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	<title>Tadschikistan Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Tadschikistan Archives</title>
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		<title>Nader Schah Afschar und Irans Einfluss auf Zentralasien vor 300 Jahren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jul 2026 19:18:48 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fragt man nach dem heutigen Einfluss des Iran auf Zentralasien, fällt die Antwort nüchtern aus: Er ist gering. Der anhaltende Konflikt zwischen dem Iran und den USA wirkt dabei als zusätzlicher Hemmfaktor. Auch das Erbe der historischen persischen Kultur ist zunehmend in den Hintergrund gerückt und spielt im Alltag der Menschen in Zentralasien kaum noch eine Rolle. Vor rund 300 Jahren stellte sich die Lage jedoch völlig anders dar. Damals stand Zentralasien kurz davor, Teil des Afschariden-Reichs zu werden. Die zentralasiatischen Staatsgebilde von Buchara und Chiwa wären fast gar zur persischen Provinz geworden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage spielt der Iran für die Staaten Zentralasiens keine besondere Rolle mehr. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Teheran">Teheran </a>hat erstaunlich wenig Einfluss auf Kirgistan, Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan – und das, obwohl die geografische Nähe eigentlich einen größeren Einfluss erwarten lässt. Auch der Handel und die Diplomatie mit dem Iran erhalten wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen ist der Iran ein Durchgangshub für die chinesische Handelspolitik. So war es aber nicht immer. Blickt man etwa 300 Jahre zurück, ins Jahr 1740, so hätte der persische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nader_Schah">Nader Schah Afschar</a> mit seiner 100 000-köpfigen Armee beinahe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro">Buchara</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Choresmien">Choresmien</a> – heutzutage wichtige Regionen Usbekistans – zu seinen Vasallenstaaten gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nader Schah Afschar aus der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Afschariden">Afschariden</a>-Dynastie, der sich vom mittellosen Hirten zum Eroberer Indiens und Bezwinger der Osmanen hochgearbeitet hatte, führte das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Perserreich">Perserreich</a> zu seiner früheren Größe aus der Zeit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Safawiden">Safawiden</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sassanidenreich">Sassaniden</a> zurück. Nicht nur wegen seines plötzlichen Todes, gelang es dem Schah nicht, in Zentralasien Fuß zu fassen. Die Bevölkerung der eroberten Gebiete erwies sich als so schwer zu beherrschen, dass der persische Herrscher weder die Zeit noch die Ressourcen hatte, sie in sein Reich zu integrieren. Dieser Feldzug [von 1740] war der letzte glanzvolle Höhepunkt der iranischen Macht in der Region. Mit der Ermordung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schah">Schahs</a> versank Persien in eine Ära des Chaos und verschaffte den zentralasiatischen Staaten Zeit für das Entstehen von neuen Herrscherdynastien.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Reich das von Krieg lebte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen Ende der 1730er Jahre vollendete Nader Schah Afschar die politische Vereinigung des Iran, indem er Gebiete mit überwiegend persischer Bevölkerung zurückeroberte, die in den 1720er Jahren im Zuge der afghanischen und osmanischen Invasionen verloren gegangen waren. Wichtige Provinzen kamen wieder unter einheitliche Kontrolle, doch die Wiederherstellung der Zentralgewalt war mit hohen Kosten verbunden. Ein Jahrzehnt der Besetzung durch afghanische und türkische Truppen hatte das Land verwüstet: Städte wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Isfahan">Isfahan</a>, das seinen Status als Hauptstadt verloren hatte, standen halb leer, und die ländlichen Gebiete waren teils entvölkert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/die-tschagataiden-brueder-die-die-steppe-zaehmen-wollten/"><strong>Die Tschagataiden: Brüder, die die Steppe zähmen wollten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der wirtschaftliche Niedergang, der bereits unter den Safawiden eingesetzt hatte, entwickelte sich zu einem völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch. Die landwirtschaftliche Produktion in den persischen Schlüsselregionen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fars">Fars</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Chorasan</a>, halbierte sich oder ging sogar noch stärker zurück: Es mangelte an Arbeitskraft für die Bewässerungssysteme und Kanäle, Bauern flohen vor den plündernden Truppen in die Berge. Das Handwerk in den persischen Handelszentren kam praktisch zum Erliegen. Der Karawanenhandel wiederum ging um etwa zwei Drittel zurück und der Seidenexport ins Osmanische Reich und nach Russland halbierte sich. […] Dies wirkte sich auf die Steuereinnahmen aus, die zunehmend sanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter diesen Umständen wurde die Armee des Schah mit einer Gesamtstärke von über 150.000 Mann im Grunde genommen zum einzigen Stabilitätsfaktor des Staates, der die Loyalität des Feudaladels garantierte. Der Unterhalt einer derart zahlreichen Streitmacht stellte jedoch eine schwere Belastung für die Staatskasse dar, zumal die persische Armee zu ihrer Zeit zu den fortschrittlichsten in Asien zählte. […]</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/fotoreise-durch-turkestan-ethnographischen-fotografien-des-19-und-20-jahrhunderts/"><strong>Fotoreise durch Turkestan: Ethnographische Fotografien des 19. und 20. Jahrhunderts</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Truppen regelmäßig Sold zu zahlen, erforderte allerdings ständige Einnahmen in die Staatskasse. Dies konnte die ruinierte Wirtschaft des persischen Reiches kaum gewährleisten Das Reich suchte deshalb nach neuen Einnahmequellen und hoffte auf erfolgreiche Gebietseroberungen: Tatsächlich brachte der Feldzug nach Indien im Frühjahr 1739 kolossale Kriegsbeute ein. […] Die wichtigsten Schätze des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mogulreich">Mogulreichs</a> wurden erbeutet, darunter wertvolle Edelsteine und Diamanten, Elefanten mit goldenem Geschirr, Tonnen von Elfenbein und indischen Stoffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hälfte der Beute floss in die Armee und die Flotte, unter anderem für den Kauf von Kanonen und Schießpulver bei den Niederländern. Der Rest diente der Befestigung von Chorasan als Brückenkopf für den Vorstoß nach Zentralasien. Denn, wie der Hofhistoriker Nadir Muhammad Kazim damals schrieb: <em>„Unter dem Einfluss seines unstillbaren Eroberungsdrangs hatte der siegreiche Herrscher bereits zu diesem Zeitpunkt beschlossen, dass er nach der Eroberung Indiens die Eroberung</em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Russische_Eroberung_Turkestans"><em> </em><em>Turkestans</em></a><em> in Angriff nehmen würde.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Chaos jenseits des Amudarja</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Iran wurde die politische Macht zunehmend konsolidiert. Demgegenüber herrschten in Zentralasien Kämpfe und Macht und Ressourcen verschiedener Stammesverbände und Feudalherren vor. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xiva">Chiwa</a> befanden sich kasachische Nomadenstämme (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCz">Jüz</a>), die nach dem Tod von <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tauke_Khan">Tauke-Khan</a> in eine Phase innerer Unruhen geraten waren. Die Destabilisierung, begleitet von ständigen Überfällen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dsungarisches_Khanat">Dschungaren</a>, verwandelte die unter den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timuriden">Timuriden </a>blühende Region in ein Schlachtfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Buchara stand <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Abu_al-Fayz_Khan">Abulfeiz-Khan</a> aus der Dynastie der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschaniden">Dschaniden </a>(auch: Astrachaniden), der seit 1711 formal regierte, unter der Kontrolle von Regenten, die weder den äußeren noch den inneren Herausforderungen gewachsen waren. In den 1720er Jahren fielen Kasachen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakalpakstan">Karakalpaken</a> und Kirgisen über <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transoxanien">Transoxanien</a> (auch: Mawara’annahr) her, die ihrerseits von den Dschungaren aus dem Osten bedrängt wurden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nach Aussage eines Zeitgenossen geschah nach ihrem Einfall Folgendes: <em>„Die einst so wunderschöne Region Buchara war so verarmt, dass sie auch später, als diese Katastrophe vorbei war und viele Jahre in Frieden vergangen waren, nie wieder so blühend wurde wie früher.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khan"> Khan</a> [Abulfeiz] hatte die Kontrolle über die Randgebiete verloren. Das Sagen hatten die eingewanderten Stämme und lokale Dynastien. Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mangit">Mangiten</a> und Kungraten bemühten sich fast jedes Jahr darum, die Kontrolle über die Zentralregierung zu erlangen. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschkent">Taschkent</a> wurde von den<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oiraten"> Oiraten </a>erobert. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Badachschan">Badachschan</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balch">Balkh</a> spalteten sich ab, und in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qo%CA%BBqon">Kokand</a> hatte der dortige herrschende Stamm bereits einen eigenen Staat gegründet. Die Wirtschaft des Khanats brach zusammen – das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serafschan">Serafschan-Tal</a> litt unter ständigen Dürren, die Bewässerungsarbeiten wurden aufgegeben, und der Seidenhandel mit Russland ging aufgrund der Expansion der Dschungaren um die Hälfte zurück. Die bucharische Armee jener Zeit bestand aus verstreuten Truppen nomadischer Stämme und taugte allenfalls für Überfälle auf die Nachbarn, aber keineswegs für einen richtigen Krieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/der-fall-von-buchara-und-das-schicksal-der-tadschikinnen-war-es-eine-revolution/"><strong>Der Fall von Buchara und das Schicksal der Tadschik:innen: War es eine Revolution?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von der traurigen Lage im Khanat zeugen insbesondere die Aufzeichnungen des im russischen Dienst stehenden Italieners Florio Beneveni, der sich von 1721 bis 1723 im Auftrag des russischen Zaren <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_der_Gro%C3%9Fe">Peter I.</a> in Transoxanien aufhielt. Der Reisende berichtet: <em>„Die Stadt [Buchara] war so sehr an Proviant und anderen Vorräten verarmt, dass das einfache Volk gezwungen war, seine Kinder zu verkaufen, um sich davon zu ernähren, während andere vor Hunger starben. Der Khan [Abulfeiz] selbst verlor mehr als die Hälfte seiner Kamele, Pferde und sonstigen Viehbestände und litt unter einem solchen Mangel an Proviant, da er sich scheute, Boten in seine Dörfer zu schicken, damit die restlichen Kamele nicht in die Hände der Usbeken fielen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Khanat von Chiwa unter <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilbars">Ilbars II.</a> (regierte dort seit 1728) befand sich dank seiner günstigen Lage in einer etwas besseren Position. Die Einfälle der Dschungaren erreichten sie zwar nicht vollständig, doch waren die lokalen Gemeinschaften aufgrund ständiger Überfälle der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turkmenen">Turkmenen</a> und Kämpfe zwischen Stämmen ebenfalls vollständig zersplittert. Die Kanäle der Chiwa-Oase verfielen, einzelne Gebiete fielen gänzlich aus dem Einflussbereich der Zentralmacht heraus. […]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu Buchara verfügte Chiwa jedoch trotz innerer Probleme über eine kampfstarke Armee. Sowohl Ilbars II. als auch sein Vorgänger <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shir_Ghazi_Khan">Shir Ghazi Khan</a> [Khan des Khanats Chiwa – Anm. der Red. von Novastan] plünderten regelmäßig sowohl die Gebiete Bucharas als auch die Randgebiete des persischen Reiches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Grunde genommen dienten diese Überfälle als formeller Vorwand für den Einmarsch Nader Schah Afschars in Zentralasien. Eine <a href="https://archive.org/details/dli.ernet.1439/page/177/mode/2up">britische Quelle</a> aus dem Jahr 1938 begründete den Feldzug der Perser gegen Buchara und Chiwa wie folgt: Die Perser wussten das Fehlen politischer Einheit in der Region für ihren Vorteil zu nutzen. Nader Schah Afschar wollte seine Macht auf die lokalen Khanate auszudehnen und die nördlichen Grenzen von Khorasan, die ständig von usbekischen und turkmenischen Stämmen verwüstet wurden, absichern. Gerichtet war das Unterfangen aber auch gegen die mögliche Ausdehnung des Russischen Zarenreiches, insbesondere in Chiwa.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Feldzug gegen Zentralasien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem also die Truppen von Ilbars II. in den Jahren 1734–1735 einen weiteren Überfall auf Choresmien unternommen hatten, nutzte Nader Schah Afschar die Feindseligkeiten zwischen den Turkmenen, die das Rückgrat der Armee von Chiwa bildeten, und ihren Nachbarn – den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurden">Kurden</a> und den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kadscharen">Kadscharen</a> – aus, um die persische Grenzstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Merw">Merw</a> zu unterwerfen und sie anschließend zu einem strategischen Hauptstützpunkt für Operationen im Norden und Osten auszubauen. Um seine Position in der Region zu festigen und deren Wirtschaft wiederzubeleben, ordnete der Schah an, alle, die sich ihm angeschlossen und unterworfen hatten, anschließend in ihre Heimat zurückzuschicken. [Dort sollten sie eine neue, ihm treue Ordnung erschaffen – Anm. der Red. von Novastan]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Hofhistoriker Muhammad Kazim zitiert folgende Worte Nadirs, die er an seine Soldaten gerichtet haben soll: <em>„An meiner Seite habt ihr euer Leben geopfert, eure Pflicht standhaft und aufrichtig erfüllt und eine wunderbare Treue bewiesen – jenseits aller Maßstäbe. In Anerkennung eurer Verdienste und eurer Freundschaft gegenüber unserer Dynastie schenke ich auch euch meine Gunst. Um euch vor weiteren Unglücksfällen in diesen unbekannten Ländern zu bewahren, schicke ich euch in eure geliebte Heimat, damit ihr dort, sobald ihr angekommen seid, als Erstes für die nötige Ordnung sorgt und euch um das Wohlergehen dieses Landes kümmert.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Feldzug gegen Indien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Knapp zwei Jahre später, im Jahr 1737, brach Nader Schah Afschar zum weiteren Feldzug an die Grenzen Indiens auf. Währenddessen erhielt er von seinem Sohn und Thronfolger Reza Kuli Mirza, der Statthalter in Chorasan geworden war, die Nachricht, dass in Chiwa eine neue Elite das Ruder ergriff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Worten des persischen Historikers <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mirza_Mehdi_Khan_Astarabadi">Mirza Mehdi Khan Astarabadi</a> aus dem 18. Jahrhundert: <em>„Ilbars-chan, der Herrscher von Choresmien, hielt, nachdem er von dem Feldzug Seiner Majestät nach Indien erfahren hatte, das Schlachtfeld für geräumt und stellte eine große Streitmacht aus Usbeken und choresmischen Turkmenen auf.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Reza Kuli Mirza wiederum sorgte unterdessen auf Befehl seines Vaters für Ordnung in der benachbarten Region<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balch_(Provinz)"> Balkh</a>. Mit seiner Überwachung wurde Nadirs alter Mitstreiter, der Feldherr <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tahmasp_Khan_Jalayer">Tahmasp Khan Jalayer</a>, betraut. Nachdem sie den Auftrag des Schahs erfüllt hatten, überquerten Reza Kuli Mirza und sein Mentor den Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>, zerschlugen die schwachen Posten von Buchara und zogen weiter nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qarshi">Qarshi</a>. Dort regierte ein Oberhaupt der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mangit">Mangyten</a> namens Ataliq Hakim-bi, einer der einflussreichsten Würdenträger des Khanats, der von <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Abu_al-Fayz_Khan">Abulfeiz-Khan</a> nach einem weiteren Streit zwischen den Stämmen aus Buchara verbannt worden war. Nachdem sie die strategische Initiative ergriffen hatten, besiegten die persischen Truppen die Armee von Ataliq Hakim-bi bei Qarshi und belagerten anschließend die Festung selbst. […]</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/zentralasien-um-1910-die-fotografien-sergej-prokudin-gorskijs/"><strong>Zentralasien um 1910: Die Fotografien Sergej Prokudin-Gorskijs</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Khan von Buchara, Abulfeiz-Khan, eilte den Belagerten mit einem großen Heer zu Hilfe. Doch die Perser schlugen ihn in der entscheidenden Schlacht. Bezeichnenderweise bat der Khan auf seinem Weg nach Qarshi Ilbars II. um militärische Unterstützung. Die Armee von Chiwa traf allerdings zu spät ein. Die Bucharier flohen bereits vom Schlachtfeld. Als Ilbars davon erfuhr, beschloss er, das nun schutzlos gewordene Buchara einzunehmen, verzichtete jedoch schließlich aufgrund der Nähe der Perser auf diesen Plan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der Erfolge von Reza Kuli-Mirza wurde der weitere Feldzug am rechten Ufer des Flusses Amudarja auf Befehl von Nader Schah Afschar gestoppt. Der Schah, der sich auf einen groß angelegten Einmarsch in Indien vorbereitete, war besorgt über den langwierigen Konflikt in Transoxanien und eine mögliche Niederlage seines Thronfolgers Reza Kuli Mirza.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Historiker nennen verschiedene Gründe für seine Entscheidung, den Feldzug [ins heutige Zentralasien] abzubrechen: die hohen Verluste der Perser in den bisherigen Kämpfen und die Herausforderung, Kriege an zwei Fronten zu führen. Der Schah entschied sich, vorübergehend Neutralität gegenüber Buchara zu wahren. Die Truppen von Reza Kuli Mirza hoben die Belagerung von Qarshi auf und zogen sich zurück.