Wie entwickeln sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Kasachstan und Usbekistan?

Kasachstan und Usbekistan bleiben wichtige Wirtschaftspartner. In einem bei Kursiv veröffentlichten Gastbeitrag vom 8. Oktober 2020 legt Darhan Satybaldy, Botschafter Kasachstans in Usbekistan, seine Sicht auf die Dinge dar. Wir übersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Eine zentrale Rolle in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Kasachstan und Usbekistan spielen die Handelsbeziehungen. Von 2016 bis 2019 stieg der Umsatz von 1,8 auf 4,1 Milliarden US-Dollar. Kasachstan gehört hinter China und Russland zu den drei führenden Handelspartnern Usbekistans. Eine Schlüsselrolle bei der Stärkung und Aktivierung der Industrie spielen die offenen und konstruktiven Beziehungen zwischen den führenden Politikern unserer Länder. Diese ermöglichen es, die gutnachbarschaftliche Zusammenarbeit auf eine neue, progressive Ebene zu heben.

Der Warenaustausch steigt

Kasachstan gehört zu den führenden drei Handelspartnern Usbekistans. Nach Angaben des Ministeriums für Investitionen und Außenhandel der Republik Usbekistan belief sich das Volumen des Warenaustauschs mit Kasachstan 2019 auf 3,32 Milliarden US-Dollar, was 8 Prozent des Gesamtvolumens des Außenhandels entspricht.

Deutliche Impulse erhielt die Zusammenarbeit im Finanzbereich. In Taschkent wurden Büros von zwei großen kasachischen Finanzinstituten eröffnet – der Tenge-Bank und der Export-Versicherungsgesellschaft KazakhExport.

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Auch der Verkehr zwischen beiden Ländern entwickelt sich. Nach Angaben der staatlichen Statistikbehörde Usbekistans besuchten im Jahr 2019 2,4 Millionen BürgerInnen der Republik Kasachstan das Land und stellen mit 29,7 Prozent den größten Anteil aller Einreisenden dar. Nach Kasachstan kamen 5,4 Millionen BürgerInnen Usbekistans (42,4 Prozent der Ausreisen aus dem Land).

Aufgrund dieses Anstiegs planen die kasachischen Fluggesellschaften Air Astana und SCAT, die Zahl der Flüge zwischen den Republiken zu erhöhen. Unter anderem wird über die Einrichtung von Flugverbindungen nach Samarkand, Buchara, Urganch, Qarshi, Namangan, Termiz und Nukus gesprochen (bisher gibt es nur Flüge in die usbekische Hauptstadt Taschkent, Anm. d. Red.). Die Zahl der Flüge zwischen beiden Ländern stieg 2019 auf 32 pro Woche. Ebenfalls wird die Errichtung einer Hochgeschwindigkeitsverbindung im Eisenbahn-Personenverkehrs erörtert.

Volksdiplomatie

Die aktive Kommunikation findet auf überregionaler Ebene statt. Mit der Eröffnung der Fernstraße Beıneý – Aqzhigit – usbekische Staatsgrenze im Jahr 2019 wurden die Beziehungen der westlichen Gebiete unserer Republiken gestärkt, und Usbekistan erhielt einen kürzeren Zugangsweg für seiner Waren zu den Märkten Russlands und der Länder des Kaukasus.

Es ist geplant, an der Grenze unserer Staaten ein internationales Zentrum für Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit zu schaffen, das die Zusammenarbeit in den Grenzgebieten stärken wird. Darüber hinaus wird am Ausbau der logistischen Möglichkeiten gearbeitet. Die Umbauarbeiten am größten Grenzübergang „B. Konysbaev“ – „Yallama“ werden abgeschlossen, sodass bequemere Bedingungen für den Grenzübertritt geschaffen werden.

