Streit der Zahlen

Streit der Zahlen – der erste kirgisische Zeichentrickfilm

CINESTAN. Es ist alles Mathematik. „Streit der Zahlen“ (Kyrgyzfilm, 1978), der erste kirgisische Zeichentrickfilm, bietet einen wundersamen Einblick in den technologischen Optimismus der UdSSR.

„Cinestan“ ist eine Artikelreihe, in der verschiedene Mitglieder oder LeserInnen von Novastan ihre besten filmischen Momente über Zentralasien teilen. Jeder Artikel dieser Serie beschreibt einen Film, der in Zentralasien produziert oder gedreht wurde und online verfügbar ist.

Ein Mädchen und ein Junge laufen zu fröhlicher Musik durch die kirgisische Berglandschaft. Der 1978 erschienene kurze Zeichentrickfilm „Sandardyn Tschatgy“ (kirg. „Streit der Zahlen“) sieht zunächst wie eine sowjetische Version von „Heidi“ aus. Die Geschichte nimmt aber eine Wende, wenn die zwei Charaktere sich vor den Toren des „Volks der Zahlen“ wiederfinden. Drinnen stehen einzelne Ziffern im ständigen Konflikt zueinander.

Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und Dank eurer Teilnahme. Wir sind unabhängig und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine Spende helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.

Die zwei Kinder fordern die Ziffern dazu auf, ihre Streitigkeiten auf friedlichem Wege zu lösen und sich zum Beispiel im Gewichtheben zu messen. Nachdem keine Ziffer das schwere Gewicht allein heben kann, kommt die Idee auf, es in Gruppen zu versuchen. Den ersten Erfolg erzielt die „10“, wonach größere Zahlen immer schwerere Aufgaben bewältigen können. So startet eine Reihe immer bedeutender Errungenschaften, bis hin zur Eroberung des Weltalls.

Technologischer Optimismus

Der Regisseur des Films, Sagynbek Ischenow, hatte bereits 1963, kurz nach seinem Abschluss der Moskauer Filmhochschule WGIK, am Kinderfilm „Kosmonavttar Köchösünün“ (Der Wege der Kosmonauten) mitgewirkt, der dem zwei Jahren zuvor erfolgten ersten bemannten Flug ins All gewidmet war. Er gehört somit zur Generation des „kirgisischen Wunders“, wie das goldene Zeitalter der kirgisischen Filmindustrie in den 60ern und 70ern oft genannt wird.

Mit „Streit der Zahlen“ ist Ischenow auch der Autor des allerersten kirgisischen Zeichentrickfilms. Erst ein Jahr zuvor war auf Initiative des Autoren Tschyngys Aitmatow eine künstlerische Gruppe zur Produktion von Zeichentrickfilmen in Kirgistan gegründet worden. Wie Aitmatow laut dem kirgisischen Jugendportal Limon mehrmals betont hat, haben solche Filme eine wichtige Rolle in der Kindererziehung. Die folgenden zwei kirgisischen Zeichentricks „Olokon“ (1979) und „Eki bödschök“ (Zwei Häschen, 1980) wurden ebenfalls von Ischenow realisiert.

Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter mit einem Klick.

Neben der klassischen Message „zusammen ist man stärker“ bietet „Streit der Zahlen“ zudem auch eine Illustration verschiedener sowjetischer Ideen seiner Zeit. So ist vor dem Hintergrund des internationalen Wettbewerbs um die Erkundung des Weltalls der Fortschrittsgedanke sehr Präsent und in der Betonung auf Harmonie und die friedliche Lösung von Konflikten auch als eine Abspielung auf die Idee der Völkerfreundschaft gesehen werden.

Zum Schluss fragen die zwei Kinder die Zahlen noch einmal, „habt ihr es jetzt verstanden?“, ehe diese eine singende Parade starten. Nicht zuletzt dürfte der Film auch das Interesse von Kindern an Rechenaufgaben stärken wollen.

„Streit der Zahlen“ kann im kirgisischen Original bei YouTube gesehen werden:

Möchtet ihr auf diesen Artikel reagieren, etwas zu diesem Film hinzufügen (ein Link mit oder ohne Untertitel) oder einen weiteren zentralasiatischen Film mit Novastan und seinen LeserInnen teilen? Sendet uns eure Filmkritik (in einem ähnlichen Format wie bei diesem Artikel) an [email protected] Vielen Dank!

Florian Coppenrath
Redakteur für Novastan.org

Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei Twitter, Facebook, Telegram, Linkedin oder Instagram. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem wöchentlichen Newsletter anmelden.

Share With:

Ich bin dem frisch gegründeten Novastan gleich bei meiner ersten Kirgistan-Reise Ende 2011 beigetreten. Erst war ich Redakteur, dann Begründer der deutschsprachigen Version. Heute bin ich für die Verbindungen zwischen den verschiedenen Teilen von Novastan und für die strategische Entwicklung des Projektes zuständig. Nach drei Jahren in Kirgistan, zuletzt als Bosch-Lektor in Osch, arbeite ich heute an der Entwicklung von "Wikistan" einer baldigen Netzwerkplattform für die Zentral-Eurasien-Forschung. Seit März diesen Jahres bin ich ebenfalls in der Forschung tätig und schreibe eine Doktorarbeit über Hip-Hop in Kirgistan am Zentralasienseminar der Humboldt Universität zu Berlin. --------------------------------------------------------------- Mon premier voyage à Bichkek en décembre 2011 m'amena à rejoindre le magazine Novastan.org fraichement fondé. J'y étais d'abord actif en tant que rédacteur, puis en tant que fondateur et coordinateur de la version germanophone en été 2013. Aujourd'hui je suis en charge des liens entre les différentes parties d Novastan et du développement stratégique du projet. Après trois ans au Kirghizstan, dernièrement en tant que médiateur culturel pour la fondation Bosch à l'université d'Och, je travaille au développement de "Wikistan", un réseau pour la recherche sur l'Eurasie centrale. Depuis mars 2018, je suis également doctorant en études centre-asiatiques et étudie le Hip-Hop dans les villes du Kirghizstan.

[email protected]

No Comments

Leave A Comment

Captcha loading...