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schachmatt für Buchara</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 1740, nachdem er die Staatskasse mit Beute aus Indien gefüllt hatte, führte Nader Schah Afschar eine 100.000 Mann starke Armee zum Amudarja. […] Abulfeiz-Khan, der erkannte, dass er der Armee Nader Schah Afschars nichts entgegenzusetzen hatte, beauftragte den Anführer der Mangyten, Hakim-bi, mit den Persern zu verhandeln. Wie im Buch des bucharischen Historikers Muhammad Wafa-i Kerminegi vermerkt wird, sah der Fürst, der seit langem mit dem Khan verfeindet war und dessen Rache fürchtete, in Nader Schah Afschars Einfall eine Chance, das Kräfteverhältnis in Buchara grundlegend zu verändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Worten des Historikers Mirza Muhammad Abdalazim Sami Bustani aus dem späteren <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emirat_Buchara">Emirat Bukhara</a> aus dem 19. Jahrhundert: <em>„Atalyq Hakim-bi, der die ungebührlichen Handlungen des Khans satt hatte und von dessen unwürdigem Verhalten bedrückt war, suchte aus Angst vor der Hinrichtung ständig nach einer günstigen Gelegenheit. Die Ankunft von Nader Schah Afschars empfand er als Gnade des Himmels, schrieb dem Schah sogleich einen freundlichen und herzlichen Brief und bekundete seine Bereitschaft, ihm zu gehorchen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben dem Brief sandte der Anführer der Mangyten seinen Sohn mit kostbaren Geschenken und einer Einladung nach Buchara zu Nader Schah Afschar. Dieser nahm den Gast wohlwollend auf und verschaffte ihm einen Platz in seinem Umfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/der-letzte-kasachische-khan-leben-und-tod-von-kenesary-qasymuly/"><strong>Der letzte kasachische Khan: Leben und Tod von Kenesary Qasymūly</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst Anfang September überquerte der Schah mit seinen Hauptstreitkräften bei <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenabat">Tschardschou</a> (dem heutigen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenabat">Turkmenabad</a>) den Amudarja. Der verängstigte Abulfeiz-Khan entsandte Ataliq Hakim-Bi persönlich zum Schah. Bei einer Audienz bei Nader Schah Afschar schilderte er diesem offen die innere Krise des Khanats und bekundete seine persönliche Treue, wofür er vom Schah weitreichende Befugnisse als dessen Vertreter in Buchara erhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt weigerte sich Ataliq Hakim-bi jedoch, den Khan zu treffen, und verschanzte sich in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mir-Arab-Madrasa">Mir-Arab-Madrasa</a>. Über seine Anhänger begann er, Verwaltungsfunktionen an sich zu reißen und das Volk auf seine Seite zu ziehen. Dies steigerte seine Popularität sprunghaft, wurde am Hof jedoch als Auflehnung gewertet. Das Umfeld des Khans entwickelte einen Plan, den Ataliq Hakim-bi unter dem Deckmantel von Verhandlungen zu entführen und hinzurichten, doch dieser Plan scheiterte, und Abulfeiz-Khan war gezwungen, sich selbst zu Nader Schah Afschar zu begeben, um ihm seine Ehrerbietung zu erweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mirza_Mehdi_Khan_Astarabadi">Mirza Mehdi Khan Astarabadi</a> schreibt: <em>„Zusammen mit Ataliq Hakim-bi, den </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hodscha"><em>Hodschas</em></a><em> [den Adeligen – Anm. der Red. von Novastan] sowie den Stammesführern, den Feldherren, den Würdenträgern und dem gesamten Volk trat er ‚durch die Tür der Unterwerfung‘ ein, in der Hoffnung auf die Gnade des Schahs.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-veroeffentlicht-bilder-von-der-oeffnung-des-grabes-von-amir-temur/"><strong>Usbekistan veröffentlicht Bilder von der Öffnung des Grabes von Amir Temur</strong></a><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Abulfeyi-Khan überreichte dem Schah wertvolle Geschenke, zu denen laut dem iranischen Historiker Ahmad Panoh Simnoni „vier Spiegel von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timur">Amir Timur</a>“ und „das Gold von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschingis_Khan">Dschingis Khan</a>“ gehörten. In Folge des Treffens wurde Nader Schah Afschar als Oberherr des Khanats von Buchara ernannt, Abulfeiz-Khan wurde als nomineller Vasallenherrscher beibehalten, die tatsächliche Macht wurde jedoch an Ataliq Hakim-bi übertragen. […] Die Khan-Besitzungen am linken Ufer des Amudarja fielen an die Perser. Somit führte der Feldzug zur Errichtung eines Protektorats unter iranischer Hand und zum faktischen Ende der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschaniden">Dschaniden-Dynastie</a>, die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts in Buchara regiert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand">Samarkand</a> marschierte Nader Schah Afschars Heer kampflos ein. Aus der verblassten Hauptstadt des einstigen Reiches von Amir Timur, dem der Schah großen Respekt entgegenbrachte, verschleppten die Perser zahlreiche Artefakte aus der Zeit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timuriden">Timuriden</a>, darunter die verzierten Türen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bibichonim-Moschee">Bibichonim-Moschee</a>, Gold, Silber und Edelsteine sowie den Großteil der in der Stadt verbliebenen Architekten, Künstler und Gelehrten. Samarkand wurde endgültig zum Schatten seiner früheren Pracht. Der Legende nach hatte Nader Schah Afschar vor, das Grabmal Amir Timurs, das aus schwarzem Nephrit gemacht war, nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maschhad">Maschhad</a> zu bringen, um damit sein zukünftiges Grabmal zu schmücken. Doch unheilvolle Vorzeichen ließen ihn es sich anders überlegen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Chiwa zeigt die Zähne</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Noch während seines Aufenthalts in Buchara sandte Nader Schah Afschar seine Gesandten zu Ilbars II., damit dieser sich ihm als Vasall unterwerfe, und forderte zugleich die Auslieferung der turkmenischen Anführer, die Überfälle auf persische Gebiete verübten. Der Khan von Chiwa wies jedoch alle Forderungen des Schahs zurück und ließ dessen Gesandte hinrichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu seinem Konrahenten aus Buchara bereitete sich Ilbars ernsthaft auf den Krieg vor und mobilisierte alle ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen. Die erste große Schlacht gegen die Perser fand im Oktober 1740 in der Gegend von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenabat">Tschardschou</a> statt. Der Schah führte persönlich ein Regiment ausgewählter Kavallerie an, das die Reihen des Gegners durchbrach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Worten von Mirza Mehdi Khan Astarabadi: <em>„In einem gnadenlosen Angriff wurden sie [die Choresmier] besiegt und ergriffen die Flucht. Die Armee des Schahs nahm die Verfolgung auf. Bei vielen von ihnen ‚entbrannten die Reisigzweige und Dornen des irdischen Daseins durch die Hitze des funkelnden Schwertes‘, viele wurden von der Schlinge des Feindes umschlungen. Sowohl geköpfte Leichen als auch lebende Gefangene lagen in großer Zahl zu Füßen seiner Majestät.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die entscheidende Schlacht fand bei <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Pitnak">Pitnak</a> an der südlichen Grenze der Oase Choresmiens statt. Der Khan von Chiwa stellte ein 60.000 Mann starkes Heer auf, das sich aus turkmenischen (Jomuden) und usbekischen Truppen zusammensetzte. Unter dem Ansturm des zahlenmäßig überlegenen Gegners ordnete Ilbars seine Kampfformationen wiederholt neu und startete Gegenangriffe, erlitt jedoch jedes Mal eine Niederlage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich zog sich der Khan zurück […]. Von den Persern belagert, wehrte er eine Zeit lang alle Angriffe des Feindes ab, musste sich aber schließlich ergeben. Nadir ordnete an, sowohl Ilbars selbst als auch zwei Dutzend seiner Vertrauten hinzurichten. Einigen Quellen zufolge wurden ihnen die Köpfe abgeschlagen, anderen zufolge befahl der Schah, der die Rache an seinen Gesandten noch nicht vergessen hatte, die Gefangenen lebendig zu begraben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/zwischen-aralsee-und-kaspischem-meer-geschichte-und-archaeologie-turkmenistans/"><strong>Zwischen Aralsee und Kaspischem Meer: Geschichte und Archäologie Turkmenistans</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend zog Nader Schah Afschar feierlich in Chiwa ein und befreite 30.000 iranische und einige russische Sklaven aus der Knechtschaft […]. Plünderungen und Raubzüge unter seinen Kriegern unterband der Schah streng und bemühte sich im Allgemeinen auf jede erdenkliche Weise, die lokalen Völker für sich zu gewinnen […].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Aussage von Muhammad Kazim: <em>„Nader Schah Afschar zeigte seine königliche Fürsorge für die Gefangenen, verlieh ihnen Belohnungen, umschmeichelte und begünstigte sie, stärkte sie durch seine königliche Gunst und entließ sie gnädig, damit sie zu ihren Nomadenlagern zurückkehren und unter den Jomuden Ruhe stiften könnten, indem er ihnen Hoffnung durch den Hinweis auf die Gnade und Gunst des Schahs gab.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Statthalter in Chiwa ernannte der Schah einen Verwandten von Abulfeiz-Khan namens Tahir-Khan. Dem Khanat wurden Tributzahlungen sowie die Verpflichtung auferlegt, Hilfstruppen für die Armee des Schahs zu stellen. Nachdem er eine persische Garnison in der Stadt zurückgelassen hatte, kehrte der Schah nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Chorasan</a> zurück. Doch schon bald erhob der Adel von Chiwa einen Aufstand, Tahir-Khan wurde getötet und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Nuraly_Khan">Nuraly-Khan</a>, der Sohn des kasachischen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Abul_Khair_Khan">Abul Khair-Khan</a>, wurde auf den Thron gesetzt. Er regierte nur wenige Monate, bis die von Nader Schah Afschar entsandte Armee in Chiwa die Ordnung wiederherstellte und eine weitere Marionette der Perser zum Khan ernannte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Ende der Ära Nader Schah Afschars</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Feldzug von 1740, der unmittelbar auf die Eroberung Indiens folgte, markierte den Höhepunkt der iranischen Expansion und einen historischen Wendepunkt: Nie zuvor und nie danach dehnten persische Dynastien ihre Grenzen so weit nach Osten aus. Dennoch gelang es dem Schah nicht, die Grundlagen für die Verwaltung der eroberten Gebiete zu schaffen und die Khanate vollständig in sein Reich zu integrieren. Die weiteren Kriege des Schahs, die fast bis zu seinem Tod im Jahr 1747 geführt wurden, endeten bestenfalls ergebnislos und lenkten dabei die Aufmerksamkeit der Obrigkeit von administrativen und wirtschaftlichen Reformen ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br>Seine Versuche, Schiiten und Sunniten zu versöhnen, blieben erfolglos. Unmittelbar nachdem der Nader Schah Afschar von Aufständischen umgebracht worden war, brach sein Reich zusammen, und der einzige seiner Söhne, der das Werk seines Vaters wahrscheinlich erfolgreich hätte fortsetzen können war bereits 1741 auf Befehl Nader Schah Afschars von der Thronfolge ausgeschlossen worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/zentralasien-durch-die-linse-vonbehzod-boltayev/"><strong>Zentralasien durch die Linse von…Behzod Boltayev</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ataliq Hakim-bi, der die Herrschaft über Buchara innehatte, verstarb im Jahr 1743. Sein Sohn, der seine Ausbildung bei Nadir Schah Afschar absolviert hatte, vollendete das Werk seines Vaters und gründete die neue Herrscherdynastie der Mangyten. Ähnlich verhielt es sich in Chiwa: Kurz nach dem Tod des Schahs wurden seine Statthalter gestürzt und getötet, und eine lokale Dynastie, die Kungrat, kam an die Macht und festigte die Unabhängigkeit des Khanats.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kurzzeitige iranische Herrschaft hat mit Blick in die Geschichte auf paradoxe Weise das politische Feld geräumt. Der Adel in Zentralasien konnte dank dem Niedergang Nader Schah Afschars lokal neue Herrscherdynastien begründen und relativ stabile Staaten schaffen, die bis 1920 an der Macht blieben.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Pjotr Bologow für Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.agency/articles/145069/">Russischen</a> (gekürzt) von Berenika Zeller</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Große Nachbarn, große Ambitionen: Russland, China und der Iran und ihr Einfluss in Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jul 2026 18:47:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 28. April haben sich die Verteidigungsminister der Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit (SOZ) zu einem Gipfel in Bischkek getroffen. Dabei bot sich nicht nur f&#xFC;r die russischen und chinesischen Verteidigungsminister die Chance, ihren Anspruch auf Einfluss in Zentralasien zu best&#xE4;tigen, Auch der Iran nutzte die M&#xF6;glichkeit, sich als neuen sicherheitspolitischer Akteur in der Region zu [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am 28. April haben sich die Verteidigungsminister der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) zu einem Gipfel in Bischkek getroffen. Dabei bot sich nicht nur für die russischen und chinesischen Verteidigungsminister die Chance, ihren Anspruch auf Einfluss in Zentralasien zu bestätigen, Auch der Iran nutzte die Möglichkeit, sich als neuen sicherheitspolitischer Akteur in der Region zu präsentieren.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Schlüsselregion sowohl für Russland als auch für China ist Zentralasien schon lange hin- und hergerissen zwischen äußeren Akteuren. Vor diesem Hintergrund fand im April in Bischkek der Gipfel der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit">Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ)</a> statt, der von Russland und China dominierten Sicherheitsorganisation mit inzwischen zehn Mitgliedsstaaten. Diese Gelegenheit haben der russische und der chinesische Verteidigungsminister genutzt, um ihren Ambitionen in die Region zu bekräftigen und dabei implizit den amerikanischen und europäischen Einfluss zu kritisieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Russlands und Chinas Militärdominanz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Wir beobachten aufmerksam die Versuche auswärtiger Akteure, sich eine militärische und logistische Präsenz in Zentralasien zu sichern. Wir betrachten dies als inakzeptabel.&#8220;</em> <a href="https://ria.ru/20260428/rossija-2089373281.html?in=l">erklärte</a> der russische Verteidigungsminister Andrej Belousow trocken. Er bekräftigte damit, dass Russland jede militärische Partnerschaft zwischen einem Land, das nicht der SOZ angehört, und einem Land Zentralasiens ablehne. Die russische Regierung befürchtet bereits jetzt einen zu großen Einfluss des Auslands im Kaukasus und in Zentralasien.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Afghanistan bleibt weiter instabil. Das Land bleibt die wichtigste Quelle für transnationale Kriminalität und Terrorismus&#8220;</em>, fügte Belousow hinzu. Russland hatte bereits zuvor das von den Taliban regierte Land als größte Bedrohung für ein anderes Sicherheitsbündnis, die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_%C3%BCber_kollektive_Sicherheit">Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS)</a>, bezeichnet. Die OVKS, ein von Russland dominierter Zusammenschluss einiger Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, kündigte an, <a href="https://novastan.org/fr/decryptage/lotsc-lance-un-programme-de-livraison-darmes-au-tadjikistan/">militärisches Material in Afghanistans Nachbarland Tadschikistan zu liefern</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/riskante-zusammenarbeit-mit-china/"><strong>Riskante Zusammenarbeit mit China</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Als Vorbild für den Multilateralismus muss die SOZ mit Vehemenz die internationale Ordnung und miteinander Fairness und Gerechtigkeit verteidigen. Es ihre Aufgabe, gemeinsam Sicherheitszusammenarbeit zu fördern, die Quellen von Chaos und Konflikten durch eine gemeinsame Entwicklung zu eliminieren, und zur „Stärke der SOZ“ für nachhaltigen Frieden beizutragen“,</em> <a href="https://english.news.cn/20260429/4feda14118b649278a996feae66233d1/c.html">erklärte</a> deutlich nüchterner der chinesische Verteidigungsminister. Über diese Worte hinaus hüteten sich chinesische Regierungsvertreter:innen – ganz im Einklang mit ihrer Doktrin der diplomatischen Neutralität – vor jeder weiteren Verschärfung im Dialog. Sie schlossen sich damit der russischen Position einer rein regional definierten Sicherheit und Verteidigung an.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Iran als regionaler Sicherheitsakteur in Zentralasien?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der Iran, selbst erst seit 2023 Mitglied der SOZ, zeigte sein Interesse, in Zentralasien eine stärkere Position zu entwickeln. <em>&#8222;Die Islamische Republik Iran ist bereit, ihre Fähigkeiten in den Bereichen Bewaffnung und Verteidigung mit unabhängigen Ländern zu teilen, insbesondere mit den Mitgliedsstaaten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit&#8220;</em>, <a href="https://en.mehrnews.com/news/244046/SCO-symbol-of-desire-of-nations-to-pass-through-unipolarity">erklärte</a> der stellvertretende Verteidigungsminister <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Reza_Talaei-Nik">Reza Talaei-Nik</a>. <em>&#8222;Teheran ist bereit, seine Erfahrung aus der Konfrontation mit den Vereinigten Staaten mit den anderen Staaten der SOZ zu teilen&#8220;</em>, verdeutlichte er das Ziel des Irans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Land versucht, Kapital aus seinem Widerstand im Krieg gegen die USA und Israel seit dem 28. Februar zu schlagen. In Zentralasien scheint das möglich, ist doch von den zentralasiatischen Staaten bislang nur Tadschikistan ein militärischer Partner des Irans. In dem Land soll sich seit 2022 angeblich eine <a href="https://www.rferl.org/a/iran-drones-tajikistan-afghanistan-kyrgyzstan/31865830.html">Fabrik für die Montage von iranischen Ababil-2 Dronen</a> befinden. Von dieser militärischen Infrastruktur findet sich jedoch, <a href="https://www.rferl.org/a/iran-tajikistan-drone-factory-mystery-/33719984.html">wie es Radio Free Europe im März berichtete</a>, bislang keine Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/von-teheran-nach-duschanbe-tadschikistan-und-iran-verstaerken-bilaterale-zusammenarbeit/"><strong>Von Teheran nach Duschanbe: Tadschikistan und Iran verstärken bilaterale Zusammenarbeit</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorkriegssituation war für den Iran also wenig aussichtsreich für eine offizielle Annäherung mit den Staaten Zentralasiens. Mit seinen Erfahrungen in der Luftabwehr, den Angriffen mit unbemannten Dronen sowie der asymmetrische Seekriegsführung, die auf einer &#8222;Moskito-Flotte&#8220; aus Schnellbooten beruht, versucht der Iran dagegen nun bei den Ländern Zentralasiens zu profitieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie weiter mit der multivektoriellen Außenpolitik?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gipfel in Bischkek zeigt damit klar die Herausforderungen, denen die multivektorielle Außenpolitik der zentralasiatischen Staaten ausgesetzt ist, an der diese jedoch vehement festhalten. Trotz ihrer Bestrebungen um gute Beziehungen mit allen internationalen Organisationen gewinnt ihre Einbindung in von Russland und China dominierten Institutionen die Oberhand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Möglichkeiten der zentralasiatischen Länder sind beschränkt. Eine Annäherung mit dem Iran würde zu amerikanischen und israelischen Sanktionen führen und auch die Europäische Union sanktioniert den Iran. Zudem könnte jede Partnerschaft als Versuch gesehen werden, Russland, das weiter seinen Krieg gegen die Ukraine führt, mit zivilen oder militärischen Gütern zu beliefern. Das Risiko, dass die Europäische Union ihre zukünftigen Sanktionspakete erweitern und verschärfen könnte, ist in diesem Szenario nicht ausgeschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/die-europaeische-union-ueberdenkt-ihre-zentralasien-strategie/"><strong>Die Europäische Union überdenkt ihre Zentralasien-Strategie</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einstufung Afghanistans als vorrangige Bedrohung für die SOZ und die andauernde Krise im Nahen Osten verstärken also die sicherheitspolitische Abhängigkeit, während die Alternativen zunehmend schwinden.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lenny Cabrol Noto für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/decryptage/russie-chine-iran-reaffirment-leurs-ambitions-sur-lasie-centrale-lors-dun-sommet-de-bichkek/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Simon Schulz</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Kleiner Reiseführer durch Berg-Badachschan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 18:25:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Berg-Badachschan]]></category>
