Nach Explosionen in Munitionsdepot: Kasachstans Verteidigungsminister tritt zurück

Am 26. August sind bei einer Explosion in einem Munitionsdepot im Süden Kasachstans 15 Menschen getötet und weitere 98 verletzt worden. Der Verteidigungsminister trat in der Folge zurück.

Es ist ein schweres Unglück, das Kasachstan erschüttert. Am 26. August ist in Taraz im Süden Kasachstans ein Feuer in einem Munitionslager ausgebrochen. Das Feuer löste nach Angaben des kasachischen Nachrichtenportals Tengrinews mehr als 10 Explosionen aus. Laut Stand vom 31. August kamen dabei 15 Menschen ums Leben, 98 weitere wurden verletzt.

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Unter den Opfern befinden sich auch Feuerwehrleute, denen von den Behörden zugesichert wurde, dass die Dynamitstangen, die sich im Depot befanden, nicht explodieren würden. „Laut allen Anweisungen, auch denen des Verteidigungsministeriums, wurden [diese Dynamitstangen] ohne Zünder gelagert und stellten keine Explosionsgefahr dar. Was als Zünder diente, wird derzeit untersucht”, sagte Katastrophenschutzminister Jurij Ilin laut Tengrinews.

Staatstrauer

Angesichts der Tragödie rief Kasachstan Präsident Qasym-Jomart Toqaev  den 29. August als nationalen Trauertag aus. Wie Kazinform.kz berichtete, zollten dabei alle Moscheen des Landes den Opfern und ihren Familien Tribut, indem sie den gesamten Koran rezitierten.

Toqaev würdigte diejenigen, die bei diesem Brand ihr Leben verloren. Wie Kapital.kz berichtet, wurde vielen von ihnen mit dem Aıbyn-Orden posthum eine militärische Auszeichnung verliehen. Meirjan Aımanov, stellvertretender Leiter des Lösch- und Rettungsdienstes im Gebiet Jambyl, wurde posthum zum „Helden Kasachstans“ ernannt.

Ein Drama mit politischen Folgen

Infolge dieses Ereignisses trat Kasachstans Verteidigungsminister Nurlan Ermekbaev von seinem Amt zurück. Wie Tengrinews berichtete, hatte Ermekbaev wiederholt angedeutet, dass er zur Verantwortung gezogen werden könnte. Am 31. August akzeptierte Präsident Toqaev schließlich den Rücktritt des Ministers. An seiner Stelle wurde Murat Bektanov berufen.

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Im weiteren Sinne stellte dieser Vorfall das Gesamtsystem in Frage. Einige Abgeordnete des Majilis, des Unterhauses des kasachischen Parlaments, kritisieren die Unzulänglichkeiten staatlicher Dienste. Laut Kazinform.kz weisen die Abgeordneten auf die mangelnde Weitsicht der Exekutive hin, insbesondere nachdem sich 2019 ein ähnlicher Vorfall in der Stadt Arys ereignet hatte. Die Rüstung war danach nach Taraz verlegt worden, jedoch ohne Schutzmaßnahmen. Nurlan Ermekbaev war zu dieser Zeit bereits im Amt.

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Um auf die Kritik zu reagieren, bekräftigte Kasachstans Präsident laut 24.kz während der Vorstellung des neuen Verteidigungsministers Bektanov eine Reihe von Zielen, die erreicht werden sollen. Insbesondere betonte das Staatsoberhaupt die Notwendigkeit, eine modernen Speicherinfrastruktur in sicherer Entfernung zu Siedlungen aufzubauen.

Inès Berdi, Redakteurin für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

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Tengrinews
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