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Kirgistan: Impressionen vom Tag des Sieges

In den zwei größten Städten Kirgistans wurden am Tag des Sieges über Hitlerdeutschland Paraden abgehalten. Volksfeststimmung kam auf. Die Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg, wie der Zweite Weltkrieg auch in Kirgistan genannt wird, ist mehr stolz als trauernd. Novastan hielt einige Impressionen fest.

Panzer, Kanonen und originalgetreue Sowjetuniformen (s.u.) gehören auch in Bischkek zum Repertoire des Gedenkens. Die Parade zog in der Hauptstadt über den zenralen Ala-Too-Platz, durch die Innenstadt und sammelte sich auf dem Platz des Sieges.

Panzer Bischkek Tag des Sieges Feier

Hunderte zeigten auf Fotos ihre Angehörigen, die in den Familien und öffentlich als Kriegshelden vorgezeigt und gefeiert werden. An vielen Bildern findet man das Georgsband.

So zeigt die Erinnerung an den zweiten Weltkrieg auch ein zwiegespaltenes Verhältnis zu Russland. Das zeigt sich insbesondere in der Nutzung des orange-schwarzen Bändchens. In kirgissichen sozialen Medien verbinden einige Nutzer es mit der Symbolik des russischen Imperialismus oder stellen es sogar als ein faschistisches Zeichen dar.

Angehörige Zweiter Weltkrieg Kirgistan Feier

Dagegen rufen sie dazu auf, das eigene rot-gelbe kirgisische Bändchen zu nutzen. In Bischkek findet es sich als Fahne an Laternenmasten.

Kirgistan Feier Bischkek Marsch

In Osch ist es auf einem Graffito in der Innenstadt abgebildet. In seiner Rede zum Tag des Sieges rief auch der Präsident Almasbek Atambajew die Bürger Russlands dazu auf, sich an die gleichwertige Teilhabe des kirgisischen Volks am Kriegseinsatz zu erinnern.

In Anlehnung auf den vor ein paar Tagen mediatisierte Angriff auf kirgisische Gastarbeiter in der Moskauer U-Bahn bemerkte er, dass in Russland „faschistische Skinheads auf dem Vormarsch“ seien.

Graffiti Osch Kirgistan

In Osch wurde der sogenannte „Tag des Sieges“ auf dem Hauptplatz vor dem Rathaus gefeiert, unter der größten kirgisischen Flagge der Stadt und der seit der Sowjetzeit unbewegten Lenin-Statue. In einer ca. zweistündigen Zeremonie wurde das Ende des zweiten Weltkriegs gefeiert und der verstorbenen Soldaten und Veteranen aus Osch gedacht.

Leninplatz Osch

Zum Klang russischer Volkslieder und sowjetischer Nachkriegslieder leitete ein Sprecher die verschiedenen Etappen auf kirgisisch ein. Die Zeremonie wurde von einem Ehrenmarsch militärischer Würdenträger und Vertreter nationaler und internationaler Organisationen eingeleitet.

Es folgten Reden der Generalkonsule Russlands und Chinas, die den Oschern zum Tag des Sieges gratulierten, und verschiedene Darstellungen von Kriegsszenen. Während des zweiten Weltkrieges fanden zwar keine Kriegshandlungen in Kirgistan statt, aber viele junge Männer wurde in die Rote Armee eingezogen und es wurden große Mengen Nahrungsmittel für die Front beschlagnahmt.

Osch Feier Tag des Sieges

Nach den Theater-Darstellungen marschierten in Osch stationierte Soldaten zu „Hurra“-Rufen vor. Auch die Universitäten der Stadt nahmen an der Zeremonie teil.

Parade Osch Tag des Sieges

Zum Schluss wurde durch das „unsterbliche Regiment“ auch in Osch den Soldaten des zweiten Welkriegs gedacht. Das „unsterbliche Regiment“ ist eine zivilgesellschaftliche Initiative, bei der Bürger mit Bildern ihrer Angehöriger, die am Krieg teilgenommen haben, durch die Stadt marschieren.

In Kirgistan findet diese Aktion zum zweiten Mal statt. Während in Bischkek ca. 15 Tausend Menschen teilnahmen, liefen in Osch mehrere hundert Nachfahren mit Bildern ihrer Angehörigen über den Hauptplatz.

Parade Osch Tag des Sieges

 

Florian Coppenrath
Mitgründer

Redaktion: Gregor Bauer
Chefredakteur

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Ich bin dem frisch gegründeten Novastan gleich bei meiner ersten Kirgistan-Reise Ende 2011 beigetreten. Erst war ich Redakteur, dann Begründer der deutschsprachigen Version. Heute bin ich für die Verbindungen zwischen den verschiedenen Teilen von Novastan und für die strategische Entwicklung des Projektes zuständig. Nach drei Jahren in Kirgistan, zuletzt als Bosch-Lektor in Osch, arbeite ich heute an der Entwicklung von "Wikistan" einer baldigen Netzwerkplattform für die Zentral-Eurasien-Forschung. Seit März diesen Jahres bin ich ebenfalls in der Forschung tätig und schreibe eine Doktorarbeit über Hip-Hop in Kirgistan am Zentralasienseminar der Humboldt Universität zu Berlin. --------------------------------------------------------------- Mon premier voyage à Bichkek en décembre 2011 m'amena à rejoindre le magazine Novastan.org fraichement fondé. J'y étais d'abord actif en tant que rédacteur, puis en tant que fondateur et coordinateur de la version germanophone en été 2013. Aujourd'hui je suis en charge des liens entre les différentes parties d Novastan et du développement stratégique du projet. Après trois ans au Kirghizstan, dernièrement en tant que médiateur culturel pour la fondation Bosch à l'université d'Och, je travaille au développement de "Wikistan", un réseau pour la recherche sur l'Eurasie centrale. Depuis mars 2018, je suis également doctorant en études centre-asiatiques et étudie le Hip-Hop dans les villes du Kirghizstan.

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