		<category><![CDATA[Murghob]]></category>
		<category><![CDATA[Pamir]]></category>
		<category><![CDATA[Pamir Highway]]></category>
		<category><![CDATA[Pik Lenin]]></category>
		<category><![CDATA[Sares]]></category>
		<category><![CDATA[Tourismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Autonome Provinz Berg-Badachschan ist fl&#xE4;chenm&#xE4;&#xDF;ig die gr&#xF6;&#xDF;te Region Tadschikistans. Sie ist eine majest&#xE4;tische Landschaft, in der sich mit dem Pamir eines der bedeutendsten Gebirgssysteme der Erde befindet. Unser Partnermedium Asia-Plus stellt die wichtigsten touristischen &#x201E;Hotspots&#x201C; Berg-Badachschans vor. Berg-Badachschan ist ein einzigartiges geografisches Mosaik: Die vielf&#xE4;ltigen Landschaften der Bezirke Darwos, Wandsch, Ruschon, Ischkoschim und Murghob [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Autonome Provinz Berg-Badachschan ist flächenmäßig die größte Region Tadschikistans. Sie ist eine majestätische Landschaft, in der sich mit dem Pamir eines der bedeutendsten Gebirgssysteme der Erde befindet. Unser Partnermedium Asia-Plus stellt die wichtigsten touristischen „Hotspots“ Berg-Badachschans vor.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Berg-Badachschan</a> ist ein einzigartiges geografisches Mosaik: Die vielfältigen Landschaften der Bezirke <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Darvoz_District">Darwos</a>, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Vanj_District">Wandsch</a>, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Rushon_District">Ruschon</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ischkoschim">Ischkoschim</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murghob">Murghob</a> können selbst den erfahrensten Reisenden in Staunen versetzen. Abenteurer:innen, Outdoor-Begeisterte und Bergliebhaber:innen gleichermaßen kommen in den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)">Pamir</a>, um schneebedeckte Gipfel und außergewöhnliche Seen zu bestaunen, die klare Bergluft zu atmen und die wahre Stille der Natur zu erleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Berg-Badachschan fasziniert nicht nur durch seine natürliche Schönheit, sondern auch durch seine ethnische Vielfalt. In jedem Bezirk sind Gemeinschaften mit einzigartigen Sprachen und uralten Traditionen zu Hause, und die Gastfreundschaft der einheimischen Bergbevölkerung wärmt Reisende besser als die heißeste Sonne. Hier sind die Orte in der Region, die man unbedingt besuchen sollte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Pamir-Highway</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir beginnen mit dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_Highway">Pamir-Highway</a> – der Lebensader der Region und einer ihrer wichtigsten Attraktionen. Er zählt zu den landschaftlich reizvollsten und zugleich extremsten Fernstraßen der Welt und schlängelt sich durch Täler und Schluchten, durch „Marslandschaften“ und Gebirgswüsten. Im Jahr 2020 wurde der Pamir-Highway zu einer der zehn schönsten Straßen der Welt gekürt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/die-sackgasse-leben-am-pamir-highway/"><strong>Die Sackgasse – Leben am Pamir Highway</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Pamir-Highway wird die rund 700 Kilometer lange Straße bezeichnet, die von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorugh">Chorugh</a>, der Hauptstadt der Provinz, bis nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osch">Osch</a> in Kirgistan verläuft. Es gibt jedoch auch das Konzept des „Großen Pamir-Highways“ mit einer Länge von etwa 1.300 Kilometern; dieser beginnt in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duschanbe">Duschanbe</a>, führt über <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kulob">Kulob</a> zum Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pandsch">Pjandsch</a> und folgt dessen Verlauf über Chorugh bis nach Osch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Fahrt auf dieser Straße ist für viele Roadtrip-Fans ein lang gehegter Traum. Die Route führt durch Höhenlagen von 900 Metern bis hinauf zum höchsten Punkt auf 4.655 Metern am Chuschang-Pass (Ak-Baital-Pass). Stundenlange Fahrten über steinige Pisten und kurvenreiche Serpentinen erfordern zwar Ausdauer, doch das Erlebnis lohnt sich – dank der einzigartigen Atmosphäre echten Abenteuers und der Gelegenheit, in eine atemberaubende Berglandschaft einzutauchen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1.jpg" alt="" class="wp-image-45009" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Auf dem Pamir Highway, Photo: © 2023 Matthieu Audiffret</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wichtig: Für Berg-Badachschan gelten besondere Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen. Ausländer:innen benötigen für einen Besuch der Region eine Sondergenehmigung. Diese kann man bei der Beantragung eines E-Visums auf <a href="https://www.evisa.tj/index.evisa.html#/apply">evisa.tj</a> erhalten, indem man die Option „GBAO permit“ auswählt. Der Service kostet zusätzlich zur Visumgebühr 20 US-Dollar. Wer bereits über ein Visum verfügt oder aus einem von der Visumpflicht befreiten Land stammt, kann die Genehmigung beim Pass- und Registrierungsdienst des tadschikischen Innenministeriums in Duschanbe oder Chorugh beantragen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Karon – das „Machu Picchu des Pamir“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Tor zu Berg-Badachschan ist der Bezirk Darwos, dessen Name sinngemäß „Tor“ bedeutet. Nur wenige Kilometer vom Bezirkszentrum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qalai_Chumb">Qalai Chumb</a> entfernt liegt Karon – eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der Neuzeit. Die auf 2.000 Metern Höhe gelegene antike Stadt wird oft als das „Machu Picchu Tadschikistans“ bezeichnet.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Karon wurde erst im Jahr 2012 entdeckt. Wie ihr peruanisches Pendant ist auch Karon von Geheimnissen umgeben. Die vor rund 4.000 Jahren gegründete Stadt verfügte über eine hochentwickelte Infrastruktur: Man entdeckte dort Feuertempel, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus">zoroastrische</a> Heiligtümer, eine Sternwarte und sogar ein riesiges Polo-Stadion, das Platz für 10.000 Zuschauer bot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 15. Jahrhundert kam das Leben hier jedoch abrupt zum Erliegen: Die Einwohner:innen verließen ihre Häuser auf geordnete Weise und nahmen all ihr Hab und Gut mit – die Gründe dafür bleiben bis heute ein Rätsel. Wer durch die gepflasterten Gassen von Karon schlendert, kann nicht anders, als die handwerkliche Kunst jener Baumeister zu bewundern, die an einem derart unzugänglichen Ort eine bedeutende Stadt errichteten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Chorugh – das Herz der Region und sein botanischer Garten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Chorugh, die Hauptstadt Berg-Badachschans, zieht Besucher:innen mit unverwechselbarer Kultur, der gemütlichen Atmosphäre engen Gassen und dem Rauschen des Flusses <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gunt">Gunt</a> an. Die Fahrt dorthin von Duschanbe aus dauert etwa 12 bis 13 Stunden. Die Stadt verfügt über einen Flughafen, doch Flüge von der Hauptstadt aus finden aufgrund des unberechenbaren Gebirgswetters nur unregelmäßig statt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Kultur der Berg-Badachschans wirklich zu erleben, sollte man ein traditionelles Pamir-Haus – ein sogenanntes Chid – besuchen. Die Architektur des Hauses ist tief symbolträchtig: Es hat ein Flachdach mit einem vierstufigen Oberlicht (Tschorchona), das die vier Elemente Erde, Luft, Feuer und Wasser versinnbildlicht. Außerdem verfügt es über fünf Säulen, die für Schlüsselfiguren des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ismailiten">Ismailismus</a> stehen. Auf diese Weise verbindet das Haus zoroastrische und islamische spirituelle Traditionen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-45008" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens-1536x1152.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens.jpg 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Blick vom Botanischen Garten auf Chorugh, Photo: Zack Knowles via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Pamirische Botanische Garten – der höchstgelege im postsowjetischen Raum – erstreckt sich oberhalb der Stadt auf einer Höhe von über 2.300 Metern. Hier sind Tausende von Pflanzenarten aus allen Kontinenten versammelt. Die Terrassen des Gartens bieten einen atemberaubenden Panoramablick auf die gesamte Stadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Chorog lohnt sich auch ein Besuch des Museums für Geschichte und Heimatkunde. Zu den Exponaten gehört ein antikes Klavier, das russische Soldaten 1914 von Osch aus von Hand über Gebirgspässe trugen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Festungen Kach-Kacha und Jamtschun: Wächter der Seidenstraße</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa 15 Kilometer von der Siedlung Ischkoschim entfernt befindet sich eines der historischen Wahrzeichen der Region: die Festung Kach-Kacha. Die sich über eine Fläche von 700 mal 220 Metern erstreckende Festung thront auf einem Hügel im Tal des Flusses Pjandsch und stammt aus der Zeit des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kuschana">Kuschan</a>-Reiches (1.–2. Jahrhundert). Der Legende nach verdankt sie ihren Namen dem damaligen lokalen Herrscher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die aus Lehmziegeln errichtete Anlage Kach-Kacha umfasst rund 50 runde und quadratische Türme. Obwohl von dieser gewaltigen Festung nur noch Ruinen erhalten sind, lassen sie erkennen, dass es sich einst um eine imposante Befestigungsanlage handelte. Heute dient der östliche Teil der Festung als Grenzposten: der Zugang ist hier beschränkt, und das Fotografieren ist streng untersagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die auf einer Höhe von 3000 Metern gelegene Festung Jamtschun bietet einen noch imposanteren Anblick. Sie wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. gegründet – also noch vor Kach-Kacha – und gilt als Meisterwerk antiker Ingenieurskunst. Um sie zu erreichen, muss man von der Hauptstraße abbiegen und einen Serpentinenweg hinaufsteigen. Von ihren Mauern aus eröffnet sich ein herrlicher Panoramablick auf das Tal.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="768" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1021-min-scaled-1-768x576-1.jpg" alt="" class="wp-image-45007" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1021-min-scaled-1-768x576-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1021-min-scaled-1-768x576-1-300x225.jpg 300w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jamtschun, Photo: Paulinon Vanackere/Novastan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Einst erstreckte sich die Festung über gewaltige 75 Hektar, doch lediglich die obere Bastion ist bis heute erhalten geblieben. Auch wenn der Zahn der Zeit allmählich an den Steintürmen nagt und raue Winde die Zinnen abtragen, bleibt Jamtschun ein lebendiges Zeugnis der Geschichte der Seidenstraße, das aus 400 Metern Höhe still auf das Tal hinabblickt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere imposante Festung – Qalai-Wamar – befindet sich im Bezirk Ruschon, ebenfalls direkt am Ufer des Pjandsch. Qalai-Wamar liegt auf einer Ebene an der Mündung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bartang">Bartang</a> in den Pjandsch, unmittelbar an der Grenze zu Afghanistan. Im Gegensatz zu vielen anderen Ruinen im Pamir ist Qalai-Wamar bemerkenswert gut erhalten; die Mauern stehen noch heute.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die buddhistische Stupa von Wrang</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der faszinierendsten Sehenswürdigkeiten im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wachandarja">Wachan</a>-Tal ist die buddhistische Stupa, die auf einem Felsvorsprung nahe dem Dorf Wrang thront. Dieses Monument der antiken Seidenstraße liegt auf einer Höhe von 2.805 Metern, etwa 90 Kilometer von Ischkoschim entfernt. Der Weg dorthin führt entlang des Pjandsch und vorbei an Festungen aus der Zeit der Kuschana sowie an zoroastrischen Heiligtümern, wodurch der Reisende unmittelbar in die jahrhundertealte Geschichte der Region eintaucht.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-45006" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Stupa von Wrang, Photo: Kondephy via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Architektur dieses religiösen Bauwerks ist einzigartig im Pamir: Es handelt sich um eine Stufenpyramide aus fünf rechteckigen Ebenen, die optisch an eine Himmelsleiter erinnert. Die Tempelplattform bietet einen Panoramablick auf das Tal, in dem sich – wie auf einer Landkarte ausgebreitet – die tadschikischen und afghanischen Dörfer auf beiden Seiten des Flusses deutlich abzeichnen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Heilquellen Garm Tschaschma und Bibi Fatima</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Pamir gibt es eine Fülle heißer Quellen; die bekannteste unter ihnen ist Garm Tschaschma – das bedeutendste balneologische Zentrum der Region. Der gleichnamige Kurort liegt 35 Kilometer von Chorugh entfernt auf einer Höhe von 2.842 Metern. Die Quelle ist berühmt für ihre strahlend weißen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Travertin">Travertin</a>-Kaskaden, die sich im Laufe von Jahrtausenden gebildet haben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1104-min-scaled-1-768x576-1.jpg" alt="" class="wp-image-45005" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1104-min-scaled-1-768x576-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1104-min-scaled-1-768x576-1-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption">Garm Tschaschma, Photo: Paulinon Vanackere/Novastan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wasser hier ist reich an Schwefel, Silizium und Magnesium und eignet sich daher hervorragend zur Behandlung von Herz-Kreislauf-, Haut- und Gelenkerkrankungen. Garm Tschaschma heilt nicht nur den Körper, sondern bietet auch ästhetischen Genuss. Eine moderne Infrastruktur, einschließlich Hotels und Restaurants, sorgt zu jeder Jahreszeit für einen angenehmen Aufenthalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/in-den-heissen-quellen-des-pamirs/"><strong>In den heißen Quellen des Pamirs</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tief im Wachan-Tal, nahe der Festung Jamtschun, befindet sich eine weitere legendäre Quelle: Bibi Fatima. Hier sprudelt kristallklares Wasser direkt aus Felsspalten hervor. Einheimische und Pilger:innen verehren diesen Ort als heilig und bringen ihn mit der Tochter des Propheten Mohammed in Verbindung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Bartang-Tal: Auf der Suche nach unberührter Schönheit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bartang-Tal ist ein Reiseziel für alle, die das authentische, unberührte Pamir-Gebirge suchen. Auf einer Höhe von bis zu 3.500 Metern zwischen den Gebirgszügen Jasgulam und Ruschon eingebettet, erstreckt sich das Tal vom Zentrum des Bezirks Ruschon bis zur Grenze nach Murghob. Der Bartang – ein rechter Nebenfluss des Pjandsch – entspringt am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saressee">Saressee</a> und durchzieht das gesamte Tal von Ost nach West.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die einheimische Bevölkerung bewahrt sich eine traditionelle Lebensweise und gibt die Weisheit ihrer Vorfahren von Generation zu Generation weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/langar-steinzeitliche-petroglyphen-im-pamir/"><strong>Langar – steinzeitliche Petroglyphen im Pamir</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Strecke nach Bartang gilt als eine der anspruchsvollsten im Pamir: Die schmale Straße, die das Tal mit dem Pamir-Highway verbindet, ist aufgrund von Lawinen, Steinschlägen, Schlammlawinen oder Hochwasser häufig gesperrt. Doch gerade hier – fernab der Zivilisation – lässt sich eine tiefe Verbundenheit mit der Natur wahrhaft erleben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Saressee</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der berühmte Saressee – bekannt als der „schlafende Drache“ Zentralasiens – liegt ebenfalls an der Grenze zwischen den Bezirken Ruschon und Murghob in Berg-Badachschan. Dieser einzigartige See entstand im Jahr 1911 nach einem schweren Erdbeben, das einen gewaltigen Felssturz auslöste. Dieser bildete den Usoj-Damm und staute den Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murgab_(Bartang)">Murghob</a> auf. Der See erstreckt sich über eine Länge von bis zu 70 Kilometern und erreicht eine maximale Tiefe von 500 Metern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/die-geheimnisse-der-seen-im-pamir/"><strong>Die Geheimnisse der Seen im Pamir</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Straße endet im Dorf Bartschidew, von dort aus man etwa 9 bis 10 Stunden lang am Fluss Murghob entlangwandern und dabei steile Anstiege bewältigen muss, um den See zu erreichen. Die Wanderung zum gewaltigen Usoj-Damm und der Anblick des tiefblauen Wassers des Saressees gehören zu den tiefgreifendsten Erlebnissen, die die Wildnis einem Menschen vermitteln kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wichtig: Für einen Besuch des Saressees ist neben einer Einreisegenehmigung für Berg-Badachschan auch die Zustimmung des tadschikischen Komitees für Notsituationen erforderlich.