im Zusammenhang mit der Bedeutung des Projekts für die afghanische Wirtschaft zu sehen. Wie Tolo News beschreibt, wird Afghanistan nur 5 Prozent des Projekts bezahlen. Bisher gibt es keine Berichte über eine Reaktion aus Aschgabat, so das turkmenische Medium Hronika Turkmenistana. Der Stand der Durchführung von TAPI war auch auf der Tagesordnung von einem Treffen des turkmenischen Außenministers mit seinem pakistanischen Amtskollegen am 22. März.

Zenon Bekdouche
Redakteur für Novastan France

Aus dem Französischen von Florian Coppenrath

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