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Usbekistans Militärdoktrin im Zeitalter der Drohnen

Angesichts der raschen Entwicklung neuer Konfliktformen überarbeitet Usbekistan derzeit seine Militärdoktrin und seine Sicherheitsstruktur. Ohne seine grundlegenden Prinzipien der Bündnisfreiheit aufzugeben, beginnt Taschkent mit einer Umgestaltung seiner militärischen Kapazitäten und setzt dabei auf die Integration von Drohnen, digitalen und neuen Technologien.

Shavkat Mirziyoyev kündigt in einer Rede am 13. Januar 2026 eine neue Verteidigungsstrategie an (Symbolbild), Photo: Präsidialamt Usbekistans.

Angesichts der raschen Entwicklung neuer Konfliktformen überarbeitet Usbekistan derzeit seine Militärdoktrin und seine Sicherheitsstruktur. Ohne seine grundlegenden Prinzipien der Bündnisfreiheit aufzugeben, beginnt Taschkent mit einer Umgestaltung seiner militärischen Kapazitäten und setzt dabei auf die Integration von Drohnen, digitalen und neuen Technologien.

In seiner Rede vom 13. Januar kündigte der usbekische Präsident Shavkat Mirziyoyev einen Quantensprung bei der Modernisierung der Streitkräfte und deren Militärdoktrin an.

Dabei hob der Staatschef mehrere Faktoren hervor: die Zunahme regionaler Konflikte, die Untergrabung des Völkerrechts und die Zunahme hybrider Kriege. Konflikte beschränkten sich heute nicht mehr auf konventionelle Auseinandersetzungen zwischen regulären Armeen, sondern umfassten auch die Bereiche Technologie, Cybersicherheit, Information und Industrie.

Neue Technologien haben alte Richtlinien überholt

Seit mehreren Jahren modernisiert Usbekistan schrittweise seine Streitkräfte, indem es gezielt Anschaffungen, industrielle Kooperationen und den Kompetenzaufbau seines Sicherheitsapparats aufeinander abstimmt. Angesichts der instabilen Lage in der Region und der sich wandelnden Formen der Kriegsführung, die heute hybride, technologische und informationelle Züge trägt, scheint Taschkent sein strategisches Denken grundlegend anpassen zu wollen, insbesondere durch die zunehmende Integration von Drohnen und digitalen Systemen in sein Militär.

Vor diesem Hintergrund erscheinen die aus früheren Jahrzehnten übernommenen Richtlinien zunehmend als wenig geeignet für die heutige Realität. Laut Fergana News ist die derzeitige usbekische Militärdoktrin bereits acht Jahre alt, während das nationale Sicherheitskonzept aus dem Jahr 1997 stammt und im November 1999 vom Conflict Studies Research Centre analysiert wurde. Dies steht in starkem Kontrast zu den rasanten technologischen und strategischen Veränderungen der letzten Jahre.

Mirziyoyevs Kernthemen

Trotz dieser strategischen Wende bekräftigt Taschkent seine Grundsätze. Die Bündnisfreiheit bleibt ein zentraler Pfeiler der usbekischen Verteidigungspolitik, genauso wie die Weigerung, formellen Militärbündnissen künftig beizutreten. Damit zeigt das Land den Willen, in einem von der Konkurrenz der Großmächte geprägten regionalen Umfeld ein Höchstmaß an strategischer Autonomie zu bewahren.

Usbekistan bleibt weiterhin nicht so verschlossen wie sein südlicher Nachbar Turkmenistan und beteiligte sich an gemeinsamen Manövern mit zentralasiatischen Ländern, insbesondere an der Übung „Birlestik-2024” im Kaspischen Meer vom 9. bis 17. Juli 2024.

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Die Neuerung liegt vielmehr in den neuen Schwerpunktbereichen: In seiner Rede betont der Präsident die Integration digitaler Technologien in das Militärkommando, die Entwicklung von präzisen Langstreckenwaffen, die Stärkung der Cyberabwehr sowie den Ausbau der Robotik und unbemannter Systeme.

Diese Orientierung geht mit einer strategischen Verlagerung hin zu einem präventiveren und proaktiveren Ansatz in der nationalen Sicherheit einher, insbesondere durch die Zentralisierung der Cybersicherheit und des Schutzes der digitalen militärischen Infrastrukturen.

Fakten als Antrieb für technologischen Wandel

Bereits jetzt zeigt sich die Entwicklung der usbekischen Doktrin in konkreten industriellen und operativen Entscheidungen. Usbekistan hat mit der Entwicklung oder Integration mehrerer moderner Landplattformen begonnen, darunter die gepanzerten Fahrzeuge Arslon 6×6 und 8×8, Tarlon-M 4×4, Qalqon, Aksum sowie die motorisierte Artillerie To’fon, die teils aus gezielten Kooperationen mit ausländischen Partnern hervorgegangen sind.

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In Hinblick auf Drohnen hat Taschkent mehrere wichtige Meilensteine erreicht: Die Tests und die Inbetriebnahme der Flexrotor-Drohnen von Airbus im November 2025 sowie die Entwicklung der militärisch-zivilen Drohne Lochin für Aufklärung, Brandbekämpfung und Landwirtschaft verdeutlichen diesen schrittweisen Aufstieg. Die wichtigste Ankündigung bleibt jedoch die Schaffung einer Spezialeinheit von Grenzschutzkräften, die speziell mit Bayraktar TB2-Drohnen vom Typ MALE (Medium Altitude Long Endurance) ausgerüstet ist. Schließlich wurde laut Asia-Plus die mit gleichnamigen Drohnen ausgerüstete „Lochin”-Einheit neu organisiert, wobei 100 Drohnen durch verbesserte Waffen ersetzt wurden.

Somit ist Usbekistan der erste zentralasiatische Staat, der Einheiten für den operativen Einsatz mit bewaffneten Drohnen als integralen Bestandteil seines Sicherheitssystems aufbaut.

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Die Überarbeitung der usbekischen Militärdoktrin stellt keineswegs einen abrupten Bruch dar, sondern ist Teil eines seit mehreren Jahren bestehenden strategischen Plans. Durch die vollständige Integration von Drohnen und Cybertechnologie in sein strategisches Denken stärkt Usbekistan seine regionale Position und erhöht seine Glaubwürdigkeit im zentralasiatischen Kräfteverhältnis, wobei es gleichzeitig die Grundprinzipien beibehält, die seine Sicherheitspolitik seit der Unabhängigkeit prägen.

Lenny Cabrol Noto für Novastan

Aus dem Französischen von Elisabeth Rudolph

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