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Östlicher Pamir: Das fantastische Murghob</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der östliche Pamir empfängt Reisende mit wahrhaft außerirdisch anmutenden Landschaften. Der Bezirk Murghob ist eine Welt aus kalten Seen, kargen Hochebenen und einer Stille, die man körperlich spüren kann. Hier, auf einer Höhe von über 3.500 Metern, hat man das Gefühl, der Himmel sei näher gerückt und die Luft klarer geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein wahres Juwel der Region ist der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakul_(Tadschikistan)">Karakul</a> – der größte See Tadschikistans, dessen Name „Schwarzer See“ bedeutet. Er liegt in einem Krater, der durch einen Meteoriteneinschlag entstanden ist. Sein salzhaltiges Wasser wechselt die Farbe von Azurblau bis hin zu einem tiefen Blauschwarz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/willkommen-auf-dem-mars-die-region-murghab-in-tadschikistan/"><strong>Willkommen auf dem Mars: Die Region Murghab in Tadschikistan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenso prächtig sind die benachbarten Süßwasserseen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jaschilkul">Jaschilkul</a> („Grüner See“) und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bulunkul">Bulunkul</a>, die für ihre spiegelglatten Oberflächen und ihren Forellenreichtum bekannt sind. Und an der Grenze der Bezirke Ischkoschim und Murghob liegt der See <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zorkulsee">Sorkul</a>, die Quelle des Pamir-Flusses – eines der Quellflüsse des mächtigen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Hauptort des Bezirks ist Murghob, die höchstgelegene Siedlung der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_Unabh%C3%A4ngiger_Staaten">GUS</a> (3.600 m). Ein Besuch des örtlichen Basars – der in Schiffscontainern untergebracht ist – ist ein Muss; dort findet man alles, von Ersatzteilen bis hin zu Produkten aus Yakwolle. In der Umgebung kann man uralte Felszeichnungen entdecken, den lokalen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kumys">Kumys</a> probieren, echte Yaks sehen und sich fühlen, als wäre man am Ende der Welt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-45004" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan-1536x1152.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Markt in Murghob, Photo: Papouten via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Schorbulak-Observatorium befindet sich bei Murghob auf einer Höhe von 4.350 Metern und gilt als eine der höchstgelegenen astronomischen Stationen der Welt. Einst diente dieses Observatorium als Außenposten für die Erforschung des Weltraums und der Infrarotstrahlung – ein Standort, der aufgrund seiner außergewöhnlich klaren und trockenen Luft gewählt worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Station ist derzeit außer Betrieb und besteht aus einem Komplex verlassener Gebäude sowie alten Teleskopen. Trotz ihres verwahrlosten Zustands lohnt sich die Anreise aufgrund der mystischen Atmosphäre und der unglaublichen Aussicht auf die 7.000 Meter hohen Gipfel <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Muztagata">Muztagh Ata</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kongur">Kongur</a> in der chinesischen Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Xinjiang</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Bergsteigen im Pamir: Nur die Sterne sind höher</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Bergsteiger:innen stellt der Pamir die ultimative Herausforderung dar. Die Region beherbergt drei legendäre Siebentausender: den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pik_Ismail_Samani">Pik Ismoil Somoni</a> (7.495 m), den Pik Lenin (7.134 m – in Tadschikistan heute als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pik_Ibn_Sina">Pik ibn-Sina</a> bekannt) und den Pik Korschenewskaja (7.105 m – heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pik_Osodij">Pik Ozodi</a>) sowie zahlreiche weitere Gipfel, die sich über 6.000 Meter über dem Meeresspiegel erheben. Es ist eine Welt extremer Höhen, die nicht nur körperliche Kraft und Ausdauer, sondern auch enormen Mut erfordert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="864" height="648" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Pik_Lenin_from_Sary-Mogol.jpg" alt="" class="wp-image-45003" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Pik_Lenin_from_Sary-Mogol.jpg 864w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Pik_Lenin_from_Sary-Mogol-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Pik_Lenin_from_Sary-Mogol-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 864px) 100vw, 864px" /><figcaption class="wp-element-caption">Blick auf den Pik Lenin (Pik ib-Sina), Photo: Betta27 via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Jeder Aufstieg im Pamir ist eine ernsthafte, mehrtägige Expedition für all jene, die bereit sind, sich den Elementen zu stellen. Der Weg zu den Gipfeln beginnt in Basislagern, die ausschließlich per Hubschrauber erreichbar sind – wie etwa auf der berühmten Moskwin-Lichtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Raues Wetter – stürmische Winde, plötzliche Schneestürme und tückische Gletscherspalten – machen den Pamir zu einer Schule des Überlebens. Doch die Belohnung für die Bewältigung dieser Herausforderungen ist der Ausblick vom „Dach der Welt“: Die Wolken liegen weit unter einem, und der Horizont umfasst gleich mehrere gewaltige Gebirgssysteme.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/wie-ein-russischer-bergsteiger-neue-pamir-gebirgszuege-entdeckt/"><strong>Wie ein russischer Bergsteiger neue Pamir-Gebirgszüge entdeckt</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Berg-Badachschan ist ein Land voller eindrucksvoller Kontraste, in dem eisige Gipfel neben der lebensspendenden Kraft kristallklarer Gewässer aufragen. Der Pamir offenbart sich jedem auf einzigartige Weise und hinterlässt doch stets einen tiefen Eindruck im Herzen all jener, die sich auf diese Reise begeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kontaktdaten von Reiseanbietern befinden sich unter dem </em><a href="https://asiaplus.news/2026/03/03/pamirskij-trakt-tadzhikskij-machu-pikchu-ispyashchij-drakon-polnyj-putevoditel-po-gornomu-badakhshan/"><em>Originalartikel</em></a><em>.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://asiaplus.news/2026/03/03/pamirskij-trakt-tadzhikskij-machu-pikchu-ispyashchij-drakon-polnyj-putevoditel-po-gornomu-badakhshan/"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Politisches Oberhaupt Berg-Badachschans bei Autounfall gestorben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2026 20:57:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Alischer Mirsonabot]]></category>
		<category><![CDATA[Berg-Badachschan]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Unfall]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach dem Tod von Alischer Mirsonabot gehen die Einsch&#xE4;tzungen seiner Amtszeit weit auseinander. Am 17. Juni 2026 ist der Verwaltungschef der tadschikischen Autonomen Provinz Berg-Badachschan, Alischer Mirsonabot, bei einem Autounfall im Bezirk Darwoz ums Leben gekommen. Sein Dienstfahrzeug st&#xFC;rzte in den Grenzfluss Pandsch. Mit ihm verungl&#xFC;ckten seine Frau, seine zweij&#xE4;hrige Tochter, sein Assistent und sein [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nach dem Tod von Alischer Mirsonabot gehen die Einschätzungen seiner Amtszeit weit auseinander.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 17. Juni 2026 ist der Verwaltungschef der tadschikischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Autonomen Provinz Berg-Badachschan</a>, Alischer Mirsonabot, bei einem Autounfall im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Darvoz_District">Bezirk Darwoz</a> <a href="https://www.vkd.tj/8341-jekstrennoe-soobschenie-press-centra-ministerstva-vnutrennih-del-respubliki-tadzhikistan.html">ums Leben</a> gekommen. Sein Dienstfahrzeug stürzte in den Grenzfluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pandsch">Pandsch</a>. Mit ihm verunglückten seine Frau, seine zweijährige Tochter, sein Assistent und sein Fahrer. Wie das tadschikische Nachrichtenportal Asia-Plus <a href="https://asiaplus.news/en/2026/06/23/search-for-gbao-chairman-alisher-mirzonabot-continues-over-100-rescuers-involved/">berichtet</a>, wurden die Leichen trotz Suchmaßnahmen noch nicht gefunden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Trauer über den Unfalltod Mirsonabots und seiner zweijährigen Tochter wird von einer kontroversen Debatte über seine politische Bilanz begleitet. Während die Regierung seine Rolle bei der Stabilisierung der Region hervorhebt, werfen ihm Kritiker vor, für eine Welle von Repressionen in Berg-Badachschan mitverantwortlich zu sein. Die autonome Provinz ist Heimat der ethnischen Minderheit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamiri">Pamiri</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Von der Regierung gelobt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Alischer Mirsonabot wurde <a href="https://fergana.media/news/123726/">im November 2021</a> zum Oberhaupt von Berg-Badachschan ernannt. Zuvor war er nacheinander als stellvertretender Leiter des Staatlichen Komitees für Nationale Sicherheit (GKNB), als stellvertretendes Oberhaupt Berg-Badachschans sowie als Bürgermeister von Berg-Badachschans Hauptstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorugh">Chorugh</a> tätig.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rustam_Emomalij">Rustam Emomali</a>, Vorsitzender der Nationalversammlung und Sohn des tadschikischen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a>, sprach sein Beileid aus und <a href="https://t.me/RustamEmomali/8145">erklärte</a>: <em>„Der Verstorbene zeichnete sich durch seine vorzüglichen menschlichen Eigenschaften, sein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein und sein Engagement für Staat und Nation aus. Durch seine Beiträge zur gesellschaftlichen Entwicklung hatte er sich den besonderen Respekt und die Anerkennung seiner Kollegen erworben. Das ehrende Gedenken an Alischer Hudoberdi Mirsonabot wird für immer in den Herzen der Menschen fortleben.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/berg-badachschan-der-tod-von-inhaftierten-aktivisten-hat-system/"><strong>Berg-Badachschan: Der Tod von inhaftierten Aktivisten hat System</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung würdigte Mirsonabot für die aus ihrer Sicht erfolgte Wiederherstellung der Ordnung in der Region. Wie <a href="https://www.ozodi.org/a/nigohho-ba-kornomai-alisher-mirzonabot/33783824.html">Radio Ozodi</a>, der tadschikische Dienst von Radio Free Europe, berichtet, wird in offiziellen Beileidsbekundungen staatlicher Stellen seine Rolle bei der Wiederherstellung der Stabilität und der Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung in Berg-Badachschan hervorgehoben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Von der Opposition geschmäht</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das oppositionelle Medium <a href="https://pamirinside.org/analytics/14825">Pamir Inside</a> zeichnet seinerseits ein verheerendes Bild der viereinhalbjährigen Amtszeit von Alischer Mirsonabot, der von der Zentralregierung ernannt und nicht von der Bevölkerung gewählt worden war. In diesem Zeitraum wurden mehr als 300 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert, und über 50.000 verließen die Region aufgrund von Repression – bei einer geschätzten Gesamtbevölkerung von 250.000 Einwohner:innen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem <a href="https://novastan.org/de/panorama/tadschikistan-tote-und-verletzte-bei-protesten-in-berg-badachschan/">im November 2021</a> Spannungen zwischen der Bevölkerung und den Behörden begannen, sieht „Pamir Inside“ in dem <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-ein-jahr-seit-den-tragischen-ereignissen-im-pamir/?noredirect=de-DE">blutigen Vorgehen</a> gegen Proteste in Chorugh und Ruschan im Mai 2022 den Höhepunkt dieser repressiven Maßnahmen. Den Journalist:innen zufolge war <em>„Mirsonabot nicht bloß ein außenstehender Beobachter. Er unterstützte diesen Prozess öffentlich und politisch, sprach sich nicht gegen das harte Vorgehen aus und wurde faktisch zum Gesicht dieser Politik in der Region.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong><strong> </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-ethnische-saeuberungen-und-repression-in-berg-badachschan/"><strong>Tadschikistan: ethnische Säuberungen und Repression in Berg-Badachschan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aktionen wie Entführungen und <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/rekrutierung-in-tadschikistan-problem-fuer-behoerden-hoelle-fuer-soldaten/?noredirect=de-DE">Zwangsrekrutierungen</a> – die in Berg-Badachschan früher selten waren – sind dort inzwischen zur Norm geworden, genau wie im Rest des Landes. Kurz gesagt: Auch wenn die Provinz in der Vergangenheit tatsächlich eine gewisse, wenn auch fragile Autonomie genoss, wurde sie inzwischen – wie der Rest des Landes – auf Linie gebracht.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Misstrauen gegenüber den Behörden</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich entwickelte sich während seiner Amtszeit ein ausgeprägtes öffentliches Misstrauen gegenüber den Behörden. Ironischerweise verdeutlicht sein Tod dies einmal mehr. Trotz seiner unerschütterlichen Loyalität gegenüber der Hauptstadt verbreiten sich in den sozialen Medien Gerüchte über seine Ermordung – so abwegig erscheint es mittlerweile, dass eine mächtige Persönlichkeit auf andere Weise zu Fall kommen könnte als auf Anordnung aus Duschanbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des Innenministeriums hingegen verlor der Fahrer bei überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle über das Fahrzeug. Der Wagen prallte daraufhin gegen zwei Masten, bevor er in den darunterliegenden Fluss stürzte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Laufende Ermittlungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einige stellen bereits eine Liste von Ungereimtheiten zusammen – so etwa Anora Sarkorowa, eine ehemalige BBC-Journalistin, die nun als unabhängige Journalistin im Exil arbeitet. Sie verzichtet darauf, der Zentralregierung Mord anzulasten, weißt auf <a href="https://www.facebook.com/anora.sarkor/posts/pfbid02xcS54q5tHE3RQpJjfjVND5cGoDtyPPamTtHxVpkV9TefxkqmXDhzFGmCAhkF2gepl">Facebook</a> jedoch auf Ungereimtheiten hin. So seien die Insassen des Wagens bereits für tot erklärt worden, noch bevor die Rettungsmaßnahmen abgeschlossen waren. Die Schilderung des Hergangs sei angesichts des offensichtlichen Fehlens von Zeugen verdächtig präzise. Zudem scheint das Nummernschild unversehrt geblieben zu sein und den Unfall überstanden zu haben – als sollte es die Identität der Opfer bezeugen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr zufolge tauchte ein von einem Soldaten nach dem Vorfall aufgenommenes Video genau im richtigen Moment in den sozialen Medien auf – obwohl es Soldaten untersagt ist, diese strategisch wichtigen Grenzbereiche zu filmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Journalistin führt sieben Punkte im Zusammenhang mit dem Unfall auf, die sie beunruhigen, weist aber auch darauf hin, dass die von der Regierung angeordnete Untersuchung noch andauert. Tatsache ist, dass das Misstrauen mittlerweile so groß ist, dass viele Menschen bereit sind zu glauben, jede einflussreiche Persönlichkeit, die verschwindet, müsse von Duschanbe beseitigt worden sein – selbst wenn es sich um dessen treuesten Verbündeten handelte.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Judith Robert für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/tadjikistan/qui-etait-le-president-du-haut-badakhchan-mort-dans-un-accident-de-voiture/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/politisches-oberhaupt-berg-badachschans-bei-autounfall-gestorben/">Politisches Oberhaupt Berg-Badachschans bei Autounfall gestorben</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>„Ich brauchte nur einen Reisepass“: Zentralasiatische Kriegsgefangene in der Ukraine zwischen Loyalität und Reue</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michèle Häfliger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jun 2026 10:46:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>B&#xFC;rger aus Zentralasien stellen den gr&#xF6;&#xDF;ten Anteil ausl&#xE4;ndischer K&#xE4;mpfer in der russischen Armee. Novastan hat mehrere von ihnen, die von ukrainischen Streitkr&#xE4;ften gefangen genommen wurden, aufgesucht. Ihre Berichte verdeutlichen, wie Migranten aus Zentralasien f&#xFC;r Moskau zu einer Quelle besonders anf&#xE4;lliger Rekruten geworden sind. Im Hof einer Milit&#xE4;rstrafanstalt in der Region Lviv im Westen der Ukraine [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Bürger aus Zentralasien stellen den größten Anteil ausländischer Kämpfer in der russischen Armee. Novastan hat mehrere von ihnen, die von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen wurden, aufgesucht. Ihre Berichte verdeutlichen, wie Migranten aus Zentralasien für Moskau zu einer Quelle besonders anfälliger Rekruten geworden sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Hof einer Militärstrafanstalt in der Region Lviv im Westen der Ukraine schreiten Dutzende von Gefangenen schweigend zum Speisesaal. An den Wänden um sie herum hängen Porträts von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Romanowitsch">Daniel von Galizien</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stepan_Bandera">Stepan Bandera</a> und anderen ukrainischen Nationalisten. Im größten Kriegsgefangenenlager des Landes sind alle Beschriftungen und Befehle auf Ukrainisch verfasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Bei uns läuft alles gut, sie sind ruhig, es gibt keine Schlägereien“</em>, erzählt ein Wachmann. Vor seinen Augen betreten die Gefangenen die Kantine zum Mittagessen. Ihre Gesichter sind verschlossen. Einige Häftlinge haben bereits vier Jahre im Lager verbracht. Vor allem weist ein Großteil von ihnen deutlich asiatische Gesichtszüge auf. Bei einigen handelt es sich um Russen aus sibirischen Republiken wie Burjatien und Jakutien, wo die Einberufungsquoten besonders hoch sind.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="771" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-1024x771.jpg" alt="" class="wp-image-44844" style="aspect-ratio:1.3281519161785866;width:1024px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-1024x771.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-300x226.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-768x579.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kantine des Kriegsgefangenen-Camps am 15. April 2026. Foto: Driss Rejichi</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Viele andere sind Soldaten aus den fünf ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens. <em>„Die meisten Ausländer, die ich in der russischen Armee gesehen habe, kamen von dort“</em>, erklärt Chuschbacht Perusalijew. Im Frühjahr 2024 unterzeichnete der 47-jährige Tadschike einen Vertrag, um in der russischen Armee zu dienen. <em>„Man sagte mir: ‚Du wirst nicht an der Front sein, nichts dergleichen, du wirst einfach in einem Lager arbeiten‘ … Also habe ich zugestimmt“</em>, erinnert sich der Mann mit rasiertem Kopf und Bart. Eine Lüge: Wenige Wochen später wurde der Tadschike von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen, nachdem er bei einem Frontalangriff im Gebiet Donezk verwundet worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weit vor den 1.400 Männern aus afrikanischen Ländern oder den 200 indischen Staatsbürgern, die seit Kriegsbeginn von der russischen Armee rekrutiert wurden, sollen laut den im April 2026 von der ukrainischen Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene veröffentlichten Daten bereits mehr als 12.000 Soldaten aus Zentralasien an der „militärischen Sonderoperation“ in der Ukraine teilgenommen haben. Mehr als die Hälfte der ausländischen Kämpfer, die für Russland kämpfen, stammen somit aus dieser Region.