Kasachstans rosa See Kóbeıtuz mit Schwermetallen verschmutzt

Nachdem der rosa See Kóbeıtuz bereits im Sommer durch eine große Anzahl von BesucherInnen geschädigt wurde, haben Proben, die vom Ministerium für Umwelt, Geologie und Natürliche Ressourcen entnommen wurden, eine Verschmutzung mit Schwermetallen wie Blei und Arsen ergeben.

Am 25. Juli, wenige Tage nachdem der rosa Sees Kóbeıtuz für BesucherInnen geschlossen worden war, hat Kasachstans hydrometeorologisches Institut Kazhydromet Proben des Wassers, der Bodensedimente sowie des Bodens am Ufer entnommen. Der See, der nicht weit von der Hauptstadt Nur-Sultan entfernt liegt, hatte im Juli einen Rekordbesuch erlebt.

Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und Dank eurer Teilnahme. Wir sind unabhängig und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine Spende helft ihr uns weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.

Am 22. August hat nun das Ministerium für Umwelt, Geologie und Natürliche Ressourcen in einer Pressemitteilung die Ergebnisse der Analysen veröffentlicht: “Die Analyse der Wasserqualität des Sees Kóbeıtuz wurde an 42 physikalischen und chemischen Indikatoren durchgeführt. In den Bodensedimenten wurden Cadmium, Mangan, Kupfer, Arsen, Nickel, Blei und Chrom entdeckt, und in den Böden am Ufer Cadmium, Kupfer, Zink, Blei und Chrom. Es sind hohe Konzentrationen toxischer Elemente in den Oberflächenwasserproben festzustellen, darunter Arsenmetalle (20,7 mg/dm3), Blei (73,8 mg/dm3), Cadmium (0,19 mg/dm3), Zink (15,7 mg/dm3), Chrom (2,3 mg/dm3), Kupfer (1,4 mg/dm3), Nickel (0,4 mg/dm3) und Molybdän (6,2 mg/dm3). Eine mögliche Ursache für das Vorhandensein von Makro-Mikroelementen in Oberflächengewässern ist die Auslaugung von unterirdischen Böden”, heißt es in der Erklärung des Ministeriums.

See schon zuvor durch BesucherInnen geschädigt

Unklar bleibt, woher die Schwermetalle stammen. Fest steht, dass im Juli massenhaft TouristInnen an den See geströmt waren, um die Langeweile während der Covid-19-Ausgangssperre zu vertreiben. Aber nicht alle dieser tausenden BesucherInnen begnügten sich damit, die Farbe des Sees zu bewundern. Viele nutzten die Gelegenheit, um Säcke und Eimer aller Arten mit Salz aus dem See zu füllen, wodurch der Schlamm unter der Salzkruste des Sees zu Tage kam. Andere nutzten diese Gelegenheit, um diesen Schlamm einzusammeln oder ihre Körper damit zu beschichten.

Lest auch auf Novastan: Kann sich das Schicksal des Aralsees am Balqash wiederholen?

Dieser Hype war Folge eines sich in den sozialen Medien verbreiteten Gerüchts, wonach das Salz des Kóbeıtuz viele heilende Eigenschaften habe und bei der Bekämpfung des Coronavirus helfen würde. Mancher sah darin eine Chance und bot in den sozialen Netzwerken Kóbeıtuz-Salz für 5.000 Tenge (10,30 Euro) pro Kilo zum Verkauf an.

Eine Gefahr für Umwelt und Gesundheit

Diese Verschmutzung mit Schwermetallen macht die ohnehin katastrophale Lage des Sees noch schlimmer. ExpertInnen erklärten gegenüber dem kasachstanischen Nachrichtenportal Holanews, dass der Kóbeıtuz 10 bis 15 Jahre brauchen werde, um sich von den Schäden zu erholen, die die BesucherInnen ihm zugefügt haben. Die Verschmutzung gefährdet aber auch die Bevölkerung. Das Umweltministerium hält es daher in seiner bereits erwähnten Pressemitteilung für notwendig, „angesichts der hohen Konzentration von Schwermetallen im See eine gründliche Untersuchung in Zusammenarbeit mit der Behörde für öffentliche Gesundheit durchzuführen, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten“.

Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter mit einem Klick.

Auch wenn der See seit dem 20. Juli für BesucherInnen gesperrt ist und ein Damm, sowie mobile Patrouillen rund um den See eingerichtet wurden, gelingt es einigen Personen immer noch, das Verbot zu umgehen und von den „Tugenden“ des Salzes und des Schlammes zu profitieren. So berichteten die Nachrichtenseiten Polisia und Informburo übereinstimmend, dass am 7. August ein Paar aus der Hauptstadt verhaftet wurde, als es im See badete und sich mit Schlamm beschmierte. Die beiden füllten auch viele Eimer mit Salz und Schlamm.

Das Paar hat damit nicht nur den Zustand des Ökosystems im See verschlechtert, sondern auch die eigene Gesundheit in Gefahr gebracht. Beide wurden wegen drei Straftaten verurteilt: Verletzung der Anforderungen des Quarantäneregimes, Verletzung der Regeln der Allgemeinen Wassernutzung und Verletzung des staatlichen Bodeneigentums. Die Behörden haben versucht, ein Exempel zu statuieren, in der Hoffnung, dass in der Folge andere dem Verbot nicht weiter trotzen werden.

Mélanie Retou, Redakteurin für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei Twitter, Facebook, Telegram, Linkedin oder Instagram. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem wöchentlichen Newsletter anmelden.

Jetzt Teilen:
% Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Captcha *