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Kirgistans Örtchen – zum Davonlaufen

Der in Kirgistan wegen seiner Exzentrik und seinem Ultra-Traditionalismus nicht unbekannte Abgeordnete der Fraktion Ar-Namis Tursunbai Bakir Junior hat es wieder einmal in die Schlagzeilen geschafft. Bei einer parlamentarischen Sitzung gratulierte er seinen Kollegen zum Tag der Toilette.

Bisher fiel Tursunbai Bakir Junior vor allem durch antisemitische Affronts gegen den jüdischen Glauben oder Lebensweisen auf. Auch mit frauenfeindlichen Forderungen im Parlament machte sich Tursunbai Bakir Junior bereits einen Namen.

Dieses Mal hat Tursunbai Bakir Junior zwar ein pikantes, aber ein wirklich aktuelles Problem zur Sprache gebracht. Nach eigenen Angaben hatte er bereits vor zwei Jahren einen Vorschlag unterbreitet, wonach an den Straßen, die ausländische Touristen passieren, vernünftige Toiletten aufgestellt werden sollen. Zum Tag der Toilette stellte er die Anfrage erneut, da er berechtigterweise mit erhöhter Aufmerksamkeit für dieses Thema rechnete.

Besser keine natürlichen Bedürfnisse haben

Tatsächlich kann man in Kirgistan nicht nur die schöne Natur, sondern auch den miserablen Zustand der Toiletten bewundern; wenn es überhaupt welche gibt. Wer entlang der Straßen, die zu den Sehenswürdigkeiten Kirgistans führen, ein stilles Örtchen aufsuchen möchte, darf nicht zimperlich sein.

Sogar in der Hauptstadt stellt sich die Suche nach einer Toilette als eine unlösbare Aufgabe heraus. Auch wenn man eine gefunden hat, kann der Besuch nicht nur für sensible Nasen sondern auch fürs eigene Leben zur Gefahr werden – man erinnere sich nur an den Einsturz einer Toilette am Karasuu-Basar, bei dem vier Menschen ums Leben kamen.

Der internationale Tag der Toilette

Man sollte sich ins Bewusstsein rufen, dass der Entwicklungsstand eines Landes auch an der Anzahl und dem Zustand seiner sanitären Einrichtungen bemessen wird.

Die Geschichte des Feiertags: 2001 fand in Singapur eine internationale Konferenz statt, die dem Problem rund um öffentliche sanitäre Einrichtungen gewidmet war. Mehr als 200 Gesandte aus den Ländern Asiens, Europas und Nordamerikas vertraten 17 nationale Toiletten-Vereinigungen und trafen sich, um über das Problem zu diskutieren und neue Konzepte rund um das Thema öffentliche Toiletten auszuarbeiten.

Aus dem Treffen ging die Gründung der Vereinigten Toilettenorganisation hervor, die der Initiator für diesen Feiertag war, der seit 2002 jeden 19. November gefeiert wird. Heute dient dieser Tag dazu die Menschen daran zu erinnern, dass etwa 40% der Weltbevölkerung keine Möglichkeit haben, ihr Grundbedürfnis an einem dafür vorgesehenen Ort zu befriedigen.

Von Ulan Alimbekov 

aus dem Russischen von Anna Molchanova und Julius Bauer

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Julius Bauer
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