eine Straßenblockade im Dorf Buston

Ohne Gas und Strom: Energiekrise treibt Usbekistans BürgerInnen auf die Straße

Gleich in mehreren Städten Usbekistans ist es in der vergangenen Woche zu Protestaktionen gekommen. Da in einigen Regionen des Landes trotz Wintereinbruch die Strom- und Gasversorgung zusammengebrochen ist, blockieren BürgerInnen in ihrer Verzweiflung Straßen, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Seit Ende November ist es in verschiedenen Regionen Usbekistans zu Protesten gekommen, die sich gegen die Energieknappheit im Land richten. Nachdem mehrere Regionen bei Temperaturen bis zu minus 15 Grad unter einer nicht ausreichenden Gasversorgung litten, gingen viele BürgerInnen dazu über, für das Heizen der Wohnungen und das Zubereiten von Essen Elektroenergie zu verwenden. Dies führte wiederum zu einer Überbelastung des Stromnetzes.

Stromausfälle wegen überlasteter Netze

Erste Proteste wurden am 28. November aus Andijon im Ferganatal gemeldet. Wie Gazeta.uz berichtete, blockierten EinwohnerInnen zweier Mahallas die Straße im Zusammenhang mit häufigen Ausfällen der Gas- und Energieversorgung. Der Netzbetreiber machte einen Transformator-Schaden als Ursache aus und konnte am folgenden Tag die Stromversorgung wiederherstellen.

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Am 30. November kam es zu einer weiteren Straßenblockade, diesmal im benachbarten Gebiet Fargona. Hier soll der Bruch einer Leitung zur Unterbrechung der Gasversorgung geführt haben, die dann den Anstieg des Stromverbrauchs verursachte und somit zum Stromausfall führte.

„Der Hokim (Verwaltungschef, Anm. d. Red.) des Gebiets, der Chef der Abteilung des Innenministeriums, Angestellte des regionalen Gasversorgers und der Leiter des regionalen Stromnetzbetreibers haben sich mit der Bevölkerung getroffen. An demselben Tag wurden die Probleme beseitigt“, zitiert Gazeta.uz die regionale Abteilung des Innenministeriums.

Proteste in allen Landesteilen

Auch die Republik Karakalpakstan im Westen Usbekistans wurde von den Protesten erfasst. EinwohnerInnen des Dorfes Buston blockierten am 1. Dezember für einige Stunden Straßen, um gegen den Gasmangel zu protestieren. Ein Video, das sich anschließend in den sozialen Netzwerken verbreitete, zeigt Dutzende Männer und Frauen, die um ein Feuer inmitten der Straße herumstehen und Autos am Durchfahren hindern. Schon zuvor war es zu ähnlichen Aktionen in der Republikhauptstadt Nukus gekommen.

„Ich weiß nicht, wie lange wir dort gestanden haben. Wahrscheinlich ein oder zwei Stunden. Dann kam der Hokim, Leute von der Miliz. „Probleme mit dem Gas gibt es jetzt überall. Aber wir werden dieses Problem lösen“, hat man uns versprochen. Dann gingen die Leute nach Hause“, sagte ein Bewohner der Stadt gegenüber Radio Ozodlik, dem usbekischen Dienst von Radio Free Europe.

Auch aus anderen Teilen des Landes wird von Protestaktionen berichtet. Dies unterstreicht den Ernst der Lage, denn ungenehmigte Protestaktionen sind in dem zentralasiatischen Land ungewöhnlich und werden in der Regel hart sanktioniert. Die Regierung scheint zu fürchten, dass die Proteste sich ausweiten und zu einem Sammelbecken massiver Unzufriedenheit mit den Behörden werden. In Taschkent werden daher Sondergruppen für die Unterdrückung der Proteste gebildet, berichtet Radio Ozodlik unter Verweis auf eine anonyme Quelle aus der Stadtverwaltung von Fargona. Diese Einheiten scheinen aber bisher noch nicht zum Einsatz gekommen zu sein.

Gasmangel trotz großer Gasvorkommen

Die Probleme bei der Gasversorgung betreffen mittlerweile das ganze Land und haben laut einem Bericht von Fergana News bereits die Hauptstadt Taschkent erreicht. Dabei scheint das Problem durchaus absehbar gewesen zu sein. So wurden in Termiz alle Restaurants und Cafés im Vorfeld über die Gasabschaltung informiert, wie zumindest der Telegram-Kanal „Real News of Usbekistan“ berichtete. Außerdem warnten Beamte davor, dass an den Tankstellen weniger Methan verfügbar sein werde – ein gewaltiges Problem angesichts der Tatsache, dass in Usbekistan mehr als die Hälfte der Autos mit Methan fahren.

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Den Grund für die landesweiten Engpässe in der Gasversorgung sieht Fergana News vor allem im maroden Netz liegen. Die Hauptleitungen sollen auf die starke Kälte nicht vorbereitet gewesen sein, sodass das Wasserkondensat, das sich in ihnen bei Minustemperaturen bildete, die Kapazität der Röhren erheblich reduzierte.

Dies wäre sicherlich eine plausible Ursache, denn Gas ist in Usbekistan eigentlich keine Mangelware. Das Land ist weltweit Nummer 14 unter den Erdgas-Produzenten und lediglich 20 Prozent des geförderten Gases gehen in den Export. Der größte Teil wird innerhalb des Land verbraucht – in der Wohnungswirtschaft, in der Industrie oder als Treibstoff im Kraftverkehr. Gas ist dabei mit einem Anteil von 80 Prozent der wichtigste Energieträger Usbekistans.

Robin Roth, Redakteur für Novastan

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