Die Abgeordneten in Usbekistan haben ein Gesetz zur Änderung des auf dem lateinischen Alphabet basierenden usbekischen Alphabets verabschiedet und an den Senat weitergeleitet. Anstelle von 26 Buchstaben und drei Buchstabenkombinationen soll es künftig aus 28 Buchstaben und einem Apostroph bestehen. Der Gesetzentwurf wurde nicht zur öffentlichen Diskussion vorgelegt. Die erneute Reform des Alphabets ist Teil eines seit der Unabhängigkeit andauernden Prozesses der Latinisierung zentralasiatischer Sprachen, mit dem sich mehrere der ehemaligen Sowjetrepubliken von der kyrillischen Schrift abwenden.
Die Gesetzgebende Kammer des Oliy Majlis („Oberste Versammlung“, sprich das Parlament Usbekistans, Anm. d. Übers.) verabschiedete am 7. Juli in einer Plenarsitzung ein Gesetz zur Änderung des auf der lateinischen Schrift basierenden usbekischen Alphabets. Das Dokument wurde von den Abgeordneten in drei Lesungen ohne eine einzige Gegenstimme angenommen und an den Senat weitergeleitet.
Der Gesetzentwurf zur Alphabet-Reform war zuvor nicht zur Diskussion in der Allgemeinheit veröffentlicht worden, sondern direkt parlamentsintern abgesegnet.
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Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen – und von eurer Unterstützung!Vorgestellt wurde der Gesetzentwurf von Bahrom Abduhalimov, dem Vizepräsidenten der Akademie der Wissenschaften. Er erklärte, es gehe nicht um eine grundlegende Änderung des Alphabets, sondern um die Optimierung von vier „problematischen“ Buchstaben der aktuellen Version, konkret „O‘ o’“, „G‘ g’“, „Ch ch“ und „Sh sh“.
Die Änderungen sehen vor, dass das auf dem lateinischen Alphabet basierende usbekische Alphabet aus 28 Buchstaben und einem Apostroph bestehen wird – anstelle der derzeitigen 26 Buchstaben und drei Buchstabenverbindungen.

Den vorgeschlagenen Änderungen zufolge werden vier Buchstaben, die derzeit durch zwei Zeichen dargestellt werden, durch jeweils ein einzelnes Zeichen ersetzt. Vorgesehen ist die Verwendung von „Ş ş“ anstelle von „Sh sh“, „Ç ç“ anstelle von „Ch ch“, „Ö ö“ anstelle von „O‘ o’“ sowie „Ğ ğ“ anstelle von „G‘ g’“. Die übrigen Buchstaben des Alphabets bleiben unverändert.
Eine gesonderte Frage betrifft die Buchstabenkombination „ng“. Während der Entwurf aus dem Jahr 2021 noch 28 Buchstaben und eine Buchstabenkombination – nämlich „ng“ – vorsah, ist in dem von der Gesetzgebenden Kammer verabschiedeten Gesetzentwurf von 28 Buchstaben und einem Apostroph die Rede. Dies bedeutet wohl, dass „ng“ nicht mehr als eigenständige Buchstabenkombination Teil des Alphabets vorgesehen ist.
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Im Zuge der Erörterung unterbreiteten die Abgeordneten Vorschläge für eine schrittweise und effiziente praktische Umsetzung der neuen Bestimmungen. Insbesondere wurde vorgeschlagen, die Rechtsgültigkeit bereits ausgestellter Dokumente sowie der nationalen Währung und von Wertpapieren bis zum Inkrafttreten des Gesetzes aufrechtzuerhalten.
Weiter ist vorgesehen, dass offizielle Symbole, Beschilderungen, Wegweiser sowie sonstige Kennzeichen staatlicher Stellen und Organisationen bis zu einem festgelegten Zeitpunkt weiterverwendet werden dürfen.
Der verfolgte Ansatz solle den gleichzeitigen Austausch von Dokumenten, Formularen, Schildern, Wegweisern und anderen materiellen Informationsträgern, die von staatlichen Stellen und Organisationen verwendet werden, vermeiden. Dies soll dazu beitragen, ungerechtfertigte Ausgaben aus dem Staatshaushalt zu verhindern und die schrittweise Umsetzung der Änderungen finanziell tragbar zu gestalten.
Nach Ansicht der Abgeordneten soll die Verabschiedung des Gesetzentwurfs zur weiteren Optimierung des auf dem lateinischen Alphabet basierenden usbekischen Schriftsystems und der Rechtschreibregeln beitragen sowie die Anwendungsmöglichkeiten der Staatssprache und deren Digitalisierung erweitern.
Der Abgeordnete Saydullo Asimov erkundigte sich nach den Gründen für die Reform, deren verspäteter Umsetzung sowie den voraussichtlichen Kosten; daraufhin wies der Sprecher der Gesetzgebenden Kammer darauf hin, dass entsprechende Antworten bereits in den Fraktionen gegeben und den Abgeordneten ausgehändigt worden seien.
