Über die Maße: Wie Usbekistan und Turkmenistan ihre Wasserressourcen überstrapazieren

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) beschreibt in zwei Berichten die übermäßige Nutzung von Wasserressourcen in Usbekistan und Turkmenistan. Der Wasserverbrauch der beiden Länder übersteigt die Reserven um 69 beziehungsweise 44 Prozent.

Der Druck auf die Wasserressourcen in Usbekistan und Turkmenistan wächst. Wie das usbekische Nachrichtenportal The Tashkent Times berichtet, hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) Ende August während der Weltwasserwoche in Stockholm zwei Berichte veröffentlicht, aus denen hervorgeht, dass Usbekistan 169 Prozent und Turkmenistan 144 Prozent seiner Wasserreserven verbrauchen.

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Beide Berichte machen politische Entscheidungsträger:innen darauf aufmerksam, dass schnelles Handeln dringend notwendig ist. Während der eine Bericht die Effizienz von Wassernutzung beleuchtet, behandelt der andere das Ausmaß des Wasserstresses. Um den Grad der Wasserknappheit zu messen, nutzen die Expert:innen der FAO als Indikator den sogenannten Wasserstress und berechnen den Wasserverbrauch im Verhältnis zu den Reserven von einzelnen Ländern und Regionen. Usbekistan und Turkmenistan weisen in der Kategorie Binnen-Entwicklungsländer den größten Wasserstress auf.

Wasser – essenziell für die wirtschaftliche Entwicklung

„Wasser ist die Essenz des Lebens und das Herzstück der Agrar- und Ernährungssysteme“, erklärt FAO-Generaldirektor Qu Dongyu im Vorwort zu den Berichten. Und tatsächlich ist Wasser ein unverzichtbares Element für das Wirtschaftswachstum und die Ernährungssicherheit in Usbekistan und Turkmenistan. Die Berichte zeigen, dass mehr als 90 Prozent des Wasserverbrauchs beider Länder auf Kosten der Landwirtschaft erfolgt. Dies erklärt den steigenden Wasserbedarf und die damit einhergehende Verknappung.

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Laut FAO könnten in den kommenden Jahrzehnten mehr Länder und Regionen von Wasserknappheit betroffen sein. Den Berichten zufolge werden Megapolen wie Peking, London, Mumbai und Tokio wahrscheinlich bis 2050 eine Krise in Bezug auf ihre Wasserversorgung erleben.

Hin zu einem besseren Wassermanagement

Der Wassermangel für Landwirtschaft und Privatverbrauch beunruhigen die zentralasiatischen Behörden in verstärktem Maße. Die wirtschaftliche Zukunft von Usbekistan und Turkmenistan hängt zunehmend davon ab, ob es gelingt, eine neue Wasserpolitik zu erfinden.

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Im Wasserstress-Bericht zeigen die Expert:innen die dringende Notwendigkeit auf, widerstandsfähige Wassermanagementsysteme zu entwickeln, insbesondere für Landwirtschaft. „Die Wassersicherheit ist eine wichtige globale Herausforderung. Sie hat Auswirkungen auf die Landwirtschaft, die Energieerzeugung, die Grundbedürfnisse der Bevölkerung und die Ökosysteme“, erklärte die stellvertretende FAO-Generaldirektorin Maria Helena Semedo im Rahmen der Weltwasserwoche.

Beständige Wasserprobleme

Usbekistan und Turkmenistan sind nicht die einzigen zentralasiatischen Länder, die eine Wasserknappheit befürchten müssen. So liegen in Kirgistan und Kasachstan die Indikatoren für den Süßwasserverbrauch ebenfalls über dem weltweiten Durchschnitt von 18,4 Prozent. Laut dem Wasserstress-Bericht verbrauchten die beiden Länder im Jahr 2018 50 beziehungsweise 33 Prozent ihrer Reserven.

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Mit der Wasserknappheit in der Region entsteht auch eine Gefahr für die Stromversorgung. Laut Radio Azattyk, dem kirgisischen Dienst von Radio Free Europe, schätzte Kirgistans nationale Energieversorgungsgesellschaft am 10. September, dass der Toktogul-Stausee im Frühjahr 2022 trockenfallen könnte. Allein dieser Stausee erzeugt 30 Prozent des Stroms im Land.

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Auch Tadschikistan ist betroffen, obwohl es laut Angaben des tadschikischen Nachrichtenportal Asia-Plus nur 17 bis 20 Prozent des von seinem Territorium ausgehenden Wassers selbst verwendet, während der Rest im an den Unterläufen der Flüsse gelegenen Usbekistan verbraucht wird. Eine schwere Wasserknappheit in Usbekistan könnte sich auch auf die Stromproduktion in Tadschikistan auswirken.

Nerphalone Saint-Rival, Redakteurin für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

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