Duschanbe Regierungsgebäude

Das tadschikische Außenministerium bietet 70 Euro Monatsgehalt für Analystenstelle

Es ist eine befremdliche Annonce. Das tadschikische Außenministerium bietet auf seiner Homepage seit dem 16. August eine Stelle an, die mit einem ausgebildeten Analysten für internationale Beziehungen besetzt werden soll. Bewerber müssen mindestens drei Sprachen beherrschen: Tadschikisch, Russisch und eine weitere. Sie sollten außerdem mindestens drei Jahre Berufserfahrung haben. Die Vergütung beträgt 632 Somoni pro Monat – etwa 70 Euro.

Während sich das Durchschnittsgehalt laut dem tadschikischen Statistikamt auf etwa 910 Somoni beläuft (etwa 100 Euro), erscheint die Annonce für einen erfahrenen und gut ausgebildeten Spezialisten vollkommen realitätsfern. Welche qualifizierte und polyglotte Person würde ein solches Gehalt akzeptieren?

Zeichen einer Finanzkrise in Tadschikistan…

Tadschikistan versucht bereits seit Beginn diesen Jahres seine Kassen zu sanieren. Auch die Banken des Landes sind konkursbedroht. Das ärmste Land der Region verweilt so in Furcht vor einer Staatspleite. Denn Tadschikistan ist, wie die gesamte Region, stark von der russischen Rubelkrise betroffen.

So ist der tadschikische Staat wahrscheinlich schlicht nicht fähig, derzeit ein passendes Gehalt auszuzahlen. Bei den turkmenischen und usbekischen Nachbarn tauchen ähnliche Probleme auf. Erst kürzlich streikten zum Beispiel die Straßenreiniger Samarkands, weil sie über Monate keinen Lohn ausgezahlt bekamen.

…oder ein Zeichen, dass „Nebeneinkünfte“ eingeplant sind?

Tadschikistan ist das von Geldsendungen seiner im Ausland arbeitenden Emigranten abhängigste Land weltweit. Diese meist aus Russland kommenden Einkünfte stellen die Hälfte seines jährlichen Bruttoinlandsproduktes. Ein solches von den Behörden angebotenes Gehalt erklärt wohl die massive Abwanderung auch gut ausgebildeter Arbeitskräfte.

Zusätzlich ist Tadschikistan eines der korruptesten Länder der Welt – derzeit auf dem 136. Platz der 168 von Transparency International untersuchten Staaten.

Die tadschikischen Behörden sind dabei die am meisten von Korruption betroffenen Stellen. Das unterdurchschnittliche Gehalt für eine qualifizierte Analystenstelle zeigt, wie ein korruptes Verhalten der Beamten bereits mehr oder minder institutionell verankert ist. Denn ein solches erlaubt es niemandem, in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe würdevoll zu überleben.

Die Redaktion

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VargaA
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