Dschas Ketschüü Dschalalabat Kirgistan

Dschas-Ketschüü: Leben ohne Strom

Das Dorf Dschas-Ketschüü liegt in der südkirgisischen Region Dschalalabat und war nie an das Stromnetzwerk angeschlossen. Trotz der schwierigen Umstände ist die Bevölkerung bemüht, ihren Optimismus nicht zu verlieren und ihr gelingt es sogar, zuhause Filme zu schauen. Folgende 2013 erschienene Reportage von Kloop.kg übersetzen und aktualisieren wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.   

Die Straße endet im Dorf Kyzyl-Ünkür. Danach sind es noch circa drei Stunden per Pferd, über die Berge und durch die Wallnusswälder. Erst dann erreicht man Dschas-Ketschüü, einer der abgeschnittensten Orte Kirgistans.

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Das Dorf wurde gegen den Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet, seitdem scheint sich die Lebensweise der Bevölkerung kaum geändert zu haben. Das liegt vor allem an einem: Dschas-Ketschüü ist bis heute nicht an das Stromnetzwerk angeschlossen.

In der Zeit gab es rund herum Revolutionen, Reformen und Wahlen. Für die Dorfbewohner blieben die Hauptprobleme immer die Suche nach einer Energiequelle und der harte Winter.

Weit von der Welt

Mejmanaly Kadyrow wurde in Dschas-Ketschüü geboren und lebt auch mit seinen 50 Jahren noch dort: „Jetzt haben wir Generatoren mit Benzinantrieb. Das ist aber auch nur eine Übergangslösung, sie verbrauchen viel Treibstoff“, beklagt er sich.

Wegen ihrer Isolierung und der schlechten Inftrastruktur erreichen Nachrichten das Dorf erst mit viel Verspätung.

Ein Haus in Dschas-Ketschüü Kirgistan

Ganz abgeschottet von jeglichem Fortschritt ist Dschas-Ketschüü nicht geblieben. Trotz des sehr schweren Wegs haben es einige Gegenstände des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts dorthin geschafft.

Zum Beispiel hat sich die Zahl der Stromgeneratoren in den letzten Jahren vermehrfacht. So können die Einwohner zum Beispiel ihre Mobiltelefone und andere Geräte aufladen. Manche Grundstücke sind auch mit Sonnenkollektoren versehen. „Wir schauen Fernsehen und DVDs“, bemerkt Kadyrow nicht ohne Stolz.

Leitungen durch den Walnusswald

Ganz vergessen ist das Dorf gewiss nicht. Laut dem Bürgermeister Samirbek Misirkulow wurde das Problem des Stromanschlusses sogar auf Ebene des Premierministers besprochen.

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Aber wie so oft fehlt einfach das Geld, um die Lage zu verbessern. Laut Angaben des Energieministeriums würde die Elektrifizierung von Dschas-Ketschüü 32 Millionen Som (ca. 390.000 Euro) kosten.

Die hohen Kosten liegen vor allem an den 20 Kilometern, die das Dorf vom nächsten Wohnort trennen. Stromleitungen könnte man nur unter der Erde legen, in dem Fall ohne Straßen durch das Gebirge.

Außerdem liegen die berühmten Walnusswälder auf dem Weg nach Dschas-Ketschüü. Dieser Stolz der Region Dschalalabat ist in dem Fall ein Hindernis für die Errichtung unterirdischer Leitungen.

Walnusswald in Kirgistan

Schon 2013 hoffte der Leiter des Gebiets Basar-Korgon, Taalajbek Dölöjew, auf eine baldige Lösung des Problems: „Wenn alles gut läuft, kommt die Elektrifizierung des Dorfs 2014 in das Regierungsprogramm.

Ähnliche Angaben hören die Dorfbewohner seit Jahren und auch vier Jahre später scheint das Problem noch nicht gelöst zu sein.

Lampen volltanken

Unter solchen Umständen entscheiden sich viele, Dschas-Ketschüü zu verlassen. Die Einwohnerzahl bewegt sich zwischen 500 und 1000 Personen. Im Winter ziehen viele in Dörfer, die mit Strom versehen sind.

Die Bedingungen für die Jugend sind ebenfalls bei weitem nicht optimal. Die einzige alte Schule des Dorfes ist baufällig und im Winter ist es nicht ungefährlich, die Holzgebäude zu heizen. Wie in folgendem Fernsehbeitrag berichtet wird, soll für diesen Herbst jedoch bereits eine neue, modernere Schule bereitstehen. Die Probleme mit dem Strom und den schlechten Straßen bestehen aber weiter.

Der Leiter der Forstwirtschaft Rachmanali Kadyrow ist einer der wenigen, der ganzjährig in Dschas-Ketschüü lebt. Ihn hält sein kleines Grundstück dort.

Und obwohl er täglich mit so merkwürdigen Problemem zu tun hat, wie dem Volltanken der Lampen, plant er nicht, seinen Geburtsort zu verlassen: „Unsere Vorfahren haben hier ohne Strom gelebt und so leben wir hier auch. So ist das Leben.

Akmaral Bijmursajewa
Kloop.kg

Aus dem Russischen von Florian Coppenrath

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