Woru Tadschikistan

Das Dorf Woru in Tadschikistan – Der Himmel und die Berge als einziger Trost

Das kleine Dorf Woru in Tadschikistan ist schwierig zu erreichen. Seine Einwohner verfügen im Umkreis von 30 Kilometer über keine Einkaufsmöglichkeit. Das Dorf lebt von Erträgen aus der Landwirtschaft und von den Rücküberweisungen ausgewanderter Verwandter.

Ein verlorenes Dorf mitten in den tadschikischen Bergen. Woru liegt im Gebiet Pandschakent im Nordosten Tadschikistans. Gut versteckt im Herzen des Fann-Gebirges und nicht weit vom Hissargebirge, das sich im Norden von Duschanbe erstreckt, beherbergt es 1200 Einwohner, die sich auf 350 Familien aufteilen.

Sechs Autostunden benötigt man von der Hauptstadt, um die 180 km asphaltierter Straße und 34 km  unbefestigten Weges zurückzulegen.

Woru Dorf Tadschikistan Wege

Fabrice Gavilan, ein 30 Jahre alter Franzose, konnte das Dorf dank Fayziddin Fachriew, einem Tadschiken, den er in Qual’ai Chumb, im Süden des Landes, getroffen hatte, besuchen. „Man kann sich im Ort nicht mit einem Auto hin und her bewegen, da die Lehmwege sehr schmal sind. Man muss laufen oder einen Esel nehmen“, erzählt er. Sechs Tage verbrachte er bei Fayziddin Fachriew, der Französisch spricht.

34 Kilometer zur nächsten Einkaufsmöglichkeit

In Woru sind alle Häuser aus Lehm, Holz und Stein gebaut. Die Dächer bestehen aus Holz, Rinde, einer Schicht alter Kleidung und einer Schicht Stroh.

In diesem Dorf gibt es keine Einkaufsmöglichkeit. Um einzukaufen, müssen die Einwohner hinunter laufen zu einem Parkplatz, an dem Gemeinschaftstaxis warten, um nach Churcha zu fahren, das 34 Kilometer von Woru entfernt liegt. Manchmal kommen die Händler und verkaufen Mehl, Kohle, und so weiter… “, erklärt Fabrice Gavilan.

Woru Dorf Tadschikistan Terrassen

 

Woru Dorf Tadschikistan Imam Berge

Die Dorfbewohner leben vorrangig von der Landwirtschaft und der Tierzucht. Im Sommer führen sie ihre Tiere in die Berge, von wo sie gewöhnlich Mitte November wieder zurückkommen. Die Winter in dieser Region Tadschikistans sind besonders hart und es wird ungewöhnlich kalt. „Im Winter bleiben alle in Woru. Die Dorfbewohner kümmern sich um ihre Tiere. Die Ställe sind meist neben ihren Häusern“, erklärt Fabrice Gavilan.

Ein altes Dorf

Aber trotz der Kälte sind die Winter nicht trübselig. „Der Winter ist eine Zeit, in der es allgemein viele Feste gibt, Hochzeiten zum Beispiel. Die Bewohner treffen sich abends bei Freunden. Da ein Großteil von ihnen nach Russland ausgewandert ist, kehren viele von ihnen im Winter zurück, um ihre Familien zu besuchen“, sagt Fabrice Gavilan.

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Das Dorf wurde vor 400 Jahren gebaut. Eine Legende besagt, dass ein Mann – der Urvater aller Dorfbewohner – gemeinsam mit dem Emir von Buchara aus dem benachbarten Usbekistan kam, um im Gebiet von Woru zu jagen. Als Vertrauter des Emirs erbat sich der alte Mann, eines Tages nach Woru übersiedeln zu dürfen, da er die Schönheit und die Atmosphäre des Dorfes sowie die Flüsse und die Quellen in der Umgebung liebte. Daraufhin siedelte er mit seiner Familie nach Woru, das sich bald vergrößerte, da es weitere Familien aufnahm.

Emigration als wichtige Einkommensquelle

Fayziddin Fachriew erklärt, dass Woru auch vor noch längerer Zeit gegründet worden sein könnte. Archäologische Ausgrabungen brachten Teile alter Festungen zutage, die gebraucht wurden, um vor nahenden Feinden zu warnen oder Riten und religiöse Zeremonien zu feiern.

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Wie viele andere Dörfer in Tadschikistan und Zentralasien ist das Dorf angewiesen auf all jene, die nach Russland ausgewandert sind. Sie machen auf Landesebene einen Anteil von 26,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes Tadschikistans aus, womit das Land laut Weltbank auf Platz 4 der abhängigsten Länder der Welt steht.

 

Etienne Combier 

Aus dem Französischen von Elisabeth Rudolph

 

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