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Angesichts von Razzien und Ausweisungen: das Versprechen eines Passes</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Alle zentralasiatischen Kriegsgefangenen, mit denen Novastan gesprochen hat, befanden sich im Gefängnis von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mykolajiw">Mykolajiv</a> und waren bereits vor 2022 in Russland. <em>„Die Rekrutierungsbemühungen, die sich an Ausländer richten, konzentrieren sich auf Arbeitsmigranten und Häftlinge, die eine Freiheitsstrafe verbüßen“</em>, betont ein Offizier der ukrainischen Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Iljas, ein kirgistanischer Staatsbürger und Getränkehändler, der seit 2007 in Moskau lebt, unterzeichnete seinen Vertrag im April 2025. <em>„Mir wurde bei der Rekrutierung nicht direkt die Staatsbürgerschaft versprochen, aber ich wusste, dass ich später die Möglichkeit haben würde, sie zu erhalten“</em>, erklärt der Vierzigjährige.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 2024 unterzeichnete Wladimir Putin ein Dekret, das es ermöglichte, bestimmten Ausländern, die in der Armee gedient hatten, insbesondere während der „militärischen Sonderoperation“, die Staatsbürgerschaft zu gewähren. Die Zahl der Ausländer, die davon profitiert haben, ist nach wie vor unbekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Ukraine berichten die zentralasiatischen Gefangenen übereinstimmend, dass sie nach einer kurzen Ausbildung an die Front geschickt wurden, was zu hohen Verlusten führte. <em>„Wir rückten auf ein Dorf vor, und schon auf dem Weg dorthin tauchten Drohnen auf und begannen, uns anzugreifen“</em>, erinnert sich Iljas, der knapp entkommen konnte und anschließend gefangen genommen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chuschbacht wurde seinerseits bei einem Artillerieangriff verwundet, als er auf die ukrainischen Linien vorrückte: <em>„Die Hälfte der Gruppe fiel sofort, alle 200 [russischer Militärcode für Tote, Anm. d. Red.]“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Familienvater, dessen Frau und Kinder noch immer in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rjasan">Rjasan</a>, 200 Kilometer südöstlich von Moskau, leben, beschreibt, wie <em>„unmittelbar nach dem Anschlag auf die Crocus City Hall“</em> im März 2024 ein Klima der Angst herrschte. Der von tadschikistanischen Staatsbürgern verübte und vom Islamischen Staat Khorasan beanspruchte Terroranschlag forderte mehr als 149 Todesopfer und führte zu einer Verschärfung der Lebensbedingungen für Migrierte aus Zentralasien in Russland. Laut Chuschbacht kam es häufig zu <em>„Razzien gegen Tadschiken“</em>, bei denen den Migranten <em>„sofort die Abschiebung mit Einreiseverbot“</em> auferlegt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/werden-die-angeklagten-im-fall-crocus-city-hall-ausgeliefert/">Werden die Angeklagten im Fall Crocus City Hall ausgeliefert?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Angst verzichtete der Mann darauf, seinen abgelaufenen Pass verlängern zu lassen, aus Furcht, auf dem Weg zur Botschaft in Moskau festgenommen zu werden. <em>„Schließlich kontrollierten Spezialeinheiten der Polizei die Baustelle, auf der ich arbeitete“</em>, erklärt der Migrant, dem daraufhin die Staatsbürgerschaft versprochen wurde, wenn er sich der Armee anschließe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es stimmt, dass Tadschiken nach dem Anschlag auf die Crocus City Hall stärker ins Visier genommen wurden als andere Gruppen aus Zentralasien“</em>, betont Caress Schenk, Professorin für Politikwissenschaft an der Nazarbaev-Universität in Astana. Nach Angaben der ukrainischen Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene sind Tadschiken mit mehr als 3.400 Rekruten die zweitgrößte Nationalität in der russischen Armee, hinter etwa 4.800 Usbeken und 2.400 Kasachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/der-vorwand-sind-kopftuch-bart-und-predigten-auf-dem-handy-migrantinnen-aus-zentralasien-berichten-ueber-islamophobie-in-russland/">Kopftuch und Bart – Migrant:innen aus Zentralasien über Islamophobie in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schenk weist jedoch darauf hin, dass in Russland <em>„die Maßnahmen zur Migrationskontrolle, Razzien und der Druck, zum Militär zu gehen, stark von der aktuellen Lage abhängen“</em>. Seit Kriegsbeginn konnten je nach Kontext auch andere Bevölkerungsgruppen ins Visier geraten. <em>„Manchmal gerät jede Person mit asiatischen Gesichtszügen unter Verdacht“</em>, bemerkt die Forscherin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit November 2025 müssen bestimmte in Russland lebende Ausländer einen Vertrag über den Eintritt in die Armee vorlegen, wenn sie die russische Staatsbürgerschaft oder eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten wollen. Zu Beginn des Jahrzehnts machten Zentralasiaten jedoch mehr als 40 Prozent der in Russland lebenden Migranten aus und sind daher am stärksten von diesen neuen Maßnahmen betroffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar erklären alle von Novastan befragten Gefangenen, ihren Vertrag freiwillig unterzeichnet zu haben, um einen russischen Pass zu erhalten, doch betont Schenk auch, dass der zunehmende administrative Druck <em>„eher darauf abzielt, die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit der Migranten einzuschränken, als ihnen echte Wahlmöglichkeiten zu bieten.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ideologisch gefährdete Migranten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der prekären administrativen Lage stützt sich die russische Armee bei ihren Mobilisierungsbemühungen auch auf mögliche ideologische Affinitäten der zentralasiatischen Migranten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich wollte in Russland leben. Um die Staatsbürgerschaft zu erlangen, auf die ich meiner Meinung nach Anspruch hatte, musste ich also dem Vaterland dienen“</em>, erklärt der 38-jährige Jasur Islamov in einem gleichgültigen Ton. Nach anderthalb Jahren in der Armee wird ihm im März 2025 endlich der Pass versprochen, sofern er an der Front bleibt. Jasur wird jedoch wenige Wochen später gefangen genommen, nachdem er bei einem Angriff von einer Drohne verwundet wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/situation-zentralasiatischer-migrierter-in-russland-verschlechtert-sich/">Situation zentralasiatischer Migrierter in Russland verschlechtert sich</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu den Berichten anderer Ausländer, die zu Kriegsgefangenen wurden, wie beispielsweise Männer aus Afrika, haben Iljas, Jasur oder Chuschbacht nicht versucht, sich freiwillig zu ergeben oder zu desertieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um diese unterschiedlichen Verhaltensweisen im Kampf zu erklären, stellt die ukrainische Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene fest, dass bestimmte Schichten der Migrantenbevölkerung <em>„russischsprachige Menschen sind, die in den 1970er oder 1980er Jahren in der UdSSR geboren wurden“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die von Novastan befragten Gefangenen betonen ebenfalls, dass sie nach Russland zurückkehren wollen, in der Hoffnung, an einem Gefangenenaustausch teilzunehmen. <em>„Wir haben keinerlei Einwände gegen den Austausch von Bürgern aus zentralasiatischen Ländern“</em>, erklärt die ukrainische Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene. Unter den rund 7.000 bereits ausgetauschten russischen Soldaten bildeten Staatsangehörige aus Zentralasien jedoch eine sehr kleine Minderheit und betrafen nur Einzelfälle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die direkte Frage nach ihren Erfahrungen mit Rassismus in Russland vor oder während ihres Dienstes versichern die Kriegsgefangenen, mit denen Novastan gesprochen hat, alle, dass sie nie damit konfrontiert worden seien. Sie sind zudem zuversichtlich, dass sie sich nach ihrer Haft mit einem Reisepass wieder in die russische Gesellschaft integrieren können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Stellen Sie sich vor: Ich habe mein Leben riskiert, um die Staatsbürgerschaft zu erhalten, und nun soll ich in mein Land zurückgeschickt werden, obwohl ich dort nichts mehr habe? Das wäre ein großer Verrat“</em>, sagt Jasur mit scharfer Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/warum-spricht-usbekistan-china-und-russland-sein-beileid-aus-aber-niemals-der-ukraine/">Warum spricht Usbekistan China und Russland sein Beileid aus, aber niemals der Ukraine?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Kriegsgefangenen haben jedoch bereits Enttäuschungen auf ihrem Weg als Migranten in Russland erlebt. Iljas, der seit Jahren mit einer Russin verheiratet ist, erzählt nüchtern, dass er <em>„vor langer Zeit die Staatsbürgerschaft beantragt und die Unterlagen eingereicht habe, aber sie wurde mir verweigert“</em>. Jasur gibt seinerseits bitter zu, <em>„nicht einmal das Geld aus dem Vertrag erhalten zu haben“</em>, da ihm von den achtzehn Monaten, die er in der Armee verbracht hat, nur zwei Monatsrenten ausgezahlt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich glaube, es braucht Jahre und verschiedene Formen der Bewusstseinsbildung, um verinnerlichte Diskriminierungen abzubauen“</em>, erklärt Schenk und erinnert daran, dass in der sowjetischen Vorstellungswelt Rassismus ausschließlich mit dem Westblock und dem Kapitalismus in Verbindung gebracht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Berufung auf die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Genfer_Konventionen">Genfer Konventionen</a> erklärt die ukrainische Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene, dass die Zentralasiaten wie alle anderen behandelt werden. Im Hof trainieren einige gemeinsam mit russischen Mitgefangenen an den Krafttrainingsgeräten des Lagers.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir hätten nie gedacht, dass wir hier landen würden“</em>, beklagt sich schließlich Jasur. Als man ihn daran erinnert, dass er sich in voller Kenntnis der Sachlage verpflichtet hat, wird der Häftling gereizt: <em>„Sie reden, als hätte ich extra unterschrieben, um Menschen zu töten… Ich brauchte einfach nur einen Ort zum Leben und einen Pass, um zu arbeiten und meine Familie zu ernähren.“</em> Nach einer Pause fügt er bedauernd hinzu: <em>„Ich sage nicht, dass wir das Richtige getan haben. Jeder macht Fehler. Jeder.“</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Driss Rejichi, Sonderkorrespondent in der Ukraine für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/guerre-en-ukraine/j-avais-juste-besoin-d-un-passeport-en-ukraine-les-prisonniers-de-guerre-d-asie-centrale-entre-loyaute-et-regrets/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
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		<title>Die Tschagataiden: Brüder, die die Steppe zähmen wollten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 May 2026 16:45:09 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über Jahrhunderte wurde Zentralasien von mongolischen Khanen und deren nomadischer Kultur und Rechtsprechung geprägt. Eine eigenartige Symbiose mit lokalen Eliten bildete sich heraus und die verschiedenen Seiten prägen die Menschen und die Kultur in Zentralasien bis heute. Aus dem Reich der Tschagataiden wurde jedoch nie einen vollwertiger Mongolenstaat; auch vor dem islamischen Einfluss war es nicht gefeit und einige Herrscher und ihre Untertaninnen und Untertanen konvertierten teils berechnend zum Islam. Fergana geht der Frage nach, warum die Mongolenherrscher nie einen vollwertigen Nationalstaat in Zentralasien gegründet haben.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen Ende des 13. Jahrhunderts hatten sich drei mongolische Großmächte unter der Führung der Nachkommen Dschingis Khans zu eigenständigen und relativ zentralisierten Staaten entwickelt – das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yuan-Dynastie">Yuan-Reich</a> in China, das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilchane">Ilchanat</a> der Hulaguiden in Vorderasien und die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Horde">Goldene Horde</a> mit ihrem Zentrum im unteren Wolga-Gebiet. Nur auf den Gebieten des Tschagatai-Khanats, zu denen der größte Teil Zentralasiens gehörte, herrschte Chaos. Die Khane wurden nacheinander gestürzt und ermordet, die Städte wurden von Kaufleuten regiert, es gab keine einheitliche Währung und der nomadische Adel achtete eifersüchtig darauf, dass keiner der mongolischen Würdenträger es wagte, sich auf dem Land niederzulassen und einen Palast zu errichten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts versuchte <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kebek">Khan Kebek</a>, dieses System zu durchbrechen. Er verlegte die Hauptstadt nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transoxanien">Transoxanien</a>, teilte das Land in Bezirke auf und führte eine eigene Währung ein. Sein Bruder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tarmaschirin">Tarmaschirin</a> ging noch weiter: Er lehnte die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jassa">Jassa</a> [mongolisches Gesetzbuch des 13./14. Jahrhunderts, Anm. d. Übers.] von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschingis_Khan">Dschingis Khan</a> zugunsten des Islam ab. Beide bezahlten ihre Reformversuche mit dem Leben. Bald darauf zerfiel das Ulus [Reichsgebiet, Anm. d. Übers.], doch auf seinen Trümmern sollte später das Reich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timur">Amir Temurs</a> entstehen – der letzte Staat, dem es gelang, die „Steppe“ mit Hochkultur und der administrativen Macht des islamischen Reiches zu vereinen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Ulus, der tatsächlich nie zu einem Staat wurde</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1224, kurz vor dem Tod Dschingis Khans, wurde das Mongolische Reich unter seinen Söhnen in Lehensgebiete (Ulus) aufgeteilt. Die Gebiete Zentralasiens – Transoxanien, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Jetisu">Jetisu</a> und die Karawanenstädte an den Handelswegen, die China, den Iran und Indien verbanden – fielen dem zweiten Sohn, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschagatai_Khan">Tschagatai</a>, zu. Nach mongolischem Brauch ging das Haupterbteil – die angestammten mongolischen Gebiete und der größte Teil der väterlichen Armee – an den jüngsten Sohn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tolui_Khan">Tolui</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Ankunft der Mongolen blühten Samarkand, Buchara und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Otrar">Otrar</a> dank Handwerk und Handel auf. Doch Tschagatais Hauptlager befand sich in der Steppe, im Tal des Flusses Ili  weit entfernt von den städtischen Zentren. Die unterworfene Bevölkerung lebte in den meisten Fällen nach ihren eigenen Gesetzen, hier und da blieben sogar lokale Dynastien erhalten. Diese Situation kam Tschagatai persönlich durchaus entgegen: Er blieb ein überzeugter Nomade und strebte keine sesshafte Stadtverwaltung an, sondern bevorzugte die traditionelle Steppenherrschaft.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="592" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts.png" alt="" class="wp-image-44720" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts.png 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts-300x239.png 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Karte des Tschagataiischen Ulus zu Ende des 13. Jahrhunderts</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz Tschagatais Verachtung für das sesshafte Leben bildeten sich die wichtigsten Steuereinnahmen und Handelsströme gerade in den Städten und in den Dörfern auf dem Land. Um die sesshafte Bevölkerung zu verwalten, übertrugen die Mongolen die Steuererhebung und die Verwaltungsaufgaben an Vertreter der lokalen Wirtschaftselite. Es bildete sich jedoch kein einheitliches politisches Zentrum im Ulus heraus. Im Gegensatz zum Yuan-Reich, wo sich die Mongolen auf die chinesische Bürokratie stützten, oder zum Ilchanat, wo sich der nomadische Adel in die persischen Verwaltungspraktiken integrierte, entwickelte sich in Zentralasien ein besonderes Verwaltungsmodell. Indem sie die Städte an lokale Beamte verpachteten, konzentrierten sich die Mongolen auf die Verwaltung der Steppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/joo-yup-lee-the-turkic-peoples-in-world-history-routledge-2024/">Turkvölker in der Weltgeschichte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Nomaden also nach dem Jassa Dschingis Khans lebten, folgte die sesshafte Bevölkerung der islamischen Scharia. Formal durften sich die Mongolen nicht in städtische Angelegenheiten einmischen, und die Statthalter nicht in die der Steppe. In der Praxis wurde diese Grenze jedoch ständig überschritten: Die Khane verlangten Geld, die Pächter suchten Einfluss am Hof, die Wesire intrigierten gegen die Noyanen [mongolischer Titel für zivile und militärische Führer, meist adliger Abstammung, Anm. d. Übers.]. Die beiden Ordnungen prallten regelmäßig aufeinander und verursachten Chaos, was zum Hauptleiden des Ulus wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kriege über Kriege</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die Gebiete der Tschagataiden in langwierige Bruderkriege verwickelt. Nach dem Tod von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6ngke_Khan">Möngke Khan</a> 1259, dem letzten Herrscher des vereinigten mongolischen Reiches, und dem Krieg um die Vorherrschaft von 1260 bis 1264 wurde das ehemalige Reich Dschingis Khans nicht mehr von einem einzigen Zentrum aus regiert, und das Kräfteverhältnis zwischen den Ulus veränderte sich drastisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Konfrontation zwischen Tschagataiden Tschingisiden verschärfte sich – vor allem mit dem Urenkel Dschingis Khans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaidu_Khan">Qaidu</a>, der einen bedeutenden Teil der Steppengebiete kontrollierte und einen langwierigen Kampf um den Einfluss in Zentralasien führte. Gleichzeitig verschärften sich an den westlichen und nördlichen Grenzen die Konflikte mit der Goldenen Horde um die Steppengebiete und Handelswege zum Wolga-Gebiet und nach Westsibirien sowie im Südwesten mit dem Ilchanat um die Kontrolle über Khorasan und die Grenzstädte sowie die Karawanenrouten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="727" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai.jpeg" alt="" class="wp-image-44723" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai-300x293.