Der berühmte Fackellauf der Olympischen Spiele wird bei den World Nomad Games 2026 zu einem Wasser-Lauf. Diese Ankündigung Kirgistans, das die sechste Ausgabe der Spiele ausrichten wird, zielt darauf ab, die teilnehmenden Länder um eine Ressource zu vereinen, deren Verteilung in Zentralasien ein kritisches Thema ist.
Ende 2025 kündigte Kirgistan an, anlässlich der nächsten Ausgabe der World Nomad Games einen Wasser-Staffellauf zu organisieren. Ab Juni 2026 werden Vertretende aus Kirgistan in jeder Region des Landes Wasser sammeln, um es zum Austragungsort des Wettbewerbs zu bringen.
Auch wenn dieser Staffellauf dem Vorbild der Olympischen Spiele folgt, gehe es gemäss den Organisatoren darum, die Spannungen rund um das Thema Wasser zu entschärfen. Dies soll die Wichtigkeit der Ressource vor dem Hintergrund der Energiekrise, die Kirgistan und Tadschikistan in diesem Winter durchlebten, ausdrücken.
Jeder Tropfen Wasser zählt
Seit ihrer ersten Ausgabe im Jahr 2012 sind die World Nomad Games ein kulturelles Ereignis, das den kulturellen Reichtum der zentralasiatischen Staaten hervorheben soll. Die alle zwei Jahre stattfindende internationale Veranstaltung wird immer beliebter und präsentiert die kulturellen Bräuche und Traditionen der Nomaden.
Zu Ehren ihres Beitrags zur Entwicklung von Sport, Kultur oder Gesellschaft werden bis 2026 in jeder Region Kirgistans „Baatyr“, wie die traditionellen Kriegshelden genannt werden, und „Eltschiler“, ehemalige Botschafter der Khane, ernannt.
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Letztere werden damit beauftragt, den Köökör, einen traditionellen Trinkbecher aus Tierhaut, der von Nomaden verwendet wird, an den heiligen Quellen Kirgistans zu füllen. Dieses Projekt wird gestartet, wenn der erste Baatyr sich auf den Khan-Tengri-Gletscher begibt, um den ersten Köökör zu füllen,berichtet 24.kg. Das aus jeder Region und schließlich aus jedem teilnehmenden Land mitgebrachte Wasser wird in einen einzigen Behälter gegossen und in Bischkek, dem Ort der Eröffnungszeremonie der World Nomad Games 2026, ausgestellt.
Dieser Wasserstaffellauf soll an die fruchtbare Beziehung erinnern, die Nomaden seit jeher zur Natur pflegen, da Wasser von den Anhängern des Tengrismus, der aus Zentralasien stammenden „Religion der Steppen“, als heilig angesehen wird. Vereint durch die Tradition werden alle Teilnehmenden zu diesem Ereignis beitragen und daran erinnern, dass angesichts der drohenden Wasserknappheit jeder Tropfen zählt.
Ein regionales Ziel: Wasserversorgungssicherheit
Die Spiele sind eine gute Gelegenheit für die Regierung Kirgistans, an die Bedeutung des Wassers als Quelle von Spannungen in der Region zu erinnern. Laut einem Bericht der Weltbank haben ein Drittel der ländlichen Bevölkerung Kirgistans und zwei Drittel der Bevölkerung Tadschikistans keinen Zugang zu Trinkwasser. Obwohl diese Länder reich an Wasserressourcen sind, leiden sie unter den Folgen der globalen Erwärmung und ihrer veralteten, energieintensiven Infrastruktur.
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Seit 2025 konnte im Rahmen der regionalen Zusammenarbeit eine Einigung über die Wasserzuteilung aus regionalen Stauseen, der Schardara-Talsperre im Süden Kasachstans, des Becken des Syrdarja und des Naryn in Kirgistan, erzielt werden. Es wurden auch multilaterale Abkommen geschlossen, die den Stromaustausch zwischen Usbekistan, Kasachstan und Kirgistan vorsehen, wobei sich Kirgistan verpflichtet, den Durchfluss des Toktogul-Staudamms zu regulieren.
Diese Maßnahmen reichten jedoch nicht aus, um Energieengpässe im Herbst 2025 in Tadschikistan und Kirgistan zu vermeiden, deren Energieerzeugung fast ausschließlich auf Wasserkraft basiert.
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Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen – und von eurer Unterstützung!In Tadschikistan ist der Wasserstand des Nurek-Stausees im Laufe des Jahres 2025 um 2,47 Meter gesunken. Nicht besser sieht es in Kirgistan aus, wo Präsident Sadyr Dschaparow einen Verlust von zwei Milliarden Kubikmetern, also 20 Prozent des Volumens des Wasserkraftwerks Toktogul, bekannt gegeben hat.
Angesichts dieser Defizite will der nationale Wasser-Lauf der World Nomad Games Hoffnung machen: Durch den Kampf gegen den Klimawandel und dank regionaler Zusammenarbeit wird hoffentlich ein verantwortungsvoller Umgang mit Wasserressourcen möglich.
Salomé Aldeguer-Roure für Novastan
Aus dem Französischen von Michèle Häfliger
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World Nomad Games 2026: Wasserproblematik als Thema des Wettbewerbs