Alphabetreform über Alphabetreform
Im Jahr 2020 unterzeichnete Präsident Shavkat Mirziyoyev ein Dekret „Über Maßnahmen zur weiteren Entwicklung der usbekischen Sprache und zur Verbesserung der Sprachenpolitik im Land“. Im Jahr 2021 verabschiedete das Kabinett einen Beschluss „Über Maßnahmen zur schrittweisen und vollständigen Umstellung auf das usbekische Alphabet auf der Grundlage der lateinischen Schrift“. Diese Dokumente bildeten die Grundlage für die Optimierung des Alphabets. Zur Durchführung der Reform war eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden.
Im September 2023 stellte eine Arbeitsgruppe den Entwurf für ein neues Alphabet vor. Damals wurde vorgeschlagen, vier Buchstaben zu ändern: „O‘ o’“ sollte durch „Õ õ“ ersetzt werden, „G‘ g‘“ durch „Ğ ğ“, „Sh sh“ durch „Ş ş“ und „Ch ch“ durch „C c“.
Yorkin Odilov, Mitglied der Arbeitsgruppe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für usbekische Sprache, Literatur und Folklore, erklärte seinerzeit, dass der Austausch von „O‘ o’“ durch „Õ õ“ die visuelle Wahrnehmung des Buchstabens im Text erleichtern und die Zahl der Rechtschreibfehler verringern solle. Seinen Ausführungen zufolge liegt das Problem bei der aktuellen Schreibweise darin, dass für die Eingabe des Buchstabens über die Tastatur zwei Schritte erforderlich sind: das Drücken von „O o“ und eines Apostrophs. Dabei würden häufig unterschiedliche Arten von Apostrophen verwendet, was dazu führen könne, dass dasselbe Wort unterschiedlich geschrieben werde.
Auch Saida Mirziyoyeva hatte bereits auf dieses Problem hingewiesen und dabei das Wort „O‘zbekiston“ als Beispiel angeführt, das in der usbekischen Lateinschrift unterschiedlich geschrieben werden kann. Linguist:innen merkten an, dass das Wort durch den Apostroph optisch als in zwei Teile getrennt wahrgenommen werde.
Yorkin Odilov begründete den Austausch von „G‘ g’“ durch „Ğ ğ“ zudem mit der einfacheren Eingabe über die Tastatur. Als weiteres Argument wurde angeführt, dass diese Buchstabenform bereits in den Jahren 1993 bis 1995 verwendet worden war.
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Zur Wiedergabe des Lauts „tsch“ (vormals kyrillisch „ч“, Anm. d. Übers.) wurde vorgeschlagen, anstelle der Buchstabenkombination „Ch ch“ den Buchstaben „C c“ zu verwenden. Ein solcher Buchstabe war bereits im Zeitraum von 1929 bis 1940 Teil des Alphabets. Laut Odilov könnte diese Variante in der Öffentlichkeit auf größere Akzeptanz stoßen, da der Buchstabe „C c“ bereits in der aktuellen Schreibweise „Ch ch“ enthalten ist.
Für den Laut „sch“ (vormals kyrillisch „ш“, Anm. d. Übers.) schlägt das Gesetz ebenso vor, den Buchstaben „Ş ş“ anstelle von „Sh sh“ zu verwenden. Wie ein Vertreter der Arbeitsgruppe anmerkte, wurde dieses Zeichen – mit Ausnahme der derzeit gültigen Version – in allen früheren Varianten des lateinischen Alphabets zur Wiedergabe dieses Lauts genutzt; zudem ist es in den Schriftsystemen turksprachiger Völker gebräuchlich.
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Während sich die Schreibweise der turkmenischen Standardsprache bereits seit längerer Zeit stabilisiert hat und ein Wechsel von der kyrillischen zur lateinischen Schrift im Kirgisischen und Tadschikischen bislang nicht stattfand, sehen sich die Behörden in Kasachstan regelmäßig mit den Herausforderungen ebendieses Schriftwechsels konfrontiert. Zwar sollte die Umstellung über Jahre schrittweise geschehen, doch führen ressourcenbedingte Schwierigkeiten und immer wieder vorkommende Änderungen im kasachischen Alphabet (wie auch jetzt im usbekischen) dazu, dass sich dieser Wechsel nicht ganz so glatt gestaltet, wie ursprünglich erhofft.
War nach dem Zerfall der Sowjetunion die Initiative von der Türkei ergriffen worden, ein für alle Turksprachen gültiges Alphabet in Lateinschrift zu schaffen (einschließlich des Aserbaidschanischen, Kasachischen, Kirgisischen, Turkmenischen und Usbekischen), bleibt diese Initiative ein bislang nicht umgesetztes Großprojekt mit unvorhersehbarem Ausgang.
Gazeta.uz
Aus dem Russischen (und ergänzt) von Michèle Häfliger
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Abgeordnete einigen sich auf neues usbekisches Alphabet