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Begräbnis von Tschagatai, persische Malerei, 14. Jahrhundert</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Krieg folgte dem anderen. Samarkand, Buchara, Herat und andere große Zentren wechselten wiederholt den Machthaber und die lokalen Emire waren gezwungen, ständig ihre Verbündeten zu wechseln. Innerhalb von fünfzig Jahren wechselten etwa ein Dutzend Khane an der Spitze des Ulus, doch keiner von ihnen konnte die Macht lange genug halten, um alle regionalen Gruppierungen unter seine Kontrolle zu bringen und eine stabile Herrschaft über die Städte und den Militäradel wiederherzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ibn Battuta, der Mitte des 14. Jahrhunderts Zentralasien bereiste, beschrieb ebenfalls den Verfall und Niedergang, in dem sich die Region nach einem Jahrhundert mongolischer Herrschaft befand: <em>„Moscheen, Medresen und Basare liegen in Trümmern, mit Ausnahme einiger weniger… Heute gibt es dort keinen einzigen Menschen, der sich in der Wissenschaft auskennt, und niemanden, der ihr Beachtung schenkt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Zustand befand sich der Ulus zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch Kebek, der als erster Tschagatai-Khan versuchte, das Herrschaftsmodell im Ulus zu ändern.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="711" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-711x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-44724" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-711x1024.jpeg 711w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-208x300.jpeg 208w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta.jpeg 744w" sizes="auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ibn Battuta, französische Malerei, 19. Jahrhundert</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Kebek: Feldherr und Reformer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek war der Urururenkel von Dschingis Khan und Sohn des <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Duwa">Khans Duwa</a>, der den Ulus von 1282 bis 1307 regierte. Er wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in der Steppe in einem Nomadenlager geboren und gehörte einem heidnischen Glauben an, sprach jedoch im Gegensatz zu den meisten seiner Vorfahren bereits einen turksprachigen Dialekt. Vermutlich vermischte sich die herrschende Schicht des Tschagatai-Ulus zu Beginn des 14. Jahrhunderts zunehmend mit der einheimischen Bevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1309 wurde Kebek zum Khan ernannt. Doch fast unmittelbar darauf wurde auf Kebeks eigene Initiative hin ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurultai">Kurultai</a> einberufen, der beschloss, die Macht an seinen älteren Bruder Esen-Buke zu übertragen. Kebek fügte sich und befehligte in den folgenden neun Jahren die Armee der Tschagataiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Feldzug gegen das Ilchanat überquerte Kebek den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>, bezwang am Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murgab_(Bartang)">Murgab</a> die Armee des Statthalters von Khorasan und erreichte Herat. Dort sah er, wie das Reich der Hulaguiden organisiert war – mit einer einheitlichen Silbermünze, Verwaltungsbezirken und einer funktionierenden Bürokratie. Im Tschagatai-Ulus gab es nichts dergleichen. Möglicherweise zu diesem Zeitpunkt reifte bei Kebek die Erkenntnis, dass sich im Tschagatai-Ulus etwas ändern musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/quryltai-tradition-und-zukunft-der-kasachischen-volksversammlung/">Quryltaı – Tradition und Zukunft der kasachischen Volksversammlung</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er nach dem Tod seines Bruders Esen-Buka im Jahr 1318 erneut an die Macht kam, beschloss er als Erstes, eine vollwertige Hauptstadt zu schaffen. Kebeks Residenz wurde <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qarshi">Qarshi</a>, das damals den Namen Nasaf trug. Die Wahl des Ortes war bezeichnend: keine Steppe, sondern eine Stadt in Transoxanien, in der Nähe der Handelswege und der wichtigsten Steuerquellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier errichtete Kebek einen Palast – eines der wenigen bekannten Beispiele für eine feste Khan-Residenz in der Region. Der Palast wurde im Zentrum der örtlichen Festung errichtet und gab der Stadt möglicherweise ihren Namen: In der turksprachigen Tradition bedeutete „karshi“ nämlich „Palast“. Überreste dieses Komplexes wurden in Form von massive Mauern, Fußböden und Säulen gefunden. Die bloße Tatsache, dass ein solches Zentrum entstand, bedeutete einen Wandel der Prioritäten – die Macht war nicht mehr nomadisch. Rund um den Palast bildeten sich nach und nach neue Viertel des Adels und Handwerksmärkte, und das Leben des alten Nasaf begann sich in Richtung dieser Residenz zu verlagern. Nach Kebeks Tod verschwand das Gebäude nicht – unter Amir Temur wurde es umgebaut und in eine Moschee umgewandelt, die als Odina bekannt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kebeks nächster Schritt betraf die Verwaltung der Gebiete. Die Ländereien des Khans wurden in Bezirke mit fest zugewiesenen Beamten aufgeteilt, die für die Erhebung von Steuern und die Aufrechterhaltung der Ordnung zuständig waren. Dies ermöglichte es, die Willkür vor Ort einzudämmen und zumindest teilweise die Kontrolle über die Einnahmen zurückzugewinnen, die zuvor in den Taschen der Emire und Zwischenhändler gelandet waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die auffälligste Reform des Khans war jedoch die Währungsreform. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts waren im Tschagatai-Ulus Münzen unterschiedlichen Gewichts und Qualität im Umlauf, die an verschiedenen Orten geprägt worden waren. Dies erschwerte den Zahlungsverkehr und bot Raum für Missbrauch. Kebek führte einen einheitlichen Standard für Silbermünzen ein. Die Prägung erfolgte nach einem einheitlichen Muster, und die Münzen selbst erhielten den Namen „Kebeks“. Die Vereinheitlichung des Geldumlaufs vereinfachte den Handel und stärkte die Position der Zentralmacht: Die Kontrolle über die Münzprägung bedeutete die Kontrolle über einen erheblichen Teil der Wirtschaftsströme.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="369" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek.jpeg" alt="" class="wp-image-44725" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek-300x149.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Münzen von Khan Kebek, ausgegraben in Buchara</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu wurden Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft des Ulus ergriffen. Quellen berichten von der Wiederherstellung der Bewässerungssysteme, der Förderung der Landwirtschaft und den Versuchen, Handwerkszentren wiederzubeleben. Für die Machthaber war dies eine Frage des Überlebens: Ohne stabile Einnahmen war es unmöglich, das Heer zu unterhalten und die Loyalität des Adels zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch genau hier stießen Kebeks Reformen auf Widerstand. Die verstärkte Kontrolle über Steuern und Münzwesen schränkte die Handlungsmöglichkeiten derer ein, die es gewohnt waren, eigenständig zu agieren. Die nomadische Elite verlor einen Teil ihrer Einkünfte und ihres Einflusses, während die städtische Oberschicht ihren Handlungsspielraum zwischen den verschiedenen Machtzentren einbüßte. Die Unterstützung des Khans blieb situationsabhängig, und jede Schwächung seiner Position wirkte sich unmittelbar auf die Regierbarkeit der Gebiete aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek behielt den Thron für einen Herrscher aus der Tschagatai-Dynastie relativ lange – ganze acht Jahre. Doch gelang es ihm nicht, das Kräfteverhältnis innerhalb des Ulus vollständig zu verändern. Nach seinem Tod blieben viele der eingeleiteten Maßnahmen in Kraft – vor allem das Währungssystem und die Praxis der Stützung auf die Städte. Ein stabiles Machtmodell bildete sich jedoch nie heraus. Die Kontrolle über die Gebiete hing weiterhin von Vereinbarungen zwischen einflussreichen Adelsgruppen ab und nicht von einer einheitlichen Ordnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weg vom Jassa und hin zur Scharia</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek starb im Jahr 1326 – einigen Quellen zufolge eines natürlichen Todes, anderen zufolge fiel er einer Verschwörung mongolischer Würdenträger zum Opfer. Der Thron ging an seinen Bruder Iltschigidai über, der Buddhisten und Katholiken schützte, jedoch nur sehr kurz regierte und ebenfalls ermordet wurde. Nach der kurzen Regierungszeit eines weiteren Bruders, Durr-Timur, kam schließlich Tarmaschirin an die Macht, der Kebeks Reformen fortsetzte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="383" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins.jpeg" alt="" class="wp-image-44726" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins-300x154.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Münzen Tarmaschirins, 1331–1332</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Tarmashirin wurde das von Kebek eingeführte Währungssystem auf das gesamte Gebiet des Ulus ausgeweitet. Neue Münzprägeanstalten wurden in Schangi-Taraz, Otrar und Badachschan eröffnet. Die Münzen wurden mit dem Namen Tarmaschirins und seines Sohnes Sanschar geprägt. Der unter Kebek eingeführte einheitliche Standard funktionierte nun überall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Tarmaschirins wichtigste Entscheidung betraf nicht die Wirtschaft, sondern die Ideologie: Der Khan konvertierte zum Islam und nahm den muslimischen Namen Ala ad-Din Muhammad und den Titel Sultan al-Azam – „der Größte Sultan“ – an. Bereits vor der Thronbesteigung Tarmaschirins bekannte sich wohl ein Teil der nomadisch Lebenden zum Islam. Und als der neue Khan seine Untertanen aufrief, sich dem muslimischen Glauben anzuschließen, folgte die überwiegende Mehrheit allmählich diesem Aufruf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/religioese-koexistenz-im-10-jahrhundert-in-zentralasien/">Religiöse Koexistenz im 10. Jahrhundert in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Khan ordnete an, täglich fünf öffentliche Gebete zu verrichten, und verbreitete den Islam in allen seinen Herrschaftsgebieten. Vor allem aber ersetzte er die traditionelle Gesetzgebung des Jassa teilweise durch die Scharia. Tatsächlich war die Aufhebung des Jassa strategischer Natur: Ohne diese Gesetzesgrundlage konnte der Khan nicht mehr abgesetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun lehnte sich der Nomadenadel im östlichen Teil des Ulus auf. Den Aufstand führte Tarmaschirins Neffe Buzan an, der von den Feldherren Ostturkestans unterstützt wurde. Tarmaschirin versuchte, nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ghazni">Ghazni</a> im heutigen Afghanistan zu fliehen, wurde 1334 jedoch gefangen genommen und getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tod Tarmaschirin markierte für den Tschagatai-Ulus den Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab. Sein westlicher Teil, Transoxanien, blieb unter der Herrschaft des islamisierten Adels. Im Osten, auf dem Gebiet des heutigen Jetisu und Ostturkestans entstand ein neuer Staat – Mogulistan („Land der Mogulen“). Zwar bildete es sich zunächst als Konföderation nomadischer Stämme, die nach dem Jassa lebten, doch schon bald siegten die zum Islam Konvertierten auch hier.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Erbe der Tschagataiden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Prozesse, die Kebek und Tarmaschirin in Gang gesetzt hatten, waren nicht mehr aufzuhalten. Der Islam fasste allmählich auch unter der nomadisch lebenden Bevölkerung Fuß und die Idee einer einheitlichen Währung und einer zentralisierten Verwaltung überdauerte ihre Schöpfer. Der Tschagatai-Ulus zerfiel, doch sein Erbe erwies sich als lebensfähiger als das anderer mongolischer Reiche. Gerade in der Zeit der Mongolen bildeten sich die Normen der tschagataischen Sprache heraus – der literarischen Turksprache, in dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mir_%CA%BFAli_Schir_Naw%C4%81%CA%BEi">Alisher Navoiy</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Babur">Babur</a> schrieben. Diese Sprache, die lokale Dialekte und persisches Vokabular in sich vereinte, wurde zum direkten Vorläufer des heutigen Usbekischen und Uigurischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/nawruz-und-der-islam-eine-koexistenz-mit-konflikten/">Nawruz und der Islam: Eine Koexistenz mit Konflikten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich entstand auf den Trümmern des Tschagatai-Ulus jene Regierungsform, die später von Amir Temur genutzt wurde: ein zentralistischer Staat, der den Islam und die städtische Kultur mit der militärischen Disziplin und der imperialen Ideologie der Steppeneroberer verband. Die Reformen Kebeks und Tarmaschirins konnten den Ulus nicht retten. Doch ohne ihre Versuche, die Freiheit der Nomaden zu zügeln, hätte es wohl weder Amir Temur noch die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schaibaniden">Schaibaniden</a> oder das Zentralasien gegeben, wie wir es heute kennen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.agency/articles/146657/">Russischen</a> (gekürzt) von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
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		<title>Gipfel in Astana zu Umweltproblemen in Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 06:24:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Regional Ecological Summit, der vom 22. bis 24. April 2026 in Astana stattfand, ist Teil der fortgesetzten zentralasiatischen Bem&#xFC;hungen zur Bek&#xE4;mpfung der Folgen der globalen Erw&#xE4;rmung. Als erste gro&#xDF;e Plattform f&#xFC;r die Entwicklung koordinierter L&#xF6;sungen auf regionaler Ebene brachte der Regional Ecological Summit (RES)&#xA0;Expert:innen, internationale Organisationen und Regierungsvertreter:innen f&#xFC;r zwei Tage Diskussionen und Verhandlungen [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der Regional Ecological Summit, der vom 22. bis 24. April 2026 in Astana stattfand, ist Teil der fortgesetzten zentralasiatischen Bemühungen zur Bekämpfung der Folgen der globalen Erwärmung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als erste große Plattform für die Entwicklung koordinierter Lösungen auf regionaler Ebene brachte der <a>Regional Ecological Summit (RES)</a>&nbsp;Expert:innen, internationale Organisationen und Regierungsvertreter:innen für zwei Tage Diskussionen und Verhandlungen zusammen. Organisiert wurde der Gipfel vom <a>kasachstanischen</a>&nbsp;Ministerium für Ökologie und natürliche Ressourcen in Partnerschaft mit der UNO. Im Mittelpunkt stand die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Staaten, da sowohl natürliche Ressourcen als auch ökologische Katastrophen grenzüberschreitender Natur seien.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Am Ende der Konferenz wurde von den zentralasiatischen Staatschefs eine Erklärung zu Ökologie und nachhaltiger Entwicklung verabschiedet. Unter dem Titel <em>„Ökologische Solidarität Zentralasiens“</em> legt dieses Dokument eine gemeinsame regionale Position zu den größten Umweltproblemen der Region fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Für Zentralasien ist der Klimawandel keine Zukunftsprojektion mehr“,</em> erklärte der kasachstanische Umweltminister <a>Jerlan Nysanbaev</a>&nbsp;. <em>„Er ist ein Faktor, der direkt unsere Wasser- und Energieressourcen betrifft, aber auch Landwirtschaft, Infrastruktur und öffentliche Gesundheit.“ </em>Daher sei die Klimapolitik nicht mehr nur eine ökologische Frage, sondern auch eine Frage der <em>„wirtschaftlichen Resilienz, regionalen Sicherheit und Qualität der öffentlichen Verwaltung“.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Wüstenbildung und Bedarf an Wiederaufforstung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der wichtigsten behandelten Punkte war die zunehmende Wüstenbildung in der Region, die die Wasserressourcen drastisch reduziert. Wie der Vorsitzende des usbekistanischen Komitees für Ökologie und Klimawandel, Aziz Abduhakimov, betonte, verwandeln sich in Zentralasien wissenschaftlichen Schätzungen zufolge jede Minute neun Quadratmeter Land in Wüste. Dies betrifft große zentralasiatische Seen, deren Wasserstand kontinuierlich sinkt, insbesondere das Kaspisches Meer und den Aralsee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gesamte Fläche ausgetrockneter Meeresböden, die sich Kasachstan im Norden und Usbekistan im Süden teilen, umfasst heute rund 6 Millionen Hektar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/heuschrecken-bekaempfung-die-herausforderungen-in-zentralasiatischen-laendern/">Heuschrecken-Bekämpfung: Die Herausforderungen in zentralasiatischen Ländern</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Folge wird die Wasserversorgung unberechenbarer, was den Zugang zu Wasser erschwert. Um diesem Problem zu begegnen, sieht die Erklärung von Astana die Entwicklung neuer datengestützter Technologien vor, die auf Oberflächen- und Grundwasserdaten basieren und eine vorausschauende Wasserbewirtschaftung ermöglichen sollen, etwa durch die Digitalisierung von Kanälen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Priorität besteht nicht mehr darin, die Wasserversorgung zu erhöhen, sondern die Effizienz ihrer Nutzung zu verbessern“</em>, erklärte der kasachstanische Vizeminister für Wasserressourcen und Bewässerung, Talgat Momyşev. Die Regierung subventioniere derzeit bis zu 80 Prozent der Kosten solcher wassersparenden Technologien, was einen <em>„grundlegenden Wandel hin zu einer rationalen und wirtschaftlich sinnvollen Wasserbewirtschaftung“ </em>darstelle.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="http://?">Wie der Kokaral-Damm in Kasachstan den Aralsee wiederbeleben will</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich wurde auf dem Gipfel eine neue Initiative Kasachstans verabschiedet: der <em>„Grüne Schild Zentralasiens</em>“, ein umfangreiches Wiederaufforstungsprojekt. Der Aufbau von Waldnetzen ist in der Region nicht neu, insbesondere in Kasachstan, wo seit 1997 ein 102.000 Hektar großer Waldgürtel um die Hauptstadt Astana angelegt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Umweltminister Nysanbaev zeige dies, dass <em>„selbst in zuvor für Waldökosysteme ungeeigneten Gebieten die Wiederherstellung von Ökosystemen möglich ist, wenn sie auf Wissenschaft, vorausschauender Planung und professionellem Forstwissen basiert“</em>. Der kasachstanische Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> wies zudem darauf hin, dass Kasachstan in den letzten fünf Jahren über 1,5 Milliarden Bäume gepflanzt habe und dass <a href="http://?">36 Prozent</a> des kasachstanischen Teils des Aralsees durch ökologische Maßnahmen wiederhergestellt worden seien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein bewusstes Bedürfnis nach Zusammenarbeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Gipfel wurden weitere Maßnahmen angekündigt, um die Luftqualität zu verbessern, die Biodiversität zu erhalten, die Ernährungssicherheit zu gewährleisten, chemische Abfälle zu verwalten, Plastikverschmutzung zu bekämpfen und ökologische Innovationen in Zentralasien zu fördern. Besonders betont wurde die Notwendigkeit der Zusammenarbeit. <em>„All diese Herausforderungen sind ihrer Natur nach grenzüberschreitend und erfordern gemeinsame politische Entscheidungen und Investitionen“</em>, betonte der Präsident der COP29 und Klimabeauftragte Aserbaidschans, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mukhtar_Babayev">Mukhtar Babayev</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/vereinte-nationen-kuendigen-duerre-fuer-zentralasien-an/">Vereinte Nationen kündigen Dürre für Zentralasien an</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Erklärung „Ökologische Solidarität Zentralasiens“ schlug Kasachstan zudem die Schaffung einer internationalen Wasserorganisation innerhalb der UNO vor, allerdings ohne konkreten Finanzierungsplan. Außerdem forderten die zentralasiatischen Staaten stärkere internationale finanzielle Unterstützung zur Bewältigung ihrer Umweltprobleme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es bleibt abzuwarten, ob die Länder ihre Interessen und Ressourcen koordinieren können, um ihre Ziele zu erreichen. Der Gipfel von Astana hat zumindest eine neue Erzählung im Kampf gegen den Klimawandel vorgeschlagen – mit dem Bewusstsein, dass geteilte Risiken zu gemeinsamen Lösungen werden können.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Eloise Thompson für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/environnement/a-astana-un-sommet-sur-les-defis-environnementaux-specifiques-a-l-asie-centrale/">Französischen</a> von Margaret Bullich</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Nawruz und der Islam: Eine Koexistenz mit Konflikten</title>
