Nasarbajews Enkelsohn im Panama-Sumpf

Der Name Nurali Alijew taucht in den Panama Papers auf. Das geht aus einem Bericht des Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) hervor.

Demnach gehören dem Enkelsohn des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew zwei Briefkastenfirmen, die auf den Britischen Jungferninseln registriert sind. Dort wird die Alba-International Holding unter dem Namen Nurali Alijew geführt. Das ist eine Offshore-Firma, deren Geschäftsfeld sich auf die Verwaltung eines millionenschweren Bank-Kontos auf Zypern beschränkt. „Die Alba-International-Files enthält Informationen über seine wirtschaftlich berechtigten Personen und über den tatsächlichen Besitzer des Unternehmens. Vom Namen, Geburtsdatum und Foto weisen diese Unterlagen eindeutig darauf hin, dass es sich um Nasarbajews Enkelsohn handelt, schreibt der OCCRP auf seiner Seite.

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Die zwielichtigen Geschäfte der Nasarbajew-Familie

Die Enthüllungen um Nasarbajews Enkelsohn sind in den kasachischen Mainstream-Medien nicht der Rede wert. Lediglich unabhängige und oppositionelle Medienportale wie „Respublika Kasachstan“ oder ausländische Medien wie Radio Free Europe berichten über den versteckten Reichtum von Nurali Alijew. Er ist der Sohn der Vize-Premier-Ministerin Dariga Nasarbajewa und dem Ex-Botschafter Rachat Alijew, der sich wegen des Verdachts auf Verwicklungen in einen Doppelmord in Österreich in Untersuchungshaft befand und dort 2015 tot aufgefunden wurde.

Nurali Aliejew ist im jungen Alter von 24 Jahren Vize-Direktor der „Nurbank“, einer der größten kasachischen Staatsbanken, geworden. Die Nurbank verwaltet einen Fond zur Diversifizierung der kasachischen Wirtschaft, die nach wie vor sehr stark vom Öl- und Gasgeschäft abhängig ist. Alijew wurde 2012 mit 27 Jahren vom Magazin Forbes zum „jüngsten Multimillionär Kasachstans“ gekürt. 2014 ist der Enkel des Präsidenten zum Vize-Akim (Bürgermeister) der Hauptstadt Astana aufgestiegen.

Panama Papers sind kein Aufreger in Kasachstan

In Kasachstan sind die Enthüllungen der Panama-Papers keine Sensation. Weder von Seiten der Zivilgesellschaft, noch von Seiten der Regierung kam eine Reaktion. Nachrichten über korrupte Mitglieder der kasachischen Eliten lassen Medien und Gesellschaft selbst angesichts der strauchelnden kasachischen Wirtschaft kalt. Dies erklären sich Experten wie der Politologe Dosym Satpajew damit, dass Korruption in Kasachstan als alltägliches Phänomen angesehen wird. Für ihn ist es nicht ungewöhnlich, dass die kasachischen Politiker Korruptionsskandale, wie sie die Panama Papers aufdecken, lieber nicht kommentieren: „Auf offizieller Ebene wird der Eindruck erweckt, dass alle gegen Korruption vorgehen müssen und Schwarzgeld wieder ins Heimatland gebracht werden müsse. Doch das ist meiner Meinung nach nur eine Politik des doppelten Standards“, sagt Dosym Satpajew. „Die kasachische Gesellschaft steht der Korruption und der Schattenwirtschaft sehr tolerant gegenüber“.

Anfang April hatte das Internationale  Konsortium für investigativen Journalismus (ICIJ) die ersten Auswertungen der Panama Papers gleichzeitig veröffentlicht. 109 Fernsehstationen, Zeitungen und Online-Medien berichteten in 79 Ländern gleichzeitig über die „größte Enthüllung in der Geschichte des Journalismus“. Der  2,6 Terrabyte große Datensatz aus E-Mails- Text- und Bilddateien entlarvt die von Kunden des Offshore-Dienstleisters Mossack Fonseca. Die Daten belegen ein Netz von geheimen Briefkastenfirmen, die unter anderem genutzt werden, um Steuern zu hinterziehen oder Schwarzgeld zu verstecken. Brisante Details aus den Panama Papers aus Kasachstan hat das Organized Crime and Corruption Reporting Project veröffentlicht. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss unabhängiger Journalisten und Experten aus Zentralasien, Osteuropa und dem Kaukasus.

Dominik Vorhölter
Länderredakteur Kasachstan

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