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Zollunion und Sanktionen – Keine leeren Regale in Kasachstan

Gerade ist Torte aus Deutschland im Sonderangebot, es gibt sogar Götterspeise. Die kleinen roten und grünen Becher werden von einer kasachischen Supermarktkette, die hauptsächlich Lebensmittel aus Deutschland verkauft, als besondere Saisonware angepriesen.

Leere Regale gibt es in Almaty, der südlichen Hauptstadt Kasachstans, nicht: Im Gegenteil, wer lieber französischen Käse mag und das nötige Kleingeld in der Tasche hat, der muss auf nichts verzichten. Lebensmittel aus Europa werden nach wie vor nach Kasachstan importiert. Nachdem der russische Boykott bekannt wurde, verkündeten Pressesprecher von Präsident Nursultan Nasarbajew, dass Kasachstan das Importverbot nicht unterstütze. Es handele sich um einseitige Maßnahmen der Russischen Föderation, welche andere Länder der Zollunion und des vereinten Wirtschaftraumes der Eurasischen Union nicht treffen sollten. Dazu berichtete die Agentur „today.kz“, dass seitens des Zoll- und Finanzministeriums der Republik Kasachstan keine Reaktionen zu erwarten sind, die einen Reimport von Waren in die Russische Föderation verbieten.

„Theoretisch ist die Wiedereinfuhr europäischer Produkte durch die Zollunion Russlands mit Kasachstan und Belarus möglich“, weiß Fabian Nemitz von Germany Trade and Invest. Er bezweifelt aber, dass sich Exportunternehmer darauf einlassen, weil es zum Beispiel logistische Probleme gäbe. In Kasachstan sind schon alleine große Entfernungen zu überwinden. „Kurzfristig hat das keinen Sinn, weil keine Kapazitäten da sind. Die Sanktionen sind zu kurzfristig gedacht für den Exportmarkt in Kasachstan. Außerdem muss man sich auch mal genau ansehen, welche Produkte aus Europa kommen“, kritisiert Eugen Gudi eine verbreitete positive Stimmung.

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Der Geschäftsführer der Assoziation der Deutsch-Kasachischen Unternehmer bezweifelt, dass Kasachstan innerhalb von einem Jahr mehr Einfluss auf dem russischen Markt gewinnen kann. Nach Angaben des Agrarministers Asylschan Mamytbekow kann sich Kasachstan selbst nur zu 60 Prozent mit Lebensmitteln versorgen. Der Rest muss importiert werden. Davon sind rund 18 Prozent Konditoreiprodukte, 13 Prozent Milchprodukte, acht Prozent Zucker, je sechs Prozent Hühnerfleisch und Konserven, fünf Prozent Tee und drei Prozent verarbeitete Fleischprodukte. Insgesamt kommen nach WTO-Angaben 38,4 Prozent aller importierten Agrarprodukte aus der Russischen Föderation, die Europäische Union hat einen Anteil von 16,8 Prozent „Wie in Russland, ist auch hier französischer Käse ein Luxusgut“, kommentiert Gudi die Produktauswahl in den Supermärkten. Die deutsche Torte ist gerade etwas billiger, weil bald ihr Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist.

Dominik Vorhölter
IFA-Redakteur, Deutsche Allgemeine Zeitung
Almaty

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