		<link>https://novastan.org/de/panorama/nawruz-und-der-islam-eine-koexistenz-mit-konflikten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 May 2026 17:22:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Nawruz]]></category>
		<category><![CDATA[Nouruz]]></category>
		<category><![CDATA[Nowruz]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der tadschikische Wissenschaftler Akbar Tursun erkl&#xE4;rt die Gr&#xFC;nde der Proteste gegen Nawruz. Versuche, das persische Neujahrsfest zu verbieten, gab es seit der Fr&#xFC;hzeit des Islam. Gescheitert sind sie aber trotzdem. Der folgende Artikel von Akbar Tursun ist vor zwei Jahren als eine Antwort auf die neueren Debatten &#xFC;ber Nawruz und seine Beziehung zur Religion erschienen. [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der tadschikische Wissenschaftler Akbar Tursun erklärt die Gründe der Proteste gegen Nawruz. Versuche, das persische Neujahrsfest zu verbieten, gab es seit der Frühzeit des Islam. Gescheitert sind sie aber trotzdem.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der folgende Artikel von Akbar Tursun ist vor zwei Jahren als eine Antwort auf die neueren Debatten über Nawruz und seine Beziehung zur Religion erschienen. Unser Partnermedium Asia-Plus veröffentlichte ihn erneut, da die hier diskutierten Fragen nach wie vor aktuell sind.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Für uns Tadschiken symbolisiert Nawruz, als Brücke zwischen sozialen Epochen, nicht nur die Überlebung unserer Urahnen über schwere Zeiten hinweg, sondern auch die Aufbewahrung des historischen Lebens unserer Generation in der Zukunft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anerkennung von Nawruz als Nationalfeiertag nach während der politischen Unabhängigkeit unserer sowjetischen Republik war eine zeitgemäße Maßnahme, ein Mittel und ein wichtiger Schritt auf dem Weg der historischen Entwicklung und Festigung der tadschikischen Nation im modernen Sinne des Wortes.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Diese zukunftsorientierte Entscheidung hatte auch einen wichtigen pädagogischen Zweck: Sie war ein wichtiger Schritt zur Gestaltung und Stärkung der Generationen und der Wurzeln im Kontext der historischen und kulturellen Integrität der iranisch-turanischen Zivilisation, einer der ältesten Zivilisationen der Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dank der reichen Bräuche und Traditionen unserer frühen Vergangenheit hat sich der Horizont des tadschikischen Patriotismus erweitert, und die nationale Einheit der Tadschiken erhielt eine besondere historische und spirituelle Bedeutung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider gibt es unter den persisch- und turksprachigen Geistlichen heute noch Gelehrte, die Nawruz ausschließlich als Fest des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus">Zoroastrismus</a> sehen und gleichzeitig deren Anhänger als Feueranbeter, also Götzenanbeter, und die Feier von Nawruz als „verbotenen“ Ritus für Muslime betrachten. Es ist schade, dass dieses wissenschaftlich bedeutsame und gesellschaftlich wichtige Thema bis heute keine angemessene akademische Aufmerksamkeit genießt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gründe und Ziele der Proteste gegen Nawruz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Was ist der Grund und das Ziel der aktuellen Proteste gegen Nawruz? Ich halte die Handlungen dieser islamischen Gelehrter nicht für einen Akt der Opposition gegen den Nationalstaat oder eine Art Selbstdarstellung. Deshalb werde ich keine Namen nennen und nicht ins Detail gehen. In der Tat bin ich überzeugt, dass die kritische Stellung dieser neuen Gegner von Nawruz nicht aus den heiligen Quellen des Islam stammt. Ich kritisiere jedoch nicht die religiösen Überzeugungen der Kritiker und halte sie nicht für dogmatisch oder nachahmend.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/zurueck-in-die-zukunft-identitaetspolitik-mal-anders-zarathustra-und-die-politische-dimension-des-nouruz-festes/"><strong>Zurück in die Zukunft – Identitätspolitik mal anders: Zarathustra und die politische Dimension des Nouruz-Festes</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich frage nur mit den Worten des Heiligen Korans: <em>„Warum streitet ihr über etwas, von dem ihr keine Kenntnis habt? Und möge euer Argument in dem, was ihr wisst, richtig sein!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch dann… wenn wir diese Frage grundsätzlich stellen, stoßen wir unvermeidlich auf eine Quelle der Meinungsverschiedenheit mit dem salafitischen Klerus. Nämlich geht es in diesem Fall um das richtige Verständnis bestimmter Koranverse und prophetischer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hadith">Hadithe</a>. Bei ihrer Auslegung spielt der menschliche Faktor keine Rolle.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was ist denn nun der „menschliche Faktor“?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um diese Frage zu beantworten, greife ich auf ein bekanntes Zitat von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschamal_ad-Din_al-Afghani">Dschamaluddin Asadabadi</a> zurück. In einem Gedicht, einer Diskussion mit dem französischen Islamwissenschaftler <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ernest_Renan">Ernest Renan</a> gewidmet, meinte er: <em>„Im Wesen des Islams selbst gibt es keine Mängel. Alle existierende Mängel entspringen daraus, dass wir Muslime sind! “</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Satz erkennen wir, dass Asadabadi zwei miteinander verbundene Begriffe unterscheidet: „Islam“ und „Muslim“. Diese Unterscheidung ist methodologisch sehr relevant. Im Wesentlichen verkörpert der Islam die göttliche Offenbarung durch das Koran und die Überlieferungen des Propheten (der Sunna), und dieser Titel ist eine ewige Wahrheit. Das Muslimsein ist das menschliche Verständnis religiöser Prinzipien und Heiligtümer aufgrund der Auslegung und Interpretation von maßgeblichen Quellen des Islam, darunter Analogien und Konsens.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ueber-politik-im-islam-und-integrative-interpretationen-heiliger-texte/"><strong>Über Politik im Islam und integrative Interpretationen heiliger Texte</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Grundlagen der Religionsgemeinschaft bleiben an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten unverändert. Doch die Auslegung und das Verständnis religiöser Prinzipien können im Laufe der Zeit verbessert, korrigiert oder verändert werden. Wenn das nicht so wäre, hätte sich der Islam nicht in verschiedene Strömungen, Sekten und verfeindete Richtungen gespalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Krisensituation kann man mit den Worten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rumi_(Dichter)">Rumis</a> erklären: <em>„Ich bin in meinem Streben nach dem richtigen Verständnis gestorben!“ </em>In Bezug darauf muss eine wissenschaftliche Diskussion zwangsläufig die Wurzel des Problems untersuchen. Wenn wir die eine oder andere islamische Regelung zum „Haram“ („bid’a“ oder „makruh“) im Bezug auf Nawruz betrachten, wird deutlich, dass es neben rein religiösen Argumenten eine Vielzahl eigennütziger oder opportunistischer Überlegungen gab, die ideologisch, politisch und wirtschaftlich gefärbt waren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verbote seit über tausend Jahren</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nehmen wir die Zeit des arabischen Kalifats: Im ersten Jahrhundert nach der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hidschra">Hidschra</a> wurde Nawruz als heidnischer Ritus verboten. Doch später fanden die arabischen Kalifen und ihre Ideologen an zwei Dingen Gefallen: Erstens die Tradition, zu Nawruz Geschenke zu machen und anzunehmen, die an den Höfen der persischen Könige besonders verbreitet war. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Omar_Chayy%C4%81m">Omar Khayyam</a> beschrieb in seiner Abhandlung „Nawrunama“, die er als eine Art Unterweisung für die Nachkommen des Seldschuken-Sultans <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Malik_Schah_I.">Malik-Shah</a> verfasste, ausführlich den Brauch, dem König am Tag des Großen Nawruz Geschenke zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens verstanden die Kalifen sofort: Statt die Bräuche und Traditionen der Nichtmuslime zu verbieten, war es vorteilhafter, ihnen zu ermöglichen, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten und ihre Bräuche und Traditionen beizubehalten, im Austausch gegen die Zahlung einer zusätzlichen Steuer (der sogenannten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschizya">Dschizya</a>). Die besondere Bedeutung dieser Religionspolitik lag darin, dass man dadurch, wie ein tadschikisches Sprichwort sagt, sowohl gewinnen als auch nichts verlieren konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der dritte Grund war rein politischer Natur. Der Gelehrte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadriddin_Ainij">Ustod Aini</a> erläuterte ihn am Beispiel des Verhaltens der Manghitumaren-Dynastie, die unter Berücksichtigung der Ratschläge und Empfehlungen der Gelehrten von Buchara regierten: <em>„Unter den Emiren von Buchara hat Emir Musaffar das Nawruz-Fest seiner volkstümlichen Form entzogen und ihm formellen Charakter verliehen. Das tat er nach der Niederlage im Krieg gegen Russland. Nach den Worten ehrlicher alter Männer verlor Emir Musaffar nach der Kriegsniederlage jegliches Ansehen unter dem Volk. Insbesondere, als er die Menschen ausraubte und versuchte, die durch den Krieg leere Staatskasse wieder aufzufüllen, wuchs der Hass des Volkes auf ihn noch mehr.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Deshalb organisierte er überall, wo er sich niederließ, ein Fest (d. h. einen öffentlichen Feiertag) und beschäftigte die Menschen damit, ihn zu beobachten, damit sie die Augen vor seinen unbeliebten Handlungen verschlossen oder keine Zeit hatten, diese zu sehen… Die letzten Emire von Buchara nutzten dieses Fest, um die Menschen lange Zeit mit nutzlosen und schädlichen Dingen zu beschäftigen und so in Frieden für sich selbst zu leben.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/"><strong>Wie vor 100 Jahren die Bolschewiki das Emirat von Buchara und das Khanat von Xiva zerstörten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Aussagen des Korans und anderer heiliger islamischer Quellen ging die Gier des Klerus manchmal so weit, dass sie sogar das Wort Allahs missachteten. Die Suren Al´-Baqara und Al´-Imran enthalten einen sehr interessanten Hinweis: Einige der früheren Propheten und ihre Anhänger verdrehten willkürlich die Worte Allahs und stellten ihre Verfälschungen als Gebote und Taten Allahs selbst dar; damit versuchten sie immer wieder, die Menschen in die Irre zu führen. Zweifellos taten sie dies absichtlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits sind die koranischen Zeugnisse eine heilige Bestätigung der universellen Wahrheit: Die Ausleger des Korans und der Sunna stammen nicht aus dem Geschlecht der Engel; da sie Menschen sind, waren und sind sie nicht vor Verständnislücken und Ungenauigkeiten in der Auslegung sicher. Eben das gilt auch für ihr spirituelles Bild, das ebenfalls ein wichtiger Bestandteil ebendieses menschlichen Faktors ist. (Vergleichen Sie dies mit den Worten und Taten derer, die im Koran als „Heuchler“ dargestellt werden).</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Sinne ist der Muslim gewissermaßen ein Spiegelbild der Reife der spirituellen Kultur seiner Gesellschaft. Angesichts all dieser allgemeinen Argumente und Überlegungen muss man sich fragen: Womit genau steht die Feier des Nawruz im Widerspruch? Mit den Vorschriften des Islam im Allgemeinen? Oder mit der Auslegung und Interpretation einzelner koranischer Vorschriften? Oder vielleicht mit bestimmten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fatwa">Fatwas</a>, die einige muslimische Rechtsgelehrte oder Gelehrte unter bestimmten Umständen oder in Bezug auf eine bestimmte Frage verfasst oder schriftlich geäußert haben?</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kein einheitlicher Ansatz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kern der Überlegung ist im Endeffekt, dass es keinen einheitlichen, allumfassenden, grundlegenden islamischen Ansatz zum Nawruz-Fest gibt, den alle Denkschulen, Sekten oder Rechtsschulen (zumindest im Rahmen des geistigen Bereichs der beiden wichtigsten islamischen Denkschulen) als universelle Wahrheit anerkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Quelle der heutigen Protesten gegen Nawruz-Feierlichkeiten sind die religiösen Schriften von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Ghaz%C4%81l%C4%AB">al´-Ghazali</a>, einer der einflussreichsten sunnitischen Gelehrten. In der Geschichte der islamischen Wissenschaft ist al´-Ghazali nicht nur als Autor einer Reihe grundlegender Werke: Der Imam verfügte zudem über ein seltenes kritisches Denken, das sich durch Scharfsinn und Einsicht auszeichnete. So suchte Ghazali beispielsweise in seinem berühmten Werk „Tahafut al-Falasifa“ Spuren von Gotteslästerung und Ketzerei in den Gedanken und Taten seiner Vorgänger und Zeitgenossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den prominenten Denkern, die der Imam scharf kritisierte und verurteilte, gehörte auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Avicenna">Ibn Sina</a>: Ghazali verurteilte nicht nur seine Werke, sondern auch seinen Alltag.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/avicenna-filmische-biografie-eines-grossen-gelehrten/"><strong>Avicenna – Filmische Biografie eines großen Gelehrten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Imame stammten zwar selbst von den Tadschiken aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Khorasan</a> ab; an manchen Orten lehnten sie jedoch systematisch und sogar fanatisch die wichtigsten Teile des kostbaren Erbes ihrer Vorfahren ab, insbesondere jene, die heute als Perlen der tadschikischen und iranischen Kultur gelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So forderte Ghazali in seinem Buch „Die Alchemie des Glücks“ von den Muslimen, insbesondere von der persischsprachigen Gemeinschaft, die Namen und Symbole zweier alter tadschikischer und iranischer Feste – Nawruz und Sada – aus dem Gedächtnis zu löschen: <em>„Das Verwenden von Parolen der Verstorbenen ist verboten und widerspricht dem Gesetz … Nawruz und Sada müssen ausgelöscht werden und niemand darf sie erwähnen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend wechselten die Imame vom Bereich der Moral direkt in den Bereich der militanten Ideologie. Ihr Hauptziel war es, die Feierlichkeiten der vorislamischen Feste der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFAdscham">Adscham</a> aus Sicht des (vermeintlich) rechtschaffenen Islam offiziell zu verbieten.“</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Akbar Tursun für Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://asiaplus.news/2026/03/27/iranskie-vlasti-zayavili-o-mobilizaczii-svyshe-odnogo-milliona-rezervistov/"><strong>Russischen</strong></a><strong> (und gekürzt) von Giulia Manca</strong></p>



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		<title>„Die Ukraine ist meine Heimat geworden“: Zentralasiat:innen helfen einem Land im Krieg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rferl]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 21:44:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Charkiw]]></category>
		<category><![CDATA[Humanitäre Hilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Jurten]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg in der Ukraine]]></category>