Die Partnerschaft zwischen kasachischen und usbekischen Regionen diente als Grundlage für die Bildung einer neuen Plattform der Zusammenarbeit – des Forums der interregionalen Zusammenarbeit. Auf den beiden Sitzungen in Shymkent und Urganch wurden mehr als 50 Investitionsvereinbarungen im Wert von über 700 Millionen US-Dollar unterzeichnet.

Kooperation als Grundlage

Während des Staatsbesuchs von Kasachstans Präsidenten Qasym-Jomart Toqaev im April 2019 in Taschkent haben unsere Staatsoberhäupter die Entwicklung von kooperativen Beziehungen und gemeinsamen Business-Projekten als eine der Prioritäten bezeichnet.

Das Flaggschiff der kasachisch-usbekischen Zusammenarbeit ist die gemeinsame Produktion von Ravon-Fahrzeugen durch UzAutoMotors und Saryarkaavtoprom in Qostanaı. Im Jahr 2019 wurden mehr als 5000 Wagen produziert. In diesem Jahr startete die Produktion des neuen Modells Ravon R4 und im März 2020 gaben die Regierungschefs den Startschuss für ein gemeinsames Projekt zur Montage von fünf neuen Modellen.

Lest auch auf Novastan: Kasachstan und Usbekistan: Die Konkurrenz um ausländische Investitionen wächst

Im Jahr 2019 hat die kasachisch-usbekische Handels- und Industriegesellschaft Alliance in Shymkent ein gemeinsames Textilunternehmen gegründet. In der südkasachischen Stadt setzt auch das usbekische Unternehmen DentafillPlyus den Bau einer Produktionsanlage für medizinischen Güter um.

In Túrkistan steht ein Investitionsprojekt für die Produktion von Landmaschinen des Taschkenter Traktorenwerks und den Aufbau einer Textilproduktion sowie – dank usbekischer Bewässerungstechnologien – eines Gartenbau-Clusters in der Wüste kurz vor dem Abschluss.

Rohstoffe und der Markt

Eines der großen gemeinsamen Infrastrukturprojekte ist das Zentralasiatische Handelshaus in Nur-Sultan, das 2016 von nationalen Unternehmen der beiden Länder gegründet wurde. Seine Hauptaufgabe ist es, den Umsatz mit Obst zu erhöhen und dessen Lagerung und Transport sicherzustellen. Das Zentrum ist ein großer Hub, von wo aus Obst und Gemüse in die Märkte der nördlichen Regionen Kasachstans und Russlands gelangen.

Ich bin sicher, dass die ersten Schritte in der industriellen Zusammenarbeit eine zusätzliche Grundlage für unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit sein werden. Usbekistan verfügt über einen großen Absatzmarkt, Kasachstan über eine umfangreiche Rohstoffbasis.

Gegenseitiges Interesse

Kasachische Geschäftsleute erhöhen ihre Präsenz in Usbekistan, sowohl durch Exporte als auch durch die Gründung von Joint Ventures. InvestorInnen aus Kasachstan sind auf dem usbekischen Marktzunehmend aktiv und planen bis 2022, 13 Projekte für 37,9 Millionen US-Dollar umzusetzen. Nach Angaben der usbekischen Botschaft in Kasachstan gibt es in Usbekistan 809 Unternehmen mit Beteiligung kasachischen Kapitals.

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Die kasachische BI-Gruppe baut Wohnhäuser in Taschkent. Die Firma Ecoton CO LTD errichtet eine Anlage zur Herstellung von Porenbeton und Platten in der freien Wirtschaftszone Angren.

Die Coronavirus-Pandemie hat im ersten Quartal einen Rückgang des Handels um 14 Prozent verursacht, doch der Markt gewinnt wieder an Leben und bestimmt den Bedarf an verschiedenen Rohstoffen und die Zweckmäßigkeit der gemeinsamen Produktion. Das wichtigste ist, dass heute günstige politische und kulturelle und soziale Bedingungen für die Entwicklung einer vollwertigen kasachisch-usbekischen Zusammenarbeit geschaffen werden.

Darhan Satybaldy für Kursiv

Aus dem Russischen von Robin Roth

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