die petrochemische Anlage AZHS

Kasachstan: Vier Tote bei Unfall in petrochemischer Fabrik

Vier Mitarbeiter einer petrochemischen Fabrik in der Region Aqtóbe sind bei einem Unfall getötet worden. Drei leitende Angestellte der Fabrik wurden wegen Verletzung der Arbeitsschutzvorschriften festgenommen.

Vier Arbeiter der petrochemischen Anlage AZHS in der im Westen Kasachstans gelegenen Region Aqtóbe sind am 28. Mai bei einem Unfall an ihrem Arbeitsplatz getötet worden. Der Unfall ereignete sich am frühen Morgen in der Werkstatt Nr. 4. Die Polizei erhielt jedoch erst um 13:20 Uhr Ortszeit den ersten Alarm, berichtet das auf Zentralasien spezialisierte, russische Nachrichtenportal Fergana News.

Das kasachstanische Nachrichtenportal Tengrinews berichtet mit Verweis auf die Strafverfolgungsbehörden, dass die vier Arbeiter während einer Reinigungsaktion ein technisches Problem in einem 50-Kubikmeter-Tank fanden, welcher zuvor Hydroxyl enthielt. Sie stiegen dann in den besagten Behälter und wurden einige Zeit später tot aufgefunden. Todesursache sollen chemische Verbrennungen und Vergiftungen gewesen sein.

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Eine Untersuchung zur Klärung der Ursachen dieses Unfalls wurde sofort eingeleitet. Es scheint, dass die vier Opfer dazu gebracht worden wären, die Sicherheitsvorschriften zu verletzen. Zwei weitere Menschen, die bei demselben Unfall verletzt wurden, kamen laut einem Bericht des regionalen Nachrichtenportals Aktjubinskij Vestnik auf die Intensivstation. Sie sind die einzigen zwei Zeugen der Tragödie.

Das Unternehmen bezieht Stellung

Wie Fergana News berichtet, wurde die Fabrik 1957 gebaut und beschäftigt derzeit mehr als 2.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen produziert verschiedene chemische Verbindungen, die in der Textil -, Chemie -, Pharmazie -, Leder- und Pelzindustrie sowie im Maschinenbau, Instrumentenbau und bei der Pyrotechnik weit verbreitet sind.

Vertreter des Unternehmens behaupten, dass die Reinigung der Tanks ein regelmäßiges und einfaches Verfahren wäre. Die Mitarbeiter der Werkstatt, in der sich der Vorfall ereignete, gelten nach Angaben von Tengrinews als erfahren, sachkundig und sich strikt an die Disziplin haltend.

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„Fakt ist, dass die Arbeiter nicht erst gestern hier angefangen haben. Die Mitarbeiter haben Anweisungen und sie sind mit persönlicher Schutzausrüstung und Arbeitskleidung ausgestattet”, kommentierte Alexander Asyka, Leiter der Produktionsabteilung von AZHS, den Vorfall.

Die Fabrik hat sich unter anderem verpflichtet, die Beerdigung der Opfer mitzufinanzieren. “Die Anlage bietet finanzielle Unterstützung für die Organisation der Beerdigung. Alle fälligen Zahlungen werden ebenfalls geleistet. Darüber hinaus stellen wir 200.000 Tenge (445 Euro) für die Versorgung der Verletzten, die sich jetzt im Krankenhaus befinden, zur Verfügung”, erklärte Alexei Himich, der Direktor von AZHS.

Drei leitende Angestellte festgenommen

Fergana News berichtet mit Verweis auf die lokalen Behörden, dass der Leiter der Anlage, der Abteilungsleiter sowie der Chef der 4. Werkstatt nach dem Unfall in Untersuchungshaft genommen wurden. Ihre Namen sind nicht bekannt. Darüber hinaus wurden alle Unterlagen in Bezug auf die Sicherheitsvorschriften beschlagnahmt.

Gegen die Festgenommenen wurde ein Strafverfahren gemäß Artikel 156 Absatz 4 des Strafgesetzbuches der Republik Kasachstan eingeleitet (“Verletzung der Arbeitsschutzvorschriften, die zum Tod von zwei oder mehr Personen führt”). Laut dem russischen Auslandsmedium Sputnik drohen den drei Verantwortlichen bis zu sieben Jahre Berufsverbot oder sogar eine Freiheitsstrafe.

Tanguy Martignolles, Redakteur für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

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