		<category><![CDATA[Kyiw]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachische &#x201E;Jurten der Unzerst&#xF6;rbarkeit&#x201C;, usbekischer Plow und humanit&#xE4;re Hilfe von der tadschikischen Diaspora &#x2013; Menschen aus Zentralasien, die in Kyjiw, Charkiw und anderen ukrainischen St&#xE4;dten leben, reichen w&#xE4;hrend des Krieges den Menschen in ihrer N&#xE4;he die Hand. F&#xFC;r viele von ihnen ist die Ukraine &#xFC;ber die Jahre zur Heimat geworden. Sie sehen es als ihre [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kasachische „Jurten der Unzerstörbarkeit“, usbekischer Plow und humanitäre Hilfe von der tadschikischen Diaspora – Menschen aus Zentralasien, die in Kyjiw, Charkiw und anderen ukrainischen Städten leben, reichen während des Krieges den Menschen in ihrer Nähe die Hand. Für viele von ihnen ist die Ukraine über die Jahre zur Heimat geworden. Sie sehen es als ihre Pflicht an, die Ukrainer:innen zu unterstützen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Fleisch, Karotten und Zwiebeln – so lautet Saule Alievas Einkaufsliste für die „Jurte der Unzerstörbarkeit“. Zu Hause schneidet sie die Zutaten noch klein, um am nächsten Morgen daraus Plow zuzubereiten. Dutzende Kiewer:innen stehen Schlange für das warme Mittagessen. Denn aufgrund der in diesem Winter verstärkten russischen Luftangriffe auf die zivile Infrastruktur der Ukraine fällt in vielen Mehrfamilienhäusern der ukrainischen Hauptstadt stundenlang der Strom aus und wird die Heizung abgeschaltet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es kommen Leute vorbei: Hier können sie ihre Handys aufladen und sich aufwärmen. Wir servieren kasachischen Tee. Zwei- bis dreimal [pro Woche] kochen wir Plow“, </em>sagt Saule.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die „Stätte der Unzerstörbarkeit“ im Kyjiwer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schewtschenko-Park_(Kiew)">Schewtschenko-Park</a> wurde wie in so einigen Städten im ersten Kriegsjahr in einer traditionellen Nomadenbehausung eröffnet. Die Konstruktionen und die Einrichtung stellte der kasachische Mäzen und Mitbegründer der Agrarholding <a href="https://www.kustogroup.com/">Kusto Group</a>, Daulet Nurjanov, während Vertreter:innen der kasachischen Diaspora in der Ukraine, wie Saule, die Jurten hochzogen und sich um die Beheizung kümmerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/eine-jurte-der-unzerstoerbarkeit-fuer-die-ukraine/"><strong>Eine „Jurte der Unzerstörbarkeit“ für die Ukraine</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Saule lebt bereits seit 35 Jahren in der Ukraine. Geboren in Aqtöbe, absolvierte sie später das Polytechnische Institut in Tomsk und arbeitete daraufhin als Ingenieurin an einer Flugschule in ihrer Heimat. 1991 zog sie mit gemeinsam mit ihrem Mann in die Ukraine und fand dort, was sie heute ihre zweite Heimat nennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es ist [auch] die Heimat meines Sohnes und meines Mannes. Das Land hat mich aufgenommen, als wäre ich hier geboren. In meinen 35 Jahren in der Ukraine habe ich noch nie jemanden ein böses Wort über mich sagen hören.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In den ersten Monaten seit dem 24. Februar 2022 halfen Jurten in Butscha, Kyjiw, Mykolajiw, Dnipro, Charkiw, Odessa, Slawjansk und Lwiw Tausenden von Ukrainer:innen. Die Menschen luden ihre Handys, wärmten sich auf und wurden mit Tee und <a href="https://cooking-with-dailyfamilystories.de/kasachische-baursaki-fluffige-teigbaellchen/">Baursaki</a> (kasachischen Berlinern, Anm. d. Ü.) umsorgt. Später, als sich die Energieversorgung im Land stabilisiert hatte, wurden viele Jurten abgebaut und in ein Lager gebracht. Nur in Kyjiw und Dnipro blieben sie stehen und wurden so zum Blickfang im Stadtbild.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Als Russland seine Angriffe auf das ukrainische Stromnetz in diesem Winter jedoch verstärkte, erwuchs die hauptstädtische Jurte erneut zu einem „Ort der Unzerstörbarkeit“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Unsere Jurte hat sogar eine Ecke für Kinder, wo sie malen und Bücher lesen können“, </em>führt Saule durch die Jurte und zeigt uns eine Kinderzeichnung, auf der eine schöne kasachische Jurte zu sehen ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Die Ukraine hat mir nie etwas Böses angetan“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vorsitzende der usbekischen Diaspora in der Ukraine, Shahobiddin Yusupov, lebt in Charkiw, der zweitgrößten Stadt des Landes, die nahe der russischen Grenze liegt. In den ersten Tagen der Invasion standen russische Soldaten vor den Toren Charkiws und drangen schließlich bis in die Stadt vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stadt stand unter täglichem Beschuss, wodurch Tausende von Gebäuden zerstört wurden, und dennoch schlug der Sturmversuch fehl. Im September führten die ukrainischen Streitkräfte eine erfolgreiche Gegenoffensive durch, befreiten den größten Teil der besetzten Region Charkiw und damit auch die Stadt aus der unmittelbaren Bedrohung. Doch die Angriffe auf Charkiw dauern an.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-krieg-in-der-ukraine-und-seine-folgen-fuer-zentralasien/"><strong>Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen für Zentralasien</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Shahobiddin hilft bedürftigen Ukrainer:innen schon seit Kriegsbeginn. Er erinnert sich, dass Gerüchte über eine bevorstehende Invasion bereits Anfang Februar 2022 aufkamen. Statt zu fliehen, beschloss Shahobiddin, sich gemeinsam mit seiner Familie vorzubereiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Etwa Mitte Februar hörte ich, dass ein Krieg ausbrechen würde. Ich erzählte meinen Kindern davon. Auf unserem kleinen Bauernhof bereiteten wir das Fleisch vor und legten im Keller einen Vorrat an Butter und Mehl an. In der Ukraine hatten die meisten Menschen nicht geglaubt, dass es zu einem Krieg kommen würde, und waren nicht vorbereitet. Deshalb suchten dann so viele unsere Hilfe auf: Soldaten, ältere Menschen und auch Krankenhäuser</em>“, so Yusupov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Krieg entwickelte sich bald zu einem Stellungskrieg. Shahobiddin sagt, dass er jetzt einmal pro Woche Plow verteilt. In den ersten beiden Kriegsjahren kochte er täglich einen riesigen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kazan_(cookware)">Kasan</a> (große Mengen fassender Topf, Anm. d. Ü.), später dreimal pro Woche.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Menschen haben sich daran gewöhnt. Es gibt die ersten Kriegskinder: Diejenigen, die zu Beginn des Konflikts geboren wurden, sind mittlerweile vier Jahre alt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Shahobiddin kam 1996 auf Einladung eines Freundes zum Arbeiten in die Ukraine. Das neue Land und die Freundlichkeit seiner Bewohner:innen gefielen ihm, weshalb er beschloss, zu bleiben, und später auch seine Angehörigen nach Charkiw nachzogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihren Lebensunterhalt verdient Yusupovs Familie mit der Zubereitung orientalischer Gerichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Zuerst haben wir Fast Food zubereitet, dann Samsa. 1997 haben wir den Leuten gezeigt, wie man Samsa mit Hackfleisch zubereitet. Es folgte unser erstes ein Café, dann ein Restaurant und später ein Hotel. Seit nunmehr 30 Jahren sind wir im Dienstleistungsbereich tätig“</em>, so der Usbeke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Shahobiddin sieht es als seine Pflicht an, den Ukrainer:innen in schwierigen Zeiten zu helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Mehr als die Hälfte meines Lebens habe ich hier verbracht, habe meine Kinder aufwachsen und heiraten sehen. Sogar meine Eltern wurden hier beigesetzt. Die Ukraine hat mir nie etwas Böses angetan. Nach Kriegsbeginn sind nur noch wenige Migrant:innen aus Zentralasien in der Ukraine geblieben. Hauptsächlich diejenigen, die schon seit Jahrzehnten hier leben und Familien gegründet haben.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/ohne-unnoetigen-laerm-wer-hilft-ukrainerinnen-in-usbekistan-und-aus-welchen-gruenden/"><strong>Ohne unnötigen Lärm: Wer hilft Ukrainer:innen in Usbekistan und aus welchen Gründen?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kirgistaner Talaj Sary, der seit vielen Jahren in der Ukraine lebt, fügt hinzu, dass die Menschen mit der Zeit wieder zurückkehrten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Als der Krieg begann, begann die Botschaft [Kirgistans], ihre Bürger:innen zu evakuieren – nicht alle, aber knapp 90 Prozent. Mit der Zeit kehrten zwar diejenigen, die hier einer Arbeit nachgingen, nach und nach zurück. Trotzdem sind es jetzt weniger als vor dem Krieg.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Menschen aus Tadschikistan reichen den Ukrainer:innen eine helfende Hand. Tadschikische Arbeitsmigrant:innen, die in europäischen Ländern arbeiten, sammeln Geld und Sachspenden und schicken diese an die tadschikische Diaspora in der Ukraine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kleidung kommt auf diese Weise Bedürftigen zu und von dem Geld lassen sich warme Mahlzeiten zubereiten. Diese werden auf Wunsch des <a href="https://www.spiegel.de/ausland/kyjiw-ukraine-vitali-klitschko-raet-buergern-von-kyjiw-zum-verlassen-der-stadt-a-a753a7e7-9dae-4b77-958b-eb6ffb61bcb3">Kyjiwer Bürgermeisters Vitali Klitschko</a> an die Beschäftigten im Energiesektor der Stadt weitergegeben, berichtet der in Litauen lebende Tadschikistaner Ilchom Jokubow<strong>:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Ukraine hat Tadschikistaner:innen aufgenommen, insbesondere solche, die in ihrem Land Probleme mit dem herrschenden Regime haben. [Wir erinnern uns], dass auch die einfachen Bürger:innen der Ukraine den Bürger:innen Tadschikistans umfassende Unterstützung gewährt haben. Die Haltung der Bevölkerung [gegenüber den Tadschiken] war immer freundlich. Heute durchlebt das ukrainische Volk leider schwerste Zeiten, wie Kälte, Stromausfälle und vor allem einen ungerechten Krieg. Wir betrachten es als Pflicht, unter diesen Umständen Unterstützung zu leisten, als Antwort auf all das Gute, das die ukrainische Regierung und dieses Volk für sie getan haben.“</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Abdulla Zhusupaliev für Radio Free Europe/Radio Liberty</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.azattyqasia.org/a/ukraina-stala-moey-rodinoy-kak-vyhodtsy-iz-tsentralnoy-azii-pomogayut-strane-otrazhayuschey-voen/33683359.html">Russischen</a> von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Wie ein Schüler versucht, tadschikische Mosaike zu retten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 21:41:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Chaihona Rohat]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Mosaik]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetische Architektur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein 17-j&#xE4;hriger Sch&#xFC;ler aus Bochtar dokumentiert tadschikische Mosaike, die vielerorts vom Verschwinden bedroht sind. Mit seinem Engagement bewahrt er ein St&#xFC;ck kulturelles Erbe &#x2013; oft dort, wo es sonst unbeachtet verloren gehen w&#xFC;rde. Abdurahmon Karajew besucht die 11. Klasse und f&#xFC;hrt ein normales Leben: Schulalltag, Freunde und Spazierg&#xE4;nge durch die Stadt. Doch gibt es auch [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><br>Ein 17-jähriger Schüler aus Bochtar dokumentiert tadschikische Mosaike, die vielerorts vom Verschwinden bedroht sind. Mit seinem Engagement bewahrt er ein Stück kulturelles Erbe – oft dort, wo es sonst unbeachtet verloren gehen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abdurahmon Karajew besucht die 11. Klasse und führt ein normales Leben: Schulalltag, Freunde und Spaziergänge durch die Stadt. Doch gibt es auch Raum für ein ungewöhnliches Hobby: Systematisch sucht, fotografiert und dokumentiert er tadschikische Mosaike.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer 2025 richtete Abdurahmon seinen Instagram-Account <a href="https://www.instagram.com/tajikmosaics?igsh=MWFsOG9zcjJ2YnNnZg==">tajikmosaics</a> ein. Dort veröffentlicht er Fotos und Videos von Mosaiken – von solchen, die noch erhalten sind und bald verschwinden könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-mosaike-von-taschkent-von-den-bruedern-jarsky-zum-kulturerbe/">Die Mosaike von Taschkent: Von den Brüdern Jarsky zum Kulturerbe</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Interesse an dieser Kunstform entstand in Moskau. Als er mit der U-Bahn fuhr, begann er plötzlich, nach oben zu schauen – auf die Mosaike in den Bahnhöfen: <em>„Einmal habe ich einfach beschlossen, eins dieser Mosaiken über meinem Kopf genauer zu betrachten und merkte, dass es aus winzigen Teilen besteht. Dann erfuhr ich, dass sie aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Smalte">Smalte </a>waren, und das hat mich sehr beeindruckt“</em>, erzählt er.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Diese Leidenschaft festigte sich aber erst zurück in Tadschikistan, als er herausfand, dass dieses Erbe auch dort existiert, und dass es aber rasch verschwindet.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Keine Nostalgie für die UdSSR, sondern ein Gespräch über sein Land</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Abdurahmon unterstreicht: Sein Interesse hat nichts mit einer Idealisierung der sowjetischen Vergangenheit zu tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Mosaike interessieren mich nicht als Teil des sowjetischen Erbes, sondern als Teil der Geschichte unseres Landes, das auch zur Sowjetunion gehörte“</em>, meint er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An den Mosaiken begeistern ihn gleich mehrere Aspekte: der historische Wert, die kunstvolle Komplexität und ihr harmonisches Zusammenspiel mit der umgebenden Architektur. <em>„Aus Glas und Stein ganze Meisterwerke zu schaffen – das ist unglaublich faszinierend.  Dabei fügen sie sich so harmonisch in die Architektur der Stadt ein, was ich über moderne Neubauten nicht behaupten kann.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade der Kontrast mit den zeitgenössischen Gebäuden ist einer der Gründe, warum er anfing, die Mosaike zu dokumentieren.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/03/Rohat-a-prendre-1536x1152-1-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-38690" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/03/Rohat-a-prendre-1536x1152-1-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/03/Rohat-a-prendre-1536x1152-1-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/03/Rohat-a-prendre-1536x1152-1-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/03/Rohat-a-prendre-1536x1152-1.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Inzwischen Abgerissen: Das Teehaus Rohat, Foto: Judith Robert/Novastan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Abriss der <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-geschichte-des-legendaeren-teehauses-rochat-in-duschanbe/">Teestube Rohat</a> [eine wahre Perle im Herzen der Stadt, die für ihre künstlerische und historische Bedeutung geschätzt wurde, aber für viele Einwohnende auch einen emotionalen Wert hatte. Gegen ihren Abriss haben sich ungewöhnlich viele engagiert, dies hat aber nicht geholfen, A. d. Ü.], des Kinotheaters Tadschikistans, des Majakowskij-Theaters  – diese Liste kann man ohne Ende weiterführen, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-geschichte-des-legendaeren-teehauses-rochat-in-duschanbe/">Die Geschichte des legendären Teehauses „Rohat“ in Duschanbe</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders schmerzhaft war für ihn die Nachricht, dass nun auch die Mosaik mit Abu Ali Ibn Sino (Avicenna) abgerissen wird:<em> „Das Haus ist schon von einem Zaun gesperrt und wird bald abgerissen. Dabei ist das eins der bekanntesten Mosaiken in Zentralasien und überhaupt die bekannteste, wo Avicenna abgebildet ist. Und es befindet sich ausgerechnet in Tadschikistan!“</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Abu-Ali-Ibn-Sina-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-44550" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Abu-Ali-Ibn-Sina-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Abu-Ali-Ibn-Sina-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Abu-Ali-Ibn-Sina-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Abu-Ali-Ibn-Sina.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kurz vor dem Abriss: Abu Ali Ibn Sino (Avicenna) Mosaik in Duschanbe. Foto: Paulina Heine/Novastan</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Auf Mosaiksuche</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Bochtar (besser bekannt als Qurghonteppa, A. d. Ü.) sind nicht viele Mosaike erhalten geblieben. Abdurahmon hat die ganze Stadt abgeklappert und hat sogar ein Wandbild gefunden, von dem nicht mal die Bewohner:innen des Ortes wussten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Derzeit kennt er mindestens acht Mosaike, die erhalten sind, unter denen eine Arbeit von <a href="http://oknasocrealisma.com/authors/sharipov-sabzali-nigmatovich-2/">Sabzali Scharipow</a>, zur Hälfte von einem angebauten Laden verdeckt. Einige Mosaike sind an sich „erhalten“, man kann sie aber nicht sehen: Einige sind komplett mit Putz bedeckt, andere übermalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die stärksten Emotionen empfindet der Schüler bei zufälligen Funden. Wie zum Beispiel beim Mosaik von Ikarus im halbverfallenen Haus der Kultur der Transformatorenfabrik: <em>„Wir haben ein Gebäude ohne Dach gesehen. Wir haben den Wachmann darum gebeten, uns reinzulassen, und haben wahnsinnig schöne Fresken und Mosaike gefunden. Wir waren einfach begeistert.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und einmal entdeckte er einen ganzen Saal, vollständig mit Mosaiken verziert. Das war ein ehemaliger Bankettsaal. <em>„Stellen Sie sich das nur vor: in einem Raum zu Abend zu essen, wo alle Wände mit Mosaiken verziert sind“</em>, schwärmt Abdurahmon.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Menschen beginnen, die Dinge mit anderen Augen zu sehen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die Frage, ob er seine Altersgenossen für dieses ungewöhnliche Hobby begeistern konnte, antwortete er mit einem klaren „Ja“. Mit seinen Freunden – Abdullo, Obid und Adham – ist er sogar in andere Städte auf der Suche nach Mosaiken gegangen. Aber auf ähnlichen Suchaktionen ist er meistens allein – denn schließlich, gibt er zu, kann dieser Prozess ziemlich anstrengend sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Eines weiß ich aber genau: Mit meinem Interesse konnte ich nicht wenige Leute begeistern, vor allem in Dushanbe“</em>, erzählt er.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Besondere Unterstützung erlebte er, als er letzten Sommer seinen <a href="https://www.instagram.com/tajikmosaics?igsh=MWFsOG9zcjJ2YnNnZg==">Instagram-Account</a> eröffnete. Dort veröffentlicht Abdurahmon regelmäßig gefundene Mosaike, und konzentriert sich dabei weniger auf Duschanbe, sondern vor allem auf die anderen Regionen des Landes.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Archiv für die Zukunft</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die Frage nach der Zukunft der Mosaike antwortete Abdurahmon, dass die beste Lösung wäre, sie einfach nicht anzurühren. Noch besser wäre es aber, ihnen den Status eines Kulturerbes zu verleihen. Seiner Beobachtung nach ist das Schicksal der Mosaike in Tadschikistan eins der traurigsten in den postsowjetischen Ländern. Besonders in den abgelegeneren Regionen, wo Abrissarbeiten unbemerkt voranschreiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/duschanbe-die-sowjetische-architektur-verschwindet/">Duschanbe: Die sowjetische Architektur verschwindet</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Menschen verstehen nicht, dass Mosaike Geschichte, Kunst, Architektur und touristisches Potenzial in einem sind“</em>, beklagt Abdurahmon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abdurahmon träumt davon, dass sein Instagram-Account Teil eines großen Projekts wird – eines Archivs oder einer Ausstellung: <em>„Ich wäre bereit, alle meine Archive und Daten, die ich zwei Jahre lang gesammelt habe, zur Verfügung zu stellen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bislang hat er keine professionelle Kamera – die meisten Aufnahmen sind mit den Handys von Freunden oder mit der Schulkamera entstanden, die er sich manchmal ausleiht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber vielleicht sind es gerade diese Fotos, die in 20 Jahren der einzige Beweis dafür sein werden, wie die Städte Tadschikistans aussahen…</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Weitere Fotos befinden sich im Artikel von <a href="https://asiaplus.news/2026/02/26/kak-shkolnik-iz-bokhtara-pytaetsya-sokhranit-tadzhikskie-mozaiki/">Asia-Plus</a> und auf <a href="https://www.instagram.com/tajikmosaics?igsh=MWFsOG9zcjJ2YnNnZg==">Instagram</a>.</em></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Alina Valamat-Zade für Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://stanradar.com/news/full/59355-kak-shkolnik-iz-bohtara-pytaetsja-sohranit-tadzhikskie-mozaiki-.html"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Giulia Manca</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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