Wikipedia auf Kirgisisch Tschorobek Saadanbek

Kirgistan: Die Grenzen des Wissens erweitern

Es gibt nur relativ wenige wissenschaftliche Inhalte in kirgisischer Sprache, so dass Kirgisen, die keine weitere Sprache wie Russisch oder Englisch beherrschen, zu vielen Informationen keinen Zugriff haben. Verschiedene Initiativen versuchen das zu ändern und besonders im Internet das kirgisischsprachige Segment zu erweitern. Ein Bericht von Dschamilia Dandybajewa aus Bischkek.

Enzyklopädien und Sachbücher aus der Hausbibliothek zur Seite legend, sind wir es gewohnt Informationen bei Wikipedia zu suchen. Aber wie kommt man an das gesuchte Wissen, wenn man zum Beispiel ein kirgisischsprachiger Schüler oder Student auf dem Land ist? Daran arbeitet „Kirgisisches Wikipedia“, ein Projekt zur Entwicklung der kirgisischsprachigen Inhalte.

Das kirgisische Wikipedia entwickeln

Das Projekt begann 2011 mit dem Ziel das kirgisischsprachige Segment der weltweiten Enzyklopädie Wikipedia zu erweitern. Die Artikel bei Wikipedia werden von den Nutzern selbst erstellt, daher ist die Hauptaufgabe des Projektes eine starke Gemeinschaft aktiver Nutzer zu schaffen, die neue kirgisischsprachige Artikel schreiben und alte redigieren können. Als Kirgisisches Wikipedia startete, gab es kaum mehr als 1500 Wikipedia-Artikel auf kirgisisch.

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Heute ist die Zahl auf über 80 000 gewachsen. Aber wie die Redakteure selbst anerkennen, ist vor allem der pädagogische, wissenschaftliche und analytische Inhalt stark begrenzt und muss dringend ergänzt werden. In die Richtung arbeitet die öffentliche Stiftung „Bisdin Muras“ (Unser Erbe), die das Projekt „WikiTranslate2017“ mit Unterstützung der Stiftung „Soros-Kirgistan“ durchführte.

Die Initiative zielt darauf ab, interessante Inhalte Wikipedias ins Kirgisische zu übersetzen. Die Übersetzungen werden über Google Translate realisiert, um auch die Qualität der kirgisischen Übersetzungen auf dieser Plattform zu verbessern.

Übersetzer Wikipedia auf Kirgisisch

Es gibt viele hochwertigen Inhalte, die wir legal und unentgeldlich zu Bildungs- und zu anderen Zwecken übersetzen und anpassen können. Es ist wichtig, Erfahrung in der schnellen Anpassung von Wissen zu gewinnen und die nötigen Instrumente dafür zu schaffen. Der erste erfolgreiche Schritt in diese Richtung ist getan, indem Artikel übersetzt wurden, die besonders für Jugendliche interessant sind: über Filme, Musik, Berühmtheiten, Schriftsteller, Bücher, Gelehrte, IT und weiteres“, erzählen die sogenannten Wikipedisten. Ihr Ziel: Bis Ende 2018 die Anzahl der kirgisischsprachigen Artikel auf 100 000 zu bringen.

 „Open-source“ auf kirgisisch

Es wurde bereits eine große Arbeit zu offenen Bildungsquellen geleistet. Etwa die Erstellung der „offenen Bibliothek“. Dort hat man freien Zugriff auf Schulbücher und Lehrmethoden, auf ganze Dissertationen, Manuskripte von in der Sowjetzeit verbotetenen Schriftstellern wie Kasym Tynystanow und Scans der Manuskripte der nach Tschingis Aitmatow benannten Stiftung für Sprache une Literatur der kirgisischen Akademie der Wissenschaften.

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Auch die Nationalbibliothek stellt dort schon über 300 Bücher zur freien Verfügung und plant demnächst weitere 3000 hochzuladen. Für die Manasstudien war bereits die Digitalisierung des Manuskriptes des Manas Epos von Sajakbaj Karakajew ein riesiges Geschenk.

Einen nicht minderen Beitrag zur kirgisischsprachigen Online-Bildung leistet das Portal bizdin.kg, das über 600 gedruckte und Hörbücher auf kirgisisch sammelt. Die Begründer des Portals legen ein besonders Augenmerk darauf, dass ausländische Märchen und Literatur ins kirgisische übersetzt werden.

Solch Bildungsinitiativen tragen dazu bei, den Wissensdurst der kirgisischsprachigen Jugend zu stillen. Die ersten Schritte sind getan. Das kirgisische Wikipedia füllt sich langsam aber sicher. Wichtig ist vor allem die Qualität, nicht die Menge. Denn Internet ist nicht nur ein Medium zur Unterhaltung, sondern auch ein Hilfsmittel in der Bildung. Da kommt das Angebot ganz mit der Nachfrage.

                                                                                                                Dschamilia Dandybajewa

Aus dem Russischen von Florian Coppenrath

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