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Vereinte Nationen kündigen Dürre für Zentralasien an

Laut Angaben der Vereinten Nationen (UNO) könnten Zentralasien in Zukunft häufiger von intensiven Dürren betroffen sein. Neben der globalen Erwärmung werden diese auch durch das schädliche Wirtschaften vieler Bauern gefördert. Zu wenig wird unternommen, damit sich die Situation in Tadschikistan ändert, berichtet das tadschikische Online-Medium Asia-Plus. Folgender Artikel erschien im russischen Original am 30. Juni 2021.

Die Dürre ist kurz davor, die nächste Pandemie zu werden, und es gibt keinen Impfstoff dagegen“, erklärte jüngst die UN-Sonderbeauftragte für die Katastrophenvorsorge Mami Mizutori in einem Pressebriefing. „Sie kann sich indirekt auf Länder auswirken, die die Dürre nicht tatsächlich erleben, und zwar durch unsichere Nahrungsmittelversorgung und den Anstieg der Nahrungsmittelpreise“, fügte sie hinzu.

Nach UN-Angabe habe die Dürre zwischen 1998 und 2017 weltweit bereits mehr als 124 Milliarden US-Dollar (etwa 105 Milliarden Euro) an wirtschaftlichen Schäden verursacht und mehr als 1,5 Milliarden Menschen betroffen.

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Die Verschlechterung der Bodenverhältnisse sei zum Teil auf unsachgemäße Landnutzung zurückzuführen und habe die Welt näher an einen „Point of no Return“ gebracht, so Ibrahim Thiaw, der bei der UN für die Bekämpfung der Wüstenbildung zuständig ist.

Helga Karsten, Öffentlichkeitsreferentin der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung, erklärte im Februar im Gespräch mit Asia-Plus, dass bereits circa 37 Prozent des Landes in Zentralasien degradiert seien. Der Klimawandel und nicht nachhaltige Praktiken bei der Landnutzung sind die Hauptursachen.

Was zu Dürre in Tadschikistan führen kann

Am meisten tragen langfristige Niederschlagsdefizite zur Trockenheit bei. Höhere Temperaturen und eine niedrigere Luftfeuchtigkeit in Zentralasien erschöpfen weiter die Feuchtigkeitsreserven des Bodens und schädigen die Ernten.

In den letzten zehn Jahren ist die durchschnittliche Frühlingstemperatur um 0,6 Grad Celsius gestiegen. Jedes Jahr verliert Zentralasien etwa 1 bis 1,5 Prozent seiner Gletscherfläche. Infolgedessen leiden die flussabwärts gelegenen Länder (Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan) unter landwirtschaftlicher Trockenheit, während die Gebirgsländer Kirgistan und Tadschikistan weitgehend Naturkatastrophen durch Erdrutsche und Überschwemmungen ausgesetzt sind. Aber auch in diesen beiden Republiken sind langanhaltende Dürren möglich.

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Wie von Experten festgestellt, verschlimmern die Aktivitäten des Menschen klimatische Prozesse und beschleunigen die Bodendegradation. Darunter sind insbesondere ungeeignete Methoden der Bodenbearbeitung, die Wahl der Feldfrüchte und deren Bewässerungsmethode, das Abholzen von Bäumen und die Überweidung.

Regierungsmaßnahmen gegen die Dürre

Unterschiedliche internationale Projekte befassen sich mit dem Thema Dürre in Zentralasien, darunter die von 2017 bis 2022 durchgeführte zweite Runde der „Central Asian Countries Initiatives for Land Management“. Tadschikistan kommen bei diesem von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen finanzierte Projekt 1,46 Millionen US-Dollar (1,23 Millionen Euro) zuteil. Ziel des Projekts ist die Optimierung der Vorgehensweisen in der landwirtschaftlichen Produktion und im Landmanagement in Gebieten, die von Degradation und Dürre betroffen sind.

Im Jahr 2019 verabschiedete Tadschikistan zudem einen „Nationale Strategie zur Anpassung an den Klimawandel bis 2030“. Sie stellt fest, dass Tadschikistan unter den europäischen und zentralasiatischen Ländern aufgrund seiner geringen Anpassungsfähigkeit am anfälligsten für den Klimawandel ist.

Zusammen mit anderen möglichen Naturkatastrophen, die mit dem Klimawandel zusammenhängen, verschärft die Dürre die Armut durch Zerstörung der Ernte und Einkommensverluste. Außerdem trägt sie zu noch bedeutenderen Migrationsprozessen bei, da weitere Teile der Bevölkerung gezwungen sein werden, im Ausland nach Arbeit zu suchen.

Wie kann der Trockenheit entgegengewirkt werden?

Reichlich Sonnenwärme und trockene Luft erzeugen mehr Verdunstung, was zu atmosphärischer Trockenheit führt. Da die Feuchtigkeitsspeicher ohne Nachschub durch Regenwasser erschöpft sind, tritt Bodentrockenheit ein.

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Eine ganze Reihe von agrotechnischen und rekultivierenden Maßnahmen wird zur Bekämpfung der Trockenheit eingesetzt. Sie zielen darauf ab, die wasserabsorbierenden und wasserhaltenden Eigenschaften des Bodens zu stärken. Der von Asia Plus kontaktierte Agronom Loik Akramsoda ist der Meinung, dass tiefes Pflügen im Herbst dazu beiträgt, das Wasser lange im Boden zu halten.

Weitere Maßnahmen sind die Einführung trockenheitstoleranter Pflanzensorten, die Anwendung von Tröpfchenbewässerung, die Verwendung von Abdeckmaterial, das die Verdunstung von Feuchtigkeit verhindert und somit Bewässerungswasser spart. Zu den Anpassungsmaßnahmen gegen Trockenheit gehört der Übergang zum Anbau von Nutzpflanzen in Gewächshäusern, unter der Folie oder anderen Schutzmaterialien.

Laut Akramsoda befinden sich heute aber fast alle bewässerten Flächen und Weiden Tadschikistans in den Händen privater Landwirte, und diese zeigen meist kein Interesse an der Umsetzung von Maßnahmen zur Dürrebekämpfung. Auf solchen Flächen wird jedes Jahr das gleiche angebaut: Weizen oder Kichererbsen. Ihre Erträge sind so gering, dass sie kaum die landwirtschaftlichen Kosten decken. In Dürrejahren bringen sie teils keinen Ertrag.

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Regenbewässerte Böden an Hängen machen mehr als die Hälfte aller landwirtschaftlichen Flächen in Tadschikistan aus. Dort ist es möglich, die in Zentralasien verbreitete Taifi-Traube, Maulbeerbäume und andere trockenheitsresistente Bäume zu pflanzen, die aufgrund ihrer tiefen und kräftigen Wurzelsysteme die Bodenerosion verhindern.

In bewässerten Gebieten herrscht in trockenen Jahren Wasserknappheit. Die Situation wird durch den schlechten Zustand der Bewässerungsanlagen verschärft und durch eine ungerechte Verteilung des Bewässerungswassers. Wenn also alle Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel umgesetzt werden und eine vernünftige Nutzung der Land- und Wasserressourcen erreicht wird, könnten die Folgen der von der UN vorhergesagte Dürre mindestens reduziert werden.

Sayfiddin Karajew
Asia-Plus

Aus dem Russischen von Florian Coppenrath

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